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Warum solltest du Masturbieren zum Thema machen?

Der erste Sex ist meist kein Sex zu zweit ...
Im privaten Bereich ist es ein Tabu: Masturbation. Warum sollte es dann in der Literatur zum Thema werden? Eigentlich könnte ich dir eine einfache Antwort geben: weil es so gut wie alle tun. Die Solistin oder der Solist kann sich ganz auf seine Gefühle und Fantasien konzentrieren. Und sie dürfen – wirklich – sehr, sehr „schmutzig“ sein.

Das erlaubt dir, etliche Fantasien in die Masturbationsszene zu integrieren. Das heißt, du beschreibst die Masturbation einerseits und die Fantasien und Assoziationen, die deine Figur dabei hat, andererseits. Frauen und Männer masturbieren recht unterschiedlich, und es ist deswegen für einen Mann nicht einfach, genau zu beschreiben, was eine Frau dabei tut und wie sie empfindet. Umgekehrt ist es allerdings ähnlich. Vielleicht rühren all die oberflächlich geschriebenen Masturbationsszenen daher, dass die Autorin oder der Autor einfach nicht wusste, wie’s beim anderen Geschlecht am besten abgeht … und dabei haben wir noch nicht einmal über Gefühle geredet.

Falls ihr „erotische Entwicklungsgeschichten“ schreiben wollt, also Romane, die sich mit der sexuellen Entwicklung eines Menschen beschäftigen: Vor dem ersten Sex kommt die erste Masturbation, die ja auch eine Art von Sex ist.

Der Voyeur und die Voyeurin - stille, staunende Teilhabe

Eine ganz andere Position ist diejenige der Voyeurin oder des Voyeurs. In diesem Fall beobachtet oder initiiert deine Romanfigur die Masturbation des Partners oder der Partnerin, manchmal auch einer dritten Person. Dabei kann die Icherzählerin beispielsweise sehr genau beschreiben, was der Mann tut, wie sich sein Körper dabei verhält (nicht nur ein Penis) und wie sich all dies ansieht und auswirkt.

Jemand anderen Masturbieren

Eine dritte Variante ist eine Art von Masturbation, die nichts mehr mit Selbstbefriedigung zu tun hat. Hier masturbiert die Hand eines (einer) anderen die Frau oder den Mann – und du kannst die Geschichte aus der Sicht des aktiven oder des passiven Partners beschreiben.

Die Funktion der Masturbation in erotischen Schriften

Wie viel Potenzial solche Szenen haben, beweist die Tatsache, dass sie in vielen ausgesprochen erotischen Romanen verwendet werden. Sie dienen – wie ein Vorspiel – dazu, die Leserin auf lustvoll-schockierende Szenen einzustimmen. Wenn jemand masturbiert, dann muss noch etwas danach kommen und auf dieses „Etwas“ wartet die Leserin fasziniert, egal, was es auch sein mag.

Ob die Figur, die Hand an sich legt, eine Frau oder ein Mann ist, jung oder alt, erfahren oder nahezu jungfräulich – immer wird sie deine Leser damit provozieren, dass sie etwas tut, was „eigentlich“ nicht sein sollte. Sie erhofft sich etwas, sie befürchtet etwas, sie sündigt „wieder den Leib“ oder zerfließt in Wonne und Geilheit, Sinnlichkeit und Abscheu. Und sehr, sehr oft, durchlebt sie während des Masturbierens oder beim Zuschauen das eine wie das andere.

Was macht Frauen beim Thema Masturbation an?

Sehr viele Frauen sind enorm daran interessiert, wie sich andere Frauen selbst Orgasmen verschaffen, um ihre eigenen Orgasmen zu optimieren. Der Beweis dafür kann dadurch erbracht werden, dass wir uns die Verkaufszahlen sogenannter „Toys“ ansehen und die Vehemenz, mit der sie in Blogs detailliert und anwendungs- und gefühlsgetreu beschrieben werden. Zudem ist der Finger zumeist der erste Liebhaber junger Frauen – und einmal entdeckt, begleitet er sie manchmal das ganze Leben lang, gleich, ob Single oder nicht. In vielen Umfragen über sexuelle Fantasien wird bereits vorausgesetzt, dass die Befragten während des Masturbierens fantasieren.

Offizielle Ansichten im krassen Widerspruch zur Lust

In „offiziellen“ Betrachtungen wird in der Regel behauptet, dass es Frauen beschämend finden, zu masturbieren. In ähnlicher Weise hören wir immer wieder, wie ekelhaft es manche Frauen empfinden, Männern beim Masturbieren zuzusehen, während Männer gerne zugeben, dass es sie erregt, wenn Frauen masturbieren. Den Partner zu masturbieren hat hingegen in der weiblichen Fantasie einen hohen Stellenwert.

Den Partner zu masturbieren (Handjob) – 68 Prozent.
Einen Fremden zu masturbieren (Handjob) – 28 Prozent.

Vom Partner masturbiert zu werden (Fingern) 71 Prozent
Von einem Fremden masturbiert werden (Fingern)- 33 Prozent.


