Skip to content

Dating – aus der Sicht der Massen

Dating – aus der Sicht der Massen - oder: warum männliche Loser und weibliche Akademiker leer ausgehen
Stürmen der Bastion "Akademiker": Die Absichten sind klar - die Mittel unterschiedlich
Man braucht keine „Studie“ mit den üblichen fragwürdigen Materialien und Vorgehensweisen, um festzustellen, warum die Partnersuche ihre Tücken hat – im realen Leben oder auch online.

Wühlen im Durchschnitt - bewährt, aber unbeliebt

Zum Beispiel eignet sich ein einfacher logischer Kniff:

Die meisten Menschen sind das, was sie sind: Durchschnitt. Die Ränder „erheblich unter Durchschnitt“ und „erheblich über Durchschnitt“ bilden gemeinsam nur ein paar Prozent vom ganzen Kuchen, denn der „Durchschnitt“ ist stets die zahlenmäßig stärkste Gruppe. Und weil das so ist, behaupten wir gerne, uns vom „Durchschnitt“ erheblich abzusetzen. Nach oben, selbstverständlich.

Der erste Schritt auf dem Holzweg

Wenn wir das glauben, sind wir schon auf dem Holzweg. Wir sind ja nicht wesentlich besser als der Durchschnitt. Und nun hoffen viele von uns, namentlich bei der Partnersuche, einen Menschen zu finden, der uns noch bei Weitem übertrifft. Wer hat also mehr körperliche Attraktivität, wer ist klüger, wer reicher und wer mächtiger? Das heißt in Wahrheit: Die große Masse der geschätzten 60 Prozent bewegt sich auf den schmalen „oberen“ Rand zu, an die wir etwas weniger als 20 Prozent vermuten.

Das heißt: Auf den Treppenstufen der gut Aussehenden, elitär Gebildeten, oder mit Macht und Geld ausgestatteten winseln stets Dutzende um die Gunst, überhaupt erst mal Aufmerksamkeit zu erregen.

Hinten anstellen und chancenlos sein

Die "Top Dogs" sind nicht einfach zu domestizieren
Und manche sind definitiv so blöd, sich da hinten anzustellen und zu hoffen, dass vorne jemand aufgibt.

Die Masse der Frauen, von der hübschen Postzustellerin bis zur ansehnlichen Frau Doktor, befindet sich irgendwo in dieser Schlange. Wer in dem Haus wohnt, zu dem die Treppe gehört, hat also die Wahl: Gefährtin, Geschäftspartnerin, Ehefrau, Objekt sinnlicher Begierden – es ist alles dabei, auch in Kombinationen.

Heißt: Der Durchschnitt der Männer guckt erst mal in die Röhre, und der Bodensatz findet nicht einmal eine Frau für die kleinen, feuchten Vergnügungen.

Und heißt auch: Ein sehr kleiner Prozentsatz der Frauen auf der Treppe hat eine Chance auf eine lustvolle Nacht, eine kleine Affäre, eine Beziehung unterschiedlicher Art oder gar eine Ehe. In dieser Reihenfolge absteigend.

Das bedeutet: Dies Frauen fallen zurück in den Markt des Durchschnitts, sie fühlen sich aber nicht als Durchschnitt. Und das heißt wiederum: Frust, Torschlusspanik, Extremismus.

Oder Einsicht – aber die ist selten.

Die nackte, brutale Wahrheit für Akademikerinnen

Falls Sie sich fragten, warum es „Akademikerinnen“ so schwer haben, einen Partner zu finden, dann sollten sie dies wissen:

- Nur die wirklich herausragenden Akademikerinnen (akademische Eliten) gehören NICHT zum Durchschnitt.
- Wenn Sie nun unter „Herausragenden männlichen Akademikern“ suchen, werden sie finden, dass Kandidatinnen aller Couleur bereits dort sitzen und ebenfalls warten.
- Das ändert sich auch nicht wesentlich, wenn Sie in der „zweiten Reihe“ akademisch gebildeter Männer suchen – Sie finden auch hier Konkurrentinnen aller Art.
- Männliche Akademiker haben unterschiedliche Gründe, eine Partnerin zusuchen: Nicht jeder geht in die Oper oder will über Hegel diskutieren. Pragmatismus, Problemlösungskompetenz und Erdung sind ebenso begehrte Eigenschaften wie künstlerische Neigungen oder erotische Fähigkeiten.
- Die eben genannten Gebiete decken sehr viel Frauen ab, und diese Frauen müssen keinen akademischen Grad haben.

Ich weiß, dass Ihnen dies alles nicht gefallen wird, aber die Wahrheit ist oft hart und unverdaulich. Und das trotzige „Ich will aber …“ bringt Ihnen ohnehin keine Sympathien ein.

Bilder: (1) unbekannter Künstler, Ende 19. JH, Teilansicht. (2) Gebäudeschmuck, Foto des Autors.

Wer gewinnt, wer verliert bei der Partnersuche?

Akademiker - möglichst schicke mit hohem Einkommen
Der folgende Artikel beruht auf Beobachtungen, die sich zahlenmäßig nicht verifizieren lassen. Er behandelt jeweils drei Gruppen von Frauen und Männern, die besonders begehrt sind und versucht, dabei auch die Kehrseite der Medaille aufzuzeigen: Wer verliert eigentlich bei der Partnersuche?

Zuerst die Männer – die Gewinner

Gewinner nach Berufen: männliche Akademiker in besonders angesehnen Berufen mit gutem Einkommen, aber auch Geschäftsleute und Manager ohne akademische Ausbildung.

Gesucht von: allen Frauen jeglicher Bildung, die auf ihre Attraktivität vertrauen. Das Ziel ist meist eine länger währende Affäre, eine dauerhafte Beziehung oder eine Ehe. Das Ziel: Frauen, die auf diese Weise suchen, versprechen sich Geld, Macht und Ansehen durch die Beziehung.

Gewinner nach Männlichkeit: Männer mit Berufen, die Abenteuergeist, Kondition, Mut und Männlichkeit versprechen sowie Männer, die als Erscheinung oder vom Körperbau her betont „männlich“ wirken.

Gesucht von: Frauen, die an Männlichkeit, Potenz, Sex und einem aufregenden Leben interessiert sind, aber weniger an Kultur, geistigen Auseinandersetzungen und dergleichen. Das Ziel: „Starker Kerl an meiner Seite“.

Gewinner nach Alter: Männer über 50, die finanziell und körperlich halbwegs attraktiv sind.
Gesucht von: Frauen über 40, besonders solchen mit Heiratswunsch. Ziel: „Mit diesem Mann Spaß haben und alt werden können.“

Verlierer (Männer, pauschal)

Männer, die verlieren: Männer unter 30 sowie solche mit schlechter Ausbildung, negativ empfundener Vergangenheit, wankelmütigem Charakter, geringem Einkommen, schlechten Zukunftsaussichten und schwacher männlicher Ausstrahlung.

Verlieren Arbeiter und Handwerker?

