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Die dunkle Seite der Erotik ist sehr beliebt

Dunkle Gemächer, Rauch und Feuer - Zutaten zur schwarzen Romantik
Die dunkle, verführerische Seite der menschlichen Seele hat einen literarischen Namen – die „Schwarze Romantik“. Meist wird vergessen, dass wir sie sozusagen „mit der Muttermilch aufsaugen“, denn im Grunde bestehen viele Märchen aus den Elementen der „Schwarze Romantik“. Es können Tod und Teufel, Kannibalismus und Wiedergeburt sein oder auch modernere Vorstellungen, wie der aus dem Feuer geborene Prometheus Frankenstein, der sinnliche Blutsauer Dracula oder die Roboterfrau „Olimpia“.

Unter den erotischen Motiven ist es keinesfalls nur das, was bis vor kurzer Zeit als „Perversionen“ (1) oder „Sadomasochismus“ (2) bezeichnet wurde. Vielmehr umfasst die „dunkle erotische Seite“ alles, was sich Menschen erträumen können. In den weitaus meisten Werken finden wir daher Buhlteufel in traditioneller oder moderner Form, Hexen- und Satanskulte, mit magischen Kräften ausgestattet Verführer und sonstige Phänomene, die von der christlichen Religion gerne als „das Böse“ gebrandmarkt werden. Daneben stehen aber auch Praktiken, die dem Normalbürger als nicht ganz „hasenrein“ vorkommen, wie Verhöre, Foltersituationen oder das Urinieren auf Personen.

Die Faszination des Unheimlichen

Typisch für solche Werke ist die Faszination des Unheimlichen (es muss nicht zwangsläufig „das Böse“ sein). Tatsächlich wird ein Gefühl zwischen Sehnsucht nach dem Befremdlichen und der Furcht vor den Konsequenzen hervorgerufen, ähnlich, wie wir es aus den Geschichten von „verführten“ jungen Frauen kennen, die vor Lust brennen, aber den „Lendemain“ (3) fürchten.

Was die Grimms für die schwarze Seite der Romantik in den Haus- und Kindermärchen waren, war E.T.A. Hoffmann für die erotischen Spukgeschichten und Märchen für Erwachsene. Andere wie zum Beispiel die Engländer Lord Byron oder Mary Shelly folgten ähnliche Ideen, während der berühmte Marquis de Sade sich dem Metier völlig hingab.

Romane dieser Art (von den Werken des Marquis de Sade einmal abgesehen) waren nicht explizit „erotische Werke“, sondern sie vereinten Melancholie, Romantik, Zauberglaube und Sinnlichkeit.

Mithilfe der Erotik konnten die Autoren der depressiven und melancholischen Grundstimmung der „Schwarzen Romantik“ entfliehen. Das geschieht etwa in der Weise, in denen heute murrenden, depressiven und vom Leben enttäuschten Detektiven dann und wann eine erotische Erfahrung geschenkt wird.

Rezepte für die dunkle erotische Romantik

Was braucht ihr nun, um in die dunkle Seite der Erotik ein- oder abzusteigen?

1. Einen etwas naiven, leichtgläubigen Menschen mit (verborgenen) sinnlichen Gelüsten als erste Figur.
2. Eine berechnende Figur, der moralische Schranken nichts bedeuten. Es kann ein femme fatale, eine Hexe, ein Teufel, ein Wiedergänger, ein Automat oder auch einfach ein durchtriebener Mensch sein. Das also ist der Partner auf der dunklen Seite der Erotik.
3. Ein Umstand, der beide zusammenführt.
4. Ein romantischer Zauber, der unerklärlich ist und dies zumeist auch bleibt.
5. Eine Entwicklung zu etwas Anderem hin. Dabei kann es sich um eine Besserung oder eine Verschlechterung handeln. Die Schwarze Magie kann durch List, Verstand oder Gegenzauber überwunden werden. Sie kann aber auch ins Verderben führen, wie etwa in den Abstieg, in Resignation und Verzweiflung. Nicht selten wird auch die Wiedergeburt verwendet.

Diese Ansätze gelten für alle Beiträge, die im Rahmen der „Schwarzen Romantik“ entstehen und nicht nur für erotische Geschichten.

Im Grund ist die „Schwarze Romantik“ nur ein Spiegelbild der „weißen Romantik“. Beide bewegen sich fern der Realitäten und verführen neben den Protagonisten auch die Leserinnen und Leser dazu, sich mit den „übersinnlichen“ Mächten einzulassen.

(1) Nur noch im Volksmund gebräuchlich - "sexuelle Abweichungen".
(2) Fragwürdiger Begriff für "strenge" einvernehmliche erotische Handlungen, die von der Norm abweichen.
(3) "Der Morgen danach" (nach dem Verlust ere Jungfräulichkeit)

Das Rotkäppchen-Plot

Das Rotkäppchen-Plot
Erster Teil – Zutaten zum erotischen Plot nach Grimm

Lüsterner Wolf, tugendhaftes Rotkäppchen - das sind die Grundlagen

Jeder Autor kennt das Cinderella-Prinzip als Entwurf für eine Liebesromanze - aber gibt es auch ein Rotkäppchen-Plot?

Nein, weil ihr nie darüber gelesen habt? Ganz falsch, denn nach diesem Muster werden zahllose Kriminalromane und Horrorgeschichten geschrieben. Der Entwurf (nach dem Märchen) ist einfach:

Naives Mädchen trifft vertrauensvoll sprechendes Tier, das in Wahrheit durchgängig böse ist. Am Ende wird das Mädchen aufgefressen und kann entweder nur durch Wiedergeburt (1) oder gar nicht mehr (2) zum Leben erweckt werden.


Dies Plot enthält unzweifelhaft die erotische Komponente der Vereinnahmung („gefressen werden“), und bei Charles Perrault , über den noch zu sprechen wäre, wird diese Komponente durch einer Art „Moral“ ergänzt:

Doch ach, ein jeder weiß, gerade sie, die zärtlich werben, gerade diese Wölfe locken ins Verderben.
'

Was haben wir, was brauchen wir für das Rotkäppchen-Plot?

„Was haben wir?“, fragen Kriminalisten ja neuerdings oft in den bekannten britischen Fernseh-Krimis. Also fragen wir uns mal: Was brauchen wir?

1. Eine naive junge Frau, die etwas neugierig ist.
2. Eine sinnliche Komponente, die über der Geschichte schwebt.
3. Einen „Wolf“, der Kreide gefressen hat, aber dennoch Böses im Schilde führt. Er ist schwerer zu charakterisieren als die naive junge Frau.
4. Einen Spannungsbogen, bei dem längere Zeit in Zweifel steht, wie die Geschichte ausgeht. (Damit gehen wir über das Märchen hinaus, das „einfach gestrickt“ ist).
5. Eine Konklusion, also eine Errettung, einen Niedergang oder gar den Sieg der Frau über das Böse.

Tatsächlich sind die drei Plots im traditionellen Rotkäppchen-Märchen (1,2,3) angelegt - eine Adaption aus dem Feminismus geht sogar noch weiter.

Das Plot der Grimms – überraschend sinnlich

Das Plot von Grimm übernimmt die sinnliche Komponente, die Perrault vorgegeben hat, schmückt sie aber weitaus sinnlicher aus. Ausrechnet bei den Grimms, die als „erotische Entschärfer“ der französischen Märchen gelten, wird die sinnliche Verführung durch den Wolf verfeinert:

Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsumher stehen, warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie die Vöglein so lieblich singen?


Gegen Ende kommt es zunächst zu der schrecklichen Erfahrung, dass der Wolf tatsächlich ausgesprochen gefährlich ist und Rotkäppchen vereinnahmt (frisst). Als Retter in letzter Minute lassen die Grimms dann einen Jäger auftauchen. Er macht die Vereinnahmung rückgängig.

