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Informationen zu Masochismus, Sadismus und BDSM

Die ZEIT hat entdeckt, dass immer mehr Menschen dazu neigen. Die etwas härteren Gangarten der Lust zu erproben. Das Vokabular, das sie verwenden, klingt allerdings so, als hätten sie viele Bücher gelesen.

Bondage und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus – oder einfach kurz BDSM. Wir sprechen über Sex mit Fessel und Peitsche, über Rollenfantasien mit Doktorspielen und Petplay.


Es klingt – in meinem Ohr – etwas klischeehaft, doch sagt die ZEIT, sie wolle eher gängige Klischees abbauen, wie sie beispielsweise in den bekannten Machwerken von E. L. James (Erika Leonard) und den daraus entstandenen Filmen verwendet werden. (Trilogie „50 Shades of Grey“, Roman „Grey“).

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Hoffen wir mal, dass es die erhoffte Erleuchtung bringt. Dafür soll die Ärztin und Sexualtherapeutin Melanie Büttner sorgen.

Ich war etwas belustigt über den Hinweis, „die Wortursprünge von Sadismus und Masochismus“ habe der Psychiater Richard von Krafft-Ebing erläutert. Krafft-Ebing hat den Begriff „Masochismus“ in absolut böswilliger und abfälliger Weise aus Namen des Autors Leopold Ritter von Sacher-Masoch abgeleitet (also erfunden) und sich dabei auf sein Werk „Venus im Pelz“ bezogen.

Na schön, immerhin enthält der Beitrag einen Verweis auf die berühmte Studie zu sexuellen Abweichungen von Joyal & Cossette & Lapierre aus dem Jahr 2014. In ihr wird dargestellt, wie häufig sexuelle Fantasien sind, und wie sich solche Fantasien bei Frauen und Männern unterscheiden. Diese Studie lieht mir vor, und ich zitiere häufig daraus.

Wir hatten noch eine unveröffentlichte Betrachtung, die zum Thema BDSM passt - und hier ist sie.

Pst … der eher nicht so harte Penis

Warum muss „er“ eigentlich stahlhart sein? Wir ließen uns von einer Frau erklären, warum die Lust auch ohne einen Penis hervorgerufen werden kann, der „steht wie ein Reiterstandbild“.

1. Oh, sieh mal – so richtig „stehen“ will er nicht … also mag er mich nicht?
Das ist die traurigste Sache der Welt – der Mann will, kann aber nicht so recht, und du sagst ihm, dass er dich wahrscheinlich nicht liebt, wenn er nicht so recht kann. Dann mach es ihm doch anders schön … und hinterher sagst du, wie er es dir auf „schön“ machen soll.

2. Wenn du die Dinge in die Hand nimmst …
Ein nicht völlig steifer Penis bedeutet für dich eine wunderbare Möglichkeit, deine Kenntnisse in „Handarbeit“ zu erproben (oder in Anatomie?). Jedenfalls fühlt der Mann alles, was er sonst auch fühlen würde – Lust und Schmerz. „Hübsches Spielzeug“, sagte unsere Gewährsfrau. Na ja.

3. Und er kann sogar ejakulieren …
Hast du gelesen, dass nur ein harter Penis in der Lage ist, das Ejakulat in die Welt hinauszuschießen? Es ist psychisch wie physisch völliger Unsinn. Der Penis ist überhaupt nicht daran beteiligt, die Spermaflüssigkeit zu erzeugen und hinauszuschießen – er ist sozusagen nur das „Rohr zum Ausgang“.

Handarbeit am weichen Objekt
4. Die Herausforderung: nachgiebig, biegsam und geschmeidig …
So mancher Mann wird erst richtig „geil“, wenn ihn die Frau stimuliert – mit der Hand oder wenn du magst mit den Lippen. Du kannst auch Toys benutzen, wenn die das andere zu „schmutzig“ ist. Fang behutsam an und erfreu dich daran, wenn er „wächst“ und du es deutlich spürst.

5. Manchmal lernst du ihn besser kennen wenn er weich ist
Abgesehen von der Antrotomie (also Eichel, Vorhaut und so) kommst du seinem Körper näher, wenn du dich länger mit ihm beschäftigst. Es ist ein bisschen so wie bei dir selbst: Wenn du entspannt bist und dir Zeit nimmst, kommst du viel intensiver, als wenn du dir eine „kleine Erfrischung zwischendurch“ gönnst.

Und wenn alles versagt? Da gibt es noch chemische oder mechanische Helfer und die Möglichkeit, dass er sich „irgendwie fürchtet“.

Wie du dabei Lust empfindest? Mach mit ihm aus, was du willst: Toys, Fingern, Cunnilingus oder was dir sonst Freude bereitet. Ob vorher oder hinterher, musst du selbst entscheiden.

Sexuelle Einordnungen – wie funktioniert das?

Nicht jedes Gefühl ist von Dauer ... es sei denn, es wäre so
Wusstet ihr, dass die sexuelle Identität durchaus von der sexuellen Anziehung oder dem sexuellen Verhalten abweichen kann?

Das Kinsey-Institut nennt zwar (neue) Zahlen, ist aber weit davon entfernt, das Phänomen damit wirklich zu erklären.

Wir können es auch nicht. Aber wir können mal ein bisschen Ordnung in die Begriffe bringen.

Die sexuelle Identität

Identität bezeichnet den Zustand, den ein Mensch für sich selbst definiert. Die sexuelle Identität bezeichnet als seine Sexualität, wie er sie selber sieht. In erster Linie gehört dazu, wie sich ein Mensch als Frau oder Mann fühlt, erst in zweiter Linie geht es um das Erscheinungsbild, die sexuelle Attraktivität und die Ausrichtung auf das bevorzugte Geschlecht. Beispiel: „Ich bin gerne Frau / gerne Mann“, „ich weiß, wie ich auf Frauen/Männer wirke“).

Die sexuelle Orientierung

Orientierung (Ausrichtung) ist ein Ziel, dem ein Mensch folgt. Sie sexuelle Orientierung ist daher der Weg, den jemand einschlägt - oder einfacher: wen er sexuell begehrt und wie sich dies nach außen zeigt. Dabei geht es darum, welche Geschlecht der Mensch bevorzugt, wenn es um den Geschlechtsakt oder um erotische Beziehungen schlechthin geht. Beispiel: Ich bin heterosexuell oder bisexuell oder homosexuell, lesbisch und was jemand sonst noch sein mag.

Das sexuelle Verhalten

Das Verhalten ist die Art und Weise, wie der Mensch mit etwas umgeht. Dazu zählen alle äußerlich sichtbaren Aktivitäten und Reaktionen. Das sexuelle Verhalten ist also das, was der Mensch mit seiner Sexualität tatsächlich anstellt. Natürlich hat es auch etwas mit der „Orientierung“ zu tun, aber nicht ausschließlich. Ich nenne hier keine Beispiele, weil das Verhalten (anders als das Sein) zu vielfältig ist.

