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Dating, wenn du besondere Wünsche hast …

Komm ... aber wohin will sie dich führen?
Also, das sage ich dir gleich: echt „abweichende Interessen“ beim Dating sind schwer zu verwirklichen. Wenn du damit direkt an den Markt gehst, ziehst du Neugierige, echt Perverse und Dummbacken an. Das Blöde ist ja, dass du entweder auf Seiten gehen kannst, auf denen nur Lust gesucht wird, aber bloß keine Beziehung oder auf Seiten, wo eine Beziehung gesucht wird – aber nicht mit „solchen“ Lüsten. Ja, da geht vielleicht ein bisschen „Blümchensex Plus“ aber das reicht ja manchem nicht, oder?

Einschlägige Seiten - Nischenseiten oder gewöhnliche Singlebörsen?

Ich geb ja nie Empfehlungen, aber die Leute, die sich auf „einschlägigen Seiten“ tummeln, sind oft nicht die, auf die du bauen willst. Also wird deine Welt vielleicht doch so eine ganz gewöhnliche Single-Börse sein. Da geht natürlich auch was, weil manche Singles den Blümchen-Sex satthaben.

Das Foto kann Verborgenes zeigen

Meine Freundin Gritt behauptet immer, „ich bin ein wirklich braves Mädchen“ wäre schon ganz gut, weil dann jeder glaubt, dass du nicht ganz so brav bist. Ein Lederhalsband macht sich auch immer gut, oder eine locker am Handgelenk hängende Handfessel. Nimm eine, die aussieht wie ein Schmuckstück. Leder macht sich sowieso immer gut – der Enthusiast erkennt, was du bist und wie du bist, und die anderen denken einfach, du hast einen besonderen Modegeschmack. Und natürlich Korsetts – egal, ob du Sub oder dominant bist – es ist für alle ein Hingucker.

Soft-SM - was soll denn das heißen?

In letzter Zeit liest man ja oft „Soft-SM ist OK“ – und das kann heißen: „Bitte nicht zu soft“ oder „ich weiß zwar nicht´, wovon ich rede, aber ich hab‘ davon gehört.“ Schreib lieber: „eine herausfordernde Beziehung“, dann klingelt beim anderen, dass du ihn hart rannehmen willst – oder er dich hart rannehmen soll. Ich weiß, das Wort „rannehmen“ klingt blöd, aber mir fiel kein besseres ein.

Medien erwähnen , in denen deine Neigung vorkommt

Bücher und Filme zu erwähnen sind auch OK – das gibt es sogar ein paar Mainstream-Filme, die du erwähnen kannst. („Secretary“ vielleicht oder sogar noch „9½ Wochen?). Bei Büchern nimm auf keinen Fall die SoG – das ist Kleckerkram für lüsterne Muttis. Nimm einen Roman, der wirklich unter die Haut geht, und dessen Inhalt man bei Buchhändlern (online oder im Geschäft) anlesen kann.

Nicht zu offen sein

Wenn du etwas schreibst, das jeder versteht, kann dich auch jeder angreifen – und unter den „Vanille-Leuten“ (Blümchensexliebhabern) gibt es genügend Idioten, die das tun werden. Wenn du also schreibst: „Ich bin verrückt danach, dass du mir die Flötentöne beibringst“, oder „ich will dich zu meinen Füßen sehen, elendiger Wurm“ dann ist das einfach zu klar ausgerückt. Außerdem lockt es echt Leute an, die nicht alle Tassen im Schrank haben.

Na gut … oder doch nicht? Ich bin ja mal echt gespannt, wie ihr eure Partner findet, wenn ihr ein bisschen mehr wollt als ein kuscheliges Ehebett. Beim Online-Dating? In Chats? In Klubs oder Bars? Oder sprecht ihr einfach einen Mann an (oder eine Frau, natürlich), ob sie an „etwas Besonderem“ interessiert ist?


BDSM ist nicht ganz das, was SIE denken

S/M - die sinnliche Art, lustvoll zu leiden
Viele – zu viele, wie ich meine – reden über BDSM – geradezu so, als stünde der Begriff so fest wie ein Kriegerdenkmal. Doch die Frage ist, ob man „organisierten Insidern“ die Definition überlassen sollte, was richtig, falsch, gut oder schädlich ist. Und letztlich muss man auch fragen, ob „BDSM“ wirklich ein stimmiger Begriff ist oder ein Sammelsurium von Meinungen, Ideologien, Praktiken und Lebensweisen. Ich will es für heute kurz machen, nicht alles hinterfragen, sondern vor allem differenzieren. Dann bekomme ich folgendes Bild:

Was ist BDSM wirklich?

Eine Bewegung, die besondere sexuelle Lüste aus der Schmuddelecke herausbrachte

Erstens eine Bewegung, die aus dem Untergrund an die Öffentlichkeit gegangen ist, um die besonderen Lustvarianten, die sie ausüben, deutlicher zu machen und sie dem „Geheimen“ zu entreißen. Diese Bewegung ist das Urgestein der Aufklärung über das, was sie selbst als „BDSM“ definiert haben.