Diese Vereinnahmung („gefressen werden“) beschreiben die Grimms sehr drastisch:

Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.


Das umgesetzte erotische Plot nach Grimm – mit Happy End

Hinweis: Dieser Artikel bezieht sich auf Plots, die für Erzählungen von Erwachsenen für Erwachsene erdacht wurden.
Sieht man dies alles symbolisch, so hat man das erotische Konzept gefunden. Die junge Frau erlebt zunächst den Rausch der Sinnlichkeit, um dann plötzlich mit der harten Realität der hinterhältigen Vereinnahmung konfrontiert zu werden. Sie kann auch nicht mehr fliehen, weil ihr Verführer „aus dem Bett springt“ und sie sogleich verschlingt. Umgesetzt heißt dies: er verführt sie mit unlauteren Mitteln und ohne wirkliche Übereinkunft. Obgleich sie körperlich vereinnahmt wurde, bewahrt sie ihre Tugend, indem sie eine Art „Wiedergeburt“ erlebt. Unverletzt, und rein bereut sie die zuvor gezeigte Handlungsweise und darf sich auf ein neues, glückliches und tugendhaftes Leben freuen.

Seid ihr interessiert am Thema? Wir haben mehr dazu … viel mehr. Und noch andere Plots ... wir sagen euch gerne, welche.

(1) Nach Grimm
(2) Nach Perrault
(3) Nach einem italienischen Volksmärchen, das als Ursprung gilt.

Das zwiespältige Verhältnis des Bürgers zur Prostitution

Das Klischee - steht eine Hur' unter der Laterne ...
Um zu verstehen, was der Bürger unter Prostitution versteht, empfiehlt sich, in die bürgerliche Epoche zurückzukehren und die Lexika der damaligen Zeit zu befragen. Typisch ist für diese Zeit, dass die Ausübenden nahezu ausschließlich als „Frauenzimmer“ oder „Weibliche Personen“ bezeichnet wurden. Ihre Tätigkeit wird dabei zumeist als „Unzucht“, „gewerbliche Unzucht“, manchmal auch als „Hingabe“ oder „Preisgabe des Körpers“ bezeichnet. Das Ziel der Prostitution wird oftmals nicht erwähnt, doch weiß der historische Brockhaus(1) , dass es „die Befriedigung geschlechtlicher Triebe“ ist. Das Wort „gewerbsmäßig“ wird in manchen Texten durch „notorisch“ ersetzt, und manchmal wird darauf hingewiesen, dass es sich um das Anbieten „von Geschlechtsverkehr an jedermann“ handelt. Meyers Lexikon von 1892 (1) schreibt nicht „gewerbsmäßig“, sondern ersetzt diesen Begriff durch die Formulierung „mehr oder weniger offen als Gewerbe“.

Die gewerbsmäßige, körperliche Preisgabe - die alte Zeit

Ähnliche Formulierungen existieren bis heute, etwa hier (2):

Das gewerbsmäßige Anbieten an jedermann zum Geschlechtsverkehr gegen Entgelt


oder (3)

Die gewerbsmäßige Hingabe des Körpers zu geschlechtlichen Zwecken.


Diesen Formulierungen können wir entnehmen, wie die Schreiber über Prostitution dachten (und bis heute denken):

WAS ist Prostitution?

Ein Gewerbe, in dem der eigene Körper vermarktet wird.

WIE funktioniert Prostitution?

Durch die bezahlte Preisgabe des Körpers oder die Hingabe an den Kunden.

Welchen Nutzen finden wir darin?

Die geschlechtlichen Triebe des Kunden werden befriedigt. "Das zwiespältige Verhältnis des Bürgers zur Prostitution " vollständig lesen

Erotisch schreiben – drei essenzielle Fähigkeiten

Was muss eine Erotik-Autorin mitbringen? Ein bisschen Basiswissen über kreatives Schreiben, Wortgewandtheit und vor allem eine gewisse Schamlosigkeit. Nicht die eigene – sondern die der Figur, die du erschaffst.

1. Befähige deine Figur, schamlos zu sein

Das Erste, was du dich fragen solltest: Wie schamlos soll die Figur sein, die du schaffen willst? Wenn du sie wie eine Marionette durch diene Story führst, dann bleibt sie stehen, wo du stehen bleibst. Wenn du sie aber in deine Gesichte hineinwirkst und sie antreibst und befeuerst, dann wird sie deine Grenzen durchrechen und ihre eigenen Grenzen suchen. Ein Zitat dazu: „Ihr Figuren müssen (… Sex …) wollen, und dies leidenschaftlich.“

2. Breite die Gefühle deiner Figur aus

Das Zweite, was du vorab überlegen solltest: Wie kommst du ran an die Gefühle deiner Figuren? Denk daran, dass sie etwas vorher fühlen, etwas währenddessen fühlen und auch hernach noch etwas fühlen. Wie kannst du also beschreiben, was deine Figuren empfinden, wenn du noch nie in ihrer Situation warst? Lass es nicht bei der Frage. Finde Antworten.

3. Zoome so nahe an deine Figur heran, wie es geht

Das Dritte besteht darin, so nahe an Geist, Psyche und Körper heranzugehen, dass deine Leserin glaubt, ihr Hirn wäre in Aktion, ihre Emotionen würden kochen und ihr Körper würde berührt. Überlege, wie du „hautnah heranzoomen“ kannst, um insbesondere die körperlichen Gefühle „hinüberzubringen“. Benutze dazu eine unverblümte, bildhafte Sprache. Überlege dir, wie du dir diese Sprache aneignen kannst.

Erotische Plots – wie geht das eigentlich?

Einfache Plots taugen nichts für erotische Themen
Hier mache ich es mir mal einfach. Das simpelste Geschehen funktioniert nach der Methode: Von der (partiellen) Unschuld in eine vollendete sexuelle Erfüllung.

Nun werdet ihr sagen: Och, wie langweilig, so schreiben vielleicht Pubertierende ihre Sexgeschichten.

Damit habt ihr Recht – aber trotz alledem werden Sexgeschichten immer wieder so gestaltet. Die Ursache liegt im Hexenhut-Plot (Witch Hat Plot), der eigentlich nur für Schulaufsätze verwendet wird. Deshalb will ich euch hier drei bessere Plots vorstellen, die zwar nicht ungewöhnlich sind, aber dafür sehr sinnvolle und bewährte Ausgangsbasen für Anfänger(innen) beinhalten.

Aschenbrödel

Besser ist das sogenannte „Von Lumpen zu Reichtum“- Plot, auch Cinderella-Plot (nach dem Märchen Aschenbrödel) genannt. Die Person lebt in Armut und Verdruss, hofft auf Liebe und Ansehen, wird zunächst enttäuscht, lässt sich aber nicht entmutigen und gewinnt dann endgültig Liebe, Ansehen und Reichtum.

Umgesetzt auf die Erotik:

Deine Figur ist sexuell unbedarft, kommt dann aber vorerst zur Erfüllung, verliert sie wieder und gewinnt sie aufs Neue, diesmal endgültig.

Das geht auch umgekehrt: Deine naive Figur kommt zunächst nicht zur Erfüllung, fällt tief herunter in Trübsal und versucht es dennoch erneut, diesmal mit Erfolg.

Neu geboren (moralische Umwertung)

Ein anderes Plot, das sehr Erfolg versprechend ist, wird „Wiedergeburt“ („Rebirth“) genannt. Das bedeutet: Jemand wird durch ein besonderes Ereignis zu einer besseren (nun jedenfalls anderen) Person. So etwas findet zum Beispiel im Märchen „Der Froschkönig“ statt.

Umgesetzt auf die Erotik:

Deine Figur hat eine strenge Definition davon, was moralisch richtig ist, gerät aber plötzlich in eine besondere Situation, die ihr Leben und ihre Ansichten verändert.