Sexuelle Attraktivität (aktiv und passiv)

Attraktivität (Anziehung) kann von jedem Menschen ausgehen – sie ist unabhängig vom Geschlecht oder der Orientierung. Und jeder Mensch kann auf andere attraktiv wirken – das heißt aber in jedem Fall: Die Attraktivität (auch die körperliche) ist nicht ausschließlich ans Geschlecht gebunden. Beispiele: Eine Frau kann eine Frau erotisch attraktiv finden, ein Mann kann einen Mann erotisch attraktiv finden, ohne dabei an sexuelle Aktivitäten zu denken. Und natürlich gilt dies auch für Frauen zu Männern und Männer zu Frauen.

Die sexuellen Praktiken

Praktiken sind die Verfahrensweisen, die ein Mensch benutzt oder unterlässt. Im sexuellen Verhalten sind Personen nicht ausschließlich an die Ausrichtung gekoppelt, sondern eher daran, wie befriedigend sie „also solche“ sind. (Beispiele wären Masturbation, Cunnilingus, Analverkehr).

Die sexuelle Präferenz

Präferenzen sind Vorlieben. Einer Vorliebe zu folgen heiß immer, die Wahl aus mehreren Möglichkeiten zu habe, aber eine deutlich zu bevorzugen. Ein Mensch mit einer sexuellen Präferenz kann also jedermann begehren, zieht aber vor, sich auf ein Geschlecht zu beschränken. Beispiel: Sie liebt Frauen und Männer, hat sich aber für einen Mann entschieden, weil sie sich sonst emotional „verzetteln“ würde.

Die fließende sexuelle Orientierung

Wenn ein Mensch nicht immer der gleichen Richtung folgt, sondern sie wechselt, spricht man von wechselnden oder auch fließenden Orientierungen. Dazu kann auch gehören, die Einstufung in eine sexuelle Orientierung ganz abzulehnen. Beispiel: Eine Schauspielerin weigert sich, sich öffentlich in die eine oder andere Richtung einordnen zu lassen. Sie steht dazu, mal eine Frau zu lieben, dann einen Mann und dann wieder ausschließlich sich selbst.

Hinweis: Je nach der eigenen Ausrichtung oder auch nur dem Forschungsbereich, aus dem Autoren stammen, gibt es abweichende Meinungen zu den Formulierungen. Lass dich davon nicht beirren. Nur du entscheidest, wie du dich definierst. Oder falls du Autorin bist: Nur deine Figur hat das Recht, sich zu definieren.

Über die Nippel zum Orgasmus?

Nippel heißen eigentlich Brustwarzen, aber der Name ist nicht schön. Und darum sagen wir lieber: Nippel oder Nippelchen, etwa so: „schau mal, wie ihre Nippel hervorstehen, ich möchte bloß wissen, an was sie jetzt denkt.“

Ich weiß nicht, wie es bei euch ist: Aber es gibt wirklich Frauen (und Männer sowieso) , für die sind die Nippel „wie nutzlose Kippschalter, die es in fast jeder Wohnung gibt. Du kannst daran herumknipsen, so oft du willst, und nichts regt sich.

Nippel: Quelle der Nahrung, Anzeiger für Erregung, sensible erogene Zonen

Die Lust daran - Überbleibsel aus der Jugend der Primaten?
Und das bleibt vielleicht eine ganze Zeit so, bis du sie für dich entdeckst. Denn der Mediziner weiß, dass du in den Brustwarzen und den Warzenhöfen sehr sensible Nerven besitzt, die besonders stark auf äußere Reize reagieren. Sie gelten sogar als ausgesprochen erogene Zonen des weiblichen Körpers. Und zu allem Überfluss zeigen sie auch noch den Zustand der Erregung äußerlich angezeigt wird. Diese Art der Erektion wird durch hormongesteuerte Nervenzellen verursacht, die beim Stillen von Säuglingen aktiviert werden, aber auch bei anderen Berührungen der Brustwarzen mit den Fingern, dem Mund oder der Zunge. Viele Frauen sagen, sie könnten die Erektion auch durch „geile Gedanken“ hervorrufen, während Aktfotografen auch Kälte (Eiswürfel) einsetzen, um die Brustwarzen in den erigierten Zustand zu versetzen.

Wie kann es nun sein, dass Frauen über die Brustwarzen so enorm stimuliert werden können? Und ist dies bei Männern auch möglich?

"Über die Nippel zum Orgasmus?" vollständig lesen

Was heißt eigentlich „finanzielle Interessen“?

Der Anblick mag kostenlos sein ... doch kfi oder ofi für die nähere Betrachtung ist selten
Immer wieder kannst du lesen, dass sich Frauen für Kurzzeit-Beziehungen anbieten, die „keine finanziellen Interessen“ haben. Das kürzt sich dann kfi ab. Nur wenige Damen machen vor vornherein klar, dass sie „finanzielle Interessen“ haben – dann handelt es sich meist um semi-professionelle Huren oder „Escort-Girls“.

Manchmal taucht in Suchanzeigen, aber auch in Angeboten, der Name „ofi“ auf – „ohne finanzielle Interessen“, was das gleiche (aber möglicherweise grammatikalisch korrekter) ist, als „kfi“ zu schreiben. Neuerdings sind es oft Männer, die Frauen, Paare oder andere Männer "ohne finanzielle Interessen" suchen.

Sex und noch viel mehr zum Nulltarif - durch "ofi" oder "kfi"?

„Suche Sex ofi“ ist inzwischen ein Knüller in Suchmaschinen, der auffällig oft in der Schweiz verwendet wird, „Sie sucht ihn“ mit „kfi“ findet man häufig in Deutschland.

Wer ist auf der Suche nach Schmerz und Wonne "ofi"?

In den Beispielen, die wir aktuell durchsahen, wurden überwiegend Frauen oder Paare gesucht – von Männern, die auf diese Weise „kostenlos auf ihre Kosten“ kommen wollen. Auch ältere, schwule Männer suchen immer noch in Anzeigenspalten nach jungen, rasierten Kerlen, die „kfi“ haben.

Anzeigen von Frauen sind hingegen seltener geworden, aber dafür oft skurriler.

Beispielanzeige (textlich entschärft)

Eine wilde Stute in Strapsen, rasiert, für alles offen, auch ov gegenseitig, sucht erfahrenen Mann für Treffen. Sag mir, worauf du stehst – kannst ruhig normal bestückt sein, darauf kommt’s nicht an. Ich habe keine finanziellen Interessen (kfi).


Anzeigen, in denen „kfi“ odre „ofi“ gesucht wird, werden in der Regel von sex- oder schmerzsüchtigen Menschen aufgegeben - gelegentlich auch von Fetischisten. Ihnen gemeinsam ist, dass sie auf keinen Fall für die Gegenleistungen bezahlen wollen. Da macht die Sache aber nicht „edler“, sondern eher fragwürdiger, weil die meisten dieser „Leistungen“ nicht „kostenlos“ am Markt der Lüste zu haben sind.

Wer bietet sich oder seine Dienste ohne finanzielle Interessen an?

