Sadomasochismus

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Sadomasochismus und „Sadomaso“

Sadomasochismus ist, ebenso wie der heutige Begriff Masochismus überhaupt, sehr eng mit der Vorstellung verbunden, aus Liebe zu leiden oder Lust im Leid zu empfinden. Behauptet wird, dass Sadomasochisten wie „zwei Seiten einer Münze“ fühlen, also sowohl erotisch-sadistisch wie auch erotisch-masochistisch veranlagt seien. In der Theorie fühlt sich der Sadomasochist als Masochist wohl in der Rolle, im körperlichen Leid oder in der Abwertung Lust zu empfinden. Dennoch macht es ihm (wieder in der Theorie) auch Freude, anderen körperliches Leid zuzufügen oder sie abzuwerten. Die Theorie dazu geht auf den Psychiater Krafft-Ebing zurück, der sich wiederum auf den Autor Leopold Ritter von Sacher-Masoch bezieht. In dessen Roman „Venus im Pelz“ wandelt sich der Held vom Masochisten zum Sadisten.

Vereinfachung als Sadomaso (Boulevard und Literatur)

Als Sadomaso vereinfacht, wird der Begriff durch die Boulevardpresse geschleppt, geradezu so, als habe er eine tiefere Bedeutung. In dieser vereinfachten Theorie wird der psychisch oder sexuell unterdrückte Mensch im Sadismus zum Herrscher über andere, während er im Masochismus wieder zurück zu seiner ursprünglichen Neigung findet. Beweise für diese Theorie gibt es nicht, doch versucht nahezu jeder Autor, diese Begründung in die erotische Literatur einzubinden. So auch in den „Shades of Grey“, die namhaft zur Verbreitung des Gedankens beigetragen haben. In der Literatur versucht man, Rückblicke auf das Leiden des jungen Mannes oder der jungen Frau während der Pubertät einzufügen, um den Werken einen „psychologischen“Anstrich zu geben. Damit soll bewiesen werden, dass es Ereignisse in der Jugend der Protagonisten gab, die sexuell-sadistisch geprägt waren, wodurch die Person später sadistische oder masochistische Tendenzen entwickelte.

Es gibt viele recht ausführliche Begründungen für solche Annahmen, aber keinen schlüssigen Beweis. Vor allem ist völlig unklar, warum so viele Menschen von erotischen masochistischen Gelüsten träumen oder sich beim Masturbieren in diese Rollen hineindenken.

Sadomasochismus – orientieren am Sprachgebrauch

Hinweis: Dieser Eintrag vermeidet bewusst, die Definitionen der Psychiatrie zu verwenden. Auch die Ansichten der BDSM-Community fließen nicht in die Betrachtungen ein. Vielmehr versuchen wir, die heutige Bedeutung für jeden einzelnen zu erläutern, der in irgendeiner Weise mit dem Thema konfrontiert wird, insbesondere in der Literatur und der Sprachwelt des 21. Jahrhunderts.

Träume kontra Verwirklichungen

In allen Bereichen der „schamvollen“Erotik sind Träume häufiger als Taten. Das heißt, dass wesentlich mehr Personen von erotischen Extremen träumen als diejenigen, die sie tatsächlich ausüben oder zulassen. Eine der verlässlichsten Studien zu erotischen Träumen und Masturbationsfantasien stammt von kanadischen Forschern. Sie haben diese Zahlen ermittelt, die der Liebesverlag hier als Diagramm zu Unterwerfung und Domination darstellt. Mehrfachnennungen waren möglich. Wie aus der Grafik zu ersehen ist, haben in einigen Bereichen mehr als die Hälfte der Frauen und Männer entsprechende Träume.

Erotische Träume von Unterwerfung und Beherrschung