Reise und Rückkehr

Das Plot basiert auf der Erfahrung „Reisen bildet“. Ihre Figur geht in ein fremdes, oft merkwürdiges Land, besteht dort etliche Herausforderungen und kommt als erfahrener Mensch mit einer gereiften Persönlichkeit zurück. Im Jugendbuch zum Beispiel in „Alice hinter den Spiegeln“.

Umgesetzt auf die Erotik:

Dies Plot eignet sich vorzüglich für längere erotische Geschichten und Romane. Deine Figur, die sexuell noch naiv ist, begibt sich auf eine Reise, die entweder dazu dient, erotische Erfahrungen zu sammeln oder in der sie zufällig eine Reihe erotischer Entdeckungen macht. Dazu gehören auch solche, die sehr ungewöhnlich sind.

Grundsätzlicher Tipp: Hemmungen einbauen

Grundsätzlich gewinnen erotische Geschichten, wenn die Handlung weder absehbar ist noch linear abläuft. Dazu gehören beispielsweise Elemente wie die Furcht vor dem Ereignis selber, dem Ablauf der sexuellen Handlung oder der Zeit danach. Da soll etwas konkretisiert werden.

1. Zuvor: Sabine wird von ihrer Freundin Hella eingeladen. Sie ist fasziniert von Hellas freizügiger Auffassung von Sexualität, fürchtet aber, dass diese Faszination in lesbische Aktivitäten umschlagen könnte.
2. Währenddessen: Fred besucht die schöne und geheimnisvolle Dolores, die ihm eine ungewöhnliche Liebeserfahrung versprochen hat. Er wird gleich nach seinem Eintreten aufgefordert, sich komplett zu entkleiden. Er wartet und wartet, doch niemand tritt ein, und sämtliche Türen sind verschlossen.
3. Danach: Karin hat die wundervolle Bi-Erfahrung mit Vanessa in eine neue Dimension der Gefühle versetzt. Sie schämt sich hernach und ist durch und durch unsicher, wie sie ihre sexuelle Ausrichtung nun definiert.
Klar, das kling alles sehr theoretisch, aber es ist ja nur ein winziger Einblick in die Grundlagen.

Unser Rat für die ersten Versuche

Erstens: Versuche, mit zwei bis drei Plots auszukommen. Die oben genannten Plots sind hervorragend geeignet, um fantastische Geschichten zu schreiben.

Zweitens: Verarbeite Bedenken, Ängste und innere Widerstände, um deiner Geschichte Spannung und Würze zu verleiten. Selbst in den wildesten und fantastischen Orgien gibt es dann und wann moralische Bedenken, die Furcht vor späteren Bloßstellungen oder die Angst davor, in einem Zug mitzureisen, der ins Verderben führt.

Hat euch dieser Artikel geholfen? Wenn ja, sagt es anderen. Wenn nicht, sagt es uns.

Das Ritual der Bestrafung

Halb Strafe, halb Erotik - und ganz und gar ein Ritual
Das Ritual der Bestrafung - mal erotisch und mal ganz unerotisch - was bedeutet es? Wir versuchen, Licht in das Dunkel der sinnlichen Flagellation zu bringen und fragen uns: Ist der Wunsch nach Züchtigungen eigentlich ein Wunsch nach Ritualen?

Psychoanalyse und Wirklichkeit nebst Lust und Sühne

Folgt man Herrn Freud und dem Mainstream der Psychoanalyse, dann sind all diese Absonderlichkeiten, die Erwachsene sich als „Flagellation“ angedeihen lassen, Folgen frühkindlicher Schäden. Sie entstanden, so die Theorie, aus dem Umstand, von einer im Grunde geliebten Person gezüchtigt zu werden. Dadurch wurde sozusagen ein Lernprozess eingeleitet, der für alle Zukunft Liebe und Schläge zu einem Konvolut der Gefühle zusammenband. (1).

In der Literatur liest man oft, dass es eine andere Ursache geben mag. Dabei geht es nicht mehr um Strafen während der Kindheit, sondern um solche, die nach der Pubertät im jugendlichen Alter empfangen wurden. Dabei, so also die nächste Theorie, wurden geschlechtliche Triebe geweckt, zum Beispiel, weil die schlagende Person als eine attraktive Vertreterin des anderen Geschlechts angesehen wurde. Nur selten wird eine dritte Theorie genannt, nämlich die spielerische Rückkehr in eine Zeit, in der man nichts verantworten musste und eine Körperstrafe alles tilgen konnte.

Könnte es nun ganz andere Ursachen haben, dass Menschen sich der „reinigenden Wirkung der körperlichen Züchtigung“ im Rahmen eines erotischen Spiels unterziehen wollen? Dazu muss zunächst das erotische Spiel gewürdigt werden, und die Grundlagen dazu stehen beispielsweise bei Eric Berne. Demnach können Partnerbeziehungen als Spiele aufgefasst werden, in denen das Machtgefälle zwischen einem Eltern-ICH und einem KINDES-Ich lustvoll variiert wird.

Spiele und Rituale vom geißelnden Priester bis zur Dominatrix

Die Spiele führen uns zu einem anderen Gebiet der „großen Gefühle“, das nur selten erwähnt wird: die Rituale. Denn die Flagellation ist eine Erfindung religiöser Eiferer, die man die „Geißler“ nannte – und sie wurde bereits in Ritualen ausgeführt.

Demnach entblößt der Mönche, der sich schlagen lassen möchte, dem Priester, der die Geißel schwingt, in einem Ritual seinen entblößten Rücken, „sodass er die Schläge ungehindert empfangen kann“. Dann betete der Mönch drei Mal das Sündengebet, wobei er die Schläge verteilt empfängt – insgesamt waren es fünfzehn Schläge. Andere Schilderungen jener Zeit sprechen von anderen, noch komplexeren Ritualen. Man mag nun einwenden, dies alles stamme aus dem Mittelalter, doch waren alle Prozeduren körperlicher Züchtigung ähnlich strukturiert.(2)

Rituale, die immer wieder praktiziert werden

Rituale waren zum Beispiel:

- Die Anerkennung der Schuld und die Bereitschaft zur Sühne.
- Die Bitte, dafür bestraft zu werden.
- Das widerstandslose Ertragen der Schläge als Zeichen echter Reue.
- Der Dank für die Schläge.
- Das Nachdenken über die Schläge (zum Beispiel durch Eckenstehen)

Man mag an kompetenterer Stelle darüber nachdenken, ob es die Schläge selbst waren, die den Menschen aus Kindheit, Adoleszenz oder dem Erwachsensein in Erinnerung blieben. Oder ob es viel mehr die Rituale waren, die sich tief in die Erinnerung eingruben. Aber ich denke, dass „Schläge an sich“ einen weit schwächeren Eindruck hinterlassen als die als Rituale, unter denen sie vollzogen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit könnten die Damen, die von der viktorianischen Epoche bis heute heute den Beruf einer professionellen Flagellantin ausüben, darüber mehr sagen - und einige haben dies auch schon getan.

Die Reinigung der Psyche, die Demut und die Lust an der Strafe

Wenn ihr Romane über viktorianische Strafen gelesen habt, und wenn ihr euch vorstellen könnt, dass ein Teil dieser Strafen nach nahezu religiös anmutenden Ritualen vollzogen wurde. Und dann wisst ihr auch, dass zur Strafe vor allem die Demut gehört. Das gilt bis heute. Soll ein Erwachsener erotisch bestraft werden, so ist das Ritual nicht nur eine religionsähnliche Reinigung für seine gequälte Psyche, sondern zumeist auch eine Melange aus Lust und Leid, die sich in Hingabe und Demut äußert.

