Fetischismus und Fetische

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Fetische in der Umgangssprache

Fetischismus ist im Grunde eine Bezeichnung für die Neigung, einen als lustvoll empfundenen Gegenstand mehr zu lieben als die Person, von dem er stammt. Wir trennen in diesem Lexikon ganz bewusst die „psychiatrische Sichtweise“ solcher Begriffe ab und konzentrieren uns ganz auf den Sprachgebrauch der heutigen Zeit.

Fetischismus – die traditionelle Sichtweise

Auch in der Alltagssprache deutet manches auf den unbelebten Gegenstand als „sexuellen Fetisch“ hin. So etwas, wenn sich jemand eine Sammlung von getragenen Höschen oder Stiefeletten zulegt. Doch mehr und mehr wird das Wort „Fetisch“ eher für einen Körperteil einer anwesenden Person oder für ein Kleidungsstück benutzt, das sie aktuell trägt.

Das hat bereits der umstrittene Psychiater Krafft-Ebing vermutet, der in seinem Buch „Psychopathia sexualis“ bereits schrieb, Fetischimus sei die

„Verbindung der Vorstellung von einzelnen Körperteilen oder Kleidungsstücken des Weibes mit Wollust.“

Psychopathia Sexualis, Seite 174

Diese Behauptung macht die Problematik deutlich, denn würde der Satz stimmen, wären nahezu alle Männer vom Fetischismus befallen – und genau dies erkannt der Autor damals auch und trennte deshalb den allgemeinen Begriff von einem „pathologischen erotischen Fetischismus“, der seither nirgendwo unerwähnt bleibt, wo von „Fetischen“ die Rede ist.

Fetischismus heute

Bleiben wir bei der Jetztzeit und der allgemeinen Definition. Demnach spricht man von einer „fetischistischen Neigung“, wenn ein Stoff (Leder, Latex, Gummi, Pelz, Wolle) erst in Verbindung mit der Trägerin Lust erzeugt. Das Gleiche gilt für Kleidungsstücke, namentlich Unterbekleidung, aber auch Stiefel, Schuhe und Strümpfe. Ebenso spricht man von Fetischismus, wenn jemand auf übertriebene Art auf Brüste, Gesäße oder Füße fixiert ist. Zudem ist der Fetischismus nicht mehr ausschließlich „männlich“ definiert – bei Frauen erleben wir gelegentlich einen ausgeprägten „Uniformfetischismus“. Ganz generell wird „Fetischismus“ aber auch für „merkwürdige Neigungen“ benutzt.

Statt von Fetischisten zu sprechen, können wir auch von „Liebhabern“ reden. So sind Begriffe wie „Busenliebhaber“ oder „Fußliebhaber“ entstanden.

Sexuelle Lüste als Fetischismus

Manchmal werden sexuelle Wünsche als „Fetische“ bezeichnet, zum Beispiel solche nach Achsel- oder Schamhaaren, besonders großen oder besonders kleinen Brüsten, nach bestimmter Unterwäsche (Strapse, Korsetts) oder besonders raffinierten Entkleidungen oder Verkleidungen (Strip, Uniformen, Bettstiefel, Retrokleidung) … und sicher noch nach vielen anderen, die mehr oder weniger „appetitlich“ sind. Sie alle zu erwähnen, überschreitet die Möglichkeiten dieses Lexikons.