Ähnlich verhält es sich mit den Angeboten, in denen erotische, sexuelle, schmerzbetonte oder fetischistische Dienstleistungen aller Art ohne finanzielle Interessen, also „kfi“ oder „ofi“, geboten werden.

Jeder, der annimmt, es gäbe sexuelle Dienstleistungen ohne jegliches finanzielle Interesse, sollte sich vergegenwärtigen, dass die meisten dieser Dienste viel Selbstüberwindung und/oder Routine benötigen. Schon deshalb verlangen Dienstleister(innen) Geld oder Geldeswert. Zudem sollte sich jeder fragen: Wenn die Dame (oder der Herr) keine finanziellen Interessen hat, welches Interesse hat sie/er dann an der Begegnung? Oft stehen niedrige Motive, kriminelle Energien und dergleichen dahinter. Und gelegentlich heißt „kfi“ auch nur: „Ich beanspruche keine Vorauszahlungen, aber ich weiß schon, wie ich dich vor Ort ausnehmen kann.“ Bei solchen Anzeigen ist also stets die größte Vorsicht geboten.

(1) Geld (Bargeld) wird oft als „Tribut“ bezeichnet, bei Gelegenheitsprostituierten auch als „Taschengeld“.)

Siehe auch: Lexikon der Lust.

Wie normal ist eigentlich normal?

Sex in der Öffentlichkeit? Mehr als die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer träumen davon ...
Wer über Themen schreibt, die andere nicht einmal in den Mund nehmen würden, wie etwa Fellatio, der wird auch gelegentlich gefragt, was denn eigentlich „noch normal“ ist.

Na schön, ich könnte nun schreiben, was sich ein Drittel der Bevölkerung vorstellen könnte, das wäre sicherlich noch „normal“. Was zwei Drittel für denkbar halten, das wäre dann erst recht „normal“.

Doch was ist eigentlich wirklich „Normal“? Eigentlich ist mal wieder alles einfach: was den „gesellschaftlichen Normen“ entspricht, das ist „normal“. Das Problem dabei: Die „gesellschaftlichen Normen“ über Sexualität sind eine Konstruktion aus Meinungen und Urteilen, die vorgetragen und teilweise dokumentiert werden. Es gibt kaum einen Bezug zu Daten und Fakten, ja nicht einmal zur Natur, die in uns allen weiterhin wohnt, auch wenn wir noch so „zivilisiert“ daherstolzieren.

Drei Normen - und keine passt so recht

Die Psychologie unterscheidet manchmal zwischen drei Normen: der statistischen, der idealen und der funktionalen Norm. Doch alle drei Variationen wollen nicht so recht zur Sichtweise der Menschen im Alltag passen, deren „Normen“ fast immer von Facetten durchsetzt sind. Nehmen wir an, die verheiratete Frau Mustermann hätte während der gesamten Ehe zwei Affären gehabt, so mag sie der statistischen Norm entsprechen, der idealen aber keinesfalls, und funktionale mag sie sehr glücklich dabei gewesen sein. Ihr könntet nun durchaus die Anzahl der Affären zwischen null und zwei Dutzend variieren, und immer wird diese Frau wenigstens einer der drei Normen entsprechen.

Sind wir selbst "normal"?

Was für uns selbst normal ist, ist eine Frage, wie wir uns selbst sehen. Wissen wir es, so unterstellen wir oftmals, es müsse bei anderen genau so sein. Sehen wir dann, dass es nicht so ist, können wir an unserer eigenen Sexualität zweifeln oder an der Sexualität anderer. Wir können uns unter gleichgesinnten zusammenrotten und die jeweils anderen bekämpfen oder sie tun lassen, was sie mögen, damit wir tun können, was wir mögen.

Die Verifizierung der Normalität ist Unsinn

Der Wunsch, die eigene Normalität festzustellen und „offiziell“ verifizieren zu lassen, ist in weiten Kreisen der Bevölkerung verbreitet. Neuerdings wird erwartet, dass wir uns als „Heterosexuell“ definieren, auch dann, wenn wir den Begriff ablehnen.

Wenn wir Lust- oder Liebesbeziehungen suchen, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als uns zu öffnen. Der sogenannte „Hetero“ sucht eine heterosexuelle Beziehung, der/die Homosexuelle eine homosexuelle Beziehung und der/die „Andere“ vielleicht eine ganz andere Beziehung. Die Liste könnte erweitert werden: Der männliche sexuelle Masochist wünscht sich eine Beziehung zur sadistisch handelnden Frau, der Körperfetischist eine Frau, deren Körperteile er liebkosen darf. Und damit es nicht beim Mann als Begierdenträger bleibt, könnte ich hier Frauen erwähnen, die sich wünschen, in wundersamen Situationen zu versinken.

Wissenschaftler wissen nicht, was "normal" ist

Falls ihr wirklich die Wissenschaft fragen solltet, was „normal“ ist – die Wissenschaft ist ein schlechter Ratgeber. Sie hat kaum Kriterien und nutzt deshalb zahllose Mutmaßungen – beginnend bei dem forensischen Psychiater Richard Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, der sich Krafft-Ebing (1) nannte. Er wollte erkannt haben, dass „gesund, wohlerzogene Weiber“ bestenfalls ein schwaches sexuelles Begehren hatten, woraus er den Schluss zog, dass betont sinnliche Frauen „unnormal“ seien.

Statistischen und andere Normen folgen?

Der Liebhaber der Statistik wird auch die dunkelsten Lüste noch im unteren Drittel der erotischen Träume finden, und er wird zufrieden sein, sich wenigstens dort wiederzufinden. Oder er wird feststellen, den zwei Dritteln der Menschen anzugehören, die zwar „unerhörte Lüste“ haben, die aber dennoch zum „Mainstream“ gehören.

Wer der idealen Norm folgt, hat die schlechtesten Karten: Er wird dauernd mit seinem Gewissen hadern, weil er eben nicht „ist, wie Jesus Christ, wie’s allgemein noch üblich ist“ (2). Menschen, die diesem Ideal folgen, scheitern oftmals oder sie verbergen sich hinter einem Doppelleben.

Und wer der funktionalen Norm folgt? Er kann glücklich werden, solange es „dem bösen Nachbarn“ nicht missfällt, muss aber damit rechnen, mit dieser Auffassung isoliert zu werden. Entsprechende Aussagen aus dem Berufsleben wären: „Ich arbeite am liebsten nachts“ oder „Sonntags zu arbeiten, macht mich Freude.“ Und im Bereich des sexuellen sind es all die Menschen, die sich sagen, dass sie tun und unterlassen können, was sie wollen, solange es niemandem schadet.

Was ist nun die Norm? Was die Normalität?

Blaise Pascal, der berühmte Physiker des 17. Jahrhunderts, soll einmal gesagt haben:

Die Menschen sind so notwendig verrückt, dass Nicht-Verrückt-Sein nur hieße, verrückt sein nach einer andern Art von Verrücktheit.