Angeblich haben „Arbeiter und Handwerker“ keine Chancen bei Frauen mehr. Die Behauptung wird insbesondere auf Foren verbreitet.

Wie sieht’s tatsächlich aus?

Das stimmt so nicht, denn nach wie vor suchen Frauen vor allem verlässliche Männer – sie wollen „Zukunft einkaufen“. Allerdings hat die „Akademisierung“ der Frauen dazu geführt, dass sich viel von ihnen „zu schade“ sind, einen Handwerker, Verkäufer oder Arbeiter zu heiraten. Diese Situation muss sich erst einmal „auspendeln“, denn solange allzu viele Frauen im „Flaschenhals“ der Akademikersuche stecken, fallen ihre Chancen auf Ehe und Familie immer mehr. Langfristig wird sich das Problem also lösen. Ansätze dafür gibt es bereits heute.

Das Äußere, das Feminine - es begeistert immer noch
Nun die Frauen, die Gewinner

Gewinnerinnen nach Alter: Frauen zwischen 25 und 30, die äußerlich attraktiv und selbstbewusst sind, sind und eine solide Ausbildung haben.

Gesucht von: Männern jeden Alters und jeder Ausbildungsstufe – kurz: fast allen. Ziel: Sich mit Jugend und Schönheit zu schmücken oder mit einer jugendlichen Frau eine Zukunft zu planen.

Gewinnerinnen nach Berufen: Frauen in Kreativberufen unabhängig von der Ausbildung

Gesucht von: allen Männer, die keine langweilige Frau suchen, sondern sich Impulse für das gemeinsame Leben von der Frau erhoffen, insbesondere gebildete Männer und Manager sowie Akademiker. Ziel: Das Leben soll interessanter und abwechslungsreicher mit ihr sein.

Gewinnerinnen nach Weiblichkeit: Frauen in femininen Berufen, die Erotik, Liebe, Zärtlichkeit und Verständnis ausstrahlen – unabhängig von der Ausbildung.

Gesucht von: Akademikern, Managern, Selbstständigen – sie suchen eine sinnlich, gesunde, möglichst perfekte Frau, die sie als „feminin“ wahrnehmen. Allerdings auch von Männern, die die erotischen Fähigkeiten möglichst auskosten wollen und sich nicht binden wollen. Ziel: „Mit der Frau Genuss und Sinnlichkeit teilen.“

Verliererinnen (pauschal)

Frauen, die verlieren: Frauen ab 40 sowie Frauen mit hohen Ansprüchen, schwacher weiblicher Ausstrahlung, Überheblichkeit, schwachem Selbstbewusstsein, negativ empfundener Vergangenheit, wankelmütigem Charakter, ohne selbst erarbeitetes Einkommen, schlechter Zukunftsaussichten und fehlender erotischer Ausstrahlung.

Verlieren Akademikerinnen?

Akademikerinnen gelten nach einigen Modellen der Partnersuche als Loser, und es heißt, dass dagegen „kein Kraut gewachsen“ ist.

Wie sieht’s tatsächlich aus?

Geht man nach den männlichen Präferenzen, gehört eine akademische Ausbildung nicht zu den Top-Anforderungen an eine Frau, sie wird aber auch nicht ausdrücklich als „schädlich“ angesehen. Das Problem liegt ganz woanders: Auf „männliche Akademiker mit gutem Job“ fliegen alle Frauen, die mindestens einen Realschulabschluss haben und auch sonst glauben, „recht attraktiv“ zu sein. Das heißt: Es gibt einen Stau vor der Tür männlicher Akademiker.

Informationen zu Masochismus, Sadismus und BDSM

Die ZEIT hat entdeckt, dass immer mehr Menschen dazu neigen. Die etwas härteren Gangarten der Lust zu erproben. Das Vokabular, das sie verwenden, klingt allerdings so, als hätten sie viele Bücher gelesen.

Bondage und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus – oder einfach kurz BDSM. Wir sprechen über Sex mit Fessel und Peitsche, über Rollenfantasien mit Doktorspielen und Petplay.


Es klingt – in meinem Ohr – etwas klischeehaft, doch sagt die ZEIT, sie wolle eher gängige Klischees abbauen, wie sie beispielsweise in den bekannten Machwerken von E. L. James (Erika Leonard) und den daraus entstandenen Filmen verwendet werden. (Trilogie „50 Shades of Grey“, Roman „Grey“).

Werbung
Hoffen wir mal, dass es die erhoffte Erleuchtung bringt. Dafür soll die Ärztin und Sexualtherapeutin Melanie Büttner sorgen.

Ich war etwas belustigt über den Hinweis, „die Wortursprünge von Sadismus und Masochismus“ habe der Psychiater Richard von Krafft-Ebing erläutert. Krafft-Ebing hat den Begriff „Masochismus“ in absolut böswilliger und abfälliger Weise aus Namen des Autors Leopold Ritter von Sacher-Masoch abgeleitet (also erfunden) und sich dabei auf sein Werk „Venus im Pelz“ bezogen.

Na schön, immerhin enthält der Beitrag einen Verweis auf die berühmte Studie zu sexuellen Abweichungen von Joyal & Cossette & Lapierre aus dem Jahr 2014. In ihr wird dargestellt, wie häufig sexuelle Fantasien sind, und wie sich solche Fantasien bei Frauen und Männern unterscheiden. Diese Studie lieht mir vor, und ich zitiere häufig daraus.

Wir hatten noch eine unveröffentlichte Betrachtung, die zum Thema BDSM passt - und hier ist sie.

Sexuelle Einordnungen – wie funktioniert das?

Nicht jedes Gefühl ist von Dauer ... es sei denn, es wäre so
Wusstet ihr, dass die sexuelle Identität durchaus von der sexuellen Anziehung oder dem sexuellen Verhalten abweichen kann?

Das Kinsey-Institut nennt zwar (neue) Zahlen, ist aber weit davon entfernt, das Phänomen damit wirklich zu erklären.

Wir können es auch nicht. Aber wir können mal ein bisschen Ordnung in die Begriffe bringen.

Die sexuelle Identität

Identität bezeichnet den Zustand, den ein Mensch für sich selbst definiert. Die sexuelle Identität bezeichnet als seine Sexualität, wie er sie selber sieht. In erster Linie gehört dazu, wie sich ein Mensch als Frau oder Mann fühlt, erst in zweiter Linie geht es um das Erscheinungsbild, die sexuelle Attraktivität und die Ausrichtung auf das bevorzugte Geschlecht. Beispiel: „Ich bin gerne Frau / gerne Mann“, „ich weiß, wie ich auf Frauen/Männer wirke“).

Die sexuelle Orientierung

Orientierung (Ausrichtung) ist ein Ziel, dem ein Mensch folgt. Sie sexuelle Orientierung ist daher der Weg, den jemand einschlägt - oder einfacher: wen er sexuell begehrt und wie sich dies nach außen zeigt. Dabei geht es darum, welche Geschlecht der Mensch bevorzugt, wenn es um den Geschlechtsakt oder um erotische Beziehungen schlechthin geht. Beispiel: Ich bin heterosexuell oder bisexuell oder homosexuell, lesbisch und was jemand sonst noch sein mag.

