Skip to content

Es sieht so aus … scheiß darauf!

Eine Zensur durch Big Brother Community
Wie sieht es aus? Sieht aus wie Dessous auf einer Dame, die sich damit recht züchtig verdeckt. Jede Werbung für Dessous wäre offensiver. Aber was sagt das Urteil des Zensors?


Es sieht so aus, als könnte dein Eintrag gegen unsere Community-Richtlinien verstoßen, darum ist er jetzt versteckt.

Mir ist scheißegal, was die „Community“ über etwas „denkt“ – falls diese Leute überhaupt zu denken imstande sind, denn es handelt sich um eine völlig abstrakte „Gemeinschaft“, die unter falscher Flagge segelt. In Wahrheit ist es der Betreiber, der hinter der Zensur steht.

Nein, ich fechte das Urteil der „Community“ nicht an. Ich kann nichts „anfechten“, was nicht existiert. Also – Scheiß drauf.

Das © 2018 am Bild besitzt Fatima Xberg
Lesen Sie mehr über die jüngste TUMBLR-Aktion.

Das Geschlecht, die Rolle, der Wandel und das Spiel damit

Von Bruder zu Bruder - oder von Bruder zu Luder?
Wir sagen aus voller Überzeugung und mit dem Willen, dies auch durchzusetzen: Frauen und Männer sind gleich. Wir wissen aber, dass diese Aussage recht theoretisch ist. Selbst, wenn wir wünschen, dass die Praxis auch so sein möge.

Gleich sein, anders sein, das "Selbst" sein

Wir müssen dann zugeben, dass es trotz aller körperlicher Ähnlichkeiten auch Differenzen gibt – das ist mindestens noch für alle offensichtlich. Schwieriger wird es schon beim Denken und Fühlen. Zwar sind unsere Gehirne nicht so unterschiedlich aufgebaut, wie es manche Autoren behaupten, aber ihre chemische Steuerung funktioniert nicht deckungsgleich. Übrigens wird diese Tatsache oft verschwiegen.

Überhaupt führt der Umstand, uns in „Frauen“ und Männer“ einzuordnen, zu allem Unsinn, den man sich erdenken kann: Wir gehören immer „auch“ zu anderen Gruppen und wir sind Individuen, keine Klone eines gemeinsamen Vorbilds.

Erotische Rollen, um mehr über uns zu erfahren

In der Erotik haben wir dankenswerterweise die Möglichkeit, Rollen anzunehmen. Manche Frauen und Männer wagen dabei sogar intime Einblicke in die Geschlechtlichkeit der anderen. Meistens ändert sich dadurch wenig – aber es erlaubt uns Menschen, einen winzig kleinen Spalt aufzutun in die wundersame Welt, Dinge „neu“ oder gar „umgekehrt“ zu sehen.

Die befremdlichen Welten der willkürlichen weiblichen Dominanz

Viele Autorinnen (vor allem im Internet) gehen dabei zu weit: Es ist unsinnig, eine neue Welt weiblicher Dominanz aufzubauen, in der Männer nur noch für die „Hofhaltung“ gedacht sind. Mir kommen diese Auswüchse weiblicher Arroganz immer so vor, als würden diese Frauen den Katzenhalterinnen ähneln, die schon elf Katzen in einem Wohnzimmer beherbergen und nun noch eine Zwölfte aufnehmen, um ihre Herrschaft über ein Imperium zu sichern. Oder eben den dritten oder vierten „männlichen Sklaven“, der noch in die Sammlung passt.

Schön, das passt in eine Welt, in der alleine für den Zutritt eine Art Gehirnwäsche nötig ist – reden wir also nicht davon und blieben wir also beim Sein und der Möglichkeit, das zu spielen, was wir nicht sind. Es heißt „Rollenspiel“ und ist Teil unseres Alltags wie auch unserer Fantasie.

Was passiert eigentlich bei Rollenspielen ohne Erotik?

Ich weiß nicht, ob man dich einmal mit einer Rolle konfrontiert hat, die du nicht übernehmen wolltest, und ich gebe dir zwei (unerotische) Beispiele:

In einem psychologischen Spiel wird derjenige gekürt, der die besten Argumente hat, mit diesem kleinen Haken: Du musst gegen deine eigene Überzeugung argumentieren, um zu gewinnen.

Wenn du diese Person bist, wirst du merken, wie schnell du in die Rolle schlüpfst und vehement gegen das argumentieren, was du sonst so vehement vertrittst. Noch infamer ist die Aufforderung zum „Ampelverhalten“: Bei Grün argumentierst du für etwas, bei Gelb wägst du ab, und bei Rot redest du dagegen.

Erotische Spiele können sehr alltäglich sein

Zurück zur Erotik: Das Spiel mit dem Flirt dürfte fast allen Menschen geläufig sein. Hier speilen A und B damit, intim zu werden, ohne es wirklich in die Tat umzusetzen – oder es vielleicht doch zu tun. Ähnliche Spiele hat Eric Berne beschrieben, und eines, das heute noch sehr populär ist, heißt: „Verführ mich, aber wehe, du versuchst es.“ Ähnlich wie beim Ampelspiel lockt die Damen mit „Grün“, schaltet aber auf „Rot“, sobald sich der Lover ihr intim zu nähern versucht. Der zieht sich darauf zurück, eine Weile steht die Ampel auf „Gelb“, wechselt dann aber plötzlich wieder auf „Grün“. Das kann eine Weile so gehen, bis die Ampel auf „Grün“ stehen bleibt. Daran hat sich vor allem deshalb nichts geändert, weil die Frau dabei spielt: „Wenn du dich nicht genügend bemühst, kannst du in den Wind schießen.“ Gut, das mag nicht sehr nach Emanzipation klingen – aber es ist ein Rollenspiel, und dabei kümmern sich die Menschen nicht um soziale Korrektheit.

Und wie war das nun mit den Geschlechterrollen?

Das ultimative Spiel besteht darin, die Geschlechteridentität anzuzweifeln oder spielerisch die Rolle des anderen Geschlechts anzunehmen. Je nach Auffassung und Ausführung kann man dies als lustvolles Vergnügen (etwa bei einer Travestieschau) oder als sexuelle Grenzüberschreitung auslegen. Womit wir wieder bei dem wären, was Frauen und Männer wirklich oder angeblich trennt oder auch eint.

Dieses Thema ist nicht nur interessant, wenn ihr euch für frivole Rollenspiele interessiert. Es ist die eigentliche Grundlage, um dem „anderen Geschlecht“ unter die Haut zu kriechen und über erotische Begegnungen zu schreiben, seien sie heterosexuell, homosexuell oder alles dazwischen. Bist du Autorin oder Autor? Dann wäre es vielleicht dein Thema.

Bild oben: Historische Illustration.

Dominanz und die Domina - was steckt dahinter?

Kein Zweifel - die Haltung wirkt dominant
Dominanz und die Domina - was steckt dahinter? Wenn euch Illusionen interessieren, lest woanders nach. Hier beschäftigen wir uns in erster Linie damit, was "Dominanz" wirklich bedeutet.

Das Wort „Dominanz“ wird gegenwärtig eher abfällig als anerkennend benutzt. Wie unterbelichtet die Lexika dabei vorgehen, kann man in Wikipedia nachlesen (1):

In der Psychologie spricht man von Dominanzverhalten, wenn ein Individuum das Verhalten eines oder mehrerer anderer Individuen beherrschen bzw. kontrollieren möchte.


Anderorts wird sogar behauptet, Dominanz sei

das Durchsetzungsvermögen gegenüber Schwächeren.


Zuvor hatte man neutralere Formulierungen gefunden: Dominanz, so lesen wir in einem älteren Psychologielexikon (2), können durchaus mehrdimensional (3) sein, und sie können „charismatisch“ oder „bürokratisch“ bestimmt sein. Ältere Lexika kennen das Wort gar nicht. (4) Die übliche Übersetzung ins Deutsche lautet „Vorherrschaft „Überlegenheit“ oder – abgemildert – die „führenden Rolle“.