Hüten wir uns also vor jenen, die „Normalität“ predigen. Es könnte sein, dass sie einer besonderen Art von Irrsinn verfallen sind.


(1) In "Psychopathia Sexualis"
(2) Meiner Meinung nach Zitat von Hans-Dieter-Hüsch

Herausforderungen im Leben, in der Lust und im Schmerz

Herausforderung - was wird geschehen?
Im Bereich der Sexualität trifft nahezu jeder Mensch einmal oder auch mehrfach in seinem Leben auf besondere Herausforderungen. Nach der üblichen Definition sind „Herausforderungen“ besondere Aufgaben, die wir uns selbst stellen oder die eine andere Person an uns stellt.

Nehmen wir die Herausforderung an, so gehen wir ein Risiko ein, das zu mehr Lust oder aber auch zu Verdruss oder Schmerz führen kann.

Erste sexuelle Handlungen sind immer Herausforderungen

Es gibt kaum etwas auf dem weiten Feld der Sexualität, das keine Herausforderung darstellt. „Das“ erste Mal, oder die „ersten Male“, in denen wir Abweichungen praktizieren, die Abenteuer, die wir eingehen – all das sind Herausforderungen. In vielen Fällen müssen wir Vorbehalte oder massive Ängste überwinden, um den Mut zu fassen, eine Herausforderung einzugehen, und sicher nicht nur in der Sexualität.

Wer sich herausfordern lässt, will in der Regel siegen, will dem Herausforderer zeigen, dass er den Mut und die Kraft hat, über sich hinauswachsen.

Die Grenze überschreiten – die besondere Herausforderung

Besonders intensive Herausforderungen bieten sich, wenn wir Grenzen überschreiten, vor deren Übertritt man uns gewarnt hat. Wir wissen dann, dass wir uns auf unsicherem Territorium befinden, und müssen wohl oder übel darauf vertrauen, sicher geleitet zu werden. Falls wir diese Abenteuer bestehen, gehen wir gestärkt heraus, fall nicht, treten häufig Konsequenzen auf, die wir nicht mögen. Vielleicht verlieren wir unser Ansehen bei den oder dem Anderen, oder wir beginnen, an uns zu zweifeln.

Dies alles gilt für uns hier, im wirklichen Leben, in dem Bereich also, den wir gerne als „unsere Realität“ bezeichnen.

Doch wie verhält es sich in der Fiktion? In unseren Tagträumen? In den Romanen, die von Herausforderungen handeln? Und was ist dort zum Beispiel eine „sexuelle Herausforderung“?

Die Herausforderung und das Gemenge, das uns hindert

Im Grunde sind alle „sexuellen Herausforderungen“ in Wahrheit Gemenge aus der Überwindung geistiger, emotionaler und körperlicher Grenzen – vermutlich gar in dieser Reihenfolge. Zuerst muss das „Undenkbare“ wahrhaftig „denkbar“ werden, dann müssen die Schranken unserer Befürchtungen und Ängste überwunden werden, und schließlich muss zugelassen werden, dass der Körper herausgefordert wird.

Der Körper, die Fiktion und die Realität

Auch dies gehört in weiten Teilen noch zur Realität, geht aber in die Fiktion über, sobald der Körper betroffen ist. Autorinnen und Autoren neigen dazu, ihren Figuren wesentlich mehr zuzumuten als sich selbst. Sowohl die Lust als auch der Schmerz können im erotischen Roman auf die Spitze getrieben werden, ohne dass der Körper unter der Last der Herausforderungen zusammenbricht. Und daher kommt es auch, dass sogar Geschichten über erotische Unterwerfungen, Strafen, Versklavungen oder gar Folterszenen von den Leserinnen und Lesern noch weitgehend goutiert werden.

In der Realität geht kaum jemand „bis zum Äußersten“, weil eben dieses „Äußerste“ unabsehbare Folgen haben kann – sogar im Sport. Indessen ist im Bereich vergleichbarere Storys „das Äußerste“ gar nicht fassbar. Und so mag es kommen, dass sich Leserinnen und Leser mit den Heldinnen und Helden, die „das denkbare Äußerste jenseits des erlebbaren Äußersten“ wagen, in besonderem Maße identifizieren.

Intime Bekenntnisse – wie entwickelte sich die sexuelle Persönlichkeit?

Viel geküsst, viel erlernt ...
Wir wird ein Mensch zu dem, was er im besten Erwachsenenalter ist? Solche Fragen stellen sich Autoren, die gerne Entwicklungsromane schreiben. Dabei wird das Ross des Pegasus hoch in den Himmel getrieben, und ich zitiere mal Wikipedia:


Der Ausdruck Entwicklungsroman bezeichnet einen Romantypus, in dem die geistig-seelische Entwicklung einer Hauptfigur in ihrer Auseinandersetzung mit sich selbst und mit der Umwelt dargestellt wird.


Die schöngeistige Literatur kennt keine sexuelle Persönlichkeit

Die geistig-seelische Entwicklung – ach, wie das klingt. Da hat die Protagonistin jahrzehntelang an ihrer geistigen und seelischen Reife gezimmert, hat ihre Erlebnisse und Erfahrungen „reflektierend“ verarbeitet und dabei an Erfahrung, Wissen und können gewonnen. Und was ist sie dann? Welchen Vorteil hat sie daraus gezogen? Ist sie der Mensch geworden, den sie sich einmal als Modell zurechtgelegt hatte?

Merkwürdigerweise fragt kaum jemand: „Und wie kam es, dass sie so zugänglich, sinnlich, verführerisch oder einfach so zuvorkommend, charmant und liebevoll wurde?“

Sinnlichkeit als persönliches Ziel

Ja, woher wohl? Weil deine Figur eben nicht nur an ihrer geistig-seelischen Vervollkommnung arbeitete, sondern auch ihre sinnlichen, erotischen und sexuellen Fähigkeiten ausbaute oder gar zur Blüte brachte. Weil sie lernte und lehrte, was es bedeutet, sinnlich und verführerisch zu sein. Und weil sie in all dem einen Vorteil sah, den sie in ihr Leben integrierte und den sie nun nutzt, um ein ausgefülltes Erwachsenenleben zu führen.

Eine Autodidaktin in Sachen Lust – hat das Sinn?

Wenn eine junge Frau sich „in der Liebe“ bilden will, muss sie viele, recht unterschiedliche und ausgesprochen begabte Männer (und möglicherweise einige Frauen) genossen haben, mit deren Hilfe sie ihre Künste erlernte. Jede dieser Personen lehrte sie etwas anderes, und sie fand Vergnügen daran, immer perfekter zu werden. Schließlich brauchte sie weitere Männer und Frauen, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich perfekt „in der Liebe“ ist.

Diese Frau muss einen Sinn darin sehen, erotisch perfekt zu werden, ohne ein Escort-Girl zu sein. So, wie andere Menschen einen Sinn darin sehen, das Meiste über Computer, die Beatles, die Psychologie oder das Kaiserreich zu wissen, ohne dies beruflich zu verwenden.

