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Mädchenhaftigkeit und Wohlanstand - fragwürdige Voraussetzungen für die Partnersuche

Mädchenträume - Darstellung von ca. 1910
Ich habe vor einiger Zeit meine Aktivitäten im Online-Dating-Bereich erheblich eingeschränkt. Vor etwa 10 Jahren galt ich noch als wegweisender Experte für das Online-Dating. Dann allerdings habe ich zu vielen Menschen auf den Schlips und noch mehr auf den Rockzipfel getreten. Das liegt nur an einem Umstand: Während andere mit sinnlosen Verhaltensregeln und Tipps um sich warfen, trösteten und beschönigten, sagte ich die Wahrheit: Wenn du keinen Partner findest, dann liegt es an dir – nur an dir. Also arbeite daran, dass sich dies ändert.

Dating-Tipps kann jeder Idiot abschreiben

Ein Großteil der irreführenden und sinnlosen Tipps wird über Frauenzeitschriften und sogenannte „Beratungsliteratur“, („How to …“) verbreitet. Man muss keine eigenen Erfahrungen haben und keinen Recherchen anstellen, um solche „Tipps“ zu veröffentlichen. Ja, man muss sich nicht einmal etwas dabei denken. Es reicht völlig, sie aus einer der vielen fragwürdigen Quellen abzukupfern.

Partnersuche: Es geht um Sexualität und noch etwas anderes

Ja, ich behaupte sogar: Die Autorinnen und Autoren verschweigen, worum es eigentlich geht: Um das Bedürfnis, sich fortzupflanzen. Und wenn nicht darum, dann eben darum, seine Lüste mit jemandem ausleben zu können. „Dating“ ist also keine Kulthandlung, sondern der Ausdruck des animalischen Bedürfnisses nach Nähe oder nach einer gemeinsamen Höhle, in die man sich gemeinsame verkriechen kann. Das Ziel besteht also immer in „Sex und noch etwas Anderem“, und das „Andere“ ist so vielfältig, wie es suchende Singles gibt.

Begegnungen: es geht nicht darum, die Prinzessin zu spielen

Vor allem Frauen glauben immer noch, „Dating“ sei eine Art Gesellschaftsspiel, in dem es „Anstandsregeln“ einzuhalten gilt. Und sehr viele Frauen glauben, sich dabei in die Rolle einer Prinzessin zu befinden, in der sie Männer beliebig antanzen lassen können, um sie zu bewerten.

Morallos: Auf keinen Fall geht es darum, seinen Liebreiz zu verhökern

Schönheit, Liebreiz, Charme und sexuelle Künste lassen sich natürlich in die Partnersuche einbringen, aber sie sind nicht als Lockmittel. Dennoch versuchen etliche Frauen, ihre Attribute meistbietenden an den Mann zu bringen – nicht gegen Geld, verstehst sich. Sondern gegen Macht, Ansehen und Einkommenssicherheit. Merkwürdigerweise sehen wenige dieser Frauen darin etwas Verachtenswertes, sondern fühlen sich weiterhin als moralisch integre Menschen, wenn sie so handlen.

Das dümmliche Spiel mit der Mädchenhaftigkeit

Bemerkenswert oft spielen Frauen „mädchenhaft sein“, das heißt, sie handeln so, als ginge es bei der Begegnung darum, wie sie sich „gibt“, wie zurückhaltend sie ist, oder wie hübsch sie Konversation machen kann. Der Mann wird nach seinem „höflichen“ Verhalten beurteilt, und vorsichtig werden seine sozialen und finanziellen Ressourcen abgefragt. Das „Was-wäre-wenn-Prinzip“ wird dabei pervertiert: Diese „Mädchen“ versuchen, im ersten Gespräch herauszufinden, wie es wäre, wenn sie den Mann heiraten würden – viel zu früh. Und diese „Mädchen“ sind Frauen des 21. Jahrhunderts, die sich gelegentlich gar als emanzipiert und selbstbewusst definieren. Ich sag es mal absolut unverblümt: Eine erwachsen Frau, die dem Mann beim Date den Charakter eines historischen bürgerlichen „Backfisches“ vorspielt, ist nicht tragbar – ebenso wenig, als wenn sie die Rolle der Prinzessin einnimmt.

Dates sind Begegnungen - und nichts mehr

Reden wir Tacheles: Sogenannte „Dates“ sind Begegnungen, aus denen jeder Beteiligte den maximalen Nutzen ziehen möchte: Die Anfängerinnen orientieren sich über den Markt, die Erfahrenen genießen die Unterhaltung und treffen dabei ihre Entscheidungen. Genießerinnen suchen sich die geeignetsten Herren für ein erotisch erfülltes Wochenende, und Begierige nehmen sich, was geboten wird. Und die Klugen halten früher oder später denjenigen fest, der ein passabler Ehepartner werden könnte. Aber halt …

Treffen, um einen Partner zu finden: Je festgelegter, umso aussichtsloser

Da wären nun noch diejenigen, die sich absolut auf eine bestimmte Art von Begegnungen festgelegt haben. Und das heißt: Hohe Erwartungen mit dem Endziel einer festen, dauerhaften Beziehung – und sie denken: „Wenn das nicht geht, dann geht gar nichts.“

Die brutale Wahrheit

Solltest du dazugehören, dann lies bitte einmal diesen kurzen, zitierten Tipp:

Fieberst du schon seit Tagen auf dieses Treffen hin … oder malst du dir aus, wie ihr in diese gigantische Altbauwohnung zieht? Hör auf damit. Anderenfalls gibt es nur zwei Möglichkeiten: Erstens, du siehst beim Date selbst alles Mögliche, nur nicht dein Gegenüber, oder zweitens, du bist enttäuscht, weil etwas anders ist, als du es dir vorgestellt hast. Auf Erstens folgt übrigens auch Zweitens. Es gibt kein Entrinnen, Baby.


Das ist die brutale Wahrheit. Und was deine „bürgerlichen Tugenden“ und andere Phänomene betrifft – es gibt noch 19 andere Tipps, die alle sinnvoll sind. Die Tipps von 12 bis 14 drehen sich im Übrigen um ein Thema, das fast überall verschwiegen wird: um die Frage, wie du es mit dem Sex hältst. Die Antworten sind brutal einfach … aber die solltest du vielleicht im Original lesen.

Ein sekundäres Geschlechtsmerkmal der Frau

Das sekundäre Geschlechtsmerkmal
Da große Augenhöhlen ein sekundäres weibliches Geschlechtsmerkmal sind, so sind die Augenbrauen umso schöner, je höher sie gewölbt sind.