Das sexuelle Verhalten

Das Verhalten ist die Art und Weise, wie der Mensch mit etwas umgeht. Dazu zählen alle äußerlich sichtbaren Aktivitäten und Reaktionen. Das sexuelle Verhalten ist also das, was der Mensch mit seiner Sexualität tatsächlich anstellt. Natürlich hat es auch etwas mit der „Orientierung“ zu tun, aber nicht ausschließlich. Ich nenne hier keine Beispiele, weil das Verhalten (anders als das Sein) zu vielfältig ist.

Sexuelle Attraktivität (aktiv und passiv)

Attraktivität (Anziehung) kann von jedem Menschen ausgehen – sie ist unabhängig vom Geschlecht oder der Orientierung. Und jeder Mensch kann auf andere attraktiv wirken – das heißt aber in jedem Fall: Die Attraktivität (auch die körperliche) ist nicht ausschließlich ans Geschlecht gebunden. Beispiele: Eine Frau kann eine Frau erotisch attraktiv finden, ein Mann kann einen Mann erotisch attraktiv finden, ohne dabei an sexuelle Aktivitäten zu denken. Und natürlich gilt dies auch für Frauen zu Männern und Männer zu Frauen.

Die sexuellen Praktiken

Praktiken sind die Verfahrensweisen, die ein Mensch benutzt oder unterlässt. Im sexuellen Verhalten sind Personen nicht ausschließlich an die Ausrichtung gekoppelt, sondern eher daran, wie befriedigend sie „also solche“ sind. (Beispiele wären Masturbation, Cunnilingus, Analverkehr).

Die sexuelle Präferenz

Präferenzen sind Vorlieben. Einer Vorliebe zu folgen heiß immer, die Wahl aus mehreren Möglichkeiten zu habe, aber eine deutlich zu bevorzugen. Ein Mensch mit einer sexuellen Präferenz kann also jedermann begehren, zieht aber vor, sich auf ein Geschlecht zu beschränken. Beispiel: Sie liebt Frauen und Männer, hat sich aber für einen Mann entschieden, weil sie sich sonst emotional „verzetteln“ würde.

Die fließende sexuelle Orientierung

Wenn ein Mensch nicht immer der gleichen Richtung folgt, sondern sie wechselt, spricht man von wechselnden oder auch fließenden Orientierungen. Dazu kann auch gehören, die Einstufung in eine sexuelle Orientierung ganz abzulehnen. Beispiel: Eine Schauspielerin weigert sich, sich öffentlich in die eine oder andere Richtung einordnen zu lassen. Sie steht dazu, mal eine Frau zu lieben, dann einen Mann und dann wieder ausschließlich sich selbst.

Hinweis: Je nach der eigenen Ausrichtung oder auch nur dem Forschungsbereich, aus dem Autoren stammen, gibt es abweichende Meinungen zu den Formulierungen. Lass dich davon nicht beirren. Nur du entscheidest, wie du dich definierst. Oder falls du Autorin bist: Nur deine Figur hat das Recht, sich zu definieren.

Die Vorgänger des Online-Datings - und was davon heute noch existiert

Zeitungsanzeige um die 1900ter Jahrhundertwende
Es gab viele Vorgänger des Online-Datings. Die ersten waren „Ehesuche per Korrespondenz“, bei denen zunächst Briefbekanntschaften vermittelt wurden, die sich dann zu Beziehungen entwickeln sollten. Diese Methode entwickelte sich noch zu den Zeiten, als die Sterblichkeit am Kindbettfieber hoch war – also in der Zeit zwischen 1823 und 1848. Damals standen sehr viele Männer anschließend plötzlich mit Kindern, aber ohne Frauen da, und in der damaligen Zeit galt dies als unerträglich. Aus einer anderen Sichtweise hatten die „bürgerlichen Stände“ ihre liebe Not, die weniger schönen Töchter an Männer „loszuwerden“. Auch sie griffen dann oft zu dem „heute nicht mehr ungewöhnlichen Mittel der Ehesuche per Korrespondenz“ oder per „Annonce“.

Ehesuche per Korrespondenz und per Zeitungsanzeige

Neben der „Ehesuche per Korrespondenz“ gab es die Ehemakler und die einst verfemten, später durchaus beliebten Zeitungsannoncen, deren Blütezeit im 20. Jahrhundert begann – und sie hielt bis Ende der 1990er Jahre an und ist immer noch nicht ganz vorbei. Nun muss man wissen, dass diese Zeitungsanzeigen hakelig waren, weil sie nahezu immer unter „Chiffre“ veröffentlicht wurde und man nicht erkennen konnte, ob die Personen real waren. (Dies ist im Übrigen bis heute so).

Der Rechenknecht als Kuppler - Partnersuche digital

Doch im Herbst 1965 kamen dann zwei amerikanische Studenten, Jeffrey C. Tarr und Vaughan Morrill III die Idee, das bisherige umständliche und wenig erfolgreiche „mixing“ (1) durch ein Dating-System zu ersetzen: Operation Match. Zu diesem Zeitpunkt wurden Jeffrey C. Tarr, David L. Crump and Vaughan Morrill als Gründer genannt.

Viele Fragen zu Vorlieben - mit Computern ausgewertet

Es bestand aus 75 Fragen, die partnersuchende Studenten über sich selbst beantworten mussten, und 75 Fragen zu den Wunschpartnern. Das ausgefüllte Papier musste sodann auf Lochkarten übertragen werden – anschließend wurde es mit einer IBM 1401 (1959 vorgestellt, 2) ausgewertet. Nach etwa drei Wochen – so wird berichtet - konnten die Teilnehmer dann die sechs „passendsten“ Matches in Empfang nehmen – auf Papier ausgedruckt mit Namen und Kontaktdaten.

Die Fragen waren – und das lässt aufhorchen – keinesfalls wissenschaftlich sondern rangierten von grundlegend bis leicht anrüchig, so, wie sich die Initiatoren selbst sich ihre Vorlieben beim anderen Geschlecht vorstellten. Die Sache war ausgesprochen erfolgreich, obgleich sie nahezu ausschließlich auf dem Campus bekannt gemacht wurde.

