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Das Verlangen nach dem süßen Schmerz …

Geschönt oder real? Der süße Schmerz ...
Die Suchmaschinen bieten euch heute alles. "Das Verlangen nach dem süßen Schmerz" wird ersetzt durch „Das Verlangen nach Süßem.“ Da kann jedes Lieschen Müller ihr Scherflein beitragen, nicht wahr?

Das Hirn tickt, versucht Varianten zu finden. Das Verlangen, Schmerzen zu empfinden? Die Lust, Schmerzreize zu empfangen? Die lustvolle Sehnsucht nach dem süßen Schmerz? Oder der „Süße Schmerz“ schlechthin?

In der Romantik finden wie ihn, den süßen Schmerz – meist ist er ein in tiefer Seele empfundener Liebesschmerz, dann und wann auch der Schmerz des Verlustes schlechthin, und schließlich die Lust am Leid der Existenz.

Von Heine sind die Zeilen überliefert:

Ich fühle den süßen Schmerz der Existenz, ich fühle alle Freuden und Qualen der Welt, ich leide für das Heil des ganzen Menschengeschlechts, ich büße dessen Sünden, aber ich genieße sie auch.


Was Heine quält, will Kant wohl gelten lassen:

In Romanen, in denen man sich einer Art von Schmerz gern überlässt und es ist in der menschlichen Natur ein Grund dazu ... an seinem eigenen Schmerz ein Wohlgefallen zu finden.


In diesem Fall ist es die Lust, den Schmerz stark einwirken zu lassen, wohl, um in später endlich zu überwinden. Eher mit der leiblichen Lust hatte es wohl Hoffmann, der sich wie so oft auf die Musik bezog:

Der süße Schmerz der brünstigen Liebessehnsucht, war darin in einfacher Melodie, mit einer Wahrheit, mit einer Stärke ausgedrückt, die jedes fühlende Gemüt unwiderstehlich ergreifen musste.


Soweit der süße, bisweilen bittersüße psychische Schmerz, den Denker und Dichter beobachteten oder selbst an sich erkannten.

Der süße Schmerz - von der Psyche aufs Gesäß

Wie kommt die bittere Süße nun von der Psyche auf das Gesäß? Finden wir die Antwort etwa bei Hoffmann? Dort wird die junge Heldin, Malchen genannt, mit der bitteren Süße konfrontiert, die in Gestalt eines Komponisten auftritt. Sie soll mit entblößtem Gesäß die „Noten a posteriori“ (1) kennenlernen, wobei noch ergänzt wird: „Vielleicht erfindet sie daraus noch eine Philosophie der Musik.“

Welche Lust berührt uns direkter - die psychische oder die körperliche?

Was ist nun unerträglicher: Lust, Schmerz und Schmach der Psyche zu verbinden oder die Lust, die Angst und der Schmerz, den wir auf unserer Haut fühlen? Wir stellen die Frage nur an Erwachsene, weil sie sich bewusst darauf einlassen können.

Das Verlangen des schmerzlüsternen Erwachsenen - körperliche Nähe?

Das Verlangen nach dem süßen Schmerz, der sich aus der körperlichen Züchtigung ergibt, ist das Verlangen oder die Sehnsucht nach körperlicher Nähe. Natürlich will im Prinzip niemand wirklich gezüchtigt werden, aber wenn die Züchtigung das sicherte, Mittel ist, für eine längere Zeit die körperliche Nähe zu genießen, wer wollte sie dann nicht in Kauf nehmen? Nein, nicht jeder - aber mancher wird es tun.

Literatur und Wissenschaft

Die Literatur kennt das Verlangen nach dem süßen Schmerz. Die Lust, sich nackt und hilflos der peitschenden Hand einer Wanda hinzugeben? Die Schwüle von Küssen und Qualen in heißen Sommernächten, wenn Schweiß und Sperma rinnen? Die Begierde, die Lippen küssen zu wollen und nur die Füße küssen zu dürfen? Die Schmach, einer Frau zu Willen sein zu müssen, gleich, was sie auch fordern mag?

