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Die nüchterne Seite des erotischen Schlagens und anderer Künste

Die nackte Hand auf dem nackten Po
Hast du mal einen Kriminalroman gelesen? Sicher hast du das. Und dann weißt du sicherlich, dass ein solcher Roman zumeist Polizeiarbeit bedeutet, von der die Autoren mal keine Ahnung, mal aber auch ausgefeilte Kenntnisse haben. Psychologische Kenntnisse helfen, um über Motive, Opfer und Täter zu spekulieren. Forensische und pathologische Grundkenntnisse sind nützlich … und dann menschelt es eben auch noch zwischen den modernen Paarungen zwischen Kommissar und Sergeant, vor allem, wenn beide auch noch erweiterte außerberufliche Konflikte haben.

Lerne, das Terrain kennen, auf dem dich bewegst - wenigstens ansatzweise

Alles richtig? Und nun versuchst du also, einen erotischen Roman zu schreiben. Vielleicht weißt du ja, wie die ganz gewöhnlichen Vorgänge so ablaufen … aber sicher wäre es auch nützlich, noch ein paar andere Kenntnisse zu erwerben. Einwände? „Ich soll SO etwas tun?“ Nein, nicht unbedingt. Aber du könntest deinen Horizont mal um die Vorstellungen erweitern, wie so etwas ablaufen könnte. Solltest du über etwas schreiben, was „zart und hart“ beinhaltet, dann erprobe davon wenigstens die Details, die du dir zumuten kannst. Und wenn etwas aus deiner Sicht „unappetitlich, bedrohlich oder menschenverachtend“ ist – dann lass es so weit an dich heran, dass du glaubwürdig darüber schreiben kannst. Ich kenne den Einwand: „Andere können es auch nicht und haben trotzdem Erfolg“. Mag sein. Aber ein Kriminalkommissar, der du in in Oslo oder Kopenhagen ermitteln lässt, sollte wenigstens sein Terrain kennen – und du solltest ein bisschen auf die Anatomie von Frauen und Männern achten.

Leg dich hin und knie nieder

Ach ja: Eine Kernfrage ist immer. Wenn deine Figur so-und-so liegt, sitzt oder steht, kann sie dann das-und-das wirklich ausführen? Klingt banal – ist es aber nicht. Auch hier hilft dir, dich wenigstens solo mal in die Lage zu begeben – schadet nichts, dient aber der Wahrheitsfindung.

Von Vanille zu Chili - wie scharf spürst du die Schärfe im Inneren?

Viele Sorgen macht insbesondere Autorinnen die Frage: „Was mache ich eigentlich, wenn mein Sex eher von Vanillearoma geprägt ist, meine Figur aber Chili (in echt oder mental) bevorzugt? Oder einfacher: Wie fühlt sich die Schmerlust an, bevor (ja: bevor) jemand leise „aua“ sagt oder gar vor Schmerz gellende Schreie hervorbringt und heiße Tränen vergießt?

Dazu musst du dich wirklich mit der nüchternen Seite des Schlagens und Geschlagenwerdens beschäftigen – was ausgesprochen schwerfällt, weil dabei schon im Gespräch Emotionen aufkochen.

Zehn nüchterne und hilfreiche Informationen über Schläge

Schläge haben mehrere Komponenten, an die du vielleicht noch nie gedacht hast:

1. Sie erzeugen zweifellos körperliche Schmerzen – doch fühlen sich nicht alle Schmerzen gleich an.
2. Schläge erzeugen aber auch sichtbare, beschreibbare Körperreaktionen, die keine Schmerzen darstellen. (Aufbäumen, ausweichen, Laute von sich geben, Weinen).
3. Innerhalb von Schlägen werden Schamgrenzen und andere übliche menschliche Grenzen übersprungen. (Nacktheit, Schamverletzungen)
4. Schläge erzeugen weitere verborgene körperliche Reaktionen, weil durch sie vom Gehirn Botenstoffe freigesetzt werden. (Drogenähnliche Effekte)
5. Manche Schläge erzeugen Geilheit, besonders solche, die auf das Gesäß appliziert werden.
6. Psychische Reaktionen können ausgesprochen vielfältig sein – vom „Wiedererinnern“ an frühe Erfahrungen bis hin zum Auslösen von Wut, Hass, Geilheit, Unterwerfung oder Demut.
7. Schläge sind – neben Sex und Massagen – die intimste Möglichkeit, jemandem sinnlich zu begegnen.
8. Die tatsächliche, Schmerz auslösende Wirkung von Schlägen ist von vielen Variablen abhängig: der Intensität, mit der der Schlag ausgeführt wird, der Art des Instruments, mit dem geschlagen wird, und der Schmerztoleranz dessen, der geschlagen wird.
9. Die psychische Wirkung von Schlägen ist vom Szenario abhängig, das dafür aufgebaut wurde, aber auch von der Adaptionsfähigkeit des Geschlagenen.
10. Schläge stehen stehen zumeist nicht „für sich allein“ und sind nicht immer Teil einer Bestrafung. Sie haben mal mehr, mal weniger mit Sex zu tun, können aber durchaus auch sexuelle Genüsse beflügeln.

Alles mit der Hand am Arm - der Anfang lustvoller Schläge

Als einfachstes Beispiel möchte ich euch die Schläge mit der Hand vorstellen. Sie sind die intimsten Schläge überhaupt, weil sie unmittelbar bidirektional wirken.

Der Arm dient dabei als Beschleuniger für die Hand, die erst im letzen Moment die volle Geschwindigkeit und damit die volle Energie für einen schmerzhaften Schlag abgeben kann. Wird auf das nackte Gesäß geschlagen, so ist dies ein Haut-zu-Haut-Kontakt, der bidirektional wirkt: Beide fühlen etwas, und sogar der Schlagende spürt einen leichten, flächigen Schmerz. Das ist sozusagen ein Bio-Spanking, weil nichts anderes als eine natürliche, allzeit verfügbare Ressource eingesetzt wird: die nackte Hand. Zudem entstehen zwischen dem Schlagenden und dem Geschlagenen deutlich spürbare Rückkoppelungseffekte, die von manchen der Betroffenen als besonders intim und sinnlich empfunden werden.

Handschläge dienen auch dazu, den Körper auf weitere, dann meist heftigere und nicht mehr derart flächige Schläge vorzubereiten, ähnlich wie beim „warming up“ im Sport.

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