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Show – don’t tell nicht als ein Mythos?

Bullshit - diese Sätze wollen wir nicht lesen ...
„Erzähl mir nicht, dass der Mond scheint. Zeig mir den Glanz seines Lichts auf zerbrochenem Glas“ (Anton Tschechow,1).

Schreibschulen, die das „kreative Schreiben“ lehren, sind immer ganz versessen darauf, diese merkwürdigen Begriff zu verwenden: „Show, don’t tell“. Er darf in keinem Seminar fehlen – doch was bedeutet er eigentlich konkret?

Die Verben, die plakativ Gedanken und Gefühle bezeichnen

Da ist sehr einfach: der Satz bezeichnet eine Steigerung des anschaulichen Schreibens. Wer sich daran hält, vermeidet die üblichen Fehler. Einer der schlimmsten Anfängerfehler besteht demnach darin, Verben zu verwenden, die Gedanken bezeichnen, aber nicht beschreiben können. Dazu gehören nach Auffassung der Befürworter des „kreativen Schreibens“ vor allem die verbalisierten Begriffe von Denken, Wissen, Verstehen, Bemerken, Glauben, Wollen, Erinnern, Vorstellen oder Verlangen.

Sicher gehört dazu auch der häufige Gebrauch des „Fühlens“ – ein Kardinalfehler bei Schreibanfängern. In Erotik-Geschichten lesen wir zum Beispiel:

„Ich fühle mich seltsam glücklich und zufrieden.“
„Ich lag allein im Bett und fühlte, wie nass mein Slip war.“
„Ich fühlte, wie sein Penis in mich eindrang“.


Versuchen wir, diese verbalisierten Hohlwörter zu umgehen, dann heißt es für uns zunächst „beschreiben, nicht benennen“ und im zweiten Schritt „bildhaft beschreiben, statt rein verbal zu beschreiben“.

Aus den folgenden Sätzen habe ich einen herausgegriffen, um zu zeigen, wie es gehen könnte:

„Plötzlich spüre ich, wie ich nach ihm verlange.“
„Ich verstand ihn sehr gut.“
„Ich glaube, dass sie mehr will als sie zugibt.“
„Ich stelle mir vor, dass sie bereits nackt neben mir liegt.“
„Ich erinnerte ich daran, wie mein ‘erstes Mal’, war.“


Ich nehme nun den ersten Satz, analysiere ihn und verändere den Text, also: „Plötzlich spüre ich, wie ich nach ihm verlange.

Hier wird das Wort „Spüren“ verwendet. Es steht in diesem Zusammenhang eher für für ein „instinktives Gefühl“ als für eine „körperliche Wahrnehmung“, und also wissen wir nicht einmal, was unsere Protagonistin „spürt“, und auch ihr „Verlangen“ ist nichts als ein Wort. Die Figur „spürt ihr Verlangen“ – und das kann sehr viel oder sehr wenig bedeuten.

Beschrieben würde es so heißen:

Plötzlich beginnt mein Unterleib zu zittern, zuerst fast unmerklich, dann so, dass er nach Aufmerksamkeit schreit, nach Lust giert. Nein, nicht nach meinem Finger, sondern danach, dass mich dieser Mann endlich vögelt.


Wenn du solche Ausdrücke scheust, geht es auch so:

Plötzlich kann ich mich nicht mehr konzentrieren, auf gar nichts. Meine Gedanken sind wie weggeblasen, und langsam schleicht sich die Lust ein. Nicht eine dieser unklaren Lüste, bei denen dein Kopf zurückfällt und du die Decke anstarrst, wenn sie dich überfallen. Nein, eine sehr konkrete Lust befällt mich: Ich will einen Mann. Mein Körper verlangt danach, meine Gedanken kreisen sich um nichts anderes mehr, und meine Psyche wird zu einem offenen Kelch, der befüllt werden will.


Diese Texte lassen sich erheblich farbiger ausschmücken, und auch so, dass sie deine Leserin wesentlich geiler machen, als wir dies hier vorschlagen.

Und nun, zum Schluss, verrate ich dir, wie du das ganze Buhei auf einen einfachen Nenner bringen kannst:

Schreib nicht darüber, was es ist – schreib einfach, wie es ist.


Das bedeutet „Show don’t tell“, wenn du es stark vereinfachst. Wenn du dann noch so schreiben kannst, dass deine Worte deine Leserin in Geist,Gefühl und Körper befeuern – dann hast du gewonnen.

(1) Da ich kein Russisch spreche, habe ich den Satz nach der englischen Übersetzung wiedergegeben.

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