Dominanz als Negativverhalten

Im Grunde können wir sagen: Dominanz wird von neueren Lexikon-Autoren nahezu immer negativ belegt – es ist zu vermuten, dass dies aus ideologischen Gründen geschieht, denn in unserem täglichen Leben begegnen wir durchaus der natürlichen Dominanz.

Lexika: Oftmals Bullshit mit großer Verbreitung

Wir müssen also die Lexika korrigieren, bevor wir fortfahren. Dominanz ist ein Verhalten, das vielen Lebewesen, besonders aber den Säugetieren, eigen ist. Der Mensch hat dieselben Anlagen behalten, wenngleich die Auswirkungen der Dominanz durch soziale und kulturelle Einflüsse vermindert werden.

Natürliche Dominanz

Das ändert jedoch nichts an der Veranlagung, Dominanz auszustrahlen und die Kräfte, die davon ausgehen, auch zu nutzen. Nach allgemeiner Auffassung über menschliche Eigenschaften gibt es einige, die vererbt sind und die durch die Erziehung und den sozialen Umgang miteinander verstärkt oder abgemildert werden können. Dabei zeigt sich bei der natürlichen Dominanz: Sie wirkt sehr natürlich und strahlt nahezu wie von selbst auf andere aus - und verstärkt sich immer dann, wenn andere sich der Dominanz fügen. Die dominant wirkende Person kann wenig „dafür“ und so gut wie gar nichts dagegen tun, dass sie so wirkt, und weder die/der Dominante noch die anderen nehmen daran Schaden.

Dominanz erlernen oder „dominantes Verhalten annehmen?“

Das Internet ist – wie immer – voll von Klugscheißern. Sie behaupten, man könne Dominanz lernen und sie lehren dies teilweise selbst. Streng genommen ist das, was sie lehren, eine Verhaltensänderung. „Natürliche Dominanz“ ist aber kein Verhalten, sondern eine Eigenschaft, was letztlich heißt, sie lehren ihre Schüler, so zu handeln wie jemand, der seine natürliche Dominanz einsetzt.

Nehmen wir einen Schauspieler im Theater: Er kann drei Stunden eine dominante Person spielen, ohne sie zu sein. Zuvor und hernach ist er wieder er selbst, und er weiß, dass die Figur, die er dargestellt hat, nicht er selbst ist.

Frauen sind nicht weniger dominant als Männer

Ein leider immer noch weitverbreiteter Irrtum sagt aus, Männer seien von Natur aus dominant, Frauen aber unterwürfig. Dies ist ein kultureller Irrtum, der aus einem jahrtausendelang eingeübten und immer wieder weitergegebenen Rollenverhalten erwächst. Die Wahrheit ist: Frauen üben auf andere Art Macht aus als Männer, und manche Frauen gelten dabei als „dominant“. Das heißt nun wieder, dass die dominanten Frauen andere Frauen und eben auch Männer finden, die sich ihnen gerne unterwerfen, sich von ihnen führen und verführen lassen oder ihre „Fans“ werden.

Willkürliche Dominanz als Rolle

Worin sich willkürlich ausgeübte Dominanz zeigt? Die meisten Menschen werden mit kunstvoll inszenierter Dominanz bestenfalls einmal bei einer Verkehrskontrolle konfrontiert. Wir gehen davon aus, dass die Menschen, die dahinterstehen, nicht wirklich in dem unmissverständlichen Ton sprechen, den sie uns gegenüber an den Tag legen und nicht immer die etwas gekünstelte Haltung dabei einnehmen.

Die Rolle der gewerbsmäßigen „Domina“

Das machtvolle Auftreten, die unmissverständliche Sprache und die Konsequenz des Handelns werden also von von uns als „Dominanz“ empfunden. Und nun kommen wir in die Nähe der „Domiae“, auch Dominas, Dominatricen. Peitschenladys und recht abfällig „Stiefelhuren“ genannt.

Die meisten von ihnen machen einen Job, der zwar nicht wie jeder andere ist, aber auch keinen speziellen „Lifestyle“ voraussetzt. Sie gewinnen ihre Dominanz aus ähnlichen Verhaltenselementen, die auch eine Polizistin erlernt. Durch ihre körperliche Erscheinung, ihr Verhalten, ihre Sprache und ihre Kleidung, gelegentlich auch durch die Umgebung des „Dungeons“, in dem sie arbeiten.

Es gibt so viele Varianten zum Thema „Domina sein“, wie es Wünsche an diese Frauen gibt. Ihr Beruf ist mindestens leidlich einträglich, und er wird immer häufiger von „Seiteneinsteigerinnen“ in Teilzeit ausgeübt, die nicht aus dem Rotlichtmilieu stammen. Die „Konkurrenz“, so hört man häufig, sei dadurch größer geworden, und die Preise für die „Behandlung“ würden fallen.

Wie überall in den Bereichen erotischer Dienstleistungen wird in der Branche mit Illusionen und Übertreibungen gearbeitet. Man fühlt sich an Zirkusankündigungen oder die „Parade“ vor Jahrmarktsschaubuden erinnert. It’s only a Paper Moon …“

Quellen: (1) Wikipedia. Die Aussage, dass jemand "herrschen oder kontrollieren möchte" ist die reine Ideologie.
(2) "Psychologie" Frankfurt 1957.
(3) bedeutet, das Dominanz nicht unbedingt nur von A auf B, C und D wirkt, sondern, dass beispielsweise C auf anderen Gebieten auch Dominant auf A, B oder D wirken kann.
(4) Meyers und Brockhaus bis ca. 1870.
Weitere Quellen: gelesen wurden Bücher von Frauen, die die als "Domina" tätig waren sowie weitgehend authentische Berichte über die Hintergründe. Außerdem wurden gut 300 Fotos analysiert.
Bild: Anonyme Buchillustration

Können Frauen die männliche Rolle lustvoll spielen?

Mit Humor wechseln sich die Rollen leichter ...
Können Frauen die männliche Rolle lustvoll spielen? Oder können Männer sinnlich und lustvoll mit der weiblichen Rolle umgehen? Dieser Artikel handelt davon, ob Frauen und Männer so rollenflexibel sein sollte, auch in der Sexualität die zugeschriebene Rolle des anderen Geschlechts annehmen zu können – zumindest im Verhalten.

Die sozialen Geschlechterrollen, also die Rollen, die wir persönlich erlernt und weiterentwickelt haben, werden oftmals als „natürlich“ bezeichnet, und daraus wird abgeleitet, dass sie zu den „ewigen“ Werten gehört.

Die Natur hat allerdings eigene Gesetze, die nicht mit den Geschlechterrollen der Gesellschaft übereinstimmen müssen. Ja, im Grunde genommen haben die Gesetze der Natur mit den Gesetzen der Gesellschaft gar nicht zu tun.

Mehrdeutigkeit beim modernen Menschen

Unser Hauptproblem heute ist die Redundanz, also die Mehrdeutigkeit. Das Geschlechterverhalten war im 19. Jahrhundert stark reguliert, und dieser Zustand wirkte bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein. Aus diesem Grund haben wir (eher kulturell als sozial) zwei Prinzipien: die traditionellen Frauen- und Männerrollen in Geist und Emotionen, aber nicht mehr unbedingt in Persönlichkeit und Verhalten. Und eine neue Rolle in Verhalten und Bewusstsein, die wir teils mit der althergebrachten Rolle paaren und teils für unvereinbar halten.

Die Kontroverse aus wissenschaftlicher Sicht

In einem wissenschaftlichen Beitrag wird diese Kontroverse so beschrieben (aus der Sicht des Mannes):

Da Männer im Glauben erzogen werden, Frauen seien sozial und sexuell passiv, verwirrt es sie unter Umständen erheblich, auf eine Frau zu treffen, die aktiv ist und zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr die Initiative ergreift. Angesichts so „unfemininen" Verhaltens kann ein Mann dann versucht sein, die Weiblichkeit einer Frau anzuzweifeln. Wenn diese Zweifel angesichts offensichtlicher Beweise nicht aufrechterhalten werden können, beginnt er möglicherweise, an seiner Männlichkeit zu zweifeln.


