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Die Vorgänger des Online-Datings - und was davon heute noch existiert

Zeitungsanzeige um die 1900ter Jahrhundertwende
Es gab viele Vorgänger des Online-Datings. Die ersten waren „Ehesuche per Korrespondenz“, bei denen zunächst Briefbekanntschaften vermittelt wurden, die sich dann zu Beziehungen entwickeln sollten. Diese Methode entwickelte sich noch zu den Zeiten, als die Sterblichkeit am Kindbettfieber hoch war – also in der Zeit zwischen 1823 und 1848. Damals standen sehr viele Männer anschließend plötzlich mit Kindern, aber ohne Frauen da, und in der damaligen Zeit galt dies als unerträglich. Aus einer anderen Sichtweise hatten die „bürgerlichen Stände“ ihre liebe Not, die weniger schönen Töchter an Männer „loszuwerden“. Auch sie griffen dann oft zu dem „heute nicht mehr ungewöhnlichen Mittel der Ehesuche per Korrespondenz“ oder per „Annonce“.

Ehesuche per Korrespondenz und per Zeitungsanzeige

Neben der „Ehesuche per Korrespondenz“ gab es die Ehemakler und die einst verfemten, später durchaus beliebten Zeitungsannoncen, deren Blütezeit im 20. Jahrhundert begann – und sie hielt bis Ende der 1990er Jahre an und ist immer noch nicht ganz vorbei. Nun muss man wissen, dass diese Zeitungsanzeigen hakelig waren, weil sie nahezu immer unter „Chiffre“ veröffentlicht wurde und man nicht erkennen konnte, ob die Personen real waren. (Dies ist im Übrigen bis heute so).

Der Rechenknecht als Kuppler - Partnersuche digital

Doch im Herbst 1965 kamen dann zwei amerikanische Studenten, Jeffrey C. Tarr und Vaughan Morrill III die Idee, das bisherige umständliche und wenig erfolgreiche „mixing“ (1) durch ein Dating-System zu ersetzen: Operation Match. Zu diesem Zeitpunkt wurden Jeffrey C. Tarr, David L. Crump and Vaughan Morrill als Gründer genannt.

Viele Fragen zu Vorlieben - mit Computern ausgewertet

Es bestand aus 75 Fragen, die partnersuchende Studenten über sich selbst beantworten mussten, und 75 Fragen zu den Wunschpartnern. Das ausgefüllte Papier musste sodann auf Lochkarten übertragen werden – anschließend wurde es mit einer IBM 1401 (1959 vorgestellt, 2) ausgewertet. Nach etwa drei Wochen – so wird berichtet - konnten die Teilnehmer dann die sechs „passendsten“ Matches in Empfang nehmen – auf Papier ausgedruckt mit Namen und Kontaktdaten.

Die Fragen waren – und das lässt aufhorchen – keinesfalls wissenschaftlich sondern rangierten von grundlegend bis leicht anrüchig, so, wie sich die Initiatoren selbst sich ihre Vorlieben beim anderen Geschlecht vorstellten. Die Sache war ausgesprochen erfolgreich, obgleich sie nahezu ausschließlich auf dem Campus bekannt gemacht wurde.

Der Erfolg des "digitalen Matchings" blieb aus

Ein wirklicher Erfolg wurde es dennoch nicht – denn nachdem die erste Euphorie verfolgen war, interessierte diese Art des „Matchmakings“ immer weniger Studenten und auch ihre Gründen verloren das Interesse an ihrem „Baby“. Man verkaufte es kurzerhand, wie einer der Gründer sagte, „zu einem sehr geringen Preis.“

Warum das Verfahren letztlich nicht erfolgreich wurde? Man kann darüber nur spekulieren. Einer der möglichen Gründe besteht darin, sich zu wenig Studentinnen meldeten – der Frauenanteil an vergleichbaren Aktionen in Deutschland war sehr gering. Und: Da jedem Mann und jeder Frau „sechs passende Matches“ versprochen wurden, trat mit Sicherheit der Kardinalfehler solcher Systeme zutage: Manche „Profile“ wurden inflationär ausgesandt, um auf die versprochenen sechs Matches zu kommen. Das bedeutete letztlich, dass die Frauen (und manche Männer) die diese Kontaktdaten bekamen, mit zahllosen Anrufen belästigt wurden. Datenschutz war ein völlig unbekanntes Wort.

Spekulation und Realität - wie war es in Deutschland?

Der vorausgegangene Absatz ist insofern Spekulation, als ich die Verhältnisse auf einem Campus in den USA der 1960er Jahre nicht beurteilen kann. Ich habe ihn aus den Ereignissen der 1980er Jahre in Deutschland abgleitet, als es ebenfalls eine Agentur gab, die behauptete, über ein derartiges System zu verfügen. Die Mängel waren aber so erheblich, dass sie nach wenigen Versuchen wieder aufgab – besonders der fehlende Datenschutz und die Quasi-Veröffentlichung von Telefonnummern im großen Stil erbosten die Frauen damals ungeheuerlich.

Der Computer als zuverlässiger Partnervermittler?

Die Beteiligung eines Computers am Auswahlprozess ist im Übrigen vielfach als „Werbemittel“ benutzt worden – und das ist bis heute nicht anders, nur dass man heute von „Algorithmen“ spricht. Der Einsatz des Computers ist heute eine wirtschaftliche Notwendigkeit, und keinesfalls eine Geheimwaffe, um “bessere Matches“ zu erzeugen. Im Grunde ist die Sache ganz einfach: Man gibt vor, wissenschaftlich zu arbeiten und tut am Ende nichts anderes, als einige Kriterien zu vergleichen und ein paar Empfehlungen auszudrucken. Wie hoch die Hürden für die „Übereinstimmung“ gesetzt werden, weiß im Grunde nur der Programmierer, und ob es tatsächlich Übereinstimmungen sind, weiß niemand, den die tatsächlich verwendeten Parameter werden als „Firmengeheimnisse“ eingestuft und entziehen sich der Nachprüfung.


(1) Mixing – Bekanntschaften über die Vermittlung von DJs schließen.
(2) nach anderen Quellen auf einer IBM7090 (1962 vorgestellt)


Die meisten Fakten stammen aus dem Artikel aus "The Crimson", aber auch aus anderen Quellen, die frei zugänglich sind.
um Thema "Geschichte der Partnersuche" gibt es auch einen Artikel in der Liebe Pur von mir.

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