Die Parallelen zum Mittelalter zeigen sich schon darin, dass die Person, die es zu strafen gilt, nach einer Prozedur des geordneten Entkleidens demütig in der geforderten Nacktheit präsentiert, um die Schläge zu empfangen. Die moderne Priesterin sollte dabei im Grunde stets vollständig bekleidet sein, im Jargon auch CFNM (3) genannt. Ihre Predigt vollzieht sie mit dem Rohrstock oder einem anderen Instrument, das ähnlich wirkungsvoll ist, und weder sie noch der Sünder oder die Sünderin sprechen ein einziges überflüssiges Wort. Auf diese Weise werden Schuld und Sühne mit einer erotischen Komponente, aber dennoch innerhalb eines Rituals vollzogen. Sicher gibt es auch standardisierte und improvisierte Dialoge, die während der Schläge, am Anfang, am Ende oder zwischen den Schlägen vollzogen werden und die dazu dienen, den zu Bestrafenden nachdrücklich auf seine Lage hinzuweisen. Und sicher gibt es abweichende Rollenspiele aller Art, die deutlich mehr und wesentlich intensivere erotische Komponenten beinhalten. Das liegt daran, dass der Domina-Kunde für die Erfüllungen seiner Fantasie bezahlt und nicht für den Vollzug einer „korrekten Züchtigung“.

Und dennoch – sowohl in der Literatur wie auch in der Realität sind Rollenspiele beliebt, in denen Rituale dominieren, und in denen die Erotik eher durch die Ritzen schaut.

Bild: nach einer historischen Quelle (Anonym)
(1) Angeblich kamen nach einer Umfrage 1995 noch 55 Prozent der Befragten zu der Meinung, die Liebe zu Schlägen sei während der Kindheit entstanden, doch bereits 38 Prozent sagten, diese Lust sie erst während der Adoleszenz entstanden.
(2) Einige Informationen wurden dem Buch "Lob der Peitsche" entnommen (München 2001)
(3) Bekleidete Frau - nackter Mann.

Die sexuelle Fantasie

Sinnliche Träume - unklare Realitäten
Sexuelle Fantasien – so erklärt sich möglicherweise das Unerklärliche. Es ist der fünfte Beitrag unserer Serie : "Sinnliches und Intimes kurz und knapp erklärt." Wir werden auf einzelne Aspekte der sexuellen Fantasien und auf die oft stark abweichenden sexuellen Realitäten noch häufiger eingehen.
Serie: Intimes erklärt


Die Reste des Animalischen

Die meisten sexuellen Fantasien sind Nebenprodukte des Animalischen in uns. Wir sind von der Unnatur drauf programmiert, unsere Ruhezone zu verlassen und uns selbst unter äußerster Gefahr auf den Geschlechtsakt einzulassen. Das heißt: Nicht lange fackeln, sondern munter ran an den potenziellen Geschlechtspartner, während die Gefahr im Dschungel lauert.

Einer der Punkte, um die Fantasien immer wieder kreisen, ist der Sex mit Fremden, die urplötzlich auftauchen und zu einem riskanten Abenteuer einladen. Dabei spielt der Konflikt zwischen „einvernehmlich und romantisch“ und „einvernehmlich, aber animalisch“ eine große Rolle. Zwar wissen wir aus mancherlei Schilderung, dass auch nicht einvernehmliche sexuelle Fantasien existieren, doch werden aus möglicherweise gutem Grund selten veröffentlicht.

Wonach wir heimlich lüsten, und was wir uns nicht trauen

Die meisten anderen Fantasien drehen sich um alles, was „man (frau) sich im Hinterstübchen wünscht, aber nicht zu tun wagt“. All dies ist zumeist mit einem Tabu verbunden (es ist schmutzig, es sind zu viele Personen beteiligt, das gleiche Geschlecht rückt einem zu nahe, es schmerzt oder erniedrigt). Ebenso häufig ist die Fantasie, aus einer Gruppe auswählen zu können oder erwählt zu werden. So wird die Realität der „Tanzstunde“ abgewandelt zur Auswahl eines Bettgefährten oder eines erotischen Sklaven, gleich, ob männlich oder weiblich.

Gemeinsam ist allen Fantasien: Der Träumer glaubt, die Praktiken in der Realität niemals ertragen zu können, ergötzt sich aber an der Lust, die es ihm bringen könnte, wenn er es tun würde.

Und weil dies alles sehr wahrscheinlich ist, wird es hier genauso veröffentlicht – zwar vielfach berichtet, aber sicher nicht wissenschaftlich abgesichert.

Und bevor Sie nachfragen: über die erotischen Träume, Lüste udn Fantasien haben wir natürlich verlässliche Zahlen, aber darum geht es hier ja nicht.

Scham

Scham - ist es gut sich zu schämen? Sind wir schamlos, weil wir sinnlichen Lüsten folgen? Oder ist das Ganze ein Dummgeschwätz, um uns einzuschüchtern?
Es gibt niemals einen Grund, sich seiner Gefühle zu schämen

Da gibt es so ein Gefühl … nun ja, es macht dich ganz irre, du weißt nicht, woher es kommt, du weißt nicht, warum es dich gerade plagt. Und falls dir die Schamesröte im Gesicht steht oder falls du vor Scham in den Boden versinkst, dann weißt du: Ich fühle etwas, das ich nicht fühlen will und das ich auch wirklich nicht brauchen kann.

Niemand weiß wirklich, wie Scham einsteht

Du willst wissen, was es für dich bedeutet? Vielleicht suchst du die üblichen Quellen ab. Dann wirst du zahllose Annahmen finden, die alle kaum etwas aussagen. Selbst Lexika können dir bestenfalls sagen, wie sich das Schamgefühl auswirkt – nun ja, als ob man es nicht selber wüsste oder schon an anderen erlebt hat. Erbleichen, erröten, schwanken, den Blick senken oder abwenden – all dies gehört zu diesem merkwürdigen Gefühl, sich zu schämen.

Je mehr du über Scham liest, umso verwirrter wirst du

Wenn du wissbegierig bist und den letzten und unverständlichsten Artikel gelesen hast, bist du so schlau wie vorher. Das Schamgefühl wandert weiterhin mit dir auf deinem Lebensweg, und es macht dich verlegen. Vielleicht denkst du sogar dann und wann an deine Mutter, die dir mitgab: „Einen solchen Vorteil auf diese Weise zu erlangen, mein Kind, ist ungehörig. Du solltest dich dessen schämen.“ Ein Vorteil, eine Gunst, eine Lust, die man sich stibitzt, hat, allein der Gedanke, dass der eigene Ruf dabei beschädigt werden könnte – das hindert uns, von den verbotenen Früchten zu essen, sie sinnlich zu genießen oder sie gar mit Wollust zu verschlingen.

Durch Scham die Gesellschaft zusammenhalten?

Manche Psychologen machen dicke Backen und sagen, sie wüsste, dass Schamgefühle gut sind, weil sie „die Gesellschaft zusammenhalten“. Das würde bedeuten, dass wir gut daran tun, uns zu schämen, wenn wir abweichen. Dieser Unsinn wird tatsächlich behauptet – von namhaften Wissenschaftlern, deren Aussagen von Journalisten beispielsweise so zitiert werden:

Unsere Daten belegen, dass Scham eine wirklich gute Sache ist und nichts, das man bekämpfen sollte.


Schon allein der Satz selbst ist so dumm, dass es quietscht. Geht es etwa darum, zu bewerten, ob ein Gefühl „eine gute Sache ist?“ Oder sind wir im Krieg, in dem es etwas zu „bekämpfen“ gilt? Ich kann nur den Kopf schütteln.