Der Roman – wie funktioniert ein „erotischer Entwicklungsroman“?

Es gibt zwei unterschiedliche Wege, um einen erotischen Entwicklungsroman aufzubauen, doch haben beide die gleiche Voraussetzung: Je mehr Liebhaber und Geliebte ihre Heldin hat, umso farbenfroher wird die Geschichte.

Zwei Wege zum Ziel

Ich will nun zu den Wegen kommen, die dahin führen:

1. Beim ersten Weg gehen Sie vor wie der Kriminalroman-Autor: Ihre Heldin tut etwas höchst Ungewöhnliches, das der vorherrschenden Moral und der Altersgruppe und der sozialen Umgebung völlig widerspricht. Oder sie lüftet im Alter von über 50 Jahren, saturiert und selbstbewusst, ein erotisches Geheimnis. Dann verfolgen Sie die Geschichte zurück bis zur Pubertät.

2. Im zweiten Weg tun Sie genau das Gegenteil: Ihre Heldin ist gegen 25 Jahre, hatte bisher das, was man „Mainstream-Sex“ nennt, und wird nun plötzlich mit einer Situation konfrontiert, die sie zugleich fasziniert und abstößt. Ihre Heldin handelt nun entfesselt: Es ist nicht sicher, wie sich ihre Sexualität entwickeln wird. Wie auf dem Jahrmarkt bekommt sie schreierische Angebote von Frauen und Männern, Paaren und Gruppen, die alle sagen, sie möge ihnen doch folgen. Wohin sich Ihre Heldin schließlich entwickelt, weiß sie selbst noch nicht – und Sie, die Autorin, wissen es jetzt auch noch nicht.

Ihre Heldin kann wählen – und sie tut es auch

Das mag in Ihren Ohren sehr befremdlich klingen. Es ist aber eine Methode, die ausgesprochen farbige Manuskripte produziert. Vergessen Sie dabei nicht, dass es nicht um reine Schilderungen von „Verhaltensweisen“ geht, sondern darum, die erotische Persönlichkeit vorzuzeigen. Die Dynamik entsteht daraus, dass Sie Ihrer Heldin Wahlmöglichkeiten einräumen. Sie kann Verführen oder verführt werden, Herrschen oder Dienen, sich mit einem Einzelmenschen oder mit einer Gruppe vergnügen, mit der reinen Kraft der Emotionen Macht gewinnen oder sich körperlich hinzugeben, um Einfluss zu erwerben. Und jedes Mal hat sie erneut die Wahl … bis sie schließlich in vollem Bewusstsein ihrer Möglichkeiten den Weg wählt, den sie im Laufe der Erzählung als „ihren Weg“ gefunden hat.

Die Autorin - was kann sie tun, um ihre Heldin "laufen zu lassen"?

Für Sie als Autorin ist es günstig, wirklich davon überzeugt zu sein, dass sexuelle Entwicklungen den geistigen und psychischen Entwicklungen ebenbürtig sind. Sie können sich dabei ausführlich darüber auslassen, wie sich dies in eine Karriere oder die Akzeptanz im sozialen Umfeld einfügt oder auch nicht.

Beim Aufbau der sexuellen Erfahrungen lassen Sie sich von ihrer Figur führen, nicht von ihren eigenen Erfahrungen, die wahrscheinlich zu dürftig sind – das ist nicht ungewöhnlich für die Autorinnen von erotischen Romanen. Da gilt: Ihre Figur muss leidenschaftlich danach streben, Erfahrungen zu sammeln, und sie muss frei sein, dies auch zu tun. Das heißt, Sie müssen ihre Figur loslassen und nicht am Gängelband eigener Erfahrungen führen.

Bild: Nach einer historischen Romanillustration Der Artikel wurde dem Bestand des Blogs "sinnlichschreiben" entnommen und völlig umgeschrieben. Im Ursprung erschien der Artikel am 14.05.2015. Er wurde 17.133 Mal gelesen.

Sehpferd bloggt seit fast 15 Jahre

sehpferd vor etwa 15 Jahren
Am 18. September 2003 erschien der erste Artikel auf „Sehpferd“ – damals noch bei einem Fremd-Provider.

Der Text könnte von 2018 stammen, so, als hätte ich ihn gestern auf „Sinn und Sinnlichkeit“ geschrieben:

Sinnliche, sinnige und sinnvolle Nachrichten und Informationen aus dem Dschungel der Lust, der Liebe und der Leidenschaft - das werden Sie auf diesen Seiten bald lesen können. Jetzt dürfen Sie sich schon mal freuen und ganz sicher sein, dass hier einiges aus dem Rahmen fallen wird – nur nicht die Sprache: denn „sehpferd“ sagt zwar, was es denkt, aber alles wird vor verlassen der Hirn-Finger-Schranke sorgfältig überprüft und sprachlich so umgesetzt, dass es noch in die „gute Stube“ passt.


Diese Idee setze ich seit 15 Jahren um. Manchmal ein bisschen weiser, manchmal ein bisschen frecher. Und das allzeit wiehernde Sehpferd, das den Finger in die Wunden der Zeit legt, das habe ich jetzt separiert.

Emotionaler Masochismus - und DU

"Masochistin" kannst du auch im Geiste sein
Wenn du eine Autorin bist, und keinerlei Ahnung davon hast, was „realer Masochismus“ ist, und du auch nicht weißt oder ermessen kannst, wie sich eine Masochistin fühlt, ja, was dann?

Du musst nichts über "realen Masochismus" wissen - gar nichts

Ganz einfach: Wenn du wüsstest, was „realer Masochismus“ im Sinne der Psychiatrie ist, würdest du wahrscheinlich nichts Erotisches darüber schreiben wollen.

Wir fanden dazu eine sehr interessante Stellungnahme, die etwas gröblich übersetzt so lautet:

Es ist ein wenig verzwickt, weil ich das Gefühl der Entwürdigung oder der Beschämung nicht per se (1) genieße. Aber im richtigen Kontext und der richtigen Umgebung, verbunden mit der Sicherheit, die mir die Person gibt, die ich liebe, erregen mich die die Gefühle, die dabei entstehen.


Der Konflikt - wenn es keinen gäbe, wozu dann eine Story?

Wir können dies durchaus verallgemeinern: Bei den meisten Menschen entsteht vor einem Rollenspiel ein Konflikt zwischen dem, wonach sie lüsten und dem, was sie „eigentlich“ darüber denken: dass es nämlich ganz schön „unanständig“ ist. Und dann kommt eben dazu: „Wie kann ich nur zugleich unterwürfig und sexuell erregt sein? Darf ich das?“

Klar ist das ein Konflikt - doch was wäre ein Plot ohne Konflikt?

Ihr seht: Der Zweifel darf auch in eurer Figur vorhanden sein, weil er nicht nur in euch, sondern auch in den realen Menschen vorhanden ist, die sich erotisch unterwerfen. Der Schlüssel ist eigentlich nur: „Mach jetzt während des Spiels, das mit mir, was du willst.“

Ich höre oft, dass so etwas nach dem „ seltsamen Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ klingen würde, und dass man doch bitte kein „anderes Selbst“ in sich hervorrufen solle, weil dies äußert gefährlich sein.

