Sexuelle Lust

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Wie entsteht eigentlich sexuelle Lust?

Im 21. Jahrhundert kann „sexuelle Lust“ nicht mehr auf den Wunsch nach Geschlechtsverkehr mit einem andersgeschlechtlichen Partner zurückgeführt werden („Sex zu haben“). Vielmehr hat sich die sexuelle Lust verselbstständigt: Sie kann von uns selbst, einem Mann oder einer Frau ausgehen und in allen Fällen zu einer Befriedigung führen. Dazu muss man allerdings akzeptieren, dass „Liebe“ und Lust“ trennbar ist.

Die sexuelle Lust wird bei Frauen und Männern in ähnlicher Weise ausgelöst. Die Behauptung, Frauen würden auf Romantik, Männer hingegen auf optische Reize reagieren, gilt als überholt.

Typische „Einstiege“ in die sexuelle Lust sind:

  • Du bist zufällig anwesend, wenn andere Sex haben oder du siehst auf Bildern oder in Filmen, wie Menschen Sex haben.
  • Ein Nahrungsmittel regt deine Fantasie an – es kann eine Banane, eine Melone oder eine Miesmuschel sein.
  • Du liest ein Buch, das deine Fantasie beflügelt. Du merkst, wie du dir nach und nach wünscht, wie die Person im Buch behandelt zu werden.
  • Du riechst etwas, was dir sexuelle Lust bereitet. Das können Körperdüfte (auch aus Haaren) sein oder vielleicht ein Parfüm.
  • Du hörst etwas, was sinnliche Gefühle in dir auslöst.
  • Du wirst körperlich berührt und fühlst dich dadurch sexuell angeregt.
  • Du selbst berührst dich an intimen Stellen und regst dich dadurch an.
  • Jemand sendet dir Botschaften, die dich anregen (Flirten).
  • Du siehst etwas an einer Person, das dich erregt – es kann die Haltung, die Bewegung, die Kleidung oder der Körperbau sein.
  • Ein plötzlicher Impuls aus deinem Inneren löst den Wunsch nach Sex aus.
  • (Hauptsächlich bei Männern): Du wachst auf und fühlst dich sexuell erregt.

Wie geht es weiter?

Manchmal bleibt es bei der Erregung, die zu keinen weiteren Aktivitäten führt. Um die Erregung aufrecht zu erhalten und zu steigern, sind Handlungen und verborgene Prozesse nötig. Einige werden dir bekannt sein, weil du sie beeinflussen kannst. Andere gehen „automatisch“ vor sich, weil dich die Natur von vorn herein darauf vorbereitet hat.

Der Prozess der Lust

Das läuft ungefähr so ab:

Der erste, auslösende Reiz, wird durch weitere intensivere Reize verstärkt. Diese Reize regen das Gehirn an, nunmehr Botenstoffe auszuschütten, die dich auf den Sex vorbereiten. Dein Körper wird dabei auf „Jetzt muss es Sex sein“ eingestellt. Deine Gefühle werden dabei tiefer und intensiver empfunden, während dein Verstand mehr und mehr vernebelt wird. Das Gehirn sorgt zudem dafür, dass sich alle Empfindungen steigern, sodass es am Ende dazu wirklich dazu kommt, die Befruchtung zu ermöglichen. Dieses Ziel der Natur verhinderst du durch den Gebrauch von Kondomen, am Prozess kannst du aber nur dann verändern, wenn du dir einen Teil deines Bewusstseins sicherst, um deinen eigenen Weg zu gehen. Solange dich die Lust nicht „überwältigt“, kannst du den Vorgang auch jederzeit abbrechen.

Die Steigerung der Lust

Wie die Lust gesteigert werden kann:

Obwohl einige der Prozesse automatisch ablaufen, kannst du die eigene Lust oder die Lust deines Partners steigern.

  • Eine sinnliche Umgebung herstellen: Optisch und akustisch für Entspannung sorgen, um Lust und Sinnlichkeit hervorrufen, zum Beispiel mit Farben, Düften, Musik, Stoffen, Kerzen und mehr.
  • Dem ersten optischen Reizen intensivere Reize folgen lassen (zum Beispiel beim „Ausziehen“).
  • Die Berührungsreize nach und nach verstärken: zum Beispiel durch das Streicheln über der Kleidung und unter der Kleidung, oder durch Küsse und die Reizung der „erogenen Zonen“ mit der Hand.
  • Bei dir selbst: Durch Fantasien, die du parallel zu deinen Aktionen entwickelst. Es können ruhig heftige Fantasien sein. Hauptsache, sie verstärken deine eigene Lust.
  • Bei dir selbst oder beim Partner: durch Schläge, Fesslungen oder durch eine Einschränkung der Wahrnehmung (Augen verbinden, Ohren verstöpseln, Dunkelheit). Diese Möglichkeiten müssen vorsichtig erprobt werden, weil daraus auch Angst entstehen kann.

Die Theorie der Lust

Neben dem Wunsch der Natur, die einmal „angeleierte“ Verführung auch zum Abschluss zu bringen, ist das Rückkoppelungsprinzip ausschlaggebend für die „Geilheit“. Wenn die Berührungen intensiver werden, gehen Impulse ans Gehirn, mehr Botenstoffe auszusenden, die wieder zu heftigeren Lüsten führen. Aus der Sicht der Natur ist keine „Unterbrechung“ vorgesehen, sondern der Prozess soll „voll durchgezogen“ werden. Genießerinnen und Genießer lernen aber nach und nach, diesen Prozess in die Länge zu ziehen, um längere Zeit Lust zu empfinden.

Fehlannahmen über die Lust

Der größte Irrtum über die sexuelle Lust besteht darin, dass es einen einzigen Auslöser gibt, aus dem die Lust entsteht und ein einziges Organ, das für die Erfüllung der Lust zuständig ist.

  • Manche Frau denkt, die Klitoris sei der Auslöser, weil ihre Stimulation schnell und sicher wirkt, um die Lust zu erwecken.
  • Entsprechend glaubt mancher Mann, der Penis an sich oder jedenfalls die Eichel würde ihm die erhoffte Befriedigung verschaffen.

Beide Annahmen werden deshalb so häufig vertreten, weil es die Personen, die sich masturbieren oder masturbiert werden, es so empfinden.

Eine weitere Fehlannahme besteht darin, Frauen müsste einen Menschen zuerst lieb gewinnen, wenn sie den Geschlechtsverkehr mit ihm ausüben würden. Diese Annahme beruht darauf, dass „Liebe“ mit der Verliebtheit verwechselt wird, die durch Botenstoffe hervorgerufen wird.

Wie sich die Lust erfüllt

Die Erfüllung sexueller Lust kann von eigener Hand (Masturbation), durch die Hand anderer oder durch weitere sexuellen Praktiken entstehen (Oralverkehr, Vaginalverkehr). Durch viele Befragungen und Beobachtungen wurde jedoch bewiesen, dass vaginale Orgasmen durch PiV-Verkehr (gewöhnlicher Sex) nur schwer zu erreichen sind.