Schämen heißt auch: unter sich selbst zu leiden

Nüchtern betrachtet leiden die meisten Menschen, die sich schämen, sowohl an am Schämen selbst als auch an den Auslösern, also dem "unziemlichen" Verhalten. Sie waren sich nicht gut genug, sie waren anderen nicht gut genug, sie haben gewildert und stibitzt, gelüstet und genossen – und dann leiden sie, weil sie Schamgefühle entwickeln. Das ist sicherlich nicht gesund für die Psyche und schädlich für die Selbstsicherheit. Der Satz „Natürlich sündige ich, und ich genieße es sehr“ ist sehr selten zu hören, und für viele Menschen wäre es unerhört, wenn sie solche Sätze lesen würden. Ich würde mir wünschen, sie häufiger zu lesen.

Erfolg entseht nicht durch Schamhaftigkeit

Wenn du erfolgreiche, durchaus liebevolle und sogar sozial engagierte Menschen kennst, wirst du stets feststellen, dass diese nicht schamhaft sind. Denn wären sie es, so hätten sie nicht gewagt, etwas zu beginnen oder sich bei verfügbaren Ressourcen zu bedienen. Auch sie haben Schamgrenzen – aber diese Linien verlaufen nicht dort, wo es um lächerlich kleine Grenzübertretungen geht.

Sich schämen kann schaden

Mir scheint, dass die Menschen, die ausgesprochen schamhaft sind, auch nicht den Mut haben, über sich selbst hinaus zu wachsen. Wenn sie jede Teppichkante für ein Gebirge halten, können Sie nicht vorankommen. Und wenn sie ihre „kleinen Sünden“ nicht genießen können oder gar verteidigen müssen, werden sie niemals wirklich autonom handeln können.

Manche Frauen denken, sie seinen Schlampen, wenn sie masturbieren, Sextoys benutzen oder sich durch sexuelle Kontakte Vorteile verschaffen. Sie schämen sich, obgleich es viele andere auch tun, und sie sollten sich nicht schämen, wenn sie all dies getan haben, damit es ihnen gut ergeht. Andere schämen sich, weil sie nicht sexy aussehen, keine perfekten Körper haben oder keinen Mann an sich binden können. Es mag schwierig sein, mit manchen Themen umzugehen, aber es gibt keinen Grund, sich des Daseins zu schämen.

Akzeptiere die Röte im Gesicht, und besorge dir gute Argumente

Das alles ist kein Grund dafür, sich zu schämen. Und falls du errötest (vielleicht jetzt?), dann üb mal verbal und emotional, damit umzugehen. Und besorge dir ein paar passende Antworten, wenn eine Freundin dich fragt: „Sag mal, schämst du dich eigentlich nicht?“

Bild:Illustration aus "La Faut des Roses, geschrieben von Félicien Champsaur, Datum unbekannt"

Das Petting

Intime Berührungen - der vierte Beitrag zu unserer Serie: Sinnliches und Intimes kurz und knapp erklärt. Man nannte diese Berührungen auch "Petting" das Wort war einmal sehr pupulär.

Serie: Intimes erklärt
Intime Berührungen sind etwas aus der Mode gekommen. Sie waren einstmals sehr beliebt unter Paaren, die miteinander „intim“ werden wollten, ohne dass der Penis die Vagina eindrang. Da die meisten Frauen in der Glanzzeit dieser Methode weder Fellatio geben mochten noch Cunnilingus erwarteten, blieb jede Form von Oralverkehr „außen vor“. Stattdessen waren die Hände gefragt, die damals über und unter der Kleidung zu Werke gingen, um Lüste zu erzeugen. Zumeist gingen die Paare dabei nicht sehr geschickt zuwege, sodass der sinnliche Genuss großenteils ausblieb. Das wurde allerdings billigend in Kauf genommen, denn allein die Hitzewellen, die dabei durch den Körper gingen, wurden als sinnlicher Erfolg verbucht. Warum man nicht einfach zum „ganz normalen Geschlechtsverkehr“ überging? Sehr einfach: Die Mädchen sollten „keusch“ bleiben, um ihre Jungfräulichkeit später noch unter Beweis stellen zu können. Und dann war da noch die Angst vor Schwangerschaften.

Zur Veranschaulichung stelle man sich ein Paar vor, die Frau in einem Rock, der Mann in Jeans, die einander eng umschlungen sitzend gegenseitig masturbieren. Bei besonders scheuen und übervorsichtigen Paaren wurde „durch die Kleidung“ masturbiert, also entweder über Jeans, Bluse und Rock oder oberhalb der ersten erreichbaren Unterbekleidung. Den Weg freizumachen und die Hand auf die Genitalien zu legen und sie zu reiben galt als besonderes Zugeständnis für den Partner – man nannte es früher „heavy petting“.

Heute ist „Gegenseitiges Masturbieren“ (Mutual Masturbation) der geläufigere Ausdruck als „Petting“. Manche Paare wählen auch heute noch bewusst diesen Weg, sich auf den eigentlichen Geschlechtsakt vorzubereiten, weil er als erregend und sehr sinnlich gilt. Die Masturbation des Partners (ohne Gegenseitigkeit) ist zudem ein vielfach geäußerter geheimer Wunsch, der sich in erotischen Träumen niederschlägt.

Dialoge im erotischen Roman – andere Regeln für die Lust

Dialoge nötig? Zum Beispiel "gefällt dir, was du siehst?"
Dialoge im erotischen Roman – andere Regeln für die Lust - mit Dialogbeispeilen aus drei Jahrhunderten.

Wie man erotische Dialoge schreibt? Ja gibt es denn überhaupt etwas zu sagen beim Geschlechtsverkehr? Offenbar denken viele Autorinnen und Autoren so. Und während Google 12.000 deutschsprachige Einträge zum Thema „Dialoge schreiben“ aufweist, bekommst du beim Thema „erotische Dialoge schreiben“ (mit Anführungszeichen) gar keine Ergebnisse.

Guten Rat gibt es dennoch allüberall. Doch wer die entsprechenden Webseiten öffnet, wird bald herausfinden: Der größte Teil besteht aus Werbung für Bücher oder für Kurse an Schreibschulen.

Dialoge sind nicht einfach „wörtliche Rede“

Beschäftigen wir uns also einen Moment mit „erotischen Dialogen“. Ich unterstelle, dass ihr wisst, was ein Dialog ist – denn es ist nicht, wie uns die Schule lehrt, „wörtliche Rede“. In Wahrheit ist der Dialog ein Zwiegespräch, das den Lesern etwas über die Art von Beziehung mitteilen soll, die unsere Figuren miteinander verbindet oder trennt.

Viel mehr als nur „Stilmittel“

Die Ratschläge, die Autorinnen und Autoren von Schreibschulen bekommen, sind gut gemeint, aber dennoch fragwürdig. Denn Dialoge sind mehr als Stilmittel. Der Dialog soll den Lesern vor allem zeigen, wie zwei Menschen zueinander stehen, und dann, was sich aus dem Dialog heraus verändert. Wenn die Figuren aneinander vorbeireden, einander belügen, sich voreinander verstecken oder einander ausweichen, muss dies erkennbar werden.

Die Dialoge der Lust – knallhart oder verschleiert?

