Lesbisch

  ergänzungen, sex Keine Kommentare

Die Definition von lesbisch im neuen Lexikon der Lust

Lesbisch“ zu sein beinhaltet umgangssprachlich sowohl die weibliche Homosexualität als sexuelle Ausrichtung (“sexuelle Präferenz“) wie auch jede andere sexuelle Lust zwischen Frauen. Sagt man: „Sie ist lesbisch“, so meint man, sie sei eine Frau, die ausschließlich Frauen liebt. Sagt man hingegen: „Sie hat eine lesbische Beziehung“ so geht man davon aus, dass diese Frau heterosexuell ist, aber dennoch sexuelle Kontakt zu Frauen pflegt.

Der Begriff lesbisch (sein) leitet sich von der Insel Lebos ab, auf der die Dichterin Sappho gelebt haben soll, die über die Frauenliebe dichtete. Der Begriff ist, wie viele derartige Begriffe, ein Kunstwort der Wissenschaften, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einen wahren „Bestimmungswahn“ verfielen.

Wortgebrauch von „lesbisch“ im Alltag

Lesbisch sein bedeutet im heutigen Sprachgebrauch „offiziell“, dass die so bezeichnete Frau erotisch und sexuell überwiegend oder ausschließlich anderen Frauen zugeneigt ist. Die rein emotionale Zuneigung oder eine sanfte erotische Hinwendung zu anderen Frauen alleine reicht nicht aus, um eine Frau als lesbisch zu bezeichnen. „Inoffiziell“ wird jedoch jede Frau als „lesbisch“ bewertet, die eine Affäre mit einer anderen Frau hat. Dies ist insbesondere unter Jugendlichen der Fall.

Entwicklung des Wortes

Im 19. Jahrhundert wurden Schriften über die Sexualität ausgesprochen populär, und auch die Lexika veröffentlichen kurze Beschreibungen der lesbischen Liebe, so wie diese:

Lesbische Liebe ist … jener Coitus zwischen zwei Frauenzimmern, wovon die eine eine abnorm große Klitoris hat und als Mann bei der andern agiert. Andere Autoren verstehen darunter die Befriedigung des Geschlechtstriebs mittels eines aus Leder, Gummi elasticum … verfertigten künstlichen Penis, den selbst einzelne geile Frauenzimmer an ihrem Leib befestigen und so eine andere, mit oder ohne deren Wissen und Willen, geschlechtlich bedienten.

Ausführliche Encyclopädie der gesamten Staatsarzneikunde, (Leipzig 1840)

Meyers Lexikon von gegen 1885 wies den Begriff der „lesbischen Liebe“ bereits in der heutigen Bedeutung auf, jedoch war „lesbisch“ als Eigenschaft noch unbekannt:

„Lesbische Liebe (Tribadīe, Sodomia sexus mulierum), Befriedigung des Geschlechtstriebs zwischen zwei Personen weiblichen Geschlechts.“

Meyers Lexikon, gegen 1885

Das bedeutet: Aus der lesbischen Liebe wurde das Etikett „lesbisch“ als sexuelle Präferenz, und daraus wieder das Substantiv „Lesbierin“ oder Lesbe. Im Grunde sollte man das Wort nicht mehr verwenden, es hält sich aber hartnäckig im Volksmund, unter Teenagern und im Journalismus. Eine zeitgenössische Wortschöpfungen ist zum Beispiel „Lipstick Lesbians“ – schicke homosexuelle Frauen, die sich schminken, High Heels und exklusive Dessous tragen.

Vorurteile, Urteile und Ansichten

Gerade bei Frauen werden mit Homosexualität gewisse Ansichten verbunden, zum Beispiel, dass sie „männlich auftreten“, sich nicht schminken oder sich maskulin kleiden. Man spricht sogar von der „Butch“, die als männlich betonter Part gilt, und der „Femme“. die eher weibliche Züge hat. Diese Ansicht gilt als überholt, seit es selbstbewusst feminine Frauen aller sexuellen Ausrichtungen gibt. Dennoch erhalten sich sowohl in der Alltagswelt wie auch in der als „lesbisch“ bezeichneten Szene oder der „queeren“ Welt manche Vorurteile.

Wie „lesbische“ Neigungen definiert werden

Weibliche Homosexualität wird, der männlichen folgend, auch, als „essenziell“ bezeichnet und gilt daher als „angeboren, nicht frei gewählt“.
Lesbisch sein“ bedeutet für die Betroffene, sich als weibliche Homosexuelle zu definieren, also als „ausschließlich homosexuell“ auf der bereits erwähnten „essenziellen“ Grundlage.
Als „lesbisch“ bezeichnet werden alle Formen der Liebe zwischen Frauen, auch wenn sie nicht homosexuell sind.
Eine Frau zu lieben“ bedeutet für Frauen nicht zwangsläufig, homosexuell oder „lesbisch“ zu sein, sondern genau das, was es aussagt: Diese Frau liebt jetzt und hier eine Frau. Wenn sie dies offenlegt, „outet“ sie sich nicht, wie oft behauptet wird.
Bisexuell zu sein“ ist eine Aussage, die hauptsächlich aus dem Wissenschaftsbereich in den Volksmund übernommen wurde. Sie sagt lediglich aus, dass eine Person sich intim-emotional oder erotisch oder sexuell zu beiden Geschlechtern hingezogen fühlt. Man nimmt an, dass bisexuelle Menschen eher zu Konflikten mit ihrer Sexualität neigen als Menschen, die sich bewusst ihren fließende Identitäten hingeben.
Bi-neugierig sein (hauptsächlich für Frauen gebraucht) steht für den Wunsch einer Frau, sich von einer anderen Frau lieben oder verführen zu lassen.
Heteroflexibel“ zu sein bedeutet (ebenfalls oft für Frauen verwendet, sonst geschlechtsneutral), hauptsächlich dem anderen Geschlecht, aber, falls sich die Gelegenheit ergibt, auch dem gleichen Geschlecht zugeneigt zu sein.
„Sexuelle Veränderlichkeit“ oder „Fließende Sexualität“ (sexual fluidity) nennt man die Tendenz, in der die sexuelle Präferenz wandelbar ist und dem freien Willen ebenso unterliegt wie den sexuellen Trieben. Man könnte hier von einer bewussten Steuerung der sexuellen Präferenz sprechen. Der Begriff wurde von der Psychologin und Feministin Lisa Diamond nach umfassenden Forschungen an Frauen vorgeschlagen und entspricht nicht dem üblichen Begriff der Bisexualität.

Synonyme für lesbisch (sein) im Laufe der Zeitgeschichte

  • Bildungsbürgerlich: Sapphisch , Tribadisch
  • Früher aus lateinisiert nach der Tätigkeit: (Frictrices, Subigatrices)
  • Modern: F2F (von Frau zu Frau)
  • Substantiviert: Lesbierin, Lesbe.
  • Ursprünglich: Lesbische Liebe, Liebe unter Frauen
  • Siehe auch: Bisexuell, Bi-neugierig, (bi-courious), heteroflexibel.