Zitat aus: Die Schönheit des weiblichen Körpers, Stuttgart 1900, S. 106

Was wird nun eigentlich aus Tumbr?

Fatima Xberg hat TUMBLR den Rücken gekehrt – meiner Meinung nach der richtige Schritt. Das Portal spielt sich neuerdings als Sittenwächter auf – und das ist schon von Grund auf eine Ungeheuerlichkeit. Dann was am Ende der Zensur anheimfällt, kann niemand wirklich sagen – Dummheit macht weder vor Menschen- noch vor Maschinen-Entscheidungen halt.

Fatima schreibt:

Da ich nicht beständig mit „intelligenten“ Menschen oder „menschlichen“ Maschinen über den Wert meiner Arbeit streiten möchte, habe ich mich entschlossen, mein Tumblr-Konto zu verlassen und zu kündigen.


Wenn dies alle Menschen tun, die sich als Erwachsene fühlen und zugleich Verantwortung tragen, was bleibt dann noch für „Tumblr“? Kitsch und Promis? Kaninchen und Blümchen?

Ich gebe zu: Nicht alles, was auf Tumblr zu sehen ist, gefällt mir. Aber ich muss wirklich nicht ansehen, was mir nicht gefällt. Und selbst wenn die Darstellungen sehr, sehr anzüglich sind, so sind es doch immer Dokumente der Zeit.

Ich habe mich übrigens in etwas dunkleren und nicht so liberalen Zeiten schon einmal mit einem Portal herumgestritten, das solche Dinge tat, ich nenne den Namen hier nicht. Aber es ist inzwischen zur Bedeutungslosigkeit verkommen.

Der Hintergrund: Wenn man nicht weiß, wer der Zensor ist und nach welchen Kriterien tatsächlich zensiert wird, dann traut sich am Ende niemand mehr, irgendetwas zu veröffentlichen, was über Tralala und Larifari hinausgeht.

Tumblr gibt den Saubermann

Die Blog-Gemeinschaft hinter Tumblr hat angekündigt, mit Wirkung vom 17. Dezember 2018 keine „Pornografie“ mehr auf ihren Webseiten zuzulassen. Was darunter genau zu verstehen ist, wurde noch nicht völlig klar. Nur eins ist sicher: da wird ein Zensor installiert, und er bestimmt in Zukunft, was Menschen sehen oder lesen dürfen und was nicht.

Die offizielle Begründung lautet, man habe die Verantwortung, die Auswirkung der Inhalte auf verschieden Altersgruppen, Bevölkerungsstrukturen, Kulturen und Denkweisen zu berücksichtigen. Dabei, so heißt es weiter, sei man zu dem Schluss gekommen, dass man „ohne diesen Inhalt die Möglichkeit habe, einen Ort zu schaffen, an dem sich mehr Menschen wohlfühlen.“

Die Begründung habe ich in ähnlicher Weise schon vielfach gelesen. In Wahrheit knickte man immer wieder vor den Moralaposteln ein oder fürchtet sich davor, von politischen oder religiösen Gruppen angegriffen zu werden.

Erotik, Christentum und Hexenkult

Erotik, Christentum und Hexenkult - ein sehr kurzer Abriss über die Lust, in Geheimbünden erotische Erfüllung zu finden.
Sinnliche Hexen
Im Grunde kann man kaum von „dem“ Hexenkult sprechen. Die Ursprünge der „Hexerei“ liegen einerseits in der Heilkunst der kräuterkundigen Frauen, andererseits in Geheimzirkeln, die der sogenannten „alten“ Religion anhingen. Was sie genau ist oder war, kann heute nicht mehr ohne weiters rekonstruiert werden – jedenfalls handelte es sich nicht um die germanische Götterwelt, sondern sie hatte ihre Wurzeln in längst verschwundenen Religionen, deren Herkunft im Vorderen Orient vermutet wird. Soweit es sich um einen Kult handelt, in dem auch Rituale vollzogen werden, kann auch bei den heutigen Hexenvereinigungen noch von „religionsähnlichen“ Gemeinschaften gesprochen werden.

Freies Denken und freie Liebe

Die Erotik im Hexenkult ist eine rituelle Abwandlung des allgemeinen Wunsches nach „freier Liebe“, der im Christentum wie auch in der „alten Religion“ vorhanden war. Freilich konnte sich dieser Wunsch im Christentum niemals durchsetzen, weder vor der Reformation noch danach. Das heißt aber nun keinesfalls, dass es keine Abweichler gab, die sich unter christlichen Symbolen zusammenfanden, um die freie Liebe zu praktizieren.

Ein Beispiel wäre die Buttlarschen Rotte, gegründet von Margaretha von Buttlar, die von 1670 bis 1721 lebte. Dabei ist gleich, was die juristische Bewertung (1) des Tuns ihrer Mitglieder ergab: Sehr wahrscheinlich ist, dass diese Gruppe die christliche Gottheit nach der Genesis umwertete: Demnach schuf Gott den Menschen als Mann und Frau nach seinem Vorbild. (Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.)

Obgleich diese Auffassung absolut legal und unzweifelhaft bei Mose(2) verbürgt ist (1.Mose 1:27) wird nach wie vor als Blasphemie angesehen, diese Bibelstelle ernst zu nehmen. Der androgyne Charakter der Gottheit durfte nicht diskutiert werden, weil es ganze Dynastien infrage gestellt hätte und die damaligen, fest gefügten Geschlechterbeziehungen ad absurdum geführt hätte.

Die Querdenker wurden vermutlich zu "innerlichen" Heiden

Dies wiederum hat vermutlich gereicht, um nahezu alle erotischen Querdenker in die Arme der „alten Götter“ oder „Naturgottheiten“ zu treiben. Betrachtet man die verschiedenen Kulte alter und neuer Art, so wird deutlich, dass sie entweder einen überwiegend spirituellen, esoterischen Charakter haben oder sich in irgendeiner Form mit der lustvollen Vereinigung der Körper oder dem Genuss der Sexualität beschäftigen. Daraus wieder kann man entnehmen, dass es sich entweder um eine geistig-seelische Bereicherung oder aber um eine sinnlich-körperliche Erfüllung handeln kann, die von den Gruppen vollzogen wird. Da gilt nicht nur für moderne „Hexenkulte“, sondern auch für alle auf Esoterik oder Psychologie beruhenden Gruppen, die nach einer Erweiterung des Bewusstseins streben und dabei entweder das Psychische oder das Körperliche betonen.

Die magisch-erotischen Rituale leben in der Literatur weiter

Trotz all dieser Differenzierungen kann man feststellen, dass viele der literarischen Werke, die Erotik und Esoterik vereinigen, ausschließlich auf weiblicher Sinnlichkeit und weiblichen, religionsähnlichen Ritualen beruhen und oftmals die Gleichgeschlechtlichkeit als wesentlichen Inhalt pflegen.