In der Liebe, ob wir sie als romantisch oder hochgradig erotisch beschreiben, spielt der Dialog eine besondere Rolle: Er ist fast immer unvollkommen, und das, was gesagt wird, ist selten das, was gemeint ist. Das ist der Hauptgrund für lange, oft zögerlich angesetzte Dialoge. (1)

„Willst du einen Drink? Oder etwas essen?“
„Oh, du hast gute Manieren. Aber danke, ich will keinen Drink.“
„Und auch nichts sonst?“
„Doch. Zeig mal, was du hast ...“
„Das meinst du … nicht wirklich, oder?“
„Mhh .. du hast Angst vor mir, oder?“
„Nein, keine Angst. Du verwirrst mich.“
„Wie süß du das sagst … aber ich mag nicht lange herumreden. Mach einfach mit mir, was du willst.“


Dieser Dialog mag manchen zu heftig erschienen, kommt aber heutzutage sehr gut an. Die Frau, die fordert, der Mann, der zögert … das gefällt emanzipierten, frechen Frauen, die gar nicht daran denken, zu warten, bis sie jemand ins Bett lockt. Besonders bei der Schilderung von „Dates“ gibt es am Ende in erotischen Romanen wie in der Realität oftmals die Frage: Gibt es nun noch Sex oder nicht? (2)

„Ich hab noch nicht Danke gesagt.“
„Ist nicht nötig. War nett mit dir.“
„Ich will mich aber noch bedanken, ich meine, und du erwartest das doch, oder?“
„Ich .. bin überrascht …“
„Was ist dir lieber, mit der Hand oder mit dem Mund?“
„Ich dachte an etwas Romantischeres … hast du kein Bett oder so?“
„Geht nicht … aber ich mach dir’s wirklich schön.“


Dialoge ähnlicher Art finden wir – mehr oder weniger zögerlich, je nach der verwendeten Sprache – in vielen erotischen Romanen alter und neuer Zeit. Manchmal gehen die Autorinnen und Autorinnen sehr direkt vor, dann wieder nehmen sie sogar Rücksicht auf die Leserinnen und Leser, die sich selbst erst mit der Situation befreunden müssen: So, wie es bei Sacher-Masoch steht (nur der Dialog wird wiedergegeben) (3):

„… Mir sind Schmerzen, die du mir bereitest, ein Genuss. Peitsche mich nur, wenn es dir ein Vergnügen macht“
„Aber es macht mir kein Vergnügen.“
„Peitsche mich … Peitsche mich ohne Erbarmen.“
(Nach einem kurzen Zwischentext)
„Hast du jetzt genug?“
„Nein.“
„Im Ernst, nein?“
„Peitsche mich, ich bitte dich, es ist mir ein Genuss.“


Diese Sequenz und ein paar folgende Sätze geben dem Leser Aufschluss über die Befindlichkeit des Helden, Severin und seiner Peinigerin Wanda, der berühmten „Venus im Pelz“. Und im Grunde sind diese wenigen Sätze der Schlüssel zum Verständnis des Romans.

Ich würde euch gerne mehr schreiben, auch etwas Ausführlichere über das „Langschleichen“ an der wahren Absicht, das für Verführungen typisch ist. Über Redundanzen, also mehrdeutige Dialoge, über Zweifel an der Botschaft oder darüber, wie man Dialoge in der Erotik psychologisch interessanter gestalten kann. Dazu gehören auch spontane oder gar kalkulierte Wendungen des Glücks, die sich selbstverständlich auch in Dialoge fassen lassen.

Aber – ich weiß wirklich nicht, ob‘s euch interessiert. Sagt mir, was ihr denkt, und ich schreibe euch dann vielleicht mehr.

(1) Ein etwas „entschärfter“ und deshalb nicht wörtlich wiedergegebener Dialog aus den 2010er Jahren.“
(2) Von Isidora nach einer mündlichen Schilderung eines Dates aus den 1980er Jahren
(3) Von Leopold Ritter von Sacher-Masoch (1870).
Hinweis: Allgemeines über Dialoge, nicht zu schulmäßig bei der „literarischen Hebamme“.

Erotisch schreiben und bildhafte Pornografie – wo ist der Unterschied?

Optisch ist alles ausgesprochen klar - aber es zu beschreiben, fällt dennoch schwer
Wer als Autorin oder Autor jemals einen pornografischen Film in eine erotische Geschichte umschreiben wollte, weiß nur zu gut, wovon ich hier rede: Die Mittel der optischen Umsetzung sind nicht mit den Mitteln der Sprache zu vergleichen.

Worin liegt der Unterschied? Und wie drücken wir sprachlich „Erotik“ aus?

Der pornografische Film geht sofort "ins Blut"

Im Grunde ist dies offenkundig: Wer eine sexuelle Szene in einem Film sieht, kann sich der Wirkung kaum entziehen. Die spärliche Rahmenhandlung ist schnell vergessen, und die pornografischen Szenen wirken direkt auf das Gehirn, das sie nicht „übersetzen“ muss. Von dort werden dann direkt die sexuellen Funktionen angesprochen, und Hoden, Penis, Schamlippen, Vagina und Klitoris werden erregt. Mit dem Bild werden also Gefühle transportiert, die eindeutig und plakativ wirken mögen, aber ihr Ziel dennoch erreichen. Die Handlung ist also das Gefühl und das Gefühl ist die Handlung. Reden wir noch über Dialoge? Wenn im pornografischen Film etwas ausgespart wird, dann sind es Dialoge. Denn der Pornofilmer weiß: Richtige Menschen reden vor dem Sex, beim Sex und nach dem Sex viel Unsinn, den sie sonst nicht in den Mund nehmen. Also entschließt man sich, die Darsteller(innen) überwiegend stöhnen zu lassen.

Nun also soll ein Roman oder eine Novelle geschrieben werden. Das einzige Material, das wir haben, sind Worte.

Kein Konzept für gefühlsbetonte Aufsätze?

Wie haben wir es noch in der Schule gelernt? Wir müssen irgendwie einen Leitfaden für den Handlungsablauf zustande bringen, im modernen Jargon auch „Plot“ genannt. Der nützt uns allerdings wenig, denn unsere Worte sollen ja etwas beim Leser auslösen: frivoles Denken, sinnliche Verzückung und vor allem die innere Teilhabe am Geschlechtsakt.

Wie macht man das?

Mit dem traditionellen Aufsatzwissen ist hier nicht viel gewonnen. Bekanntlich beschreibt ein Aufsatz Handlungsabläufe, aber keine Gefühle. Es gibt Tausende erotischer Geschichten, die wie Aufsätze aufgebaut sind, und sie sind alle stinklangweilig. An dieser Stelle wird es Zeit für den Satz „Show, don’t tell.“ Auf Deutsch: „Zeige es uns, beschreibe es nicht.“ Vornehmer kann man es so ausdrücken: „Benutze eine bildhafte Sprache“.

Die bildhafte Sprache

Womit wir bei einem Begriff sind, mit dem viele junge Autoren gar nichts anfangen können. Doch man kann es mit einem Satz recht verständlich sagen: „Schreibe nicht, was es ist, sondern wie es ist.

Am Beispiel:

Als „Was“:

Sie spreizte die Beine. Dann bemerkte sie, wie die Frau gegenüber auf ihre Schenkel sah.


Als „Wie“:

Sie wusste, dieser Blick forderte mehr … nur ein wenig mehr … Sie spreizte die Beine und bemerkte, wie dunkle Augen sich in ihre Schenkel vertieften und sie aus ihren Gedanken herausrissen.


Noch einmal ein Beispiel zur Vertiefung

Das ist nur ein kleines Beispiel. Die Theorie stammt übrigens aus einer verbalen Technik, um Menschen zu begeistern. Lassen sie mich an einem Standard-Besipiel noch einmal erläutern.

Als „Was“

Als er sie ansah, spürte sie ein Flattern in ihrem Unterleib. Sie unterdrückte das Gefühl, auf das sie nicht vorbereitet war. Doch einen Moment später bereute sie ihre Entscheidung.


Als „Wie“

Er sah sie intensiv an. Seine Blicke durchdrangen die Pupillen, pflanzten sich unter der Haut fort, fanden ihren Weg über den Rücken, den Po, die Brüste und den Bauch, bis sie bei den Schamlippen ankamen. Die Blicke lösten sich hier auf, wandelten sich in sanfte Flügelschläge und veranlassten sie, die Beine ein wenig zu öffnen. Nein, sie war nicht darauf vorbereitet, dass es jetzt geschehen würde. Für den Moment konnte sie ihre Gefühle beherrschen, doch warum sollte sie unterdrücken, was die Natur ohnehin von ihr fordern würde - früher oder später?