Der tägliche Geschlechterwahn bei der Partnersuche

Diesen Widerspruch, ja, dieses Paradoxon, erleben Frauen und Männer jeden Tag: Gefordert wird der sanfte, sinnliche Macho, den es nicht gibt, während der typische „Macho“ oder der typische „Softie“ gemieden wird. Bei den Frauen wird, die selbstbewusste, sinnlich begabte, sanfte Familienfrau bevorzugt, die es in der Kombination auch selten gibt.

Viele Autoren haben sich ernsthaft Gedanken gemacht, wie wir aus diesem Schlamassel jemals herauskommen wollen – zumal, wenn interessierte Kreise den Konflikt noch verschärfen.

Die Rolle der Geschlechter im Alltag ist heute kaum noch veränderbar: Frauen und Männer leben autonom, gleichberechtigt und selbstverantwortlich. Die Rolle, die wir in unserer natürlichen Begierde, also der Partnerwahl, bei der Suche nach Lust und Sex spielen, ist hingegen deutlich an die alten Gesetzte gekoppelt.

Auf diese Weise ist die Frau, die unabhängig und selbstbewusst Männer kennenlernt, mit ihnen schläft oder auch nicht und auch sonst tut, was sie will, den Männern „irgendwie verdächtig“. Und der Mann, der sich finden lassen will, der verführt werden will und der letztlich die Abhängigkeit durchaus als genussvoll empfindet, ist in gleicher Weise den Frauen verdächtig.

Könnten Autorinnen "erotische Wege hinaus" weisen?

Soweit die gesellschaftlichen und sozialen Fragen. Der Wandel, der daraus entsteht, ist noch nicht einmal genügend von den angeblich „seriösen“ Autorinnen behandelt worden. Und wenn wir auf eine sinnliche, erotische oder sexuelle Ebene kommen?

Was, wenn Frauen nicht nur das Eheleben und die Rollenverteilung bestimmen wollen, sondern auch die sexuellen Rituale und Rollenspiele? Dann wären Frauen in der Rolle des Yang, also in der aggressiven, fordernden und dominanten Rolle. Sie würde alles tun, um den Mann zu zwingen, sie in der von ihr gewünschten Weise zu behandeln. Und das würde auch bedeuten: Sie sexuell so zu befriedigen, wie sie es wünscht – und falls nicht, sich einen anderen Partner zu suchen. Zugleich würde der Mann in die Rolle des Yin fallen, was bedeuten würde, passiv und unterwürfig zu handeln und das an Befriedigung zu akzeptieren, was ihm die Frau anbietet.

Das Thema ist in der erotischen Literatur nicht neu. Die emotionale Geschlechterumkehr, die Geschlechterverwirrung und dergleichen sind schon beschreiben worden – aber stets als erotische Märchen.

Doch warum greifen wir nicht einfach die „neue Realität“ auf? Und warum schreiben unsere Autorinnen nicht über ein Thema, das wirklich sehr populär ist: täglich neu (auch mit sich selbst) auszumachen, wer wann und wie welche Rolle spielt.

Wie wäre es, das Thema sinnvoll anzugehen?

Die Wissenschaft behauptet ja mehr oder weniger, wir würden uns über unser Geschlecht definieren, und hätten wir die Identifikation gefunden und verfestigt, so seien keine Modifikationen mehr möglich. Mag ja sein, aber das heißt nicht, dass es uns dadurch verboten ist, andere Verhaltensweisen auszuprobieren.

All dies wird tatsächlich schon dann und wann praktiziert – aber darüber geschrieben wird selten. Und wenn, dann sicher nicht in lustvollen, anregenden Abhandlungen.

Ja – und was meint ihr zum Thema? Ich hoffe, ihr seid nicht sprachlos.

Bild: Extrakt des Titels eines Groschenhefts

Bedeutet Sex eigentlich wirklich so viel?

Klischee: So wollen Männer erregt werden - doch was wollen Frauen?
Manchem bedeutet Sinnlichkeit viel, mancher fühlt sich eher von erotischer Spannung angezogen. Und schließlich, irgendwann, taucht die Frage auf: „Wie viel bedeutet dir eigentlich Sex? Was tust du dafür, ihn zu bekommen? Und wenn du ihn regelmäßig genießen kannst, warum willst du immer noch eine Steigerung?“

Ja, bedeutet uns Sex wirklich sie viel? Oder wird Sex heute enorm überbewertet, wie viele meinen?

„Sex ist Genuss“ – wann kamen die Ideen auf?

Die meisten Autoren behaupten etwas voreilig, Sex als Genuss sei bis vor einigen Jahrzehnten ohnehin ein „reines Männerding“ gewesen. Daher sei der Genuss auch eng mit dem Kommerz verbunden gewesen, und die Männer hätten Sex eher konsumiert als genossen – nein, sie seine eben keine Gourmets gewesen, sondern Vielfraße. Daran ist alles richtig, was an Binsenweisheiten wahr ist, und alles falsch, wenn wir in den Ritzen der Geschichte graben: Frauen könnten sich damals gesellschaftlich nicht „leisten“, Lüste zu entwickeln und dies öffentlich zu zeigen.

Lust und Lustgenuss für Frauen - etwas ziemlich Neues

Sehen wir uns die letzten 100 Jahre mal im Schnellgang an, so gab es zahlreiche Ereignisse, die Änderungen brachten. Die „bewegte Jugend“ begann, die Lust lockerer zu sehen, und ohnehin hatten die Damen ihre knöchellangen Kleider samt Korsetts im Kaiserreich zurückgelassen. Dann kam die erste, zweite oder gar dritte Welle der Frauenemanzipation, die nach und nach auch dazu führte, Frauen ein eigenes Sexualleben zu „gestatten“. Dann kamen die „Sexwellen“, zuerst in der Literatur, dann in der Realität. Und schließlich stiegen mit wachsendem Wohlstand auch die Möglichkeiten, sich exklusiven sexuellen Vergnügungen hinzugeben.

Die 1950er - Vögeln für das Proletariat - Sexgenuss für die Reichen

Man kann es so sagen: Ausgehend von den 1950er Jahren in Deutschland war Sex eine Sache des Proletariats einerseits und der „Neureichen“ anderseits, die für exquisite sexuelle Vergnügungen (und das Schweigen darüber) viel Geld ausgaben. Piekfein gekleidete Jünglinge besuchten lüsternde Damen und wohlhabend Ehepaare, und Damen, die „an jedem Hotelportier vorbeikamen“, etwas patzig „Edelhuren“ genannt, beherrschten die Szene der bezahlten Lust für eine Nacht. Der einfache Arbeiter führte derweil den Spruch „des kleinen Mannes Sonnenschein – vögeln und besoffen sein“, auf den Lippen.

Schweigen und verbergen in bürgerlichen Mietwohnungen

Für die „Normalos“ in ihren frisch bezogenen Mietwohnungen mit Bad war dergleichen undenkbar, ja, empörend. Sex gehörte in die Ehe, aber da entdeckte bald jede und jeder: „So richtig doll ist das nun auch wieder nicht.“ Man begann, über Liebesstellungen und Orgasmushäufigkeit zu diskutieren … nur bitte nicht, wenn andere zuhörten. Ein Wort wie „Masturbation“ gab es im offiziellen Sprachgebrauch nicht – und die Tatsache selbst ließ sich nicht verleugnen, was allen äußert peinlich war.

Heute - alles ist möglich, aber nicht jeder will immer alles

Heute denken Singles wie auch Paare anders: Sie fragen sich häufiger, wie man sich selbst oder einander Lust verschaffen kann, oder wie sich die ursprüngliche Liebesglut wieder anfachen lässt.