(1) Lest dazu die juristische Wertung, wenn ihr interessiert seid.
(2) Bibeltext

Bild: Die Drei Hexen - Daniel Gardner (1750-1805).

Da wird mir etwas vorenthalten … Sexualität ist immer noch ein Tabu

Sich schämen, sexuell zu sein?
Die Sexualtherapeutin Sandra Gathmann sagte in einem Gespräch mit der „Wiener Zeitung“, sie habe schon früh „den Eindruck (… bekommen …), dass alles, was mit Sexualität zu tun hat, ...(ihr) ... ein Stück weit vorenthalten wurde.

Die Frage ist natürlich: Welcher Frau oder welchem Mann wurde nicht bedeutet, dass alles, was mit dem Sex zu tun hat, „eigentlich“ kein Gesprächsthema ist?

Frau Gathmann erwähnt, das alles, was man „früher“ (sie ist selbst noch recht jung) an Informationen über die Sexualität bekommen konnte, „Warnhinweise und Verklärungen“ waren.

Informationen ja - Gespräche nein?

Wahrscheinlich werden Sie jetzt sagen: „Ja aber heute ist das Internet doch voll von Sex, Erotik und Pornografie, und es gibt Dutzende von Frauen- und Mädchenforen, auf denen „man“ sich informieren kann.

Das mag so sein – aber dennoch gilt es nach wie vor als sehr bedenklich, wenn sich junge Frauen und Männer sehr intensiv mit der Sexualität beschäftigen. Noch bedenklicher erscheint es manchen Zeitgenossen, wenn sie Körper, Geist und Psyche auch sexuell erproben oder gar herausfordern wollen.

Niemals über Sexualität sprechen?

Warum darf das alles nicht sein? Warum schämen wir uns dessen? Ich kenne die Gesichter der Frauen, die ich persönlich gebeten habe, einmal über spezifisch weibliche Lüste zu schreiben … einfach so … flott aus dem Bauch in den PC, anonym, selbstverständlich. Die Empörung stand ihnen im Gesicht geschrieben – und sie löste sich teilweise nicht einmal mehr.

Im Interview mit Frau Gathmann ist eine sehr interessante Abwandlung von Paul Watzlawicks Kernaussage enthalten: „Man kann nicht NICHT kommunizieren“. Hier das Zitat:

Man kann nicht nicht über Sexualität kommunizieren, aber man kann nicht über Sexualität sprechen.


Heißt: Wir kommunizieren ständig (nonverbal) untereinander über unsere Attraktivität, unsere Erotik, unsere Sexualität … aber wir schaffen es nicht, darüber zu sprechen – ja nicht einmal, darüber zu schreiben.

Und während dies alles so ist, versuchen Frauen und Männer, strengere Regeln dafür aufzustellen, was in der Kommunikation zwischen den Geschlechtern überhaupt (noch) gestattet sein soll. Was für eine geistige Perversion!

Sind manche Wissenschaftler zu blöd, um Kommunikation zu verstehen?

Ich will Sie auf einen kleinen Nebeneffekt aufmerksam machen: Wenn wir weiterhin „nicht NICHT“ kommunizieren können, was nachhaltig bewiesen wurde, dann werden wir weiterhin über Sexualität kommunizieren, aber uns noch weniger darüber austauschen, um nicht als „sexistisch“ abgestraft zu werden. Und vielleicht sollte ich noch einen provokativen Satz anfügen:

Wer zu ungebildet ist, die Regeln der Kommunikation zu kennen, sollte sich nicht selbst ermächtigen, Sprachregelungen in die Welt zu setzen.

Der Satz geht an Feministinnen, Genderforscherinnen und alle anderen, die uns „Neusprech“ (aka „soziale Korrektheit“) verordnet haben.

Bild: Signatur von Lèbegue oder ähnlich, Illustration, historisch

Zuhören – und über alles reden?

Warum suchen Damen eigentlich einen „Mann für gewisse Stunden“ auf?

Welche Antwort hattest du erwartet? Natürlich geht es auch um das, was du jetzt denkst. Aber nicht nur. Denn viele Frauen suchen einfach jemanden, der ihnen zuhört. Das ist übrigens bei Männern ganz ähnlich, die sich leisten können, ein Escort-Girl auch mal für das Zuhören zu bezahlen.

Ein „Mann für gewisse Stunden“ erzählt, dass ihm die Damen „all ihre Geheimnisse“ anvertrauen, und dies aus einem einzigen Grund: weil er ihnen zuhört. „Ich werde bezahlt, um aufmerksam zu sein – und das mache ich auch“, sagte der Mann in einem Interview. Auf diese Weise kämen seine Kundinnen auch immer wieder.

Ob Frau oder Mann – das wirklich Intime, das Ungesagte, landet oftmals in den Ohren der Menschen, die im Grunde als etwas anderes angesehen werden. Doch wen wundert es, wenn niemand wirklich zuhören mag? Und wenn sexuelle Fragen von vornherein von der Tagesordnung gestrichen werden?

Ich erinnere mich, dass viele Berater(innen) für die Partnersuche ein Mantra vor sich hertragen: Rede nie über Politik oder Sex. Doch was im Grunde verständlich ist, nämlich nicht „ins Fettnäpfchen“ treten zu wollen, wird auf Dauer zur Gefahr: Man kann Themen nicht ständig ausblenden, nur, weil der Partner befremdet sein könnte.

Zitat: Erotic Scribes.

Alle Plots, die es in der Literatur gibt

In der letzten Folge meiner kleinen Serie habe ich darüber geschrieben, wie einfach ein erotischer Plot ist. Das wiederholen wir noch mal mit anderen Worten:

Phase eins: Deine Figur lebt in ruhigen Bahnen und kennt nur das, was alle Frauen ihres Alters oder ihrer Herkunft üblicherweise wissen oder kennen.

Phase zwei: Dann folgt ein Ereignis, das alles verändert. Meist handelt es sich um eine Begegnung. Sie erzeugt eine völlig neue, erregende, aber auch verwirrende Welt der Lust.

Phase drei: Schließlich geht sie diesen Weg weiter, oder verlässt ihn, um einen anderen Weg zu finden oder sie geht zurück zum Ausgangspunkt, um ihr Leben neu zu ordnen.

Um viel Spannung zu erzeugen und deine Geschichte dramatischer auszugestalten, musst du den Bereich der Veränderungen ausbauen. Üblicherweise durch ein „auf und ab“ der Gemütszustände oder äußeren Umstände, in die deine Figur gerät.