Der Erfolg des "digitalen Matchings" blieb aus

Ein wirklicher Erfolg wurde es dennoch nicht – denn nachdem die erste Euphorie verfolgen war, interessierte diese Art des „Matchmakings“ immer weniger Studenten und auch ihre Gründen verloren das Interesse an ihrem „Baby“. Man verkaufte es kurzerhand, wie einer der Gründer sagte, „zu einem sehr geringen Preis.“

Warum das Verfahren letztlich nicht erfolgreich wurde? Man kann darüber nur spekulieren. Einer der möglichen Gründe besteht darin, sich zu wenig Studentinnen meldeten – der Frauenanteil an vergleichbaren Aktionen in Deutschland war sehr gering. Und: Da jedem Mann und jeder Frau „sechs passende Matches“ versprochen wurden, trat mit Sicherheit der Kardinalfehler solcher Systeme zutage: Manche „Profile“ wurden inflationär ausgesandt, um auf die versprochenen sechs Matches zu kommen. Das bedeutete letztlich, dass die Frauen (und manche Männer) die diese Kontaktdaten bekamen, mit zahllosen Anrufen belästigt wurden. Datenschutz war ein völlig unbekanntes Wort.

Spekulation und Realität - wie war es in Deutschland?

Der vorausgegangene Absatz ist insofern Spekulation, als ich die Verhältnisse auf einem Campus in den USA der 1960er Jahre nicht beurteilen kann. Ich habe ihn aus den Ereignissen der 1980er Jahre in Deutschland abgleitet, als es ebenfalls eine Agentur gab, die behauptete, über ein derartiges System zu verfügen. Die Mängel waren aber so erheblich, dass sie nach wenigen Versuchen wieder aufgab – besonders der fehlende Datenschutz und die Quasi-Veröffentlichung von Telefonnummern im großen Stil erbosten die Frauen damals ungeheuerlich.

Der Computer als zuverlässiger Partnervermittler?

Die Beteiligung eines Computers am Auswahlprozess ist im Übrigen vielfach als „Werbemittel“ benutzt worden – und das ist bis heute nicht anders, nur dass man heute von „Algorithmen“ spricht. Der Einsatz des Computers ist heute eine wirtschaftliche Notwendigkeit, und keinesfalls eine Geheimwaffe, um “bessere Matches“ zu erzeugen. Im Grunde ist die Sache ganz einfach: Man gibt vor, wissenschaftlich zu arbeiten und tut am Ende nichts anderes, als einige Kriterien zu vergleichen und ein paar Empfehlungen auszudrucken. Wie hoch die Hürden für die „Übereinstimmung“ gesetzt werden, weiß im Grunde nur der Programmierer, und ob es tatsächlich Übereinstimmungen sind, weiß niemand, den die tatsächlich verwendeten Parameter werden als „Firmengeheimnisse“ eingestuft und entziehen sich der Nachprüfung.


(1) Mixing – Bekanntschaften über die Vermittlung von DJs schließen.
(2) nach anderen Quellen auf einer IBM7090 (1962 vorgestellt)


Die meisten Fakten stammen aus dem Artikel aus "The Crimson", aber auch aus anderen Quellen, die frei zugänglich sind.
um Thema "Geschichte der Partnersuche" gibt es auch einen Artikel in der Liebe Pur von mir.

Blogs über sexuelle Befindlichkeit bewähren sich nicht

Das Private sollte privat bleiben
Die Frau, von der ich gerade las, ist nicht die Einzige oder Erste der Erotik-Bloggerinnen, die ihr Blog „ruhen lassen“ oder ganz aufgeben. Und sie wird nicht die Letzte sein. Persönliche Blogs enthalten, auch wenn sie anonym geführt werden viel zu viel „Befindlichkeiten“. Dazu gehören auch Irrungen und Verwirrungen, die so persönlich sind, dass es eigentlich peinlich wäre, so etwas zu veröffentlichen.

Natürlich können Blogs „Logbücher über das eigene Leben“ sein – aber wesentlich interessanter sind literarisch aufbereitete Blogs, die über Gedanken und Gefühle berichten, die andere Personen teilen können – die aber nicht notwendigerweise „gestern“ durchlebt wurden.

Ich kann mich recht gut erinnern, dass ich zu Anfang angegriffen wurde, weil ich nicht über mein persönliches Leben berichtet habe, sondern nur Gedanken und Nachrichten verbreitet habe. Erst kürzlich hatte ich eine kurze Auseinandersetzung mit der Inhaberin eines Lifestylemagazins. Sie suchte wahrhaftig einen Autor, der „all das selbst erlebt hat“ worüber er schreibt. Ich sag euch mal dies: Kein Schriftsteller oder auch nur Journalist gibt das ungefiltert weiter, was er „wirklich“ erlebt und „wirklich“ fühlt. Und ich gehe einen Schritt weiter: Diejenigen, die es tun, fühle nicht wirklich, sondern filtern gewisse Gefühle aus, die sie gerne in den Vordergrund rücke möchten. Wesentlich wahrscheinlicher ist jedoch, dass sie die Geschichten einfach erfinden.

Und nur so ganz nebenbei, für die kleinen Schlaumeier(innen): „Ganz echte“ Geschichten beinhalten auch immer andere, uns nahestehende Personen, die wir auf keinen Fall in die Öffentlichkeit zerren wollen. Wer’s trotzdem tut, genießt nicht gerade meine Hochachtung – und zum Hassen sind mir diese Leute zu unbedeutend.

Zu Beginn meines Blogs ging es darum, meine (erotische) Reise mit anderen zu teilen. Dann entwickelte sich also eher dazu, dass ich etwas über mich selbst lernte, eine Sprache dafür zu finden und gehört zu werden. … Wenn ich heute zurückschaue, bin ich nicht glücklich damit. (1)


Ich behaupte, dass niemand glücklich wird, wenn er öffentlich (und unbearbeitet) sein Innerstes nach außen kehrt. Und mal ganz einfach gefragt: Warum sollte er damit positive Anerkennung gewinnen?

(1) Das Zitat wurde ohne LInk veröffentlicht, da dort auch Inhalte zu finden sind, mit denen ich euch nicht konfrontieren möchte.

Wie ist das eigentlich mit den Dialogen?

Dies ist eine Kurzfassung eines Gedankenpakets. Es handelt von den Grundlagen üblicher Dialoge, von dem Tunnelblick der Autorinnen und Autoren und von der Möglichkeit, Dialoge ganz anders aufzufassen, als wir es gewohnt sind. Eine längere Fassung erscheint hier in den nächsten Tagen.

Literarisch – die Grundlagen

Im Deutschunterricht lernen wir die „wörtliche Rede“. Ein üblicher Lehrsatz dazu lautet: Die wörtliche Rede lockert als Stilmittel den Text auf.

In der Literatur sind Dialoge Zwiegespräche zwischen den Figuren, die der Autor schafft.

Diese Dialoge erzeugen Spannung und Aufmerksamkeit. Sie dienen zudem dazu, sich mit den Figuren zu identifizieren oder von ihnen abzugrenzen.

An der Sprache der Figuren soll deutlich werden, aus welchen Bevölkerungsschichten sie kommen, und wie sie „ticken“.

Ganz pragmatisch dienen Dialoge innerhalb des Textes als Blickfang – sie suggerieren, dass man sie auf keinen Fall überlesen darf.

Kritik an der reinen Lehre und an Schreibschulen

Die Kunst des Dialog-Schreibens wird mystifiziert – es wird behauptet, literarische Dialoge lägen außerhalb der Wirklichkeit, seien eine Kunstform sui generis und seien „so schwer zu erlernen wie eine Fremdsprache“.