Wer sagt denn so etwas? In unserem Inneren wohnen viele Bedürfnisse, die teils von unseren animalischen Vorfahren stammen, teils von den Eltern und sonstigen Vorfahren, und teils aus der Erziehung, die wir genossen oder erlitten haben. In jedem Fall aber (und das ist ziemlich sicher) wurden während unserer Jugend allerlei Impulse unterdrückt und „zurechtgebogen“ , die wir seither in uns tragen, aber nicht verwirklichen mögen. Es ist also nichts als menschlich, Zwiespälte zu haben, zu denen auch gehört: „Darf ich eigentlich noch etwas spielen, und wenn ich es spiele, bin ich dann ein anderer?“

Ruf dir den emotionalen Masochismus wach

Was du als Autorin tun kannst, ist den „emotionalen Masochismus“ wachzurufen, damit deine Figur zu infizieren und sie dann laufen zu lassen. Wird sie träumen, zaghafte Versuche starten, sich ernsthaft in ein Unterwerfungs-Spiel einlassen oder gar in Gefahr geraten, sich in eine gefährliche Abhängigkeit zu begeben?

Es ist so einfach, sich den erotischen Masochismus zu erdenken. Und falls du dich davor fürchtest, dann sorg doch einfach dafür, dass sich deine Figur auch fürchtet – und vielleicht ihre Furcht überwindet. Denn für sie ist es einfacher als für dich.

(1) Nicht als Selbstverständnis, nicht als solches. Auf das Zitat kann nicht verlinkt werden, weil die Webseite als "Adult" gekennzeichnet wurde.

Ist Sex ein Menschenrecht?

Ich war überrascht, als ich von einem Mediziner zum ersten Mal den Satz hörte: „Sehen Sie, Sex ist ein Menschenrecht.“ Der Satz kam mir in Erinnerung, als ich kürzlich einen Bericht über Frauen las, die an Krebs erkrankt waren. Mit dem „waren“ ist es ja immer so: Du kannst am Ende geheilt sein, als geheilt gelten oder eigentlich noch krank sein. Und völlig unabhängig davon kannst du dies sagen: Wenn die Datenströme zwischen Lustorganen und Gehirn nicht mehr einwandfrei funktionieren, dann ist alles ein bisschen aus der Bahn geraten: Die Sexualorgane und das Hirn gehen sozusagen getrennte Wege.

Da klingt gut, was manche Ärzte fordern (Zitat):

Wer im Intimbereich schwer erkrankt, macht sich Sorgen um sein sexuelles Empfinden. Diese Sorgen müssen ernster genommen werden, sagen Therapeuten und Berater: Sie fordern ein offenes Gespräch über das Anrecht auf sexuelles Wohlbefinden.


Das ist alles recht hübsch: Hier sitzt der Gynäkologe, Onkologe oder Urologe, und dort der Mensch, der gerade operiert wurde. Und dann sprechen beide über sexuelles Wohlbefinden. Das ist sicher besser als nichts, denn die Patienten sind unsicher darüber, wie sie nun möglichst glücklich weiterleben können.

Schön, gut und richtig, und doch hat die Sache zwei Haken.

Ein Haken: niemand weiß, was du wirklich (noch) fühlst

Der Erste liegt darin, dass der Arzt sich nicht wirklich in die Lage eines Menschen hineinversetzen kann, dessen sexuelle Verdrahtung gekappt wurde. Das ist oftmals der Fall, und in der Tat machen sich viele Menschen darüber Gedanken. Zitat:

Wie riskant sind Operationen im Beckenboden etwa, einem Bereich, wo unzählige verletzliche Muskelfasern und Nervenbahnen verlaufen, die mit den Sexualorganen zusammenhängen oder für das Lustempfinden wichtig sind. Sie beschäftigt der Gedanke, ob ihr Körpergefühl wieder dasselbe sein wird wie vor der Therapie.

Die Sache ist so: Sexualität benötigt das Gehirn als Schaltstelle, selbst, wenn manche Menschen glauben, „vögeln sei hirnlos“. Das führt zu schrecklichen Verfälschungen, etwa solche wie „Orgasmen werden allein durch die Klitoris ausgelöst.“ Tatsächlich sitzt der „Steuermann“ immer am Schaltpult im Gehirn – und mithilfe der körpereigenen Botenstoffe steuert er den Hergang. Dazu braucht er einen Datenweg hin und einen zurück, was man sich etwa so vorstellen muss: Von Klitoris oder Penis kommen Reize, auf die reagiert werden soll. Das Gehirn stellt nun die Drogen zur Verfügung, die einen Penis steif werden lassen und eine Vagina schlüpfrig, und diese Informationen werden wieder zum Gehirn zurückgemeldet.

Ist nun der Datenkanal verstopft oder gerissen, dann werden die Impulse nicht weitergeleitet. Heißt konkret: Die Stimulation von Klitoris oder Penis führt zu keinem konkreten Ergebnis, und das Gehirn kann daran nichts mehr ändern.

Der zweite Haken: Sex muss geschenkt werden - du kannst ihn nicht erstreiten

Nehmen wir an, das alles sei nicht ganz so dramatisch. Dann bleibt immer noch die Tatsache, dass sich Sex nicht vor Gericht erstreiten lässt. Wir alle sind darauf angewiesen, Sex geschenkt zu bekommen – nur dann erfüllen wir die Standards der Gesellschaft. Nun aber werden komplizierte Prozesse nötig, etwa besondere Stimulationen, Pumpen oder Implantate, die allesamt den gleichen Haken haben: Sie wirken nicht spontan, und sie geben nicht wirklich die zuvor bekannten Lustgefühle. Zwar können Frauen und Männer auch damit noch Orgasmen haben, aber sie sind schwerer zu erreichen und von schlechterer Qualität. Vor allem der Mann kann die Ejakulation und den Orgasmus nicht, wie gewohnt, in unmittelbarer Folge bekommen – denn die Ejakulation wurde durch eine Totaloperation der Prostata in jedem Fall unmöglich.

Die Frage, ob Sex bei stark geschädigten, unverheirateten Frauen und Männern auch als Dienstleitung erbracht werden könnte, ist hochgradig umstritten. Einerseits ist es in manchen Fällen möglich und auch erwünscht, doch andererseits gilt der Prostitutionsvorbehalt auch dann, wenn er nicht ausgesprochen wird. Heißt konkret: „Sexarbeit ist dreckige Arbeit, und niemand sollte sie machen.“

Sex als Dienstleistung?

Dieses Thema wurde kürzlich stark strapaziert. Wenn Sex als Dienstleistung erbracht wird, ist das nicht gerade ein romantisches Manifest und vielleicht nicht einmal „politisch korrekt“. Doch ist die Vorstellung, Sex sei immer mit Liebe und zweckfreier Hingabe verbunden, kann ebenso als Illusion bezeichnet werden.