Ist etwas dran am Ekelfaktor?

In den letzten Jahren hat sich ein Wandel in der Betrachtung der männlichen Masturbation ergeben. Bisher wurden masturbierende Männer von Frauen in jeder Hinsicht verachtet. Hervorgehoben wurde das „Schmutzige“ an der Masturbation, auch das „Unnatürliche“ oder die „Ersatzhandlung“ für „richtigen Sex“. Und noch immer geraten Frauen in Verzweiflung, wenn der Ehemann heimlich masturbiert. Und tatsächlich „schämen“ sich viele Männer, wenn sie masturbieren, zum Beispiel, weil es „unmännlich“ ist. Und doch mögen manche Frauen das Schauspiel, das ihnen Männer bei der Masturbation oder beim Handverkehr bieten. In jedem Fall gilt Masturbation bei schönen, gepflegten Männern heute durchaus als „erregend“.

Fazit für Autorinnen udn Autoren

Mit der Masturbation beginnt das sexuelle Gefühlsleben vieler Frauen und Männer, und die Lüste, die dabei frei werden, sind durchaus mit jenen vergleichbar, die beim ersten Zungenkuss oder beim ersten Sex hervorgerufen werden. Darüber hinaus ist die Masturbation ein erotisches Thema ganz besonderer Art, wenn man die Faktoren „sich schämen“, „erwischt werden“ oder „bestraft werden“ mit einbezieht.

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte?

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte? Sie beginnt jedenfalls recht oft mit Furcht und Begierde in einer seltsamen Mischung. Und hier fidet ihr auch einen Dialog, der dazu passt.

Bi-Erotik zwischen süßlicher Verführung, Zögerlichkeit und Konsequenz
„Lesbisch“, dies sei vorweggenommen, ist eigentlich keine korrekte Bezeigung für die Liebe, die Lust oder die Leidenschaft, die zwei Frauen miteinander verbindet.

Zunächst einmal handelt es sich dabei um eine Beziehung, die erotische oder sexuelle Wünsche beinhaltet. Keine der beiden Partnerinnen, die in deiner Geschichte zusammenkommen, müssen „wirklich lesbisch“ sein. Die Bandbreite schwankt zwischen Neugierde, Wollust, Abenteuer, Sinnlichkeit und Verführungskunst. Meistens – auch das ist wie „im richtigen Leben“ - gibt es eine Verführerin und eine Verführte, wobei sowohl die eine wie die andere ohne Vorsatz handeln kann.

Wie so oft, müssen drei Komponenten zusammenwirken:

Die latente Lust auf „frau“.
Ein gewisses Gefälle in lesbischer Erfahrung und Leidenschaft.
Eine Situation, in der es möglich ist, eventuelle Hemmungen abzulegen.

In älteren britischen Romanen ist es das Internat, in dem allerlei seltsame Beziehungen mit erotischer Aura entstehen. Je erotischer beziehungsweise pornografischer die Werke sind, umso mehr wie „Klartext“ gesprochen. Nehmen wir das „Picknick am Valentinstag“, so umweht uns der Hauch der Erotik unter den jungen Frauen, aber auch die Zuneigung der Erzieherinnen zu ihnen. Diese angedeuteten Liebesbeziehungen oder das nicht ausgelebte Lustverlangen wird in vielen Internats-Romanen weitaus mehr strapaziert, in England typischerweise in Verbindung mit spielerischen oder realen Körperstrafen.

Das Zögern spielt im lesbischen Roman eine große Rolle

Soweit „Zärtlichkiten“ betroffen sind, spielt das Zögern eine große Rolle. Die Heldin hat durchaus männliche Verehrer, zögert aber, sich ihnen hinzugeben. Auch der Verführerin weicht sie aus, solange es ihr möglich ist. Am Ende wird die Bi-neugierige oftmals in eine Honigfalle gelockt. Dabei sind die erfahrenen Verführerinnen oftmals nicht eben zimperlich.

Ein Plot und der entscheidende Dialog dazu

Die Szenerie könnte so sein: Ihre Figur nächtigt mehrere Male bei ihrer guten Freundin, und tatsächlich kommt es zum Austausch sanfter Zärtlichkeiten. Die Leidenschaft wird aber überdeckt von der Furcht, die Freundin hernach zu verlieren. Ein Versuch, darüber zu sprechen, scheitert ebenfalls aus Scham, aber auch aus Furcht davor, das Tor zur lesbischen Liebe auszustoßen.