Autorinnen und Autoren haben zumeist einen literarischen „Tunnelblick“ auf Dialoge. Sie wissen (meist) sehr gut, was sie mit ihren Dialogen erreichen wollen, haben aber selten eine Ahnung davon, dass Dialoge mehr sind als das geschriebene Wort.

Kommunikation und Dialoge

Der tiefere Sinn der Kommunikation entgeht den Autoren, Lesern und vor allem den Schreiblehrern, weil sie von den Kommunikationsstrukturen des 19. Jahrhunderts ausgehen. (1)

Kommunikation enthält Dialoge, Elemente des Verstehens und Nicht-Verstehens, Gedanken, die in den Dialogen nicht enthalten sind, sowie den großen Bereich nonverbalen Austausches von Informationen, namentlich von Gefühlen und Stimmungen. Um Kommunikation zu verstehen und dem Leser zu vermitteln, was dabei vor sich geht, muss man nicht nur mehr können als „Dialoge schreiben“. Man muss vor allem Einblick in das Denken und Fühlen der Menschen haben, die einander begegnen.

(1) Nicht berücksichtigt werden zum Beispiel die Erkenntnisse von Eric Berne, Paul Watzlawick, Carl Rogers, Ronald D. Laing und vielen anderen.

Isi und Obu

Wir haben uns schon lange Gedanken darüber gemacht, dass wir im Grunde genommen nicht „männlich“ oder „weiblich“ schreiben wollen. Und also werden wird die Themen, die Frau und Mann zu gleichen teilen oder jedenfalls gemeinsam betreffen, unter den Namen unserer wichtigsten Themenbeschaffer veröffentlichen. Und das sind nun mal Isi und Obu.

Wenn du hier auch schreiben willst: herzlich willkommen. Jedenfalls, solange es keine Werbung, keine verdeckte PR, nichts Radikales oder Verbotenes ist und solange es Frauen oder Männer nicht verachtet.

Macht, Reichtum oder Ruhm – was wollen Frauen eigentlich?

Diese Schweine - aber Schweine sind immer die anderen ...
Männer können, wenn sie wollen, genau so unverschämt über Frauen herziehen, wie manche Frauen über Männer reden. Das hat seinen Grund: Wenn Männer nur noch als Schweine, schwanzgesteuerte Ungeheuer oder gar potenzielle Vergewaltiger dargestellt werden, dann schlagen sie mit Hass statt mit Argumenten zurück. Eines davon: Die Triebfeder der Frauen für ihre Handlungen sei in Wahrheit der Zuwachs an Macht, Reichtum und Geld – und das würden sie sich nach wie vor bei Männern besorgen.

Wonach Frauen angeblich lechzen

Aus dieser Sicht tun Frauen fast alles, um mithilfe von Männern Macht, Geld oder Ruhm zu gewinnen. Diese Männer halten Frauen für völlig zügellos, wenn sie nach einem dieser drei Faktoren lechzen – oder gleich nach allen drei. Zügellosigkeit, Selbstsucht, Materialismus seien die Auslöser, Skrupellosigkeit das Erfolgsrezept.

Die meisten Frauen allerdings – so diese Theorie - seien an Geld interessiert. Dazu sagen die Amreikaner gerne, sie seien "Goldgräberinnen".

Sie sind wie besessen, Dinge zu besitzen. Mit einem Satz: Frauen identifizieren sich mit den Dingen, die die sie kaufen können. Sie betrachten dies als Quelle und Ziel ihres Daseins.


Gilt dies nun auch für emanzipierte Frauen? „Oh ja“, sagen die Männer, die so denken. Es habe gar nichts mit Emanzipation zu tun, denn Frauen wollten Unabhängigkeit, Freiheit und ein eigenes Einkommen so, wie sie eine teure Handtasche wollen: Sie glauben, einen Anspruch darauf zu haben.

***

Wer solche Sätze liest, wird zunächst denken: Die sind ja meschugge, die Jungs. Doch was ist der Hintergrund?

Macht, Mittel und Möglichkeiten

Dazu müssen wir mal nach „ganz oben“ gucken, wo das Geld der Nadelstreifenmänner sitzt, und nach „ganz unten“, wo die frustrierten Kerle hocken. Und während sich die männlichen Geld-Eliten alles kaufen können – notfalls auch die Zuneigung von Frauen - sitzen die armen Jungs am unteren Ende vor ihren Handys uns versuchen, Frauen per Online-Dating an Land zu ziehen.

Die Männer „da oben“ locken heiratswillige Frauen aller gesellschaftlichen Gruppierungen an. Diese Frauen versuchen, den genannten Männern nahezukommen – und das ist keine Schande, sondern eine verständliche Reaktion. Einige der Frauen begegnen diesen Männern „auf Augenhöhe“, andere nicht – sie wünschen sich den sozialen Aufstieg. Auch das ist nicht verwerflich. Es ist die einfachste Art, die Hierarchien der Gesellschaft zu überwinden und zu versöhnen. Im Endeffekt heißt dies: Diese Männer haben die Auswahl – und nicht nur unter „seriösen“ Frauen. Wer (noch) keine Lust auf Beziehungen hat, kann sich mit Affären begnügen. Das Angebot ist vorhanden, und es ist größer als die Nachfrage. Warum sollten diese Männer einen Groll oder Hass auf Frauen hegen?

Wo die Männer auf die weibliche „Anspruchshaltung“ treffen

Die Männer „da unten“ (wo immer „da unten“ beginnt) mühen sich, Partnerinnen zu finden. Und sie sehen dabei, dass Frauen sich gerne einen gewissen Luxus leisten: Sieben Handtaschen sind selten genug, und 70 Paar Schuhe keine Seltenheit – auch unter Frauen, die nicht glorios verdienen. Sie glauben, dass all die überflüssig sei, und sie denken darüber hinaus, dass die Frauenseele offenbar umso mehr zu ihren Gunsten ausschlägt, je mehr sie mit Euroscheinen betankt wird. Und nun geschieht zweierlei: Erstens kommen sie beim Online-Dating unweigerlich mit Frauen zusammen, die ihre „Anspruchshaltung“ offen zur Schau tragen, obgleich sie sich zumeist völlig überbewerten. Und anderseits treffen sie im Internet auf Frauen, die ihrerseits Profit daraus ziehen wollen, dass diese Männer so schrecklich gefrustet sind.

Die Mehrheit liegt „irgendwo dazwischen“

Gesagt werden muss an dieser Stelle noch, dass es nicht nur „die da oben“ und „die da unten“ gibt. Sie wurden hier nur als Extreme genommen. Die große Masse liegt, wie immer und überall, zwischen den Extremen.