Nur wenige Paare oder Einzelpersonen denken ständig an Sex - oder tragen ihr eigenes Sexleben sogar an die Öffentlichkeit. Zumeist (und für viele überraschenderweise) sind es Frauen, die sich mit der Veröffentlichung hervortun.

Licht- und Schattenseiten öffentlicher Sex-Bekenntnisse

Dies hat Licht- und Schattenseiten. Die eher hellen Seiten: Andere erkennen, dass es möglich ist, ein exponiertes Sexualleben zu haben, das von der Norm abweicht. Sie fühlen sich also nicht allein mit ihren Sehnsüchten, Träumen, Wünschen und heimlichen „Perversionen“. Inzwischen liegen zum Thema „geheime Sehnsüchte“ ja auch schon Forschungen vor, was die Sache auch leichter macht.

Die Schattenseiten: Was am Anfang und anonym eine Offenbarung sein kann, wird nach und nach (zum Beispiel bei persönlichen Krisen oder Krankheiten) zum Bumerang. Und natürlich auch dann, wenn der Name „enthüllt“ und die Person damit bloßgestellt wird.

Fragen wir uns, was der Sex bedeutet, dann sollten wir so antworten: Alles zu wissen, schadet nie, etwas zu erproben, kann schaden oder nützen, es gehört zu den normalen Lebensrisiken. Aber etwas (oder jemandem) mit Haut und Haar zu verfallen, ohne auf das eigene Wohlergehen zu achten, ist zumindest bedenklich.

Autorinnen und Autoren werden oft bezichtigt, das zu leben, was sie schreiben

Ein Nachsatz für Autorinnen und Autoren: Wenn ihr unter eigenem Namen schreibt, glaubt mindestens ein Drittel euerer Leserschaft, ihr schreibt „aus eigener Erfahrung.“ Das muss man erst einmal aushalten können.

Der einfachste erotische Plot

Der einfachste Plot für jede Art von erotischer Literatur ist sehr simpel. Deine Figur lebt im Zustand „A“, von dem sie erwartet, dass er unweigerlich zum Ziel „B“ führt.

Nun hat deine Figur eine erotische Begegnung, die sie daran zweifeln lässt oder die sie daran daran hindert, das Ziel „B“ noch weiter zu verfolgen. Sie sucht also nach neuen Zielen, und …

1. Entscheidet sich nach einem inneren Zwiespalt für ein neues Ziel, „C“.
2. Kämpft, um weiter das Ziel „B“ zu verfolgen und wächst dabei über sich hinaus.
3. Kehrt nach erheblichen Zweifeln in den Ausgangspunkt „A“ zurück, um nach neuen Zielen zu suchen.

Das müsst ihr wissen: Erotische Plots unterscheiden sich von gewöhnlichen Plots vor allem dadurch, dass eure Figur eine erotische Begegnung hat, die ihr Leben verändert. Es kann sich auch um mehrere Begegnungen in Folge handeln.


Im Grunde birgt diese Art, erotische Geschichten zu erzählen, genug Konfliktstoff, um Spannung zu erzeugen.

Wird fortgesetzt mit: Alle Plots, die es in der Literatur gibt.

Wer hat dich gefügig gemacht?

Wer hat dich "gefügig gemacht", dich zum "Perversen" erzogen oder deine sexuelle Persönlichkeit tiefgreifend verändert? Und wie konnte das geschehen? Wir betrachten das Thema ausschließlich aus der Sicht erotischer Romane. Und wir reden von Männern, besser gesagt von Jünglingen.

Zu den Fehlern der Psychotherapie gehört, nach „der einen“ Ursache dafür zu suchen, dass jemand anders wurde als „man“ (oder er selbst) sich das weitere Leben vorstellte.

Die Rechtfertigung durch die Wissenschaft im erotischen Roman

Duck dich! Ein versohlter Hintern wird dir gut tun!
In erotischen Romanen finden wir häufig eine Art „wissenschaftliche Begründung“ für die Lust an „perversen“ Handlungen. Nein, Mr. Grey hat nicht einfach Lust daran, Frauen zu schlagen. Er wird auch nicht einfach geil davon, aus einer Frau ein Püppchen zu machen. Nein, nein … er hatte da mal eine Domina … so eine Art „Ms. Robinson“ mit Aua-aua, die ihn „windelweich geschlagen hätte“, wenn er ein gewöhnliches College-Mädchen getroffen hätte. Diese Frau hatte einen „eigenartigen Geschmack“ und versklavte den Jungen offenbar im Alter zwischen 15 und 21 Jahren. Und wir hören noch, dass sie „alt genug war, um es besser zu wissen.“

Märchen für Erwachsene: Von der Lederfrau geschlagen und dann sinnlich verführt

Beliebtes Motiv: Bestrafung eines jungen Mannes
Und Burt der Antiheld von Gigi Martin? Auch bei Frau Martin finden wir eine ausführliche Begründung, warum er „solche Neigungen“ entwickelte: Er bekam im zarten Alter von 13 Jahren eine Erzieherin, die „fast ausschließlich Lederkleidung“ trug. Um das Klischee vollends abzurunden, gibt ihr die Erzählerin eine Freundin bei, die „selbst tagsüber einen sehr durchsichtigen Morgenmantel, schwarze Spitzenwäsche und hochhackige Pumps trug. Diese Frau wird dann auch zur eigentlichen Verführerin, nachdem die Lederdame dem Jungen ausführlich den Hintern verbläut hatte. Auf diese Weise erklärt die Autorin nun dem verblüfften Publikum: Bestrafung und erlittene Schmerzen waren von diesem Augenblick an für Burt unzertrennbar mit erotischem Genuss verbunden.“ Und man staune: Frau Martin widmet dieser Verführung ein ganzes Kapitel.

Küsse und Schläge im Doppelpack und im Mix

Die Idee ist indessen immer die gleiche: Ein junger Mann ohne jegliche Erfahrung wird von einer reifen Dame nicht nur verführt, sondern sozusagen als „Double Bind“ mit „Küssen und Schlägen“ bedacht, wobei es offenbar nicht reicht, beides nacheinander zu applizieren. Vielmehr muss noch eine deutlichere Prägung her, die den jungen Mann auf immer und ewig verdirbt. Das Vorbild für all diese Varianten mag man im Roman „Gynäkokratie“ suchen. Doch es gibt auch eine andere Erklärung: Männer sind während der Pubertät leicht zu beeinflussen, und sie wünschen sich oftmals tatsächlich den Kontakt zu älteren, erfahrenen Frauen. Wenn diese nun skrupellos genug sind, können sie den Mann in jede beliebige Richtung beeinflussen – also auch zu Verhaltensänderungen oder geschlechtlichen Verwirrungen. Das klingt sogar plausibel, denn manche Jungen sind tatsächlich anfällig für „Doppelbindungen“ an Frauen. Um die Sache wirklich noch in ein psychologisches Schema zu zwängen, wäre dann nur noch nötig, frühkindliche Erfahrungen mit Schlägen und liebevoller Zuwendung im Wechsel einzufügen.

Eher erotische Märchen als Realitäten

Ob es auch realistisch ist, spielt im Roman kaum eine Rolle: wir befinden uns im Bereich der erotischen Märchen, und je mehr wissenschaftliche Pseudo-Fakten verwendet werden, umso ehrlicher wirkt die Autorin. Dabei ist auffällig, wie bildhaft es gerade Frauen benutzen, und es wäre interessant, welche Quellen sie dazu verwenden.

Betrachten wir die vielen Romane, die in der Art der „Gynäkokratie“ verfasst wurden, so treffen wir immer wieder junge Männer an, die in völliger Abhängigkeit von ihrer Erzieherin (Gouvernante) leben. Sie gewährt einzelne Lüste, verbindet diese aber andererseits mit drastischen Strafen. Dieser Fall wird auch bei Gigi Martin angenommen, so skurril die Abhängigkeit auch sein mag, während bei E. L James nicht klar wird, warum eine Fremde die Macht über den ansonsten behütet aufgezogenen Jungen übernehmen konnte.