Es gibt mehrere Standard-Plots, die oft beschrieben werden. Nicht alle handeln davon, wie aus einer schlechten Ausgangslage ein „Aufstieg“ ins Glück erreicht wird, der nicht mehr gefährdet ist. Tatsächlich spricht man davon, dass es nur fünf, bestenfalls sieben Plots gibt. Jeder Schreib- oder Lebenslehrer hat da so seine eigenen Ideen, was abgetrennt und was integriert werden muss.

Hier führe ich mal (nahezu) alle auf, zunächst ohne ihre Eignung auf erotische Romane zu überprüfen:

1. Die Figur steckt in der Misere und kämpft darum, wieder herauszukommen. (Fallen – Aufsteigen).
2. Aufzusteigen, wieder abzufallen und erneut aufzusteigen. (Cinderella, Liebesromane, moderne erotische Märchen)
3. Abzusteigen, wieder hinaufzusteigen und erneut abzufallen.
4. Aufzusteigen und am Ende zu versagen.
5. Das Monster (in sich selbst oder in einer anderen Person) zu besiegen. (Kampf um das Glück, Kampf mit den eigenen Dämonen, zum Beispiel Süchten, Perversionen)
6. Ohne Not eine Suche nach dem Glück zu beginnen. (Abenteuer, auch erotische Abenteuer aus reiner Lust beginnen)
7. Eine Reise beginnen und geläutert oder erfahren zurückkommen. (Besonders für Romane und Erzählungen, die eine Persönlichkeitsentwicklung beschreiben).
8. Wiedergeboren (im Sinne von geläutert) zu werden. (Im Grunde das bisherige Verhalten oder das Selbstverständnis völlig austauschen)
9. An einem Ränkespiel beteiligt zu sein, das sich zum Glück hin auflöst. Das Böse oder Unverständliche wandelt sich zum Guten. (Komödie)
10. In einem Strudel von Ereignissen geraten, der für deine Figur den Abstieg bedeutet. Das Verständliche wandelt sich zum Bösen ohne Ausweg. (Tragödie).


Das sagt noch nicht viel darüber, welche dieser Plots in anspruchsvollen erotischen Romanen verwendbar sind. Und deswegen schreibe ich das nächste Mal darüber, welche Plots sich möglicherweise für deine Geschichte eignen.

Was willst du einmal werden?

So wichtig das Thema der Berufswahl auch sein mag. Es gibt andere Antworten als beispielsweise „Rechtsanwältin“ oder „Programmierer“. Nämlich diese:

Ich möchte einmal glücklich werden.


Ich weiß nicht, ob es junge Menschen sagen, deren Kindheit nicht glücklich war. Aber es ist ein wundervolles Ziel, glücklich zu werden.

Kann denn Liebe Sünde sein?

Wollust als Haltlosigkeit?
Wir sollten mal über die Sünde sprechen. Denn viele Menschen glauben, dass sie sich „versündigen“, wenn sie lieben. Falls wir das präzisieren müssen: wenn sie so lieben, wie es die christliche Kirche nicht vorsieht. Denn „die Liebe an sich“ ist ja schon von Grund auf sakral – sie kann also keine Sünde sein.

Steigen wir ein bisschen tiefer ein: Wie kommen die Kirchen eigentlich auf die Idee, dass es Sünden gibt?

Das erklärt uns ein Autor von Wikipedia so:

Die Sünde besteht nach christlichem Verständnis in einer Abkehr von Gottes Willen, im Misstrauen Gott gegenüber, im Zulassen des Bösen oder im Sich-Verführen-Lassen.


Fassen wir’s mal zusammen: Wir müssen „Gottes Wille“ kennen, dürfen seinen Worten nicht misstrauen und uns nicht „dem Bösen“ zuwenden, das uns verführen will.

Halt! Leben wir eigentlich im historischen mosaischen Umfeld? Oder im Mittelalter?

Nicht frei, nicht gleich, dafür sündig und unmündig

Nein – natürlich nicht. Nach christlicher (insbesondere katholischer) Auffassung sind wir weder frei und gleich geboren noch zu Gottes Ebenbild, sondern leben von Geburt an unter dem Makel der Erbsünde. Ob das nun wirklich so in den Büchern Mose steht? Da könnt ihr ja mal einen Theologen fragen. Er wird euch wahrscheinlich sagen, dass die Erbsünde eine Konstruktion ist.

Und die Liebe? Sie existiert eben auch als Lust, und als Lust steht sie der Wollust nahe, und eben jene Wollust ist nicht nur eine Sünde wie viel andere, sondern eine Todsünde – und davon gibt’s nur sieben.

Die anderen sind Hochmut, Geiz, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit.

Wollust - die Mutter weiterer Sünden?

Was ist sie nun, die Wollust? Sie führt, so habe ich mir sagen lassen, zu weiteren Sünden, weil sie vom Genuss, dem begehren und dem unkeuschen Verhalten angetrieben wird. Pikanterweise wurde der Vorwurf der Wollust in Hexen- und Ketzerprozessen erhoben, und er richtet sich ebenso gegen einen großen Teil der „unkeuschen“ Literatur.

Im Volksmund sind „Sünden“ eher kleinere Abweichungen von ungeschrieben Gesetzen. Und weil wir „allemal Sünder“ sind, dürfen wir sie zumeist weglächeln.

Findet eure Antworten selbst; Sünder

Und was die Lust betrifft, die Sinnlichkeit, die Verführung und was sonst noch als Sünde zählt?

Findet eure Antwort darauf, wenn ihr katholisch seid, Mitmenschen. Und für den Rest gilt her, was Zarah Leander mit rauchiger Altstimme vortrug:

Liebe kann nicht Sünde sein,
doch wenn sie es wär'
dann wär's mir egal -
lieber will ich sündigen mal,
als ohne Liebe sein!


Wem das zu profan ist, dem füge ich noch ein Zitat aus „Schwester Monika“ hinzu (um nicht gleich de Sade zu zitieren, der hier wahrscheinlich als Ketzer herausfallen würde):


Beide, die Schönheit der Seele und die des Leibes, sind ja ohnehin dem Verderben und der Auflösung unterworfen, warum sie nicht genießen, warum sich ihrer nicht teilhaftig machen? Nicht zu lieben, nicht zu genießen, sind die größten Verbrechen gegen die Gottheit und die Natur.


Ja, die Gesetze … vor allem die mosaischen. Man wird unter den „Zehn Geboten“ keines finden, das die Lust an sich verdammt. Nur das Neiden, das Begehren des „Eigentums“ des anderen, das wird verdammt.

