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Die dunkle Seite der Erotik ist sehr beliebt

Dunkle Gemächer, Rauch und Feuer - Zutaten zur schwarzen Romantik
Die dunkle, verführerische Seite der menschlichen Seele hat einen literarischen Namen – die „Schwarze Romantik“. Meist wird vergessen, dass wir sie sozusagen „mit der Muttermilch aufsaugen“, denn im Grunde bestehen viele Märchen aus den Elementen der „Schwarze Romantik“. Es können Tod und Teufel, Kannibalismus und Wiedergeburt sein oder auch modernere Vorstellungen, wie der aus dem Feuer geborene Prometheus Frankenstein, der sinnliche Blutsauer Dracula oder die Roboterfrau „Olimpia“.

Unter den erotischen Motiven ist es keinesfalls nur das, was bis vor kurzer Zeit als „Perversionen“ (1) oder „Sadomasochismus“ (2) bezeichnet wurde. Vielmehr umfasst die „dunkle erotische Seite“ alles, was sich Menschen erträumen können. In den weitaus meisten Werken finden wir daher Buhlteufel in traditioneller oder moderner Form, Hexen- und Satanskulte, mit magischen Kräften ausgestattet Verführer und sonstige Phänomene, die von der christlichen Religion gerne als „das Böse“ gebrandmarkt werden. Daneben stehen aber auch Praktiken, die dem Normalbürger als nicht ganz „hasenrein“ vorkommen, wie Verhöre, Foltersituationen oder das Urinieren auf Personen.

Die Faszination des Unheimlichen

Typisch für solche Werke ist die Faszination des Unheimlichen (es muss nicht zwangsläufig „das Böse“ sein). Tatsächlich wird ein Gefühl zwischen Sehnsucht nach dem Befremdlichen und der Furcht vor den Konsequenzen hervorgerufen, ähnlich, wie wir es aus den Geschichten von „verführten“ jungen Frauen kennen, die vor Lust brennen, aber den „Lendemain“ (3) fürchten.

Was die Grimms für die schwarze Seite der Romantik in den Haus- und Kindermärchen waren, war E.T.A. Hoffmann für die erotischen Spukgeschichten und Märchen für Erwachsene. Andere wie zum Beispiel die Engländer Lord Byron oder Mary Shelly folgten ähnliche Ideen, während der berühmte Marquis de Sade sich dem Metier völlig hingab.

Romane dieser Art (von den Werken des Marquis de Sade einmal abgesehen) waren nicht explizit „erotische Werke“, sondern sie vereinten Melancholie, Romantik, Zauberglaube und Sinnlichkeit.

Mithilfe der Erotik konnten die Autoren der depressiven und melancholischen Grundstimmung der „Schwarzen Romantik“ entfliehen. Das geschieht etwa in der Weise, in denen heute murrenden, depressiven und vom Leben enttäuschten Detektiven dann und wann eine erotische Erfahrung geschenkt wird.

Rezepte für die dunkle erotische Romantik

Was braucht ihr nun, um in die dunkle Seite der Erotik ein- oder abzusteigen?

1. Einen etwas naiven, leichtgläubigen Menschen mit (verborgenen) sinnlichen Gelüsten als erste Figur.
2. Eine berechnende Figur, der moralische Schranken nichts bedeuten. Es kann ein femme fatale, eine Hexe, ein Teufel, ein Wiedergänger, ein Automat oder auch einfach ein durchtriebener Mensch sein. Das also ist der Partner auf der dunklen Seite der Erotik.
3. Ein Umstand, der beide zusammenführt.
4. Ein romantischer Zauber, der unerklärlich ist und dies zumeist auch bleibt.
5. Eine Entwicklung zu etwas Anderem hin. Dabei kann es sich um eine Besserung oder eine Verschlechterung handeln. Die Schwarze Magie kann durch List, Verstand oder Gegenzauber überwunden werden. Sie kann aber auch ins Verderben führen, wie etwa in den Abstieg, in Resignation und Verzweiflung. Nicht selten wird auch die Wiedergeburt verwendet.

Diese Ansätze gelten für alle Beiträge, die im Rahmen der „Schwarzen Romantik“ entstehen und nicht nur für erotische Geschichten.

Im Grund ist die „Schwarze Romantik“ nur ein Spiegelbild der „weißen Romantik“. Beide bewegen sich fern der Realitäten und verführen neben den Protagonisten auch die Leserinnen und Leser dazu, sich mit den „übersinnlichen“ Mächten einzulassen.

(1) Nur noch im Volksmund gebräuchlich - "sexuelle Abweichungen".
(2) Fragwürdiger Begriff für "strenge" einvernehmliche erotische Handlungen, die von der Norm abweichen.
(3) "Der Morgen danach" (nach dem Verlust ere Jungfräulichkeit)

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