Abhängigkeit funktioniert nicht nur durch "Liebkosungen und Schläge"

Wer derartige Romane realistischer und aktueller schreiben will, sollte eher auf die Faszination und das sorgsame gehütete Geheimnis der beiden Figuren achten. Und wer sich für Psychologie interessiert, sollte nicht auf Küchenpsychologie hereinfallen, also nicht darum, dass Schläge auf den Po plus Pubertät plus Zuneigung zu der Frau, die schlägt, zwangsläufig zur „Perversion“ führt. Auch viele kleine, sinnliche Gunstbeweise können dazu führen, immer mehr in Abhängigkeit zu geraten. Das Schema ist dann oftmals gleich: Die Frau gewährt eine „kleine Gunst“, die den Jüngling begeistert. Will er diese Gunst erneut erwerben, oder wünscht er sich gar mehr, so werden die Hürden höher gesetzt: Er muss dafür etwas tun oder erdulden, was ihm im Grunde missfällt. Mit der Zeit wird der Preis immer höher – solange bis der Jüngling abhängig wird oder abspringt.

Die Option "Schläge" bietet viel - wir aber meist sehr oberflächlich genutzt

Die „Schläge“, die oftmals benutzt werden, weil sie sehr bildhaft und zugleich schmerzhaft die Macht der dominanten Frau zeigen, sind im Grunde nur ein sensationelles Beiwerk. Allerdings kann gerade die Lust am Schmerz sehr lange und intensiv beschrieben werden, sobald man sich als Autor(in) in die Tiefen der Psyche traut. Und wir können nahezu überall nachlesen, wie wenig dies der Fall ist.

Wer es wagen sollte, wirklich tiefer zu gehen, sollte es tun - und uns sagen, wo er (sie) es veröffentlicht hat.
Bild oben: "Die Gouvernante", aus Frankreich, unbekanntes Copyright. Bild unten: "Der nachlässige Zögling", um 1900, anonym. Textauszüge: "Die Herrin", Berlin 1988, "Shades of Grey", München 2012

Herrin Gnadenlos – Neuauflage von „Die Herrin“

Dieser Tage las ich nochmals „Die Herrin“ von Gigi Martin. Ich hörte, es sei neu verlegt als „Herrin Gnadenlos“ – was dem Inhalt näher kommt. Denn die Heldin ist nicht nur „gnadenlos“, sondern über alle Maßen geldgierig und skrupellos.

Das Werk wurde 1988 zum ersten Mal bei Ikoo verlegt und gewann sofort eine große Anhängerschaft unter mutigen, feministisch behauchten Frauen. Ob das Hauptmotiv der weiblichen Leserschaft damals in den lesbischen Szenen lag oder in der Genugtuung, dass eine Frau mithilfe seiner „perversen Begierde“ einen Mann wirtschaftlich und sozial vernichten kann, mag das Geheimnis der damaligen Leserinnen bleiben.

Der Mann hat selbst Schuld - der Klappentext von 1988

Erzählt wird die Geschichte so, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, einen Mann auf grausame Art zu dominieren, zu entwürdigen und aus Geldgier zu Verbrechen anzustiften.

Der Klappentext bei IKOO war ganz darauf abgestimmt, die Geschichte als „konsequent“ hinzustellen:

Ihre Befehle, Burt zu demütigen, nehmen ungewöhnliche Formen an, sodass sein Leben im selbst geschaffenen Käfig zwangsläufig hinter Gittern endet.


Das ist sicherlich nicht der Fall. Die Heldin ist ein abgehalftertes Fotomodell ohne berufliche Perspektive mit überwiegend lesbischer sexueller Orientierung. Sie lernt zufälligerweise einen Industriellen kennen, der eine Frau sucht, die ihn demütigt. Erstaunlicherweise erweist sich die Heldin von vornherein als ausgezeichnet geeignet für die Tätigkeit, an die sie kalt und emotionslos herangeht – und zwar in einem Maße, dass dieser für sie Verbrechen begeht, an denen sie sich finanziell bereichert.

25 Jahre später - SM-Fantasien als Klappentext

Der neue Klappentext verherrlicht den Inhalt abermals so, dass die von krimineller Energie und Skrupellosigkeit strotzende, männerverachtende Heldin in den Hintergrund gedrängt wird. Stattdessen gerät die konsequent agierende und gekonnt dominierende „Herrin“ in den Vordergrund.

Mit gekonnten Spielchen knechtet und demütigt sie ihren willigen Sklaven und lässt sich jeden Wunsch erfüllen. Halsbänder, Lederslips, Ketten, Peitschen und Rohrstöcke gebraucht die Gnadenlose, um ihren gehorsamen Sklaven mehr und mehr zu peinigen und ihn so zur höchsten Erfüllung zu treiben.


Das Buch enthält sicher einige Szenen, die ganz hübsch ausgearbeitet sind, doch kann es nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Autorin völlig unfähig ist, echte Gefühle zu schildern. Dabei wirken ihre lesbische Szenen weitaus überzeugender als die Szenen, in denen sie ihren „Sklaven“ dominiert. Insgesamt ist es die Geschichte einer selbstherrlichen Frau, die völlig skrupellos andere Menschen benutzt, und sich dabei völlig im Recht fühlt.

Wie Pegging von einer Strafe zu einer Herausforderung wurde

Zitat aus "Weiberherrschaft", Anonym, Ende 19. Jahrhundert
Selbst in den der pornografischen Literatur schwanken die Autoren (und erst recht die Autorinnen), ob eine am Mann vollzogene, instrumentelle Penetration als Strafe oder als Vergnügen zu werten ist. Der Mann auf der Straße steht dem Thema meist gleichgültig gegenüber, oder er ist voreingenommen, und möglicherweise gar empört.

Pegging - absolut inakzeptabel oder doch lustvoll?

Die Vorlauten wollen wissen, dass „so etwas“ nur schwule Männer tun, die „starken Kerle“ behaupten, es sei etwas für Schwächlinge, Weicheier oder gar „Sissys“. Und einige erröten leicht, weil sie entsprechende Erfahrungen haben. Den meisten von ihnen ist es peinlich, darüber zu reden – „passiv anal“, gleich wie die Praxis erfahren wurde, ist und bleibt ein Tabuthema.

Frauen führen "das Zepter" beim Pegging

Kaum jemand kann sich vorstellen, dass Frauen dergleichen gerne und vehement vollziehen. Doch der Mann, der Pegging erleidet oder genießt, geht selbstverständlich davon aus, dass es ihm eine Frau „besorgt“.

Doch genau so ist es – in allen Variationen der analen Stimulation und der besonderen Situation des „Pegging“, sind es Frauen, die das Zepter führen – oder besser gesagt: einen Dildo oder Vibrator, oftmals eine besondere Version, deren Spitze etwas gekrümmt ist. Je mehr Vibration zum Einsatz kommt oder je mehr der Dildo an die männliche Anatomie angepasst wurde, umsomehr dürfen wir auf „Lust“ tippen. Die monströsen, schlecht geführten oder trocken eingeführten Exemplare deuten hingegen auf Strafe, Folter oder sinnlose Herausforderungen des Körpers und der Psyche hin.

Literatur: von der Strafe zum Genuss

Dass es sich im Ursprung um eine Strafe, eine Revanche oder eine Demütigung handelte, steht außer Zweifel. Die Begriffe, die dabei verwendet werden, können wir hier großenteils nicht wiederholen, aber „Bitch“, also „Schlampe“ ist einer von den Harmlostesten für den penetrieren Mann.