Soweit also zum Thema „Show don’t tell.“ Was ihr noch tun könnt, ist Gefühle ausführlich zu beschreiben, und zwar sowohl körperlich wie auch psychisch. Doch genau das fällt vielen von euch schwer … denn Gefühle sind in der Erotik unglaublich schwer in Worte zu fassen. Wenn wir uns hier einem wiedertreffen, könnt ihr lesen, wie es trotzdem klappt. Und auch über Dialoge werden wir noch reden müssen … denn wenn wenn vor dem Sex, beim Sex oder nach dem Sex geredet wird, dann sicher nicht in der Sprache deutscher Dichter und Philosophen.

Warum darf erotische Literatur nicht neurotisch sein?

Erotische Fantasien kommen oft maskiert daher
Die erotische Literatur meidet den Anschein, ihre Figuren, allen voran ihre Heldinnen, seien neurotisch. Vergleicht man dies mit einem anderen Genre, dem Kriminalroman, so findet man heute Heldinnen und Helden, die hochgradig neurotisch sind: Kommissare wie Kommissarinnen, Detektive wie Detektivinnen. Ihre Neurosen gehen in ihre Arbeit ein, helfen ihnen und behindern sie, machen sie traurig und depressiv, erzeugen Zornesausbrüche und Tränen.

Wir fragen hier nicht, ob dies der Realität entspricht. Aber es ist ein versöhnlicher Ansatz, wenn der Kommissar oder die Kommissarin sich an ihre unklaren und peinlichen Momente des Lebens erinnert. An ihre „unbewältigte Vergangenheit“, wie man oberflächlich sagt, so, als könne man die Vergangenheit von der Persönlichkeit entkoppeln. Autoren von Kriminalromanen spielen mit den Neurosen: Ist der Kommissar jetzt noch „bei Trost“ oder ist er schon „Meschugge“? Oder, wie im Kriminalroman-Jargon oft zu lesen ist: „Halten Sie ihn/sie noch für dienstfähig?“

Die Leselust an den Neurosen

Was wäre, wenn die Figur in einem Roman von einem erotischen Wahn getrieben durch sein/ihr Leben navigierte? Was wäre, wenn sie mit Lust und Begeisterung ihre Abweichungen und Untiefen auslebte? Oder wenn sie im Alltag plötzlich und unvermittelt Wachträume und Fantasien aus der Erinnerung heraus produzieren würde? Nun könnte man behaupten, es gäbe wahrlich schon genug - meist fragwürdige – erotische Literatur über sexuelle Abweichungen. Aber das ist gar nicht gemeint. So wie beim Kommissar oder der Kommissarin, sollte etwas anderes im Mittelpunkt stehen: der Fall, der Beruf, das soziale Leben, das Dasein schlechthin.

Machen wir uns nichts vor … die Furcht, dass tief in der Psyche Kräfte wirken, die uns auf sinnliche Abwege führen könnten, steckt in vielen Menschen. Und die Wirkung der süßen und schmerzlichen kleinen Neurosen, die dann und wann hervortreten, ist den meisten Menschen durchaus bewusst.

Wir müssen sie nicht verdrängen – schon gar nicht, wenn wir Literatur schreiben, die von Erotik behaucht ist.
Bild: Illustration von 1904 von Henri Caruchet, Teilansicht.

Warum solltest du Masturbieren zum Thema machen?

Der erste Sex ist meist kein Sex zu zweit ...
Im privaten Bereich ist es ein Tabu: Masturbation. Warum sollte es dann in der Literatur zum Thema werden? Eigentlich könnte ich dir eine einfache Antwort geben: weil es so gut wie alle tun. Die Solistin oder der Solist kann sich ganz auf seine Gefühle und Fantasien konzentrieren. Und sie dürfen – wirklich – sehr, sehr „schmutzig“ sein.

Das erlaubt dir, etliche Fantasien in die Masturbationsszene zu integrieren. Das heißt, du beschreibst die Masturbation einerseits und die Fantasien und Assoziationen, die deine Figur dabei hat, andererseits. Frauen und Männer masturbieren recht unterschiedlich, und es ist deswegen für einen Mann nicht einfach, genau zu beschreiben, was eine Frau dabei tut und wie sie empfindet. Umgekehrt ist es allerdings ähnlich. Vielleicht rühren all die oberflächlich geschriebenen Masturbationsszenen daher, dass die Autorin oder der Autor einfach nicht wusste, wie’s beim anderen Geschlecht am besten abgeht … und dabei haben wir noch nicht einmal über Gefühle geredet.

Falls ihr „erotische Entwicklungsgeschichten“ schreiben wollt, also Romane, die sich mit der sexuellen Entwicklung eines Menschen beschäftigen: Vor dem ersten Sex kommt die erste Masturbation, die ja auch eine Art von Sex ist.

Der Voyeur und die Voyeurin - stille, staunende Teilhabe

Eine ganz andere Position ist diejenige der Voyeurin oder des Voyeurs. In diesem Fall beobachtet oder initiiert deine Romanfigur die Masturbation des Partners oder der Partnerin, manchmal auch einer dritten Person. Dabei kann die Icherzählerin beispielsweise sehr genau beschreiben, was der Mann tut, wie sich sein Körper dabei verhält (nicht nur ein Penis) und wie sich all dies ansieht und auswirkt.

Jemand anderen Masturbieren

Eine dritte Variante ist eine Art von Masturbation, die nichts mehr mit Selbstbefriedigung zu tun hat. Hier masturbiert die Hand eines (einer) anderen die Frau oder den Mann – und du kannst die Geschichte aus der Sicht des aktiven oder des passiven Partners beschreiben.

Die Funktion der Masturbation in erotischen Schriften

Wie viel Potenzial solche Szenen haben, beweist die Tatsache, dass sie in vielen ausgesprochen erotischen Romanen verwendet werden. Sie dienen – wie ein Vorspiel – dazu, die Leserin auf lustvoll-schockierende Szenen einzustimmen. Wenn jemand masturbiert, dann muss noch etwas danach kommen und auf dieses „Etwas“ wartet die Leserin fasziniert, egal, was es auch sein mag.

Ob die Figur, die Hand an sich legt, eine Frau oder ein Mann ist, jung oder alt, erfahren oder nahezu jungfräulich – immer wird sie deine Leser damit provozieren, dass sie etwas tut, was „eigentlich“ nicht sein sollte. Sie erhofft sich etwas, sie befürchtet etwas, sie sündigt „wieder den Leib“ oder zerfließt in Wonne und Geilheit, Sinnlichkeit und Abscheu. Und sehr, sehr oft, durchlebt sie während des Masturbierens oder beim Zuschauen das eine wie das andere.

Was macht Frauen beim Thema Masturbation an?

Sehr viele Frauen sind enorm daran interessiert, wie sich andere Frauen selbst Orgasmen verschaffen, um ihre eigenen Orgasmen zu optimieren. Der Beweis dafür kann dadurch erbracht werden, dass wir uns die Verkaufszahlen sogenannter „Toys“ ansehen und die Vehemenz, mit der sie in Blogs detailliert und anwendungs- und gefühlsgetreu beschrieben werden. Zudem ist der Finger zumeist der erste Liebhaber junger Frauen – und einmal entdeckt, begleitet er sie manchmal das ganze Leben lang, gleich, ob Single oder nicht. In vielen Umfragen über sexuelle Fantasien wird bereits vorausgesetzt, dass die Befragten während des Masturbierens fantasieren.