Zitat Leander: Nach der Aufnahme. Zitat "Monika" nach dem Original von 1815 aus einer Ausgabe von 1910. Als Autor gilt nach ausführlichen Textanalysen und anderen Indizien der Jurist und Dichtermusiker E.T.A. Hoffmann.Bild oben (Auszug) Pieter Brueghel

Die reine Liebe …

Liebe sollte gerne und freizügig geschenkt werden - und Lust sowieso
Denkt ihr manchmal, wir schreiben zu viel über … nun, die kleinen Chilischoten der Lust? Ich denke es von Zeit zu Zeit. Und ich habe deshalb manchmal Lust, einmal über die reine Liebe zu schreiben – und darüber, warum sie nicht „wirklich rein“ zu haben ist.

Die reine Liebe ist die bedingungslose Hingabe an den anderen … sie ist abenteuerlich, bisweilen mit Gefahren verbunden und oft schmerzlich, wenn sie verglüht wie eine Motte im Licht. Sie kann Sex beinhalten, muss dies aber keinesfalls. Rein ist die Liebe dann, wenn du deine Liebe gerne, reichlich und bedingungslos gibst.

Liebe mit Gewinnabsicht ist keine "reine Liebe"

Und so wird klar, was die reine Liebe nicht ist: Vom anderen etwas zu gewinnen, den anderen zu besitzen, seine Lüste mit ihm auszuleben. Wenn wir Partner suchen, suchen wir in der Regel alles – nur nicht di reine Liebe. Wir können sie gar nicht „suchen“, weil sie „netto und pur“ gar nicht existiert. Nur Frauenzeitschriften und andere populistische Blätter veröffentlichen regelmäßig Kolumnen und Artikel darüber, wann es die „wirkliche“, „wahre“ oder „reine“ Liebe ist.

Das Spiel: Lust schenken aus dem Verlangen, es einfach zu tun ...

Frauen sind im Zwiespalt: Männer sehen gerne, wenn sie sich total hingeben, und dies umso mehr, je selbstbewusster sie sind. Wer will schon eine Frau, die nur deshalb eine Rolle einnimmt, um sich einen Vorteil zu verschaffen? Nein, Männer hätten Frauen gerne als erotisch gelehrte Wesen, die aus lauter Lust alles geben, zu dem sie fähig sind.

Das ist keine Liebe, sondern eine Erwartung in beide Richtungen. Sie ist ein Spiel, und sie ist frei von Forderungen oder gar Anforderungen. Man könnte auch sagen, dies sie die reine Lust – durchaus mit wechselnden Rollen. Und im Grunde - ja, wirklich - sollte niemand jammern, er habe sich „aus Liebe verausgabt“. Wer immer es sagen mochte – sie oder er tat es aus einem Bedürfnis – entweder dem, die perfekte Rolle der/des Geliebten zu spielen, oder aus purer Gier am Sex.

Wer behauptet, aus Liebe zu handeln, sollte zwei Mal nachdenken: das erste Mal über die eigenen Bedürfnisse, das zweite Mal über die Rolle, die er einnimmt.

Wer die Lust als "EInsatz" sieht, hat selbst schuld, wenn's schief geht

Konkreter: Wenn eine Frau einen Mann oral befriedigt, und dies nicht aus Hingabe tut, dann sollte sie es besser bleiben lassen. Tut sie es doch, so zeigt sie, dass sie etwas daraus gewinnen will, und wenn das schief geht, dann kommen ihr die Tränen. Sie hat etwas eingesetzt, was sie „eigentlich“ nicht wollte, und damit nichts erreicht. Was sagen wir dazu? Normalerweise sagen wir: Das ist eben das Lebensrisiko. Doch Frauen bedauern wir bisweilen: „Ach, die Arme …“

Sucht und Kalkül in der Liebe

Wieso eigentlich „die Arme …?“ Verlieben ist eine naturgegebene Funktion, die einem biologischen Trieb entspringt. Aber alles, was daraus folgt, liegt einzig und allein im Verantwortungsbereich der Betroffenen. Ein Spieler mag sich darauf herausreden, er sei einer Sucht verfallen, die er nicht mehr beherrschen konnte, und ein verliebter Mensch mag es auch so sehen. Aber das bedeutet, sich vom Erwachsensein zu verabschieden.

Nahezu jeder Mensch – oh ja, ich auch - hat Mitleid mit jenen, die liebeskrank sind oder verlassen wurden. Und ich denke, die wirklich Liebeskranken, also jene, die süchtig nach Liebe sind und damit nicht umgehen können, bedürfen der Behandlung.

Aber der „ganz normale Mensch“ hat keinen Grund, zu lamentieren, wenn seine Lebensplanung nicht bis aufs I-Tüpfelchen klappt.

Überlassen wir es den Frauenzeitschriften, ihren Kolumnen und Märchentanten, darüber zu spekulieren, wann es die reine, wahre oder echte Liebe ist.

Wer in "Liebe" investiert, braucht Taler auf dem Emotionskonto

Und noch ein Tipp: Es ist dumm, mehr Sozial- Gunst- und Liebestaler zu investieren, als gerade in der Emotionsbörse vorhanden sind. Wer also sagt, er habe „so viele Gefühle investiert“, der sollte sich überlegen, ob er das nächste Mal nicht vorsichtiger spekuliert. Oder am besten gar nicht, sondern gibt, was übrig ist.

Im Harem von dem Pascha

Pracht und Langweile - aus der Sicht eines Orientalisten
Die Türkenoper entstand schon im 18. Jahrhundert – und schon bald geriet dabei der türkische Harem im Mittelpunkt. Und siehe: da werden Europäerinnen ins Serail verschleppt, und der Name „Serail“ wie auch die Orientromantik werden schon bald zu einem Symbol des 18. Jahrhunderts. Und dies auch (aber nicht ausschließlich) durch Wolfgang Amadeus Mozart, dessen Singspiel „Entführung aus dem Serail“ nicht nur den Namen überlieferte, sondern auch die verklärte Romantik der Herrscher und der Frauen, die sie von Seeräuber aufkauften.

Orientmaler schwelgen - Paläste und schöne Frauenkörper

Von dieser schwelgerischen Romantik zeugen auch die vielen Bilder der Orientmaler, die in der Regel wunderschöne Frauen in leichten Gewändern zeigen, die nichts zu tun haben als Wasserpfeife zu rauchen und schön zu sein, falls der Herrscher sie rufen sollte. Dies alles ist mehr oder weniger erlogen.