Einem anonymen Autor des 19. Jahrhunderts folgend, wird die Strafe als eine Art „Revanche“ dafür angesehen, eine Dame vaginal penetriert zu haben. „Der Pfropfen schmerzte nicht gerade, aber er war fürchterlich unbequem“ heißt es – doch die Schmach, ihn überhaupt von Damen verabreicht zu bekommen, wiegt wesentlich schwerer. Vor allem wenn, wie in dem zitierten Buch, auch noch eine Zuschauerin dazu eingeladen wird. Indessen scheint sich der junge Mann später zu besinnen: Das „Röhrchen, das ihm eingeführt wurde, „brannte, aber es war nicht unangenehm.“

Wesentlich unangenehmer war da die nicht-instrumentelle Penetration einer „Lady Digwell“ in „The Petticoat Dominant“. Sie nahm einfach ihre Finger, was sie zuvor bereits als „unehrenhaft“ für den Mann angekündigt hatte, und ihr Opfer (Zitat)

Stöhnte und weinte, während sie mich gewaltsam niederdrückte und am Ende – oh Schrecken aller Schrecken – ihren Finger tief in mich hineinpresste.


Durchbruch der Lust erst im 21. Jahrhundert

Während des 20. Jahrhunderts gab es einen kurzen Boom ähnlicher Geschichten um Flagellation und anale Strafen, aber erst im 21. Jahrhundert kamen einige Dutzend E-Books sowie noch mehr Artikel auf, in denen die anale Penetration als Lust aufgewertet wurde. Und zwar sowohl bei knackigen Hetero-Kerlen wie auch bei lustvoll weiblich gestylten „Sissys“. Dabei geht es immer wieder um den Zwiespalt zwischen Erniedrigung und Lustgewinn, der auch bleibt, wenn Pegging nicht als „reine Herausforderung“ verstanden wird.

Kaum Gefühlsschilderungen, aber viele starke Gefühle

Die Wonnen der analen Penetration wurden allerdings kaum beschrieben. Und es ist wirklich eine Tatsache, dass viele Männer emotionale und physische Probleme damit haben, sich anal verwöhnen zu lassen. Wobei wir hier definitiv nur von der Penetration mit einem Gegenstand sprechen, und auch nur dann, wenn dieser von einer Frau geführt wird. Solltest du meinen, dass dies schon alles ist – nein, ist es nicht, denn es gibt da noch da noch andere Ängste, Schmerzen sowie Lüste und Wonnen, von denen wir besser nicht schreiben.

Was Männer über Pegging sagen und schreiben

Hübsch fanden wir die Meinung eines etwas älteren Mannes, man müsse darauf achten, dass die „Eintrittsöffnung“ nicht einfach „ein Loch“ sei, sondern dass dahinter ein menschliches Wesen voller Angst und Lust stecke. Bei der Penetration, das wissen dann eher erfahrene Männer, käme es sehr auf den Winkel an, in dem der Dildo eingeführt wird. Letzteres ist unzweifelhaft richtig, denn nur beim sinnlichen Kontakt mit der Prostata wird der volle Effekt der Lust erreicht. Schließlich steht unter den „Top Tipps“ stets noch, dass du gar nicht „zu viel“ Gleitmittel nehmen kannst.

Häufig wird gesagt, dass der Mann unbedingt entspannt sein muss – alles andere sei ein Krampf, und seltener wird darüber informiert, dass die meisten Dildos für Anfänger (natürlich auch Anfängerinnen) zu dick sind.

Zum Vergleich: Ein Damen-Zeigefinger misst ungefähr 15 mm im Durchmesser, und die kleinsten Dildos haben etwa 20 mm Durchmesser. Das reicht völlig aus, um den gewünschten Effekt der Lust zu erzielen.

Pegging - immer noch eine Herausforderung

Eine Herausforderung – das wissen wir aus glaubwürdigen Schilderungen – ist Pegging für einen „gestandenen“ Hetero-Mann immer noch. Doch die Abenteuerlust und das erstaunliche Gefühl, das sich beim Mann (und nur bei ihm) dabei einstellt, treibt eben doch viele Männer an, sich dem enormen Lustgefühl hinzugeben, das sich nur schwer beschreiben lässt.

(wird fortgesetzt, wenn ihr wollt) mehr Informationen (auf Englisch) über alle Arten von Analstimulation. Deutsch recht gut bei Netdoktor.

Hinweis: Wenn ihr über mehr Informationen aus der Literatur zwischen 1900 und 1999 verfügt, die nicht auf den Nachahmern und Plagiaten von "Gynecocracy" ("Weiberherrschaft") beruhen, dann schreibt mir bitte:

Pegging – der Begriff

Der Begriff „Peg“ hat im Englischen viele Bedeutungen. Außer der Wäscheklammer bezeichnet das Wort auch alle Arten von Pfählen, Stangen, Zapfen und Pflöcke. „Off-the-peg“ ist zum Beispiel Konfektionsware, also Kleidung von der Stange.

Pegging – ein neues Wort für eine alte Sexualpraktik

„Pegging“ folgt dem Begriff und bezeichnet zunächst ein Wort für „Pfählen“ oder „Pflocken“. Im weiteren ist es dann ein Begriff für eine bestimmte Art von instrumentellem Sexualverkehr. Er geht auf den amerikanischen Journalisten Dan Savage (2001) zurück.

Eine ungewöhnliche Methode, Männer sexuell zu reizen

Schon 1909 in Deutschland erschienen
Das Wort wurde ursprünglich dafür benutzt, um den mit einem Instrument vollzogenen Analverkehr zwischen einer aktiven Frau und einem passiven Mann zu beschreiben. Bereits der Marquis de Sade soll 1795 dergleichen beschrieben haben. Am populärsten innerhalb der erotischen Literatur dürfte hingegen die Beschreibung in der 1893 veröffentlichten Trilogie „Gynecocracy“ (Gynäkokratie) sein. Dort vollziehen unterschiedliche Frauen (teils als Mann vermummt) den instrumentellen Analverkehr mit einem jungen Mann, der seinerseits in Frauenkleider gesteckt wurde.

Als der Begriff „Pegging“ erschaffen wurde, gingen andere Begriffe für dasselbe Phänomen unter, wie beispielsweise „Strap-on-Sex“, „BoB“ (englisch) oder „Rollentausch“, „den Spieß umdrehen“ oder „Revanche“. Gelegentlich wird auch die englische Umschreibung verwendet „Was gut für die Gans ist, ist auch gut für den Ganter.“

Kaum sinnliche Beschreibungen, aber viel Pornografie

Was er für die Sexualität oder überhaupt für den Mann bedeutet, der Pegging erleidet, erduldet oder genießt, sollte getrennt behandelt werden. Allerdings scheitert dergleichen oft daran, dass Männer, die Pegging erlebt haben, ungerne darüber schreiben, gleich, ob sie die Praktik genossen oder verfluchten. Was die Frauen betrifft, die sich aktiv damit beschäftigen, so scheint es so zu sein, dass die größere Anzahl dabei wenig fühlt, und schon gar keine körperliche Erregung. In der einschlägigen Pornografie kommen gar keine Gefühlsregungen vor, dort wir nur optisch veranschaulicht, was möglich ist.

Wer etwas anderes liest, sollte die Quellen genau überprüfen, dann oftmals stehen Hersteller von „Toys“ dahinter, die angeblich sowohl den aktiven wie den passiven Teilnehmer sexuell reizen sollen.

Lest auch den Folgeartikel, in dem beschrieben wird, wie sich das "Strafpotenzial" in ein "Lustpotenzial" wandelte.