Ein Netzwerk, das eine Subkultur darstellt

Zweitens ist sie eine Gruppierung von Menschen, die örtliche und überregionale Vereinigungen bilden, Bücher und Zeitschriften herausgeben und eine Art Subkultur bilden, die auch außerhalb wahrgenommen wird, zum Beispiel in der Mode. Ein Teil dieser Personen geht an die Öffentlichkeit und findet das, was sie tun, auch wirklich „chic“.

Eine neue Untergrund-Kultur?

Drittens ist es weiterhin eine Subkultur, die teils neu entstanden ist und auch neue Praktiken und Verfahrensweisen propagiert, wie „noncon“ und „Tunnelspiele“. Sie sind die umstrittenste Gruppe.

Ein Erwerbszweig im Bereich sexueller Dienstleistungen

Viertens ist es ein Erwerbszweig für sogenannte „Dominas“, die teils an der Subkultur hängen, teils aber auch ausschließlich aus finanziellen Erwägungen handeln. Ihre Kunden sind Kunden, und sie sind Dienstleister und kaum mehr.

Die besondere Lust einzelner Personen oder Paare

Fünftens ist es als „Sadomaso“ eine Lust von Paaren und Einzelpersonen, die sich in frivolen Rollenspielen engagieren, ohne zur Szene zu gehören oder sich damit verbunden zu fühlen.

Kritik an BDSM unerwünscht?

Interessant ist, dass Kritiker an BDSM stets damit rechnen müssen, von „der Szene“ angegriffen zu werden, auch wenn einige von ihnen religionsähnliche Ideologien oder gefährliche, menschenfeindliche Thesen vertreten.

Ideologen gegen Ideologen - ein dümmlicher Kampf

Bedauerlich dabei ist allerdings auch, dass die Kritiker(innen) oftmals selbst aus ideologischer (feministischer/religiöser/konservativer) Überzeugung gegen das Ausleben von als „BDSM“ bezeichneten Lüsten sind. Man wünscht sich dann mehr Offenheit, Liberalismus oder Toleranz gegenüber jenen, die wissen, was sie tun und dazu stehen.

Sehen wir einmal in ein sehr altes, recht humorvoll und pragmatisch geschriebenes Buch über S/M, dann lesen wir im Grunde nichts als Versöhnliches:

Sadomasochismus handelt vom Fabulieren über Sexualität, vom Abmischen von Fakten und und Fantasien, Dramen und Komödien, Traditionen und Innovationen. Das Verschlingen und Komplizieren von Gefühlen ist keine empfehlenswerte Praxis, wenn wir unseren Alltag ansehen. Aber gerade solche Praktiken geben uns die Möglichkeit, uns selbst zu entdecken und unsere Sexualität weiterzuentwickeln.


Es könnte Menschen geben, die schon immer einen Hang dazu hatten, sich neuen und herausfordernden Lüsten hinzugeben. Andererseits mag es solche geben, die erst durch andere „auf den Geschmack gekommen“ sind. Und es mag sein, dass in jeder Lust ein bisschen Sadismus und Masochismus wohnt. Das alles ist so normal, dass man gar nicht darüber erden müsste. Aber offenbar besteht ein Bedürfnis danach – und deshalb steht dieser Artikel hier.

Zitat von Miller/Devon, Fairfield 1995.

Informationen zu Masochismus, Sadismus und BDSM

Die ZEIT hat entdeckt, dass immer mehr Menschen dazu neigen. Die etwas härteren Gangarten der Lust zu erproben. Das Vokabular, das sie verwenden, klingt allerdings so, als hätten sie viele Bücher gelesen.

Bondage und Disziplin, Dominanz und Unterwerfung, Sadismus und Masochismus – oder einfach kurz BDSM. Wir sprechen über Sex mit Fessel und Peitsche, über Rollenfantasien mit Doktorspielen und Petplay.


Es klingt – in meinem Ohr – etwas klischeehaft, doch sagt die ZEIT, sie wolle eher gängige Klischees abbauen, wie sie beispielsweise in den bekannten Machwerken von E. L. James (Erika Leonard) und den daraus entstandenen Filmen verwendet werden. (Trilogie „50 Shades of Grey“, Roman „Grey“).

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Hoffen wir mal, dass es die erhoffte Erleuchtung bringt. Dafür soll die Ärztin und Sexualtherapeutin Melanie Büttner sorgen.

Ich war etwas belustigt über den Hinweis, „die Wortursprünge von Sadismus und Masochismus“ habe der Psychiater Richard von Krafft-Ebing erläutert. Krafft-Ebing hat den Begriff „Masochismus“ in absolut böswilliger und abfälliger Weise aus Namen des Autors Leopold Ritter von Sacher-Masoch abgeleitet (also erfunden) und sich dabei auf sein Werk „Venus im Pelz“ bezogen.

Na schön, immerhin enthält der Beitrag einen Verweis auf die berühmte Studie zu sexuellen Abweichungen von Joyal & Cossette & Lapierre aus dem Jahr 2014. In ihr wird dargestellt, wie häufig sexuelle Fantasien sind, und wie sich solche Fantasien bei Frauen und Männern unterscheiden. Diese Studie lieht mir vor, und ich zitiere häufig daraus.

Wir hatten noch eine unveröffentlichte Betrachtung, die zum Thema BDSM passt - und hier ist sie.