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Scham

Scham - ist es gut sich zu schämen? Sind wir schamlos, weil wir sinnlichen Lüsten folgen? Oder ist das Ganze ein Dummgeschwätz, um uns einzuschüchtern?
Es gibt niemals einen Grund, sich seiner Gefühle zu schämen

Da gibt es so ein Gefühl … nun ja, es macht dich ganz irre, du weißt nicht, woher es kommt, du weißt nicht, warum es dich gerade plagt. Und falls dir die Schamesröte im Gesicht steht oder falls du vor Scham in den Boden versinkst, dann weißt du: Ich fühle etwas, das ich nicht fühlen will und das ich auch wirklich nicht brauchen kann.

Niemand weiß wirklich, wie Scham entsteht

Du willst wissen, was es für dich bedeutet? Vielleicht suchst du die üblichen Quellen ab. Dann wirst du zahllose Annahmen finden, die alle kaum etwas aussagen. Selbst Lexika können dir bestenfalls sagen, wie sich das Schamgefühl auswirkt – nun ja, als ob man es nicht selber wüsste oder schon an anderen erlebt hat. Erbleichen, erröten, schwanken, den Blick senken oder abwenden – all dies gehört zu diesem merkwürdigen Gefühl, sich zu schämen.

Je mehr du über Scham liest, umso verwirrter wirst du

Wenn du wissbegierig bist und den letzten und unverständlichsten Artikel gelesen hast, bist du so schlau wie vorher. Das Schamgefühl wandert weiterhin mit dir auf deinem Lebensweg, und es macht dich verlegen. Vielleicht denkst du sogar dann und wann an deine Mutter, die dir mitgab: „Einen solchen Vorteil auf diese Weise zu erlangen, mein Kind, ist ungehörig. Du solltest dich dessen schämen.“ Ein Vorteil, eine Gunst, eine Lust, die man sich stibitzt, hat, allein der Gedanke, dass der eigene Ruf dabei beschädigt werden könnte – das hindert uns, von den verbotenen Früchten zu essen, sie sinnlich zu genießen oder sie gar mit Wollust zu verschlingen.

Durch Scham die Gesellschaft zusammenhalten?

Manche Psychologen machen dicke Backen und sagen, sie wüsste, dass Schamgefühle gut sind, weil sie „die Gesellschaft zusammenhalten“. Das würde bedeuten, dass wir gut daran tun, uns zu schämen, wenn wir abweichen. Dieser Unsinn wird tatsächlich behauptet – von namhaften Wissenschaftlern, deren Aussagen von Journalisten beispielsweise so zitiert werden:

Unsere Daten belegen, dass Scham eine wirklich gute Sache ist und nichts, das man bekämpfen sollte.


Schon allein der Satz selbst ist so dumm, dass es quietscht. Geht es etwa darum, zu bewerten, ob ein Gefühl „eine gute Sache ist?“ Oder sind wir im Krieg, in dem es etwas zu „bekämpfen“ gilt? Ich kann nur den Kopf schütteln.

Schämen heißt auch: unter sich selbst zu leiden

Nüchtern betrachtet leiden die meisten Menschen, die sich schämen, sowohl an am Schämen selbst als auch an den Auslösern, also dem "unziemlichen" Verhalten. Sie waren sich nicht gut genug, sie waren anderen nicht gut genug, sie haben gewildert und stibitzt, gelüstet und genossen – und dann leiden sie, weil sie Schamgefühle entwickeln. Das ist sicherlich nicht gesund für die Psyche und schädlich für die Selbstsicherheit. Der Satz „Natürlich sündige ich, und ich genieße es sehr“ ist sehr selten zu hören, und für viele Menschen wäre es unerhört, wenn sie solche Sätze lesen würden. Ich würde mir wünschen, sie häufiger zu lesen.

Erfolg entseht nicht durch Schamhaftigkeit

Wenn du erfolgreiche, durchaus liebevolle und sogar sozial engagierte Menschen kennst, wirst du stets feststellen, dass diese nicht schamhaft sind. Denn wären sie es, so hätten sie nicht gewagt, etwas zu beginnen oder sich bei verfügbaren Ressourcen zu bedienen. Auch sie haben Schamgrenzen – aber diese Linien verlaufen nicht dort, wo es um lächerlich kleine Grenzübertretungen geht.

Sich schämen kann schaden

Mir scheint, dass die Menschen, die ausgesprochen schamhaft sind, auch nicht den Mut haben, über sich selbst hinaus zu wachsen. Wenn sie jede Teppichkante für ein Gebirge halten, können Sie nicht vorankommen. Und wenn sie ihre „kleinen Sünden“ nicht genießen können oder gar verteidigen müssen, werden sie niemals wirklich autonom handeln können.

Manche Frauen denken, sie seinen Schlampen, wenn sie masturbieren, Sextoys benutzen oder sich durch sexuelle Kontakte Vorteile verschaffen. Sie schämen sich, obgleich es viele andere auch tun, und sie sollten sich nicht schämen, wenn sie all dies getan haben, damit es ihnen gut ergeht. Andere schämen sich, weil sie nicht sexy aussehen, keine perfekten Körper haben oder keinen Mann an sich binden können. Es mag schwierig sein, mit manchen Themen umzugehen, aber es gibt keinen Grund, sich des Daseins zu schämen.

Akzeptiere die Röte im Gesicht, und besorge dir gute Argumente

Das alles ist kein Grund dafür, sich zu schämen. Und falls du errötest (vielleicht jetzt?), dann üb mal verbal und emotional, damit umzugehen. Und besorge dir ein paar passende Antworten, wenn eine Freundin dich fragt: „Sag mal, schämst du dich eigentlich nicht?“

Bild:Illustration aus "La Faut des Roses, geschrieben von Félicien Champsaur, Datum unbekannt"

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