Sexuelle Ausrichtung

  sex Keine Kommentare
welche ausrichtung?

Die Bedeutung von „sexuelle Ausrichtung“ im Lexikon

Der Begriff „sexuelle Ausrichtung“ entspricht genau dem Begriff „sexuelle Orientierung“. Unterschieden wird danach, zu welchem Geschlecht man sich ausschließlich oder überwiegend hingezogen fühlt.

Neue Begriffe und Klassifizierungen

Die Klassifizierung in verschiedenartige sexuelle Ausrichtungen gab es nicht immer. Sie wurden zuerst von Männern vertreten, die ihrer Liebe zu anderen Männern einen Namen geben wollten. Als Schöpfer dieser Idee gilt Karl Heinrich Ulrichs (1864), der vor allem gleichgeschlechtlich liebenden Männer, später auch Frauen, mit verbindlichen Namen belegen wollte. Er nannte sie „Urninge“ nach der Göttin Aphrodite Urania, während er die Männer mit Wünschen nach dem gegenteiligen Geschlecht als „Dioninge“ bezeichnete (nach der Göttin Aphrodite Dionea). Erst viel später kamen die Begriffe „Heterosexuell“ und „Homosexuell“ in Gebrauch. Beide wurde zwar schon 1886 als Begriffe gefunden, sie fanden jedoch erst im 20. Jahrhundert weite Verbreitung.

Homosexualität, Heterosexualität, Bi-Sexualität

Die häufigste Unterscheidung ist diejenige zwischen „Homosexualität“, „Heterosexualität“ und „Bisexualität“. Dabei wird angenommen, dass jede dieser Ausrichtungen beständig ist. Seit Ende des 20. Jahrhundert sind viele andere Begriffe dazugekommen, die weitere Differenzierungen möglich machen sollen.

Homosexualität – Männer lieben Männer, Frauen lieben Frauen

Die wichtigste Annahme ist, dass Homosexualität tatsächlich eine Ausrichtung auf ausschließlich gleichgeschlechtliche Partner ist. Das heißt, dass sich ein homosexueller Mann nur noch Männern als Geschlechtspartner sehnt, eine homosexuelle Frau („früher auch Lesbierin) sich hingegen ausschließlich Frauen als Sexualpartner wünscht.

Heterosexualität – Männer bevorzugen Frauen, Frauen bevorzugen Männer

Bei Heterosexualität ist man sich nicht so sicher. Die Kritiker des Begriffs argumentieren damit, dass Heterosexualität ohnehin keine „Ausrichtung“ sei (1), sondern nur ein Begriff, der gefunden wurde, um Menschen zu klassifizieren. Dazu ein Zitat:

Aber auch Menschen mit einer grundsätzlich heterosexuellen Orientierung machen im Verlauf ihres Lebens homosexuelle Erfahrungen.

Apotheken.de, siehe“ Quellen“

Bi-Sexualität: mal Frauen, mal Männer

Der dritte Begriff, Bisexualität, wird daher geleitet, dass es Menschen gibt, die sowohl Frauen wie auch Männer lieben und gewissermaßen „nicht entschieden“ haben, was ihnen besser gefällt.

Andere Ausrichtungen

Inwieweit andere Begriffe wie „Asexualität“ oder „Pansexualität“ sowie die vielen Neubildungen für sexuelle Orientierungen wirklich ihre Berechtigung haben, ist fraglich. Wir widmen ihnen eine besondere Seite, um das zu bewahren, was wir für langfristig abgesicherte Begriffe halten und solche, die gerade dem Zeitgeist entsprungen sind.

Abgrenzungen

Die sexuelle Ausrichtung sollte nicht mit der sexuellen Lust, dem sexuellen Begehren oder der sexuellen Neugierde verwechselt werden. Die Ausrichtung entwickelt sich nach heutigen Erkenntnissen aus einer Grundveranlagung, das heißt: Diese Menschen sind so, und das haben sie spätestens bis zum Erwachsenenalter festgestellt. Die Lust auf jemanden, gleich, ob Frau oder Mann, kann sich jedoch jederzeit aus einer Situation heraus entwickeln – und sie ist nicht beständig. Sind Menschen zwar heterosexuell, neigen sie jedoch dazu, sich auch für das eigene Geschlecht zu interessieren, nennt man dies heute „Heteroflexibel.“

Schwierigkeiten bei den Begriffen

Zwischen den Extremen „reine Homosexualität“ und „ausschließliche Heterosexualität“ liegt ein weites Feld von Lüsten und Bedürfnissen, die heute meist als „stufenlose Vielfalt“ definiert wird. Gelegentlich wird versucht, die „geschlechtliche Neigung“, die Ausrichtung, die Identität oder die „Präferenz“ (Bevorzugung) neu zu beschreiben und damit auch zu differenzieren. Zumeist wird dies heute als wenig sinnvoll angesehen.

Unschärfe bei Zahlen und Fakten

Man kann nur davor warnen, jedem Forschungsergebnis zu glauben, sowohl, was die Definitionen angeht wie auch, was die Anzahl der Menschen betrifft, die sich in die sich zur einen oder anderen Richtung definieren. So reicht beispielsweise die Vermutung, wie viele weibliche „Bisexuelle“ es gibt, von ein paar Prozent bis „weit über 50 Prozent“. Die Unterschiede ergeben sich aus den Methoden, mit denen geforscht wird.

Heutige Sicht – in Kurzform

Homosexualität wird heute als eine unumkehrbare Neigung angesehen. Sie bedeute, dass ausschließlich das eigene Geschlecht begehrt wird.

Heterosexualität bedeutet, dass jemand größtenteils das andere Geschlecht begehrt, aber der Begriff sagt nicht aus, dass andere Aktivitäten ausgeschlossen sind.

Bi-Sexualität bedeutet heute, dass Personen zwischen der Liebe zu Frauen und Männern schwanken und mal mit dem einen, dann wieder mit dem anderen Geschlecht intensive sexuelle Kontakte haben.

Quellen: (1) Blank, Hanne: Straight – The Surprisingly Short History of Heterosexuality (2) Apotheken.de: Hintergundwissen, komplexer ausgeführt in Wikipedia. Urningsliebe, Urninge: Meyers ca. 1880. Ebenfalls im 19. Jahrhundert verwendet: „Konträre Sexualempfindung.“