Frust und Betrug vor allem bei den ohnehin Enttäuschten

Nimmt man nun alles zusammen, so haben wir die Ursachen für Hass und Missgunst. Ausgehend vom Online-Dating kann man sagen: Je besser Männer sozial, finanziell und auch mental dastehen, umso weniger interessiert sie, ob Frauen „Ansprüche“ haben – die können sie notfalls weglächeln. Und sie verfallen auch weiblichen Betrügern wesentlich seltener: Eine hübsche Affäre gibt’s für wenig Einsatz – ab null Euro und auf kurzen Wegen. Und warum sollte der selbstbewusste Mann einer Betrügerin ein paar Hundert Euro dafür bezahlen, dass sie dem Mann „Aufmerksamkeit“ schenkt, so wie es manche Internet-Frauen anbieten?

Die Klischees existieren auf beiden Seiten – bei Frauen wie bei Männern, und immer wieder finden wir Menschen, die solchen Klischees entsprechen. Aber nur wenige Frauen und Männer unseres Alltags leben von und in „Klischees“. Und deshalb: Männer-Bashing ist so fies wie Frauen-Bashing. Wir sind alle Personen und sprechen nicht für das gesamte Geschlecht, dem wir angehören.

Hinweis: Alle Zitate wurden verfremdet. Wir möchten nicht, dass die Quellen erkannt werden und die Hassprediger dadurch mehr Zulauf bekommen.

Seit wann können wir so frei über Sexualität reden?

Wer es wissen will, sollte sich flugs den Film bei Arte ansehen. Der erste Teil ist besonders lehrreich, wenn du dich dafür interessierst, warum die sexuelle Befreiung so holprig anfing. Man sah nicht gerne, wenn über Sexualität gesprochen wurde. Schon gar nicht über weibliche Sexualität – und erst recht nicht über Abweichungen.

Wie normal ist eigentlich normal?

Sex in der Öffentlichkeit? Mehr als die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer träumen davon ...
Wer über Themen schreibt, die andere nicht einmal in den Mund nehmen würden, wie etwa Fellatio, der wird auch gelegentlich gefragt, was denn eigentlich „noch normal“ ist.

Na schön, ich könnte nun schreiben, was sich ein Drittel der Bevölkerung vorstellen könnte, das wäre sicherlich noch „normal“. Was zwei Drittel für denkbar halten, das wäre dann erst recht „normal“.

Doch was ist eigentlich wirklich „Normal“? Eigentlich ist mal wieder alles einfach: was den „gesellschaftlichen Normen“ entspricht, das ist „normal“. Das Problem dabei: Die „gesellschaftlichen Normen“ über Sexualität sind eine Konstruktion aus Meinungen und Urteilen, die vorgetragen und teilweise dokumentiert werden. Es gibt kaum einen Bezug zu Daten und Fakten, ja nicht einmal zur Natur, die in uns allen weiterhin wohnt, auch wenn wir noch so „zivilisiert“ daherstolzieren.

Drei Normen - und keine passt so recht

Die Psychologie unterscheidet manchmal zwischen drei Normen: der statistischen, der idealen und der funktionalen Norm. Doch alle drei Variationen wollen nicht so recht zur Sichtweise der Menschen im Alltag passen, deren „Normen“ fast immer von Facetten durchsetzt sind. Nehmen wir an, die verheiratete Frau Mustermann hätte während der gesamten Ehe zwei Affären gehabt, so mag sie der statistischen Norm entsprechen, der idealen aber keinesfalls, und funktionale mag sie sehr glücklich dabei gewesen sein. Ihr könntet nun durchaus die Anzahl der Affären zwischen null und zwei Dutzend variieren, und immer wird diese Frau wenigstens einer der drei Normen entsprechen.

Sind wir selbst "normal"?

Was für uns selbst normal ist, ist eine Frage, wie wir uns selbst sehen. Wissen wir es, so unterstellen wir oftmals, es müsse bei anderen genau so sein. Sehen wir dann, dass es nicht so ist, können wir an unserer eigenen Sexualität zweifeln oder an der Sexualität anderer. Wir können uns unter gleichgesinnten zusammenrotten und die jeweils anderen bekämpfen oder sie tun lassen, was sie mögen, damit wir tun können, was wir mögen.

Die Verifizierung der Normalität ist Unsinn

Der Wunsch, die eigene Normalität festzustellen und „offiziell“ verifizieren zu lassen, ist in weiten Kreisen der Bevölkerung verbreitet. Neuerdings wird erwartet, dass wir uns als „Heterosexuell“ definieren, auch dann, wenn wir den Begriff ablehnen.

Wenn wir Lust- oder Liebesbeziehungen suchen, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als uns zu öffnen. Der sogenannte „Hetero“ sucht eine heterosexuelle Beziehung, der/die Homosexuelle eine homosexuelle Beziehung und der/die „Andere“ vielleicht eine ganz andere Beziehung. Die Liste könnte erweitert werden: Der männliche sexuelle Masochist wünscht sich eine Beziehung zur sadistisch handelnden Frau, der Körperfetischist eine Frau, deren Körperteile er liebkosen darf. Und damit es nicht beim Mann als Begierdenträger bleibt, könnte ich hier Frauen erwähnen, die sich wünschen, in wundersamen Situationen zu versinken.

Wissenschaftler wissen nicht, was "normal" ist

Falls ihr wirklich die Wissenschaft fragen solltet, was „normal“ ist – die Wissenschaft ist ein schlechter Ratgeber. Sie hat kaum Kriterien und nutzt deshalb zahllose Mutmaßungen – beginnend bei dem forensischen Psychiater Richard Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, der sich Krafft-Ebing (1) nannte. Er wollte erkannt haben, dass „gesund, wohlerzogene Weiber“ bestenfalls ein schwaches sexuelles Begehren hatten, woraus er den Schluss zog, dass betont sinnliche Frauen „unnormal“ seien.

Statistischen und andere Normen folgen?

Der Liebhaber der Statistik wird auch die dunkelsten Lüste noch im unteren Drittel der erotischen Träume finden, und er wird zufrieden sein, sich wenigstens dort wiederzufinden. Oder er wird feststellen, den zwei Dritteln der Menschen anzugehören, die zwar „unerhörte Lüste“ haben, die aber dennoch zum „Mainstream“ gehören.

Wer der idealen Norm folgt, hat die schlechtesten Karten: Er wird dauernd mit seinem Gewissen hadern, weil er eben nicht „ist, wie Jesus Christ, wie’s allgemein noch üblich ist“ (2). Menschen, die diesem Ideal folgen, scheitern oftmals oder sie verbergen sich hinter einem Doppelleben.

Und wer der funktionalen Norm folgt? Er kann glücklich werden, solange es „dem bösen Nachbarn“ nicht missfällt, muss aber damit rechnen, mit dieser Auffassung isoliert zu werden. Entsprechende Aussagen aus dem Berufsleben wären: „Ich arbeite am liebsten nachts“ oder „Sonntags zu arbeiten, macht mich Freude.“ Und im Bereich des sexuellen sind es all die Menschen, die sich sagen, dass sie tun und unterlassen können, was sie wollen, solange es niemandem schadet.