Das Menschenrecht steht auf tönernen Füßen

Und das Menschenrecht? Wie kann Sex als „Menschenrecht“ bezeichnet werden, wenn man darum betteln muss?

Irgendwie stimmt etwas nicht mit der Aussage „Sex ist ein Menschenrecht.“ Rechte sind einklagbar. Sex ist es nicht. Und was die Lust für Singles nach der Krebsdiagnose betrifft: Viele Frauen und Männer würden ablehnen, sich einen Partner mit einem Karzinom anzulachen. Und das macht die Sache nicht eben leichter und verhindert noch stärker, dass Sex wirklich zum Menschenrecht wird.

Bi-Sexualität – ein Thema für Sinnlich Leben?

Mancher wird sich noch erinnern: Hier wurde "The Prisoner" gedreht
Einer der Grundsätze, die wir bei „Sinnlich Leben“ sehr ernst nehmen, ist der, Menschen nicht zu etikettieren. So wie es damals in den Episoden des „Prisoners“ heiß („Nummer Sechs“):

Ich lasse mich nicht zwingen, stoßen, abstempeln, einstufen, werten, abwerten oder nummerieren.


Genau in diesem Sinne verfahren wir mit der Sexualität: Wir etikettieren nicht, wir bewerten nicht und wir werten nicht ab. Und als „bisexuell“ bezeichnet zu werden, ist ein Etikett, das mit einer Abwertung verbunden ist.

Menschen sind sexuell. Das wissen wir, und das akzeptieren wir. Wenn wir trotz alledem die begriffe „Homosexuell“, „Heterosexuell“ und gar „Lesbisch“ (lesbisch ist homosexuell) gebrauchen, dann, weil sie anderwärts Verwendung finden und wir sie notgedrungen übernehmen müssen. Also, wenn wir beispielsweise gefragt werden:

Wie schreibe ich die Geschichte einer lesbischen Verführung, wenn ich nicht lesbisch bin?


Dann können wir nicht antworten:

„Es gibt keine lesbischen Verführungen, sondern nur Verführungen.“

Klischee - spektakuläre Verführung unter Frauen
Aber wir können sagen, dass der Unterschied nicht sehr groß ist: Alle Verführer(innen) haben ein gemeinsames Schema, nach dem sie vorgehen. Es ist allgemein bekannt, wenngleich es viel Namen hat und in etlichen Variationen angeboten wird. Und um bei der Sache zu bleiben: Eine Verführung zwischen Frauen bedeutet nicht, dass die verführte Frau Heterosexuell sein muss, und auch nicht, dass die andere Bisexuell oder Lesbisch sein muss, Das sind Klischees. In Wahrheit kann jede Frau jede andere verführen – die Hürden liegen nicht sehr hoch. Nur die Energien sind nicht überall gleich verteilt.

1. Wenn du eine Frau bist, verführt deine Heldin ihre Frau so, wie du auch einen Mann verführen würdest: zärtlich, verbindlich, aber raffiniert und dabei konsequent, das heißt, ohne zu zögern.
2. Wenn du ein Mann bist, stell dir vor, dass du eine zurückhaltende, innerlich aber bereits vor Lust brennende Frau zärtlich und mit viel Einfühlungsvermögen verführst. Und genau das wird deine Heldin tun.

Tabuthema Männer: Niemand will "schwul" sein, aber alle wollen Lust

Schwieriger wird es, wenn in deinem Roman ein Mann einen anderen Mann verführen soll. Männer haben traditionell oder kulturell eine „eingebaute“ körperliche Berührungsangst vor dem eigenen Geschlecht. In der Literatur wendet man einen Trick an: Man nimmt den Männern die Angst, indem man eine Frau ins Spiel „einmischt“ oder indem man den Mann in Unsicherheit darüber hält, wer ihn befriedigt.

Ein wichtiger Unterschied: Sein oder genießen, es zu tun?

Noch zwei Nachsätze für kluge Menschen, die dies lesen:

„Homosexuell“ (auch lesbisch, bisexuell oder dergleichen) zu sein heißt, sich so zu definieren und nicht anders.
„Homosexuelle erotische Praktiken“ zu verwenden, ist Teil eines Spiels mit der Sexualität, das mit der Lust am Ungewöhnlichen chargiert.

Das war es eigentlich. Ich hoffe, ich habe den Autorinnen/Autoren unter euch geholfen.

Bild oben: © 2018 by Liebesverlag.de
Bild unten: Titel eines Heftromans unbekannter Herkunft.

Warum wir von „normalem“ Sex reden müssen

Was ist für dich normal?
Vielleicht gestattet ihr mir einen Satz vorab: So etwas wie „normal“ existiert bei Menschen nicht, und schon gar nicht in der Gefühlswelt, die sie beim Sex erleben.

Erinnern wir uns bitte daran, was Richard von Weizsäcker einmal sagte:

Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein.


Nachdem dies gesagt ist, müssen wir uns vermutlich eingestehen, dass wir trotzdem gerne wissen möchten, was „normal“ ist. Und weil das offenbar der Fall ist, steht eine ganze Armada von Erklärbärinnen und Erklärbären bereit, es uns zu sagen: Autoren, Soziologen, Psychologen, Sexologen, Gender-Foscher, „Volkes Stimme“, Priester und Rechtskonservative (um nur einige zu nennen).

Das "Normale" aus rechtskonservativer udn klerikaler Sicht

Für die Konservativen ist klar: Sex dient der Fortpflanzung, und deswegen ist Sex immer „normal“ wenn die Aktion der beteiligten dazu führen könnte. Die Ultrakonservativen und Sektierer legen noch eine Schippe nach: „und wenn dies innerhalb einer Ehe geschieht.“ Kurz und gut: PiV in der Ehe zum Zweck der Fortpflanzung ist OK, Sex aus Vergnügen möglicherweise auch, solange er in der Ehe vollzogen wird.

Die Übrigen sehen das ein wenig anders. Für sie ist Sex eine Art lustvolles Bindemittel für feste Paare und ein frivoles Vergnügen für Gelegenheitspaare.

Ist Sex als Belohnung wirklich ungewöhnlich?

Kritisch wird es, wenn wir von Sex als „Belohnung“ oder „Gunst“ sprechen, obgleich diese Variante seit Jahrhunderten auf jeder beliebigen sozialen Ebene vorkommt. Die meisten selbst deklarierten „Normalen“ sind auf höchste ethische Grundsätze erpicht, und da passt die Belohnung mit Sex nicht so recht hinein.

Ist normaler Sex wirklich "normal"?

Ob PiV wirklich „normal“ ist? Es ist wahrscheinlich die erste Art von Sex, die wir kennenlernen. Der junge Mann sucht verzweifelt nach einer „warmen Höhle für seinen Penis“, die junge Frau drängt es, sich „ganz als Frau“ zu bestätigen. Beide folgen Mutter Natur – wem sonst?