Vorbereitung auf Lust und Strafe

Die Literatur geht einen ganz anderen Weg: Der erotische Roman an der Schwelle des 20. Jahrhunderts spiegelt die unglaublichen Varianten der Begierde und des Verlangens wieder. Diese Schriften zeigen die Vorbereitung auf die Wollust, aber auch auf die Folter, die jene erwartete, die sich nicht klaglos fügen. Manche der Schriften der damaligen Zeit haben kaum ein anderes Thema: Die westliche Frau gibt sich nicht willenlos hin, sondern widersetzt sich dem sexuellen Drängen der Herrscher, die ihre vermeintlichen Eigentumsrechte mit süffisanter Gewalt durchsetzen.

Sklavinnen für den Orient - der Weg in die Unfreiheit und Willkür

Der Orient mit Strafen
Wenn wir in das etwas dümmliche Werk „Die Lustobjekte einer Sklavenhändlerin“ schauen, finden wir einen Khan, der sich die Sklavinnen schon „vorbereiten“ lässt, bevor er selber „Hand anlegt“. Die anonyme Schreiberin Lizzy (Beauty and the Birch) berichtet ebenfalls von zahlreichen entwürdigenden Vorbereitungen der versklavten Damen auf die Aufgaben, die sie im Serail zu erfüllen haben. Sie selbst hofft auf einen Besuch, der ihr in der Tat ermöglicht wird. In einem berühmt-berüchtigten Briefroman schreibt sie:

Um die Wahrheit zu sagen, war ich fasziniert von der Vorstellung, dass mein Verlangen, die wunderschönen Sklavinnen in ihrem seidigen und parfümierten Gefängnis zu sehen, so groß ist wie deines …


Das Leben in Lust und Unfreiheit

Die erste Haremsdame findet sie schon bald. Sie trägt ein eng anliegendes Unterhemd, dazu eine im Schritt offene Unterhose, die ihren Körper fest von der Hüfte bis zu den Knien umschließt. Eine Begleiterin erklärt der Autorin, dass die Sklavinnen mit einer amourösen Literatur ausgestattet würden, und es noch andere Maßnahmen gäbe, um sie daran zu erinnern, dass sie Lustobjekte seien - eine wirkliche Aufgabe hätten sie nicht. Indessen – nur wenige (von den Favoritinnen abgesehen) hätten die Chance, vom Herrscher beglückt zu werden. Unwillige Damen wurden unter Einsatz von empfindlichen Körperstrafen gezwungen – das war ohnehin einer der Hauptinhalte der amourösen Literatur über den Orient.

Das alle entspricht der Vorstellung der Zeit: Der orientalische Herrscher lässt sich Sklavinnen schenken oder kauft sie Seeräubern ab. Und hat er sie mal, dann haben sie den lieben langen Tag keine anderen Aufgaben als sich der Lust hinzugeben – sogar der eigenen, falls der Herrscher dies gestattet. Und er in irgendeiner Form unwillig ist, fällt der Folter anheim.

Die Orientwelle im Schlager - Leila, Mustafa und Co.

Die Vorstellungen lebte in Gemälden, angeblich authentischen Fotografien, aber auch in Haremskarikaturen und dergleichen noch lange fort. Sogar der Schlager erlebte seine „Orientzeit“, sei es mit der „Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe“, dem Türkensohn Ali, der die „Sklavin Nascha im Harem eines Pascha“ gerne geliebt hätte (denn das war seine Mascha). Und sicher – da war der Schlager Mustafa - einer der Topp-Hits der 1960er Jahre, und letztlich auch noch die gute Leila, von der sich ein Schmerz liebender Mann erhoffte, er würde sie „küssen und quälen“.Sogar der SPIEGEL glaubte damals, darin eine Tendenz zu erkennen.

Freilich war es schon zu Anfang des 20, Jahrhundert vorbei mit der Pracht der Paläste, der Harems und dem angeblich süßen und faulen Leben der Damen, insbesondere der Odalisken. Im Jahr 1909, nach dem Sieg der Jungtürken, war alles vorbei – und kam nie wieder.

Das wirkliche Leben der Haremsdamen
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Das Leben der Haremsdamen war weder erbärmlich noch war es glorios, hatte aber den Vorteil, dass die Haremsdamen eine ausgezeichnete Ausbildung genossen, die vielen Frauen jener Jahre verwehrt war - auch im Westen. Wer mehr wissen will, dem kann ich nur das Buch von Carla Coco empfehlen, das möglicherweise antiquarisch auf Deutsch, gewiss aber noch in Englisch zu haben ist. Würde ich hier darüber schreiben, os müsste ich ebenfalls auf diese Quelle zurückgreifen.

Und nochmals die Fantasie - bis heute

Zerrbilder des Harems auch heute
Der Harem lebt weiterhin in den Köpfen der Männer, und zwar genau im falschen Bild: Lauter junge, willfährige Frauen beschlafen zu können, ohne die geringste Verantwortung für sie zu übernehmen. Das ging nicht einmal im Osmanischen Reich.

In der Literatur finden wir auch heute noch alle möglichen und unmöglichen Machwerke, die historisch bedeutungslos sind aber offenkundig von der Liebe handeln – und manchmal auch von der Strafe. Bei Amazon fand ich auf Anhieb 91 Treffer – überwiegend für neuere E-Books. Was letztlich beweist: Der Harem fasziniert auch heute noch – vor allem Autorinnen.

Auch interessant: das Wissen um 1890 - nicht mal so schlecht. Auch im Renk Magazin.
Bild oben: Jan Baptist Huysmans, 1875
Bild unten: Männermagazin um 1960, Titelbild

Sexuelle Unterwerfung: die Theorie, die Wirklichkeit und eine Andere

In den 1930ern - so gerne devot ...
Was passiert, wenn eine feministische Theoretikerin plötzlich mit der Wirklichkeit am Nebentisch konfrontiert wird? Dann ist die Wirklichkeit nicht wirklich wirklich, sondern sie muss falsch sein.

Und schon fasst Katja Lewina zusammen:

Halten wir fest: Jemanden „einfach mal …”, das halten die beiden für männlich, Zurückhaltung im Gegenzug für weiblich.


Vielleicht – vielleicht auch nicht. Denn es mag ja sein, dass sich die beiden „Frauen am Nebentisch“ einfach mal nach einem Mann gesehnt haben, der „nicht lange fackelt, bis das Sofa wackelt“ und sich dies wirklich und wahrhaftig von Herzen wünschten. Und dann frage ich mich mal: warum denn nicht?

Weil es aus feministischer Sicht falsch ist, etwas zu fühlen, zu wünschen oder gar zu erwarten, was nicht in das theoretische Konzept passt.

Dieses Konzept wird ohne Grundlagen und ohne Beweise nachgeliefert: (Zitat)

Wie sehr kann so ein Hang zur Submission individuelle Veranlagung sein, wenn er doch eindeutig geschlechtsspezifisch ist?