Offizielle Ansichten im krassen Widerspruch zur Lust

In „offiziellen“ Betrachtungen wird in der Regel behauptet, dass es Frauen beschämend finden, zu masturbieren. In ähnlicher Weise hören wir immer wieder, wie ekelhaft es manche Frauen empfinden, Männern beim Masturbieren zuzusehen, während Männer gerne zugeben, dass es sie erregt, wenn Frauen masturbieren. Den Partner zu masturbieren hat hingegen in der weiblichen Fantasie einen hohen Stellenwert.

Den Partner zu masturbieren (Handjob) – 68 Prozent.
Einen Fremden zu masturbieren (Handjob) – 28 Prozent.

Vom Partner masturbiert zu werden (Fingern) 71 Prozent
Von einem Fremden masturbiert werden (Fingern)- 33 Prozent.


Ist etwas dran am Ekelfaktor?

In den letzten Jahren hat sich ein Wandel in der Betrachtung der männlichen Masturbation ergeben. Bisher wurden masturbierende Männer von Frauen in jeder Hinsicht verachtet. Hervorgehoben wurde das „Schmutzige“ an der Masturbation, auch das „Unnatürliche“ oder die „Ersatzhandlung“ für „richtigen Sex“. Und noch immer geraten Frauen in Verzweiflung, wenn der Ehemann heimlich masturbiert. Und tatsächlich „schämen“ sich viele Männer, wenn sie masturbieren, zum Beispiel, weil es „unmännlich“ ist. Und doch mögen manche Frauen das Schauspiel, das ihnen Männer bei der Masturbation oder beim Handverkehr bieten. In jedem Fall gilt Masturbation bei schönen, gepflegten Männern heute durchaus als „erregend“.

Fazit für Autorinnen udn Autoren

Mit der Masturbation beginnt das sexuelle Gefühlsleben vieler Frauen und Männer, und die Lüste, die dabei frei werden, sind durchaus mit jenen vergleichbar, die beim ersten Zungenkuss oder beim ersten Sex hervorgerufen werden. Darüber hinaus ist die Masturbation ein erotisches Thema ganz besonderer Art, wenn man die Faktoren „sich schämen“, „erwischt werden“ oder „bestraft werden“ mit einbezieht.

Sex ist mehr als Penetration

Klassischer Sex - PiV (verborgen) in der "üblichen" Stellung
Irgendwie hat es sich so eingebürgert in die Sprache: “Sex haben“ ist ein Synonym für „Penetration“. Schon zuvor war es der Begriff „miteinander schlafen“, der nichts anderes bedeutete, als einen Penis in die Vagina zu versenken- und offiziell nannte man es auch „Beiwohnung“.

PiV ist zwar Sex, aber Sex ist mehr als PiV

Sex als Penetration (PiV) an sich ist kaum ein sinnlicher Genuss, und wenn, dann ist es ein Kurzer. Wer ihn verlängern will, sei es Frau oder Mann, muss an einen sinnlichen Partner geraten oder sich selber sinnlich berühren, um den vollen Genuss zu erleben. Das ist eigentlich ein alter Hut. Frauen wissen mehr darüber als Männer, weil sie es leichter haben, mit vielen, aufeinanderfolgenden, lustvollen Orgasmen zu experimentieren.

Der sinnliche Genuss ist auch dann Sex, wenn die Vagina unbeteiligt bleibt

Doch was bringt eigentlich den sinnlichen Genuss? Beteiligt sind die Haut, die Nerven darunter und das Gehirn. Haut ist alles, was außen ist, gleich, ob sie als Schutzschicht außen liegt oder erst lustvoll freigelegt werden muss. Die Nerven liegen dahinter, und sie zu stimulieren, ist mal auf einfache Art möglich, und mal bedarf es einiger Anstrengungen. Wer auch nur zwei Partner(innen) in seinem Leben hatte, der wird wissen: Mancher wälzt sich in Wollust, wenn bestimmte Körperteile berührt werden, während ein anderer es ablehnt, dort jemals angefasst zu werden – verliebt oder nicht. Und bei einem dritten Teil funktioniert es gar nicht.

Was die Nerven wirklich tun - und warum das Lust auslösen kann

Wie kommt’s, dass mancher lüstet, mancher patzt?

Genau weiß es niemand, aber es liegt im Prinzip daran, dass die Nerven ja nicht einfach herumlungern, auf Berührung hoffen und dann begeistert sind, das endlich was passiert. Denn was mit den Signalen geschieht, die Nerven aussenden, entscheidet das Gehirn: Annehmen und sinnliche Gefühle erzeugen, Annehmen und als Gefahr ansehen oder erst mal gar nichts tun. Psychologen nehmen an, dass daran ein Lernprozess beteiligt ist, der allerdings im Detail nur schwer zu durchschauen ist. Klarer ist allerdings, dass unser Hirn überhaupt nur dann Aktionen plant, wenn dadurch etwas (aus der Sicht der Natur) Sinnvolles bewirkt werden kann. Hingabe, Genuss, Abwehr, Flucht oder Minderung des Schmerzes sind solche Maßnahmen.

Wenn alles „ganz normal“ abläuft, sind gewollte Berührungen durch den Partner (die Partnerin) immer willkommen. Doch was gehört dazu, was nicht?

Sinnlicher als PiV-Sex - lustvolle Berührungen
Sinnliche Berührungen können "Sex" sein

Zunächst einmal gehören zur erotischen Sinneslust alle Berührungen des Körpers. „Haut auf Haut“ ist der Standard, der bei jeder Berührung Impulse ans Hirn senden kann:

1. Berührungen mit dem ganzen Körper, ohne Penetration.
2. Küssen.
3. Reiben der Haut aneinander (Wangen)
4. Umarmungen.
5. Äußerliche Berührungen mit den Händen.
6. Gezielte Massagen.
7. Berührungen mit den Füßen.
8. Leichte Handschläge.
9. Berührung der Brüste (bei Männern).

Wenn etwas in etwas eindringt

Werden die Genitalien (auch äußerlich) berührt oder dringt ein Körperteil in den Intimbereich (auch den Mund) ein, so kann man von sinnlichen Berührungen mit sexuellen Aspekten sprechen oder auch gleich von sexuellen Kontakten.

1. Zungenküsse.
2. Intimküsse bei Frau und Mann.
3. Berührung der Brüste (Bei Frauen).
4. Intimmassagen aller Art.
5. Oralverkehr jeder Art.
6. Handverkehr (der Frau am Mann)
7. Fingern (in der Vagina)
8. Analverkehr.
9. Standard Penetration (PiV)

Solche Berührungen lösen normalerweise heftige körperlich-seelische Reaktionen aus, die sich in enormen Lustgewinn oder massiver Ablehnung dokumentieren lassen. Die Ablehnung kann auch dann erfolgen, wenn beide einander lieben und nur das Beste füreinander wollen.

Lustvolle und sinnliche Verhaltensweisen

Ob auch Präsentationen als „Sex“ bezeichnet werden können, ist umstritten. Präsentationen sind lustvolle, provokative Darstellungen des eigenen Körpers in Dessous oder aufreizenden Kleidern oder sexuelle Berührungen an sich selbst, die den Partner aufreizen sollen.

Heute verzichten wir darauf, SM-Aktvitäten, Fetische, Pornografie, Masturbation oder gewagte Rollenspiele mit einzubeziehen. Es soll ja schließlich nur um sexuelle Berührungen unter Paaren gehen.

Fazit: Sex ist lustvolle Intimität

Was ist Sex denn nun? Mit dem Partner bedeutet es vor allem, intim miteinander zu sein, gleich, welche Motive er hat oder welche du hast. Und es ist definitiv nicht nötig, immer den Penis im Kopf zu haben – und auch nicht anderwärts, wo’s intimer wird.

Bilder: Oben: Aus Kalenderblättern (?) des 18. Jahrhunderts. Mitte: Teil von "Preludes" von P. Becat.