Ist es normal, Mutter Natur zu folgen? Zumeist schon. Nur die Menschen und bestimmte Menschenaffen haben dabei die allzeit verfügbare Lust zum Selbst-und Sozialzweck gemacht. Das war – insgesamt gesehen – eine kluge Entscheidung. Denn weil die Lust allzeit verfügbar ist und ihr Gebrauch niemandem schadet (jedenfalls beim Safe Sex und Übereinstimmung) ist sie zu einer lustvollen, begehrten Gabe geworden.

Nun sollten wir von PiV reden – Sex wie Eva und Adam

Übersicht erotische Frauenfantasien (Details später)
Die erste Erfahrung mag „Penis in Vagina“ aus Lust oder Neugierde sein. Und klar ist das verwirrend und erregend, wenn’s das erste Mal passiert. Oder das zwei dutzendste Mal. Aber es ist nicht die vollständige Erfüllung und auch nicht die raffinierteste Lust, die wir schenken oder empfangen können. Männer streben danach, die Lust zu intensivieren oder zu verlängern. Frauen wollen echte und lustvolle, ekstatische Orgasmen erleben. Inzwischen wissen wir von Frauen: Um einen wirklich schönen, lang anhaltenden oder mehrfachen Orgasmus zu releben, muss die Klitoris über lange Zeit intensiv gereizt werden. Die Theorie dazu ist zwar noch etwas anders – aber die direkte Klitorisreizung begünstigt ohne Zweifel die intensivsten Orgasmen. Und Männer? Auch bei ihnen besteht kein Zweifel, dass sie die intensivsten Ejakulationen und Orgasmen bekommen, wenn ihr Penis sensibel gereizt wird. Beim PiV ist dies in der Regel nicht der Fall.

Soweit das „ganz Normale“ bei „ganz Normalen“ Frauen und Männern. Die meisten wünschen sich „ganz normale, romantische Lüste“ mit „ganz normalem Oral- oder Handverkehr“ als Sahnehäubchen.

Forschung bestätigt: Auch oral ist absolut normal - zumindest als Wunsch

Übrigens stammen die zuletzt genannte Erkenntnisse aus Forschungsergebnissen. Demnach erträumen sich mehr als drei Viertel aller Frauen und Männer zusätzlichen Oralverkehr, gemischt aktiv und passiv – und bei Frauen gehört der Wunsch nach aktiver wie auch passiver Masturbation mit dem Partner zu den häufigsten erotischen Fantasien.

Und soviel sollte auch klar sein: Beim Thema „Normaler Sex“ haben wir gerade nur mal die Spitze des Eisbergs gezeigt.

(P.i.V) = Penis in Vagina.

Wollt ihr wissen, warum es so schwer ist, über "normalen Sex" in Romanen zu schreiben? Oder habt ihr etwas dazu zu sagen? Dann Schreibt uns oder kommentiert hier.
Bild oben: Historisches Foto, nachkoloriert.
Bild unten: Grafik erstellt von Liebesverlag.de

Welche erotischen Mega-Themen faszinieren Männer?

Was Männer erträumen ...
Sinnliche Megathemen für Frauen? Wo bleiben da die Männer? Unsere Megathemen wurden bisher nach „Verfügbarkeit des Materials“ und den Aufrufen in anderen Medien ausgewählt. Doch was sind eigentliche „erotische Megathemen?“ Wir meinen: Es sind diejenigen, von denen ihr träumt. Oder solche, die euch überfallen, wenn ihr Wachträumen habt oder sinnliche Bücher lest. Und natürlich alle Gedanken, denen ihr folgt, während ihr euch masturbiert. Ist ja nun wirklich nichts Besonderes, sich in eine erotische Situation hineinzuträumen, oder?

Und falls ihr das gar nie tut: Worüber empört ihr euch bei euren Freunden und Widersachern? Denn auch solche Themen gehören zu euren Lieblings-Fantasien. Verratet ihr uns etwas darüber?

Hier kommen nun die erotischen Top-Fantasien der Männer (in Gruppen) nach einer kanadischen Studie. Das meistgenante Thema innerhalb der Gruppe steht in Klammern).

Abenteuer: 69 Prozent. (83 % Seitensprung)
SM-Lüste: 54 Prozent. (60 % sexuell dominieren)
Hand-und Mundverkehr: 48 % (88 % Fellatio und Cunnilingus)
Gruppen: 45 Prozent. (85 % Sex mit zwei Frauen)
Bi-Sexualität 21 Prozent. (S. Anmerkung)

(Höchstes Einzelthema ohne Gruppierung: Fellatio und Cunnilingus 88 %)

Hinweise: Das Thema Romantik ist auch bei Männern ein Spitzenthema, und es wurde nicht bewertet. Bi-Sexualität ist ein Einzelwert, Hand- und Mundverkehr beinhaltet verschiedene Praktiken. Teilweise sind Praktiken mehrdeutig, weshalb die gemittelten Ergebnisse nicht immer strengen Kriterien standhalten.

Zahlen: kanadische Studie - - Universität von Quebec, Kanada, von 2014. "Université du Québec à Montréal."

Welche erotischen Mega-Themen faszinieren dich?

Verräterische Träume - erotische Megathemen
Unsere erotischen Megathemen wurden bisher nach „Verfügbarkeit des Materials“ und den Aufrufen in anderen Medien ausgewählt. Doch was sind eigentliche „erotische Megathemen?“ Wir meinen: Es sind diejenigen, von denen ihr träumt. Oder solche, die euch überfallen, wenn ihr Wachträumen habt oder sinnliche Bücher lest. Und natürlich alle Gedanken, denen ihr folgt, während ihr euch sanft streichelt oder heftig masturbiert.

Und falls ihr nichts dergleichen tut: Worüber empört ihr euch bei anderen? Denn auch solche Themen gehören zu euren Lieblings-Fantasien. Verratet ihr uns etwas darüber?

Hier erst einmal die erotischen Fantasien der Frauen (in Gruppen) nach einer kanadischen Studie. In Klammern der höchste Wert innerhalb der Gruppe erotischer Träume:

Abenteuer: 61 Prozent (82 % „ungewöhnlicher Ort“)
Hand-und Mundverkehr: 43 Prozent. (71 % „Fellatio geben“)
SM-Lüste: 42 Prozent (65 % „Sexuell dominiert werden“)
Gruppen: 32 Prozent (57 % Orgie bzw. Kleingruppe)
Bi-Sexualität: 37 Prozent. (S. Anmerkung)

(Höchstes Einzelthema ohne Gruppierung: ungewöhnlicher Ort, 82 %)

Hinweise: Das Thema Romantik ist das Spitzenthema bei Frauen wie bei Männern und wurde nicht bewertet. Bi-Sexualität ist ein Einzelwert, Hand- und Mundverkehr beinhaltet verschiedene Praktiken. Teilweise sind Praktiken mehrdeutig, weshalb die gemittelten Ergebnisse nicht immer strengen Kriterien standhalten.

Zahlen: kanadische Studie - - Universität von Quebec, Kanada, von 2014. "Université du Québec à Montréal."


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