Fragt sich: warum eigentlich „individuelle Veranlagung“? Warum nicht: „Eine individuelle Laune“, ein „persönlicher lustvoller Wunsch“? Müssen Menschen „Veranlagt“ sein, also ererbte, anerzogene oder gar evolutionsbedingte Anlagen haben, um sinnliche Unterwerfung, sinnliche Lust, sinnliche Herausforderungen oder überhaupt Sinnlichkeit von einem anderen Menschen anzufordern?

Eindeutig geschlechtsspezifisch - Behauptung mit schlechter Beweislage

Die Rolle des Mannes - so gesehen
Und: Fragt sich, was „eindeutig geschlechtsspezifisch“ ist. Der Beweis kann keinesfalls erbracht werden, wenn man einmal davon absieht, dass sich weibliche Säugetiere bei der Begattung tunlichst ruhig verhalten. Das allerdings hat einen Sinn, damit alles schnell und sicher über die Bühne geht –sonst kommt der Säbelzahntiger und frisst möglicherweise beide. Doch wir Menschen sind nicht wie alle Säugetiere, nicht wahr?

Alle dürfen sich wünschen, was sie wollen

Menschen hingegen spielen mit ihrer Sexualität – und das dürfen sie auch. Und dann kommt eben heraus: „Ach, ich würde mal gerne devot sein.“ Und um mal mit Zahlen zu arbeiten, die ziemlich ernüchternd sind: Männer sind wesentlich devoter als Frauen glauben – und das hat möglicherweise gar nichts mit Feminismus, Emanzipation oder sonst was zu tun. Aber viel mit der Lust an der Unterwerfung. Und die Unterschiede? Da muss man die Zahlen kennen, dann gleiten einem die Angriffe gegen Männer und die Appelle an Frauen nicht mehr so leicht aus den Fingern:

Die Zahlen sprechen gegen die großen Unterschiede

Rund 65 Prozent der Frauen träumen davon, dominiert zu werden. Ach, also doch? Lesen Sie weiter, dann finden Sie, dass dies auch für 53 Prozent der Männer zutrifft. Und was noch überraschender ist: 47 Prozent der Frauen wünschen sich, sexuell zu dominieren. Sicher überwiegend die Männer hier noch, weil 60 Prozent so votierten. Eine geringe Differenz, wie ich finde. Nun gut, „Secret“ will nur 38 Prozent dominante Wünsche bei Frauen festgestellt haben. Schon diese Zahl wäre mehr als überzeugend für das Verlangen nach Dominanz, auch wenn die Vergleichszahl für die Männer fehlt.

Bastelstunde mit "Sozialisation" - hat das Sinn?

Und, soweit es die Männer betrifft, ist der Wunsch nach sexueller Unterwerfung sicherlich nicht auf „feminine Sozialisation“ zurückzuführen. Und wieder: Vielleicht hat es gar nichts mit Sozialisation zu tun, sondern mit Lust.

Fragt sich auch noch: Welche Freude bereitet es eigentlich Autorinnen, ständig Keile zwischen „die Frauen“ und „die Männer“ zu treiben? Ist es sinnvoll oder nicht? Was bringt es jeder der Autorinnen, die es tun, persönlich? Und, was wirklich schlimm ist: Warum maßt sich eine Frau eigentlich an, das Verhalten und Empfinden anderer Frauen nach den eigenen Maßstäben zu beurteilen?

Zitate: Jetzt. Unsere Zahlen haben wir aus: Universität von Quebec, Kanada, von 2014. "Université du Québec à Montréal" von Joyal & Cossette & Lappier". Mir liegt das komplette Endergebnis vor. Bild oben: Anonymer Illustrator, nur Unterteil des Bildes. Das Bild unten wird einem gewissen "JIm Blake" zugeschrieben, dessen wirklichen Namen niemand kennt. Buchillustration gegen 1930.

Die Parallelwelten und die Traumwelten

Das reichte früher schon: eine Frau, leicht bekleidet - und eine Gefahr
Bevor ihr euch mit den Parallelwelten, Überwelten und Unterwelten beschäftigt – nehmt bitte ein Märchenbuch zur Hand. Es zeigt euch sehr viele Möglichkeiten, wie ein Mensch aus einer Welt in eine andere übergeht und wie sich dabei seine Persönlichkeit verändert. Wer sich dazu bereits zu alt fühlt, dem sei „Alice hinter den Spiegeln“ empfohlen – die Reise der (nicht mehr so kleinen) Alice ins Spiegelland.

Die Reise ist überhaupt eines der Lieblingsthemen der Autoren fantastischer Literatur. Erinnern wir und an Jules Verne, dessen Bücher oftmals Reisen beschrieben, die nicht auf dem Erdboden oder auf See stattfanden, sondern durchaus im Bereich der reinen Fiktion.

Zeitreisen sind sehr populär, weil alles möglich erscheint

Besonders interessant sind Zeitreisen – sie können bekanntlich in die Zukunft führen oder in die Vergangenheit. Ein beliebtes Thema ist dabei, ob die Gegenwart aus der Vergangenheit heraus verändert werden kann. Interessant ist, dass es sich dabei gar nicht um Paralleluniversen handelt, sondern nur um ein Universum, das – beispielsweise – zugleich in Gegenwart und Zukunft existiert.

Parallelwelten sind hingegen Welten, die unabhängig voneinander exzitieren, aber einander durchaus beeinflussen können. Dieses Thema ist vor allem durch die Computertechnologie und deren Simulationen populär geworden.

Kommen wir noch zu den Welten, die durch zurückgelassene Kulturen, eigenständige Entwicklungen und Mutationen ursprünglicher Lebewesen und den Fortbestand alter Göttergeschlechter entstanden sein sollen. In ihnen finden wir die Hexen und Vampire, Monster und Zombies, Teufel und Golems, Wechselbälger, Werwölfe und Dämonen sowie alle Arten von Urviechern.

Sind Parallelwelten erotisch?

Sind Parallelwelten nun eigentlich erotisch? Oh ja - wenn es möglich wird, dass sich die Bewohner der einen und der anderen Welt begegnen – und ineinander verlieben. Wie die eine Person dabei in die Welt der anderen Person gelangt, ist immer hochspektakulär. Wir wissen aber aus der Mythologie, dass dies früher nicht für so ungewöhnlich gehalten wurde, als sich Götter angeblich mit Menschen paarten und Menschen mit Dämonen.

Hochspektakulär ist dergleichen bei Zeitreisen – die Reisende in die Vergangenheit könnte von einem Mann jener Zeit geschwängert werden – und der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, was noch alles „korrigiert“ oder verhindert werden könnte.