Was ist nun die Norm? Was die Normalität?

Blaise Pascal, der berühmte Physiker des 17. Jahrhunderts, soll einmal gesagt haben:

Die Menschen sind so notwendig verrückt, dass Nicht-Verrückt-Sein nur hieße, verrückt sein nach einer andern Art von Verrücktheit.

Hüten wir uns also vor jenen, die „Normalität“ predigen. Es könnte sein, dass sie einer besonderen Art von Irrsinn verfallen sind.


(1) In "Psychopathia Sexualis"
(2) Meiner Meinung nach Zitat von Hans-Dieter-Hüsch

Die Grenze: Wann machst du dich zur Ware?

Das Äußere, der Charme - alles lässt sich vermarkten - aber willst du das?
Machst du dich durch Online-Dating zur Ware? Ich meine: auf keinen Fall - aber die Frauen zwischen 1918 und 1968 taten es sicherlich mehr, als sie zugaben.

Wenn ich gelegentlich vom Partnermarkt rede, dann höre ich sofort eine mächtige Gegenstimme, die mir sagen will: „Ich bin doch keine Ware!“

Das zeigt einerseits, wie wenig die angeblich so gebildeten Menschen unserer Zeit von Ökonomie verstehen – und anderseits den Widerwillen von Menschen, als „Verfügbar“ angesehen zu werden – auch, wenn sie es im Prinzip sind.

Warum der Markt unausweichlich ist

Um es kurz zu machen, alles in drei Punkten

1. Jeder Partnersuchende ist Marktteilnehmer, ob er das für sich akzeptiert oder nicht.
2. Der Markt regelt sich nach Angebot und Nachfrage.
3. Niemand ist eine Ware, nur weil er sich am Markt befindet.

Frauen leiden besonders darunter, wenn man ihnen sagt, dass sie sich „am Markt“ befänden, „sich den Marktbedingungen beugen müssen“ oder gar „ihren Marktwert einschätzen“ sollten.

Das alles ist unglaublich wichtig – aber es hat gar nichts damit zu tun, eine Ware zu sein.

Wie Frauen früher Körper und Charme vermarkteten

Interessant wird das Thema, wenn man sich in die Ursprünge des sogenannten „Datings“ einklinkt. Dabei versuchten die jungen Frauen in der Zeit zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sich möglichst appetitlich herauszuputzen, um ein Date mit einem möglichst attraktiven Mann zu bekommen. Alles lief zu Marktbedingungen ab, und dieses Verhalten hatte tatsächlich Warencharakter, weil diese Frauen untereinander konkurrierten. Und weil dies alles in den USA stattfand, musste es nicht unbedingt Entsprechungen in Deutschland geben.

Die Historikerin Beth Bailey (1) schrieb über jene Zeit:

Du hast konkurriert, um bekannt zu werden, und bekannt zu sein, erlaubte dir, weiterhin zu konkurrieren. Konkurrenz war der Schlüsselbegriff in der Formel.


Schon damals trennte man die populären „Girls“ in gute und schlechte. Die „Guten“ erreichten ihren Aufstieg durch ihr „nettes Wesen“, ihre Art, Liebe ohne nennenswert sinnliche Gunstbezeugungen zu zelebrieren oder einfach durch ihre äußerliche Schönheit. Die „Schlechten“ versuchten, einen Vorteil aus ihren Dates zu ziehen, indem sie in begrenztem Maße sexuelle Gunst gegen Einladungen und Geschenke tauschten. Kurz: Jede dieser Frauen vermarktete sich, hielt dabei aber eine gewisse Distanz zu dem Eindruck, sich jemandem „an den Hals zu werfen“. (2)

Ein ähnlicher Markt bestand in Deutschland bis in die 1960er Jahre hinein, und er beruhte auf der Idee, freitags oder samstags „tanzen zu gehen“. Das beutete kaum mehr, als sich körperlich so zu präsentieren, dass die Männer aufmerksam wurden. Es war teilweise der reine „Fleischmarkt“, weil sich die Damen stets „attraktiv“ positionieren mussten - und es erwies sich zumeist ebenfalls als ein würdeloses Konkurrieren.

Die Vermarktung von "Körper und Charme" lässt nach

Obgleich es ähnliche Tendenzen bis heute gibt, hat die Methode der „Vermarktung von Körper und Charme“ doch stark nachgelassen. Die Hauptursache dafür liegt in einer Kombination von Emanzipation und wirtschaftlichem Erfolg. Denn die US-Frau wie die deutsche Frau von damals brauchte einen Mann, um etwas zu gelten, und um eine gesicherte soziale und finanzielle Zukunft zu haben.

Das alles ist Schnee von gestern. Und weil das so ist, muss niemand mehr befürchten, als Ware auf den Partnermarkt zu gehen, sondern sie oder er benötigt nur noch Einsicht in die eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Wer sie hat, kann sich frei und selbstsicher im Partnermarkt bewegen wie der Fisch im Wasser.

(1) Baltimore, 1988, zitiert nach Hanne Blank in "Straight"
(2) Die Entwicklung konnte erst nach dem Ersten Weltkrieg einsetzen. Dazu schreibe ich noch einen weiteren Artikel für euch mit aktuellen Zeitbezügen.

Dating-Trends und Frauenmacht: Wer hält eigentlich wen hin?

Viele Frauen haben ihre Muschi-Macht gegen emotionale Macht eingetaucht, ohne dass es aufgefallen ist. Es wird Zeit, dass Männer dies erkennen und sich davon nicht manipulieren lassen.

Da wären sie also mal wieder, die Dating-Trends, die wir mal locker in zwei Gruppen teilen können: Verpissen und hinhalten.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass die Artikel darüber immer betont „geschlechtsneutral“ geschrieben werden? Und fiel euch dennoch auf, dass zwischen allen blödsinnigen Zeilen jeder dieser merkwrüdigen Frauenzeitschrift steht „nimm dich in Acht, Mädchen – da sind böse Männer am Werk, die so etwas fieses tun?“

Scheißkerle gibt es - auch dank der Frauen, die ihnen zufliegen

Ja, ja. Es gibt sie die Scheißkerle, und das sind genau die Männer, die ihr umschwirrt wie die Motten. Denn nur sie können es sich leisten, euch anzulocken, zu vögeln und zu vergessen. Für sie – und nur für sie – sind Frauen keine wertvollen, raren Geschöpfe, die nur schwer zu überzeugen sind, sondern frei verfügbare Ressourcen „zum alsbaldigen Verbrauch bestimmt“.

Die Mehrheit der Männer muss um Dates kämpfen

Ja, ich drücke mich absichtlich so drastisch aus. Denn die Mehrheit der Männer kann nicht einfach die Tür offenstehen lassen, um Frauen ins Bett zu locken. Diese Mehrheit muss sich anstrengen, um überhaupt ein Date zu bekommen, und nur wenigen ist dann vergönnt, dass sich das Honigtöpfchen öffnet. Mit anderen Worten: Es sind die Frauen, die entscheiden, was was passiert – oder ob überhaupt was passiert. Und sie sind es, die immer wieder locken und verweigern, oder die Brotkrumen (1) ausstreuen, die der Mann dann vom Fußboden lecken darf.

