Bisexualität

  sex Keine Kommentare

Das Wort Bisexualität im neuen Lexikon

In beide Richtungen schauen …

Bisexualität ist eine Bezeichnung für die sexuelle Veranlagung oder Praxis, mit beiden Geschlechtern getrennt oder gemeinsam den Geschlechtsverkehr auszuüben.

Verwendung als Etikett und im Alltag

Wenn angenommene wird, dass Bisexualität eine Veranlagung ist, dann gilt der Begriff „Bisexuell“ im engeren Sinne lediglich, wenn eine Person mit beiden Geschlechtern wechselweise den Geschlechtsverkehr ausübt. In der Regel spricht man von „echter Bisexualität“ also nur, wenn die betroffenen Menschen in allen Lebensphasen von beiden Geschlechtern gleichermaßen angesprochen werden.

Ob es sich wirklich um eine Veranlagung handelt, ist umstritten. Manche Autoren haben Bisexualität als eine „verschleierte“ Homosexualität bezeichnet, andere zweifeln daran, dass es sich um eine „Ausrichtung“ handelt. Man kann dies getrost als eine „akademische Diskussion“ bezeichnen, bei der es um die Rechtmäßigkeit der vergebenen Etiketten geht.

Im Alltag redet man auch von „Bisexualität“, wenn eine Person gelegentlich Gelüste auf das gleiche Geschlecht hat. In diesem Fall handelt es sich aber nicht um Bisexualität, sondern um Heteroflexibilität oder „fließende Sexualität“. Das Verlangen danach heißt dann Bi-Neugierde.

Hier eine Formulierung für Jugendliche:

Bisexuell, kurz bi, bedeutet, wenn du dich gleich viel von Männern und Frauen angezogen fühlst und mit beiden Geschlechtern gern sexuelle Handlungen machst.

Lilli

Verwendung und Kritik

Bei vielen Menschen ist „Bisexualität“ mit Sicherheit keine Kernveranlagung. Sie verhalten sich situativ bisexuell, das heißt, sie entscheiden aus der Situation heraus, ob sie sich einem Angehörigen des gleichen Geschlechts sexuelle Kontakte aufnehmen wollen. Dazu muss der latente Wunsch, eine Gelegenheit und ein Partner (eine Partnerin) zusammenkommen, um sinnliche oder sexuelle Handlungen auszuüben.

Bei Frauen werden frühe Phasen einer offen gelebten Bisexualität vor allem in jungen Jahren beobachtet. Neben dieser „schwärmerischen“ Bisexualität wird in den letzten Jahren vermehrt von Experimentierphasen zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr berichtet. Dabei fällt die Schwelle immer weiter, vor allem, so weit dies heimliche Gelüste betrifft oder einfach, eine sich bietende Gelegenheit wahrzunehmen.

Generell stehen Frauen viel mehr zu einer unterschwellig vorhandenen Bisexualität als Männer, die befürchten, als „schwul“ verunglimpft zu werden, wenn sie sich auch nur zu erotischen Fantasien bisexueller Art bekennen.

Veranlagung oder einfach Lust?

Eine andere Frage ist, ob Menschen ganz generell bi-erotisch veranlagt sind, das heißt, ob sie beide Geschlechter erotisch attraktiv finden können. Diese Frage wird zumeist bejaht.

Im 21. Jahrhundert gab es eine veränderte Auffassung zu „Sex und Liebe“, die auch auf bisexuelle Aktivitäten einwirkte. Demnach können gewisse Praktiken ebenso lustvoll oder gar lustvoller erlebt werden, wenn sie vom gleichen Geschlecht ausgeübt werden, zum Beispiel gegenseitige Masturbation oder Oralsex. Im gleichen Zeitraum wurde der Begriff „Heterosexualität“ angezweifelt und neue Begriffe wurden eingeführt, um abweichende Verhaltensweisen nicht mit dem Etikett „Bisexualität“ belegen zu müssen.

Synonyme und andere Begriffe

Für die Veranlagung: „Bi“ oder „bisexuell sein“.

Verschleiernd: „doppelt gepolt“, AC-DC.

Auf Lust bezogen: Bi-Neugierde, fließende Sexualität, Heteroflexibilität.