Ach, ihr kennt Begriffe wie „Sadomasochismus“ oder, wie manche Wissenschaftler sagen, Algolagnie? Die unendliche, fordernde Lust, sich Schmerzen zufügen zu lassen, die heute eher unter dem Begriff Masochismus bekannt ist? Doch reden wir da wirklich vom Gleichen?

Kann denn Schmerz Liebe sein?

Nun, die Frage wäre, ob es das Gleiche ist. Niemand wird behaupten, der Vorgang, einen versteiften Penis in eine Vagina einzuführen, habe ursächlich etwas mit Liebe zu tun. Und niemand sollte glauben, dass Masochismus (Schmerzlust) das Gleiche ist wie die sanfte, aber dennoch schmerzhafte Süße einer strafenden Hand auf einem glühenden Po. Mit dem gleichen Recht könnten wir sagen: Das Eindringen des Penis in die trockene Vagina sei Masochismus. Oder aber die süßen, lustvoll schmerzenden Schläge auf den Po sein nichts als Liebe.

In der Literatur gibt es weiterhin den süßen Schmerz

Kommen wir zurück in die Niederungen der Literatur.

Nachdem ich suchte, fand ich etliche neue E-Books zum Thema des süßen Schmerzes, und ich dachte an dem viel benutzten Begriff „Küsse und Qualen“. Sind es nun die Wechselbäder zwischen Zärtlichkeit und Schmerz, die viele Frauen und fast ebenso viel Männer faszinieren? Oder ist es die Strenge der Respektspersonen, der formale angezogenen, der Uniformierten, denen sich manche Frauen und Männer unterordnen wollen? Ich fand die süße Lust am Schmerz hingehaucht in Texten. Da kostet die Figur gerade die süße Angst vor jedem Schlag aus, bekommt eine freudig-gänsehautige Wollust. Und wenn dann der Schmerz den Körper durchzuckt, gibt sie sich dem süßen, bösen Schmerz vollständig hin. Na gut. Mal ist es mehr Süße, dann mehr Schärfe. Jedenfalls ist es kein Schlag, der irgendwie verpufft, als hätte man mit dem Rohrstock auf ein Kopfkissen geschlagen und jemand anders hätte dazu „Au!“ gerufen.

Und der Mann ... er giert doch auch?

Soweit es Männer betrifft, ist es stets auch die Freude an der Schönheit der dominanten Frau, sei sie nun vollständig bekleidet, in Fetischkleidung verpackt oder in Pelz gehüllt. Diese Frau kann nach eigenem Gusto alle „seine“ Wünsche erfüllen oder sich ihnen verweigern. Sie kann den Mann verlachen, wenn er bleich und nackt und mit erschlafftem Penis vor ihr liegt oder ihn sogleich wieder erbauen kann, um ihn schon bald wieder zu frustrieren. Sie kann die intime Hand wählen, um seine nackte Haut zu röten oder ihm den gefürchteten Rohrstock über den Hintern ziehen, dass er gellend aufschreit. Letzteres gehört eigentlich nicht mehr zu den ganz normalen Schmerzlüsten, aber wer es heftig mag … nun ja, soll er doch.

Das Verlangen nach dem süßen Schmerz ist viel intimer, viel direkter. Es ist nicht der Schmerz, der sich in den Schreien der gequälten Kreatur ausdrückt, nicht der Schmerz, der peinliche Tränen auslöst. Ich las gerade: „Schläge sind (… unter Liebenden …) oft nur eine besonders intensive Form der Zärtlichkeit“ … der Satz schwebt wie eine Wolke an mir vorbei. Ja, so könnte es sein.

(1) Sowohl "aus der Erfahrung" wie auch "auf dem Hintern" aus "Schwester Monika"

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