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Warum wir von „normalem“ Sex reden müssen

Was ist für dich normal?
Vielleicht gestattet ihr mir einen Satz vorab: So etwas wie „normal“ existiert bei Menschen nicht, und schon gar nicht in der Gefühlswelt, die sie beim Sex erleben.

Erinnern wir uns bitte daran, was Richard von Weizsäcker einmal sagte:

Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein.


Nachdem dies gesagt ist, müssen wir uns vermutlich eingestehen, dass wir trotzdem gerne wissen möchten, was „normal“ ist. Und weil das offenbar der Fall ist, steht eine ganze Armada von Erklärbärinnen und Erklärbären bereit, es uns zu sagen: Autoren, Soziologen, Psychologen, Sexologen, Gender-Foscher, „Volkes Stimme“, Priester und Rechtskonservative (um nur einige zu nennen).

Das "Normale" aus rechtskonservativer udn klerikaler Sicht

Für die Konservativen ist klar: Sex dient der Fortpflanzung, und deswegen ist Sex immer „normal“ wenn die Aktion der beteiligten dazu führen könnte. Die Ultrakonservativen und Sektierer legen noch eine Schippe nach: „und wenn dies innerhalb einer Ehe geschieht.“ Kurz und gut: PiV in der Ehe zum Zweck der Fortpflanzung ist OK, Sex aus Vergnügen möglicherweise auch, solange er in der Ehe vollzogen wird.

Die Übrigen sehen das ein wenig anders. Für sie ist Sex eine Art lustvolles Bindemittel für feste Paare und ein frivoles Vergnügen für Gelegenheitspaare.

Ist Sex als Belohnung wirklich ungewöhnlich?

Kritisch wird es, wenn wir von Sex als „Belohnung“ oder „Gunst“ sprechen, obgleich diese Variante seit Jahrhunderten auf jeder beliebigen sozialen Ebene vorkommt. Die meisten selbst deklarierten „Normalen“ sind auf höchste ethische Grundsätze erpicht, und da passt die Belohnung mit Sex nicht so recht hinein.

Ist normaler Sex wirklich "normal"?

Ob PiV wirklich „normal“ ist? Es ist wahrscheinlich die erste Art von Sex, die wir kennenlernen. Der junge Mann sucht verzweifelt nach einer „warmen Höhle für seinen Penis“, die junge Frau drängt es, sich „ganz als Frau“ zu bestätigen. Beide folgen Mutter Natur – wem sonst?

Ist es normal, Mutter Natur zu folgen? Zumeist schon. Nur die Menschen und bestimmte Menschenaffen haben dabei die allzeit verfügbare Lust zum Selbst-und Sozialzweck gemacht. Das war – insgesamt gesehen – eine kluge Entscheidung. Denn weil die Lust allzeit verfügbar ist und ihr Gebrauch niemandem schadet (jedenfalls beim Safe Sex und Übereinstimmung) ist sie zu einer lustvollen, begehrten Gabe geworden.

Nun sollten wir von PiV reden – Sex wie Eva und Adam

Übersicht erotische Frauenfantasien (Details später)
Die erste Erfahrung mag „Penis in Vagina“ aus Lust oder Neugierde sein. Und klar ist das verwirrend und erregend, wenn’s das erste Mal passiert. Oder das zwei dutzendste Mal. Aber es ist nicht die vollständige Erfüllung und auch nicht die raffinierteste Lust, die wir schenken oder empfangen können. Männer streben danach, die Lust zu intensivieren oder zu verlängern. Frauen wollen echte und lustvolle, ekstatische Orgasmen erleben. Inzwischen wissen wir von Frauen: Um einen wirklich schönen, lang anhaltenden oder mehrfachen Orgasmus zu releben, muss die Klitoris über lange Zeit intensiv gereizt werden. Die Theorie dazu ist zwar noch etwas anders – aber die direkte Klitorisreizung begünstigt ohne Zweifel die intensivsten Orgasmen. Und Männer? Auch bei ihnen besteht kein Zweifel, dass sie die intensivsten Ejakulationen und Orgasmen bekommen, wenn ihr Penis sensibel gereizt wird. Beim PiV ist dies in der Regel nicht der Fall.

Soweit das „ganz Normale“ bei „ganz Normalen“ Frauen und Männern. Die meisten wünschen sich „ganz normale, romantische Lüste“ mit „ganz normalem Oral- oder Handverkehr“ als Sahnehäubchen.

Forschung bestätigt: Auch oral ist absolut normal - zumindest als Wunsch

Übrigens stammen die zuletzt genannte Erkenntnisse aus Forschungsergebnissen. Demnach erträumen sich mehr als drei Viertel aller Frauen und Männer zusätzlichen Oralverkehr, gemischt aktiv und passiv – und bei Frauen gehört der Wunsch nach aktiver wie auch passiver Masturbation mit dem Partner zu den häufigsten erotischen Fantasien.

Und soviel sollte auch klar sein: Beim Thema „Normaler Sex“ haben wir gerade nur mal die Spitze des Eisbergs gezeigt.

(P.i.V) = Penis in Vagina.

Wollt ihr wissen, warum es so schwer ist, über "normalen Sex" in Romanen zu schreiben? Oder habt ihr etwas dazu zu sagen? Dann Schreibt uns oder kommentiert hier.
Bild oben: Historisches Foto, nachkoloriert.
Bild unten: Grafik erstellt von Liebesverlag.de

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