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Sinnlich schreiben heißt, die Sinne zu aktivieren

Der Sinn Nummer eins - sehen und beschreiben, was du siehst
Sinnlich schreiben bedeutet, die Sinne zu beschreiben, und zwar so, dass sich die Leserin absolut mit der Heldin identifizieren kann: im Sehen, Hören, Riechen, Ertasten oder Schmecken.

Die fünf Sinne – alle sind verwendbar – nicht nur erotisch

Das Sehen

Zuerst kommt das Sehen, aber der Hintergrund des Sehens ist das Entdecken. Jemand, der sieht, versucht, sich ein Bild von der Welt zu machen. Und wer einen Menschen sieht, den er erotisch attraktiv oder begehrenswert findet, der umkreist den Körper des anderen mit sinnlichen Blicken. Einen Körper mit begehrlichen Augen zu sehen ist sehr gut beschreibbar – und vor allem sehr detailliert.

Das Hören

Wenn wir einen Menschen gesehen haben, und wir ihm näher kommen, dann hören wie seien Stimme. Sanft, guttural, rau, zart … wie ist die Stimme des Menschen, dem wir begegnen? Du kannst dem Klang der Stimme auch einen außergewöhnlichen Namen geben. Es ist auch relativ leicht, die Wirkung einer Stimme zu beschreiben und du kannst deine Texte ein wenig auflockern, indem du schreibst, wie jemand etwas sagt.

Das Riechen

Beim Riechen scheiden sich die Eindrücke. Wer jemanden „gar nicht riechen“ kann, der mag ihn nicht, aber wie ein Mensch riecht, wird selten beschrieben. Der unangenehmen Mann mag „säuerlich riechen“, der angenehme nach dem „Schweiß des redlich arbeitenden Mannes“. Frauen mögen unangenehm nach einem billigen Eau de Toilette riechen oder sie werden wegen ihrer frischen, frühlinghaft duftenden Haut“ gelobt. Auch Wohnungen haben ihren ureigenen Duft.

Das Ertasten

Wird etwas „Fremdes“ zum ersten Mal betastet, sie es ein Gegenstand oder ein Mensch, dann machen wir neue Erfahrungen. Erstaunlicherweise können die meisten Menschen sehr genau schildern, was sie ertastet haben: die Oberfläche, den Zustand, die Temperatur und auch das, was die Berührung in ihnen auslöst.

Das Schmecken

Das Schmecken (im Schwäbischen übrigens dem Riechen gleichgesetzt) steht an letzter Stelle der Sinne, weil wir als Erwachsene nicht (wie die Kinder) alle mit der Zunge erforschen wollen. Im Alltag beschränkt sich unser Schmecken fast ausschließlich auf Speisen und Getränke – nur das Küssen bildet eine Ausnahme. Die erotischen Aspekte des Schmeckens sind zwar auch außerhalb der Sexualität bekannt (etwas das Essen von Beeren, das als erotisch gilt), aber eigentlich gehört das „Schmecken und Belecken der Haut“ eher in den Bereich der Sexualität.

Die Sinne aktivieren – im erotischen Roman

Wenn du Zweifel daran hast, ob das im erotischen Roman tatsächlich funktioniert, kommt nun unser bewährter Praxisrat, den wir aus etlichen erotischen Romanen für euch zusammengestellt haben.

1. Lust hat ein Gesicht. Stell dir vor, deine Heldin befindet sich im Dialog mit ihrem Spiegelbild. Wie sieht sie sich im Spiegel an? Worauf achtet sie, wenn sie sich anzieht oder entkleidet? Worauf achtet sie bei einem Mann, wenn sie eine Verabredung mit ihm hat? Wohin wandern ihre Augen? Und wenn sich der Mann auszieht – schaut sie verschämt zu oder scannt sie den Körper Haar für Haar ab? Und auch während des Geschlechtsakts treffen sich die Blicke, nicht wahr? Was liest deine Figur in seinen Augen?

2. Lust klingt. klingt die Stimme deiner Figur? Wie spricht sie im Alltag, wie mit einem Mann, der ihr gefällt? Und wie verändert sich sich seine Stimme, wenn er begierig nach Sex ist? Wie klingt es bei ihr, wenn sie einen Orgasmus herausschreit? Und solltest du über Soft-SM schreiben: Worauf achtet deine Figur, wenn es absolut dunkel ist? Auf welche Geräusche wird sie achten, wenn sie körperlich bestraft werden soll? Wie klingen die Schläge dann in ihren Ohren?

3. Lust riecht. Was erschnüfflet deine Figur, wenn sie seine Wohnung betritt? Welche Düfte durchziehen sein (oder ihr) Schlafzimmer? Wie wirken Parfüms, Moschusdüfte, Leder oder Schweiß? Was ist mit seiner Spermaflüssigkeit? Oder liebt er den Geruch der Geilheit, den deine Figur verströmt?

4. Lust berührt. Welche Berührungen finden statt? Initiiert deine Heldin die Berührungen? Welche nimmt sie hin, welche forciert sie? Das Spektrum der Berührungen ist unendlich groß – vom Betasten der Kleidung über die Haut und die Genitalien bis zum Eindringen in Mund oder Vagina. Und natürlich ist der Geschlechtsakt selbst eine Berührung.

5. Lust schmeckt. Viele Menschen lieben es, sich belecken zu lassen oder die Haut des andere zu lecken.
Wer es probiert hat, der weiß: Sie schmeckt nicht alle Tage gleich. Und deine Figur, wie empfindet sie das? Tauscht sie mit jemandem intensive Zungenküsse? Schleckt ihr Partner sie genüsslich ab? Sehnt sie sich nach dem Geschmack von Sperma oder hasst sie dies? Oder viel raffinierter: Erinnert sie sich bei gewissen Speisen (Austern?) an sein Sperma? Wie ist es, wenn er mit ihr Miesmuscheln isst? Denkt er dann an die sich öffnende Schamlippen?

Setz alle Sinne ein und schreib sie deiner Leserin unter die Haut

Wer einen guten erotischen Roman schreiben will, sollte alle Sinne einsetzen, denn Erotik ist Sinnlichkeit und Sinnlichkeit entsteht eben auch über die Sinne.

Deine Kunst besteht darin, deinen Leserinnen das Sehen, Hören, Riechen, Berühren und Schmecken bildhaft zu vermitteln. Selbst Menschen, die ansonsten auf visuelle Eindrücke fixiert sind (Liebesfilme oder auch Pornos) geraten in verzückte Lustwallungen, wenn sie eine absolut sinnliche, detaillierte Schilderung des Erotischen in einem Roman lesen.

Manche Leserinnen behaupten, das läge vor allem daran, dass sie sich eher mit einer Figur identifizieren könnten, die nicht visuell fassbar ist als mit einer Schauspielerin oder Pornodarstellerin.

Und mit diesem letzten Satz verabschiede ich mich für heute und wünsche ein fröhliches, geiles Schreiben.

Anmerkung: Ein ähnlicher Artikel erschien schon am 11, Februar 2016 bei sinnlich schreiben. Wir habe ihn komplett umgearbeitet und aktualisiert.

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