Der Teppichklopfer in mittleren Jahren

Teppichklopfer, Ausklopfer oder Züchtigungsinstrument?
Der Teppichklopfer diente neben dem Ausklopfen des Staubs aus dem Teppich auch der „häuslichen Erziehung“. Einfach deshalb, weil er stets zur Verfügung stand und leicht zu handhaben war. Mit ihm geschlagen zu werden, war nicht so intim wie das Schlagen mit der Hand. Und die Distanz zwischen der strafenden Hand und dem entblößten Gesäß ließ deutlich weniger sinnliche Gefühle zu – für den Schlagende so wenig wie für die Geschlagene. Man sagte ja, dass aber einem gewissen Alter mit dem Abklingen des Schmerzes ohnehin ein sinnliches Verlangen entstehen könnte, und man wollte des auf keinen Fall fördern. Tat man es doch, so könnte die physische Nähe während der körperlichen Züchtigung zwiespältige Gefühle erzeugen – nicht nur körperlich, sondern auch emotional. Heißt es nicht, dass es die Schläge nach Beginn der Pubertät waren, bei denen eine Melange zwischen Strafe und und sinnlichem Genuss entstand?

Nehmen wir an, unsere Figur habe solche Schläge nie erlebt. Die Landkarte der Lust, die durch Schläge entsteht, sei bei ihr noch ganz und gar weiß.

Lena will es wissen ...

Nennen wir diese Figur Lena. Nehmen wir an, dass sie dreißig Jahre alt ist und sich nach einer besonderen Art der Lust sehnt. Es ist ein unbestimmtes Verlangen, aber wenn diese Lena sich etwas in den Kopf setzt, ist sie auch besessen davon, es zu erproben. Der Abenteuergeist unserer Lena paart sich, wie so oft, mit einer gewissen Scheu davor, in ihrem Bestreben erkannt zu werden. Sie würde sich schämen, einer Gruppe beizutreten oder auch nur ein einziges der Instrumente, die erkennbar der körperlichen Züchtigung dienen, im Versandhandel zu bestellen. Also besinnt sie sich darauf, was der Haushalt hergibt: Kochlöffel aus Holz sollen sich gut eignen … und Pfannenwender ebenso. Eine große Haarbürste aus Holz? Nein, eher nicht. Doch da war doch noch ein Teppichklopfer … sie holte ihn also aus der Kammer, nimmt ihn in die Hand und schlägt ein paar Mal in die Luft. Die Luft mag solche Schläge nicht und widersetzt sich, wobei sie ein zischendes Geräusch ertönen lässt. Lena merkt schnell, wie viel mehr Energie sie aufwenden muss, und sie erinnert sich, dass die Energie ja nicht restlos verloren geht. Ganz unphysikalisch ausgedrückt: Sobald der Schlag von einem weichen Gegenstand gestoppt wird, dann knallt es, staubt gewaltig und der träge Teppich leistet etwas Widerstand.

Der Ausklopfer und die Gefühle, die er zu erzeugen vermag

Wie unterscheidet sich nun der Teppich auf der Stange von einem weichen Gesäß? Und welchen Unterschied würde jemand verspüren, wenn er diese Schläge durch einen schützenden Kleiderstoff wie beispielsweise Jeans oder Flanell spüren würde? Und was wäre der Unterschied, wenn Po und Ausklopfer nur ein Baumwollslip trennen würde? Oder gar – überhaupt nichts mehr?

Nun, das Problem würde sich nicht durch Nachdenken lösen lassen. Lena würde wohl nur durch einen Selbstversuch erfahren, welche Empfindungen bei all diesen Prozeduren entstehen könnten.

Und nun …? Nun wird Lena eure Figur … behandelt sie recht sorgfältig, und wenn ihr das Thema tatsächlich aufnehmt, dann schreibt ein paar Zeilen an die Redaktion.

Das Verlangen nach dem süßen Schmerz …

Geschönt oder real? Der süße Schmerz ...
Die Suchmaschinen bieten euch heute alles. "Das Verlangen nach dem süßen Schmerz" wird ersetzt durch „Das Verlangen nach Süßem.“ Da kann jedes Lieschen Müller ihr Scherflein beitragen, nicht wahr?

Das Hirn tickt, versucht Varianten zu finden. Das Verlangen, Schmerzen zu empfinden? Die Lust, Schmerzreize zu empfangen? Die lustvolle Sehnsucht nach dem süßen Schmerz? Oder der „Süße Schmerz“ schlechthin?

In der Romantik finden wie ihn, den süßen Schmerz – meist ist er ein in tiefer Seele empfundener Liebesschmerz, dann und wann auch der Schmerz des Verlustes schlechthin, und schließlich die Lust am Leid der Existenz.

Von Heine sind die Zeilen überliefert:

Ich fühle den süßen Schmerz der Existenz, ich fühle alle Freuden und Qualen der Welt, ich leide für das Heil des ganzen Menschengeschlechts, ich büße dessen Sünden, aber ich genieße sie auch.


Was Heine quält, will Kant wohl gelten lassen:

In Romanen, in denen man sich einer Art von Schmerz gern überlässt und es ist in der menschlichen Natur ein Grund dazu ... an seinem eigenen Schmerz ein Wohlgefallen zu finden.


In diesem Fall ist es die Lust, den Schmerz stark einwirken zu lassen, wohl, um in später endlich zu überwinden. Eher mit der leiblichen Lust hatte es wohl Hoffmann, der sich wie so oft auf die Musik bezog:

Der süße Schmerz der brünstigen Liebessehnsucht, war darin in einfacher Melodie, mit einer Wahrheit, mit einer Stärke ausgedrückt, die jedes fühlende Gemüt unwiderstehlich ergreifen musste.


Soweit der süße, bisweilen bittersüße psychische Schmerz, den Denker und Dichter beobachteten oder selbst an sich erkannten.

Der süße Schmerz - von der Psyche aufs Gesäß

Wie kommt die bittere Süße nun von der Psyche auf das Gesäß? Finden wir die Antwort etwa bei Hoffmann? Dort wird die junge Heldin, Malchen genannt, mit der bitteren Süße konfrontiert, die in Gestalt eines Komponisten auftritt. Sie soll mit entblößtem Gesäß die „Noten a posteriori“ (1) kennenlernen, wobei noch ergänzt wird: „Vielleicht erfindet sie daraus noch eine Philosophie der Musik.“

"Das Verlangen nach dem süßen Schmerz …" vollständig lesen

Solltest du über Ingwer im Po schreiben? Teil 4: Figging allein ist zu wenig

Dieser Beitrag hat vier Teile. Dies ist Teil vier.

Der Ingwer im Po macht noch keine erotische Sensation aus

Figging ist kein Selbstzweck – weder in der Realität noch in einer erotischen Story. Die Prozedur fällt unter die erotischen Machtspiele, und darin wieder in den Bereich körperlicher Züchtigungen. Das Figging ist nur eine Verschärfung.

Erotische Machtspiele entstehen nicht zufällig, sondern aus dem Zusammentreffen einer Person, die sich solche Spiele aus voller Seele wünscht und einer Person, die bereit ist, ihr/ihm dabei zu helfen, sie möglichst wunschgemäß zu verwirklichen. Dabei entstehen vielfältige Beziehungsfacetten zwischen beiden, die teils widersprüchlich sein können. Wenn du dies berücksichtigst, fehlt nun nur noch der Hergang deiner Story, auch Plot genannt.

Die Akteure und der Hergang

Auch das Warten gehört zur Szene
Versuch dir klar zu machen, wie ein ganz gewöhnlicher Geschäftsmann in Nadelstreifen oder eine Geschäftsfrau im strengen Kostüm sich in die Rolle eines willfährigen, unterwürfigen Sklaven begibt. Es kann auch ein neugieriger junger Mann in Jeans oder eine abenteuergetriebene junge Frau im Sommerkleid sein, die/der einer dominanten, reifen Dame verfällt. Jeder Dulder, jede Dulderin unterscheidet sich in ihren Motiven, Wünschen und Wirrungen. Die Motive dominanter Personen sind hingegen meist unklar - und auch wirklich schwer zu erklären. Wie bereits in Teil drei erklärt, ist es für Schreibanfänger dennoch einfacher, aus der Sicht der Dominanz zu schreiben. Der Grund sei hier noch einmal erwähnt: Nur sie können die Handlung als solche beschreiben, versagen aber bei emotionalen Betrachtungen.