Einige Tage später sitzt sie mit einer anderen Frau zusammen – sehr gesellschaftskonform. Doch die andere ist faszinierend, selbstbewusst und eine erfahrene Verführerin. Man trinkt, die Bedenken gegen die Person der anderen werden fortgespült, bis dieser Dialog beginnt (1):


„Magst du eigentlich Frauen?“
„Wie meinst du das?“
„Du weißt, wie ich es meine.“
„Ich bin nicht bi oder so – auf keinen Fall.“
„Das heißt, ich gefalle dir nicht?“
„Doch, doch, aber ich will nicht …“
„Nicht zwischen meine Schenkel - meinst du das?“
„Ich habe nie daran gedacht, so etwas …“
„Du lügst schlecht, Schätzchen.“
„Nein ich … ich will es einfach nicht.“
„.. wahrhaben …“
„Was meinst du damit?“
„Du willst nicht wahrhaben, dass du nach Lust riechst und deine Augen begierig über meinen Körper wandern, nicht wahr?“


Verlassen wir nun diese heftige Szene. Dort, wo wir sie gelesen haben, ist sie noch viel heftiger, absolut schamlos und mit intimen Schilderungen des Körpers der Verführerin wie auch der Verführten gespickt.

Die meisten Bi-Geschichten leben von unendlichem, aber unterdrücktem Verlangen und der Furcht, es auch tatsächlich an den Tag zu legen. Insofern kann die Heldin durchaus mehrere Stufen durchlaufen, von zärtlichen Näherungen, zufälligen Berührungen und zögerlichem Verhalten bis hin zur leidenschaftlichen Hingabe, in der nur noch die Sinneslust zählt.

In wessen Armen die Heldin am Ende landen wird – das legst nur du fest, die Autorin. Meist ist es nicht die Verführerin, sondern eine andere Frau – und dann und wann sicher auch - ein Mann.

(1) Der Dialog wurde von Isidora nach einem Beispiel der Literatur "verflacht". Der Original-Artikel erschien in "Sinnlich Schreiben vom Mai 2018, kurz bevor das Blog aufgegebnn wurde.

Die Wahrheit über geschriebene Dialoge - nicht nur in der Erotik

Schlechter Dialog? Sie sehen doch, ich lerne noch!

„Wir man Dialoge schreibt“ ist eine Erfindung spitznasiger Deutschlehrer und naseweiser Lektoren. In Wahrheit existiert keine Anweisung dazu. Auf der Grundschule lernen wir den Gebrauch der wörtlichen Rede, und man lehrt und, wie wir unsere Schulaufsätze damit erleuchten können. Tatsächlich lernen wir gar nichts außer Zeichensetzung dabei, und auch unsere Schulaufsätze werden damit leider oftmals nicht erhellt, sondern verunstaltet.

Sehen wir uns einmal an, was wirklich geschieht, wenn wir einen Dialog führen:

1. Unsere Sätze kommen „in Kladde“ aus uns heraus, teils unvollständig, teils grammatikalisch fehlerhaft, teils stockend. Manchmal überhöhen wir das, was wir eigentlich sagen wollten, manchmal vulgarisieren wir es.
2. Menschliche Kommunikation folgt Regeln, aber nicht den Regeln, die wir in der Schule lernen. Daraus ergibt sich eine unglaubwürdige Kommunikation, die wir überall in der Literatur wiederfinden können.
3. Kommunikation ist mehr als Sprache, sie ist in Wahrheit „Verhalten“. Das heißt: Wir kommunizieren auch dann, wenn wir vorgeben, nicht zu kommunizieren.
4. Unsere Körpersprache sagt mehr als unsere Worte. Unser Augen sprechen mit, und selbstverständlich spielt auch der Tonfall eine Rolle.
5. Viele der Dialoge, die wir in der Literatur vorfinden, wirken konstruiert, weil sie „an einem roten Faden“ entlang aufgebaut werden. Das ist lebensfremd. Wir können nicht erwarten, dass Gesprächspartner exakt auf unsere Frage antworten. Im Dialog weichen Menschen aus, antworten auf etwas, das wir gar nicht fragten, werden sprachlos.
6. In Deutschland so gut wie unbekannt ist die Umsetzung von Gedanken in Worte, die erhebliche Tücken hat. Was nützt es uns, wenn wir nur Sätze schreiben, aber nie darüber, wie sie aus uns „herausgerutscht“ sind und was wir eigentlich meinten?
7. Auch die Rückübersetzung hat ihre Tücken. Woher wollen Sie im wirklichen Leben wissen, dass sie „wirklich“ verstanden wurden? Gehen Sie im Roman einfach davon aus, dass Ihre Figuren einander verstehen? Oder dass Ihre Leserschaft versteht, worüber Ihre Figuren reden?

Vielleicht erkennen Sie jetzt, warum sogar Bestseller-Autorinnen keine brauchbaren Dialoge schmieden können, zumal dann nicht, wenn dabei die Gefühle wogen.

In diesem Artikel bin ich nicht explizit auf erotische Dialoge eingegangen. Das ist auch gar nicht nötig, denn hier soll nur ein Dilemma aufgezeigt werden, das sich von der Grundschule bis in angeblich „hochwertige“ literarische Elaborate fortsetzt: Die Sprachlosigkeit, sobald es um Dialoge geht.

Foto: Historisch, montiert und nachkoloriert.

Dieser Artikel erschien erstmalig im April 2016 auf "Sinnlich Schreiben", einem Blog, der demnächst aufgelöst wird. Alle relevanten Beiträge dieser Art werden unter "Januar 2018" erneut veröffentlicht.