Oftmals – vor allem bei den früher sehr populären Beißszenen der Vampire und Vampirinnen, wurden erotische Gedanken wach, die wir uns heute kaum noch erklären können – damals waren die Vampire und andere monströse Gestalten sozusagen die Lustmolche der Literatur.

Viel mehr findet ihr (in eglsicher Sprache) auf einer speziellen Wikipedia-Seite. Bild: Pulp-Mgazin von 1941.

Die ganz andere Welt

Dieser Artikel ist – in weiten Teilen – spekulativ. Er versucht zu erklären, wie die Mythologie „andere Welten“ entstehen ließ, und deutet an, warum sie erotisch sein könnten. Und falls Sie im Zweifel über meine Person sind: Nein, ich glaube nicht an Mythen. Für mich muss alles offenkundig, erfahrbar, messbar und möglichst logisch sein. Doch die „Anderwelt“ ist auch stets ein Mittel, um offenkundige Erotik hinter Mysterien zu verstecken.

Gibt es eine „Anderwelt“, eine Parallelwelt, ein Universum „nebenan“, eine Welt, die uns absolut nahe ist und die uns beeinflusst, ob wir wollen oder nicht?

Die Mythologien kennen eine andere Welt als die, die wir sehen

In den sogenannten Mythologien gibt es sie. Die Mythologie beschreibt alles, was die Welt unserer Vorfahren bewegte, und sie entstammt der eigenen Kultur wie auch fremden Kulturen. Dabei dürfen wir uns gerne erinnern, dass auch unsere sichtbare Kultur eine Durchmischung von germanischen, arabischen, griechischen, römischen, christlichen und jüdischen Elementen ist.

Was ist nun der Unterschied zwischen der sichtbaren oder messbaren Welt zu der „anderen Welt“?

Nun, die andere Welt ist vielfältiger: Als Parallelwelt kann sie Götter und Halbgötter, Untote, Dämonen, Fabelwesen und Monster, auch Kobolde, Erdgeister, Feen enthalten. Es gibt mehrere Theorien, wie sie entstand: Die schlüssigste der Theorien (wenn man dabei überhaupt von „schlüssig“ sprechen kann, ist die folgende:

Die ursprüngliche Schöpfung musste wegen der Fehler, die sich eingeschlichen hatten, zerstört und neu aufgebaut werden. Dabei gab es aber einige Existenzen, die sich der Zerstörung widersetzten und ein Eigenleben führten.


Die andere Theorie wäre, dass es Kämpfe innerhalb der Götter darum gab, welchen Weg die Menschheit gehen sollte – oder dass die „alten Götter“ und die „neuen Götter“ unterschiedliche Richtungen vorgaben. Diejenigen, die bei diesen Kämpfen verloren, hinterließen aber Spuren, die immer wieder hervortraten.

Die Überbleibsel zerstörter oder untergegangener Kulturen

Wie dem auch sei: Die Wesen, die die „andere Welt“ bevölkern, können als Überbleibsel untergegangener Kulturen bezeichnet werden. Sie zeigen sich nicht in der Realität, weil sie dort nicht „hingehören“. Sie sind aber, wenn man den Esoterikern glauben will, durchaus vorhanden ... in Parallelwelten.

Die andere Welt lockt ...

Nun funktioniert das Ganze nicht, solange es nicht „Mittlerer“ gibt, also Propheten und „Wegebereiter“, die behaupten, einen Zugang zu diesen Welten zu haben. Gelegentlich senden die Wesen der Anderwelten auch Botschaften an die reale Welt: Sie ziehen dann Menschen in ihren Bann und gelegentlich auch ins Verderben. Typisch dafür ist die (uns relativ nahe) Vorstellung der Kelten, bei denen die „Anderwelt“ tatsächlich auf unseren Planeten existiert, und zwar im Inneren der Erde oder am Grunde des Meers. Besonders beliebt ist nach wie vor das Thema, sie in Erdhöhlen zu vermuten, die wir besuchen können, falls sie uns dies gestatten oder wir bestimmte Merkmale haben, die uns dafür empfehlen.

Verführerinnen und Verführer aus der "Anderwelt"

Lilith als Schönheit mit Schlange
Wie ist es nun mit der Erotik der „Anderwelt“? Sie ist ohne jeden Zweifel äußert verlockend. Am Meeresgrund finden wie die Sirenen oder Meerjungfrauen, die Seeleute in ihr Reich locken. Odysseus musste sich nicht nur gegen sie, sondern auch noch noch gegen den lustvollen Zauber der Circe wählen, die auf einer fernen Insel lebte. In der Anderwelt der Christen wohnen alle Arten von Engeln und Teufeln, wobei die Teufel die erotischen Fantasien von Generationen beflügelt haben, teils als unermüdliche Beschäler beim Hexentanz, teils als Buhlteufel, die sich unter Männer oder über Frauen legten, um „Unzucht“ mit ihnen zu betreiben. Die Erotik der „Untoten“ kennen wir aus Dracula-Filmen. Die Figur der verführerischen und äußerst gefährlichen Dämonin ist weniger bekannt, weil sie eher im Hintergrund wirkt. Lilith gilt als Überbleibsel der Schöpfung, als Verstoßene, über die der Christengott keine Macht hat. Sie gilt auch als die „Dämonenkönigin“, die das geheime Weltreich der Frauen beherrscht, die sich mit Heilkunst, Magie oder Schadzauber beschäftigen.

Die Trennung des männlichen und weiblichen Prinzips

Wenn wir dies weiterspinnen würden, kämen wir zu einem weiteren Teil der Mythologie: die Trennung in ein übergeordnetes Reich der Frauen und eines der Männer, das ebenfalls in vielen Köpfen haust. Entstand sie durch das Spalten von Bäumen, durch den Sündenfall oder aus der Asche eines Vogels, der im Universum verbrannte? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Moderne Ideen zur Parallelwelt

Ich hätte beinahe vergessen – es gibt sehr moderne literarische Konzepte, die auf der Quantentheorie basieren (Robert Allan Wilson) oder auf der Computertechnologie, die angeblich in der Lage ist, künstliche Wesen, ja ganze künstliche Welten zu erschaffen, indem man sie nur programmiert. Und es gibt Dr. Who, der die Grenzen zwischen den Welten aller Zeiten überwinden kann. Und in allen könnte es erotische Begegnungen geben, die desaströs enden, weil sich die Welten nicht verbinden lassen und teils versöhnlich, weil sich am Ende doch noch ein Ausweg ergibt.

Bild: Lilith Von John Collier