Na klar macht es diesen Damen Freude, begehrt zu sein und die Kerle herumtänzeln zu lassen wie die Hampelmänner. Sagen doch mal selbst: Was ist für Frauen interessanter, als wenn die Männer ihnen zu Füßen liegen, um ihre Gunst zu erwerben?

Die Alpha-Weibchen und ihre Gefolgschaft

Sagt mir nun bitte nicht, dass es so etwas nicht gibt. So manches Alpha-Weibchen schart schon in der Schule die Jungs um sich, und ich habe definitiv selbst erlebt, dass sich schöne Frauen in Büros eine solche Gefolgschaft hielten, um ihr Selbstbewusstsein aufzuwerten. Und da war der Köder nicht Sex, sondern einfach die Tatsache, sich gelegentlich in der Umgebung der schönen Frau aufhalten zu dürfen.

Ist emotionale Macht die neue "Muschi-Macht"?

Die emotionale Macht, über die Frauen verfügen und ihre Möglichkeiten, Gunst zu verschenken und zu entziehen, werden allemal unterschätzt. Wer wollte nicht ein Date mit der schönen Frau? Und wer würde sich nicht im Vorfeld darum bemühen, eines zu bekommen? Und ab wann würde ein Mann dafür bezahlen – nicht etwa mit Geld, sondern mit dem Verlust seiner Selbstachtung?

Frauen sind keinesfalls Königinnen, sondern Menschen wie alle andern auch

Das Problem unserer Kultur ist weiterhin, dass viele Männer Frauen emotional verherrlichen wie die Königinnen, statt sie eben als ganz gewöhnliche „Ebenbürtige“ anzusehen. Und dass von uns Männern selbst dann noch „Contenance“, vielleicht sogar noch „Ritterlichkeit“ eingefordert wird, wenn Frauen uns Männer zu manipulieren oder eben auch zu bescheißen versuchen.

Und … hallo Männer … sorgt mal dafür, dass es bei den Versuchen bleibt.

(1) „Breadcrumbing“ wird in „Wunderweib“ beispielsweise als als „fiese Warmhalte-Masche der Männer“ bezeichnet. Warum eigentlich "der Männer"?

Herausforderungen im Leben, in der Lust und im Schmerz

Herausforderung - was wird geschehen?
Im Bereich der Sexualität trifft nahezu jeder Mensch einmal oder auch mehrfach in seinem Leben auf besondere Herausforderungen. Nach der üblichen Definition sind „Herausforderungen“ besondere Aufgaben, die wir uns selbst stellen oder die eine andere Person an uns stellt.

Nehmen wir die Herausforderung an, so gehen wir ein Risiko ein, das zu mehr Lust oder aber auch zu Verdruss oder Schmerz führen kann.

Erste sexuelle Handlungen sind immer Herausforderungen

Es gibt kaum etwas auf dem weiten Feld der Sexualität, das keine Herausforderung darstellt. „Das“ erste Mal, oder die „ersten Male“, in denen wir Abweichungen praktizieren, die Abenteuer, die wir eingehen – all das sind Herausforderungen. In vielen Fällen müssen wir Vorbehalte oder massive Ängste überwinden, um den Mut zu fassen, eine Herausforderung einzugehen, und sicher nicht nur in der Sexualität.

Wer sich herausfordern lässt, will in der Regel siegen, will dem Herausforderer zeigen, dass er den Mut und die Kraft hat, über sich hinauswachsen.

Die Grenze überschreiten – die besondere Herausforderung

Besonders intensive Herausforderungen bieten sich, wenn wir Grenzen überschreiten, vor deren Übertritt man uns gewarnt hat. Wir wissen dann, dass wir uns auf unsicherem Territorium befinden, und müssen wohl oder übel darauf vertrauen, sicher geleitet zu werden. Falls wir diese Abenteuer bestehen, gehen wir gestärkt heraus, fall nicht, treten häufig Konsequenzen auf, die wir nicht mögen. Vielleicht verlieren wir unser Ansehen bei den oder dem Anderen, oder wir beginnen, an uns zu zweifeln.

Dies alles gilt für uns hier, im wirklichen Leben, in dem Bereich also, den wir gerne als „unsere Realität“ bezeichnen.

Doch wie verhält es sich in der Fiktion? In unseren Tagträumen? In den Romanen, die von Herausforderungen handeln? Und was ist dort zum Beispiel eine „sexuelle Herausforderung“?

Die Herausforderung und das Gemenge, das uns hindert

Im Grunde sind alle „sexuellen Herausforderungen“ in Wahrheit Gemenge aus der Überwindung geistiger, emotionaler und körperlicher Grenzen – vermutlich gar in dieser Reihenfolge. Zuerst muss das „Undenkbare“ wahrhaftig „denkbar“ werden, dann müssen die Schranken unserer Befürchtungen und Ängste überwunden werden, und schließlich muss zugelassen werden, dass der Körper herausgefordert wird.

Der Körper, die Fiktion und die Realität

Auch dies gehört in weiten Teilen noch zur Realität, geht aber in die Fiktion über, sobald der Körper betroffen ist. Autorinnen und Autoren neigen dazu, ihren Figuren wesentlich mehr zuzumuten als sich selbst. Sowohl die Lust als auch der Schmerz können im erotischen Roman auf die Spitze getrieben werden, ohne dass der Körper unter der Last der Herausforderungen zusammenbricht. Und daher kommt es auch, dass sogar Geschichten über erotische Unterwerfungen, Strafen, Versklavungen oder gar Folterszenen von den Leserinnen und Lesern noch weitgehend goutiert werden.

In der Realität geht kaum jemand „bis zum Äußersten“, weil eben dieses „Äußerste“ unabsehbare Folgen haben kann – sogar im Sport. Indessen ist im Bereich vergleichbarere Storys „das Äußerste“ gar nicht fassbar. Und so mag es kommen, dass sich Leserinnen und Leser mit den Heldinnen und Helden, die „das denkbare Äußerste jenseits des erlebbaren Äußersten“ wagen, in besonderem Maße identifizieren.

Schenk uns etwas …

Schenk uns doch bitte etwas … deine Gedanken, zum Beispiel, die Aufsätze, Artikel und unfertigen Novellen, die schon seit Jahrzehnten in in den Schubladen ruhen. Vielleicht hast du uralte Manuskripte oder Typoskripte auf deinem Dachboden gefunden? Weißt du jemanden, der eine Erbschaft angetreten hat und sich der Dokumente schämt, die er dort gefunden hat?

Aber am liebsten haben wir deine Gedanken.

Schenk sie uns, wenn du magst.

Wir schenken dir dafür Aufmerksamkeit.

E-Mail:
Was denkst du? Was fühlst du? Was schreibst du?