Ich sagte schon: Machtspiele entstehen nicht zufällig, sodass dein Plot mindestens drei Teile haben sollte:

(1) Wie sie sich kennenlernten, (Alternativ, wie wie sie erkannten, dass sie derartige Rollen einnehmen wollen). (2) Wie sie dies ausführten und wie mindestens einer der Beteiligten dies in Abläufen und Gefühlen ausdrücken kann, und zuletzt, (3) was sich für mindestens einen der Beteiligten daraus ergibt. In Novellen können als Plots für eine positive Grundstimmung empfehlen sich „Reise und Rückkehr“ oder „Neu geboren“ empfohlen werden. Meist ist damit die Situation des Duldenden gemeint, jedoch kannst du den Spieß auch umdrehen: Ein junger Mann bittet eine an sich wenig bereite Frau, einige „erzieherische Maßnahmen“ an ihm durchzuführen, und sie gewinnt Freude daran.

Na also, einen fünften Teil gibt es nicht. Und damit wir hier „sauber“ bleiben, verzichten wir auch darauf, dir Beispiele oder Dialogfetzen zum heiklen Thema zu überreichen. Ich hoffe, du kommst auch ohne sie zurecht und wünsche dir viel Glück und Erfolg beim Schreiben.

Hinweis: Wir lasen mindestens auf 12 Webseiten, die wir hier zum größten Teil nicht erwähnen können und werteten etliche Rezensionen aus. Die vier Teile des Beitrags gehören zu einem Experiment, einen einzelnen, stigmatisierten Vorgang so zu beschreiben, dass er seine Brisanz verliert.

Solltest du über Ingwer im Po schreiben? Teil 3: Schreiben über Figging?

Dieser Artikel hat vier Teile - dies ist Teil drei.

Und nun gehen wir mal zum Schreiben über – das war doch das Ziel, nicht wahr?

Die interessanten 20 Minuten, davor und danach

Alsbald wird die Prozedur beginnen
Beim Schreiben kommt es sehr darauf an, sich in die Situation mindestens einer der beteiligten Personen hineinzuversetzen. Deine Figur kann also die strafende oder die duldende Person sein, und das Geschlecht spielt keine so große Rolle. Denk dabei daran, dass zum Figging eine umfassende Vorbereitung nötig ist, und dass der Prozess, einmal eingeleitet, so gut, wie nicht mehr zu stoppen ist. Das Brennen, und damit auch das Hitzegefühl und der Schmerz, beginnen nach wenigen Minuten, und halten etwa 20 Minuten an. Während dieser Zeit kann bereits eine weitere „Behandlung“ mit Instrumenten stattfinden – oder sie kann im Anschluss daran erfolgen. Es ist auch denkbar, danach zu anderen analen Lüsten überzugehen.

Aus welcher Sicht willst du schreiben? Eine Kontroverse besonderer Art

Ich empfehle Anfängerinnen, bei der strafenden Person anzusetzen, weil es einfacher ist. Sie kann die duldende Person beobachten, sie trägt die Verantwortung, dass nichts schiefgeht und ist in gleicher Weise für den „korrekten Sadismus“ zuständig.

Der einfache Weg: Aus der Sicht der Strafenden schreiben

Für die Strafende als als Hauptfigur und Erzählerin spricht: Nur die strafende Person hat den Überblick und kann alles beobachten. Der/die Duldende oder „Schmerzgeile“ kann es nicht – er/sie ist mit dem eigenen Schmerz, der eignen Lust, mit dem Abtauchen und Wiederauftauchen aus unterschiedlichen Stimmungen, drogenähnlichen Rauschzuständen und dergleichen beschäftigt. Wie soll diese Person da noch „berichten“? Gegen die Strafende als Hauptfigur spricht freilich, dass sie sich kaum „von etwas zu etwas“ entwickeln kann – das ist übrigens der Knackpunkt bei vielen Domina-Geschichten.

Der dornige Weg: Aus der Sicht der Duldenden schreiben

Doch was würde für den Duldenden sprechen? Er bündelt, wie schon angedeutet, etliche Facetten widersprüchlicher Gefühle, die sich nur schwer in Worte fassen lassen. Doch es ist eine große Herausforderung, einmal zu versuchen, diese „unfrisierten Gedanken“, so zerfetzt und widersprüchlich sie auch sein mögen, zu Papier zu bringen. Wenn wir vom „Plot“ sprechen“, wirst du sehen, dass es meist der Duldende ist, der sich auf die Reise in die Hölle seines „inneren, verbogenen Selbst“ begibt. Wähle also Erzähler oder Erzählerin sorgfältig – ihre oder seien Gedanken sollen deinen Lesern ja „unter die Haut“ gehen. Übrigens kann auch eine ausgesprochen oberflächliche, unglaubwürdige Sub-Figur als Ich-Erzählerin den wirtschaftlichen Erfolg bringen. Erfolg und Glaubwürdigkeit gehören nicht immer zusammen.

Worauf es sonst noch ankommt

Es kommt nun auch noch ein bisschen darauf an, wo du ansetzen willst: ganz am Anfang, also an einem Punkt, an dem die ungeschälte Ingwerwurzel noch im Supermarkt liegt? Zu der Zeit, als sie geschält wird? In dem Moment, in dem sie eingeführt wird? Oder erst dann, wenn sie schon im Anus versenkt wurde? Willst du ein komplettes Rollenspiel beschreiben, in dem das „Figging“ nur ein Teil der lustvollen und/oder schmerzvollen Prozedur ist? Soll es eine selbstständige Kurzgeschichte werden oder willst du die Prozedur in einen Roman einbinden?

Egal, was du vorhast, du brauchst eine Umgebung, in der alles stattfindet, und deine Geschichte muss ein wenig mehr beinhalten, als nur diese eine Sache. „Figging“ ist nicht das Thema. Das Thema heißt eigentlich: Jemand unterwirft sich freiwillig einer anderen Person, um Höllenqualen zu erleiden, die er mit Lust verbindet.

Das sollten wir noch mal ein wenig beäugen, nicht wahr? Und deshalb setzen wir diesen Artikel noch einmal fort - mit "Figging allein ist zu wenig",

Eine Aufgabe zum Thema Unterwerfung und Dominanz gefällig?

So bessert er sich wahrscheinlich nie ...
Manche Schriftsteller(innen) beklagen sich über mangelnde Anregungen für ungewöhnliche erotische Romane, Novellen und Kurzgeschichten.

Meine Anregung wär heute ein Satz von Felix Weiße (1726-1804):

Aber ich denke, wo kein Gefühl von Ehre und Schande ist, da setzt man sich auch wohl über das Gefühl der Stockschläge weg.


Dieser Satz ist nun wahrhaftig ein guter Ansatz für eine Geschichte über eine Körperstrafe, sei sie erotisch oder nicht. Sie wird immer dann erotisch, wenn die Person weiblich, attraktiv, selbstbewusst und engagiert ist, die eine solche Strafe vollziehen soll. Die Geschichte kann im ausgehenden 19. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in England, Österreich oder Deutschland spielen. In der Jetztzeit wirkt sie etwas deplatziert, kann aber gerade dadurch erregend wirken: Dann sollte ein Rollenspiel nach historischem Vorbild zwischen den Beteiligten stattfinden.

Du kannst das Geschlecht ohne Mühe abwandeln – das geht fast immer. Dann hieße der Satz:

Aber ich denke, wo kein Gefühl von Anstand und Scham ist, da setzt sich die Frau auch wohl über das Gefühl der Stockschläge weg.


Eine Frau in den Mittelpunkt zu stellen, kann heikel sein, wenn der Ausführende ein Mann ist. Du kannst dies abmildern, indem du eine ältere Frau als Gegenpart zu der jungen Frau einsetzt, die eine „Verfehlung“ begangen hat.

Bild: "Jim Black", ein Pseudonym aus den 1920er / 1930 Jahren.