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Verführung – was ist das eigentlich?

Erfolgreiche Verführungen - wer fühlt sich wirklich wohl dabei?
Zwischen dem Leben, das ein Mensch kennt und dem Leben, das dieser Mensch möglicherweise noch kennenlernen könnte, liegt eine Hürde. Manchmal ist es nötig, sie zu überwinden, dann aber auch überflüssig. Will jemand die Hürde beiseite räumen, so ist dies ein Risiko mit Chancen und Gefahren.

Wem das zu theoretisch und langatmig als Einführung war, der sollte sich vergegenwärtigen, dass über kaum ein anderes Verhalten soviel Lügen, Irrtümer und Falschinformationen existieren wie über die Verführung.

Im Volksmund heißt sie auch Verlockung oder Verleitung, bei Lateinern Seduktion, und bei den Christen Versuchung.

Hürden abzubauen ist ein Teil des Lebens - mit Hilfe oder ohne

Die Hürde zwischen dem jetzigen Leben und einer Veränderung in der Zukunft kann auf vielfältige Art abgebaut werden, auch durchaus seriös und keinesfalls immer mit erotischen Bezügen. Verhaltenstherapeuten und psychologische Berater tun es auf Anforderung, um dem Betroffenen ein besseres, angstarmes oder reichhaltiges Leben zu ermöglichen.

Verführer bauen Hürden aus Eigennutz ab

Verführer hingegen tun etwas anderes: Sie versuchen aus purem Eigennutz, einen Menschen auf die andere Seite der Hürde zu ziehen. Zum Beispiel, um sich einen besonderen erotischen Genuss zu gönnen und sich wegen des Erfolgs dabei großartig zu fühlen.

Nachdem dies gesagt ist, lohnt es sich, einen Blick auf den Gegenpart zu werfen, nämlich die Verführte oder den Verführten.

Verführt ...

Eine verführbare Person ist üblicherweise eine Person, die die Hürde spürt, die ihn von den möglichen Risiken trennt, und die dennoch gelegentlich davon träumt, diese Hürde zu überwinden – aber nicht geplant und nicht aus eigener Kraft. Es gab Träume, Wünsche und vielleicht auch Hoffnungen, aber keine Aktionen, um dies zu realisieren. Bei ausgesprochen heftigen Gelüsten mögen sich sogar Ekel und Widerwillen mit dem lustvollen Traum gepaart haben.

Was muss nun geschehen, damit es zu einer Verführung kommt?

Nun, das ist einfach. Man benötigt eine Person, die Freude daran hat, die Rolle des Verführers (der Verführerin) zu übernehmen und jemanden, der seine Selbstkontrolle vorübergehend aufgibt, um nicht wirklich verantwortlich für das zu sein, was geschehn wird. Zumeist existierte bereits zuvor eine latente Bereitschaft, den lange gehegten Traum zu verwirklichen. Zudem wird eine Situation benötigt, die schon von Grund auf erotisch ist: eine romantische Sommernacht, eine Party, auf der einzelne Paare bereits ineinander verwicklet sind oder auch nur eine späte Stunde, in der man sich einsam fühlt.

Erwachsen, bewusst und möglichst ohne Alkohol

Wir erwähnen an dieser Stelle ausdrücklich, dass es sich bei den Verführten um Erwachsene handelt, die im Vollbesitz ihrer körperlichen, geistigen und emotionalen Kräfte sind. Also Menschen, die üblicherweise wissen, was sie tun und die nicht zu angeschickert sind.

Verführmethoden - ganz traditionell

Verführer oder Verführerin haben verschiedene Möglichkeiten, um die Hürden abzubauen. Häufig wird die Salamitaktik verwendet, in der man schichtweise versucht, die Hemmungen abzutragen, um dabei Lüste freizulegen und Ängste abzubauen. Die Königinnen und Könige der Silberzungen nutzen einschmeichelnde Worte, und die wahren Künstlerinnen und Künstler heben ihre Partnerinnen oder Partner sanft über den Zaun, sodass sie sie sich gar nicht bewusst sind, gerade die eigene Hürde zu überwinden. Bei all diesen Methoden wird die Neugierde der Person ausgenutzt, die verführt werden soll – und manchmal eben auch darauf gewartet hat, eine genüssliche Verführung zu erleben.

Nach der Verführung fühlen sich Verführerinnen und Verführer zumeist ausgesprochen wohl, weil sie ihr Ziel erreicht (oder übertroffen) haben.

Die Gefühle der Verführten - nach der Verführung

Der oder die Verführte allerdings muss nun überlegen, welche Konsequenzen aus den Erfahrungen gezogen werden können: nie wieder, gerne wieder? Und falls jemand die Wiederholung wünscht: beim nächsten Mal vielleicht etwas selbstbewusster oder genussvoller?

Merkwürdigerweise hört man von den Verführten oft: „Mir ist überhaupt nicht klar, warum ich so etwas tun konnte.“ Wer so etwas sagt, wird noch einmal über sich selbst nachdenken müssen, um beim nächsten Mal die besseren Entscheidungen zu fällen. Hingegen ist recht verständlich, dass sich viele Menschen nach einer passiven Verführung ein wenig schämen, weil sie ihre Selbstkontrolle vorübergehend aufgegeben haben.

Fazit

Fassen wir noch mal zusammen:

1. Verführungen entstehen, wenn ein Mensch aus Eigennutz die Hürde eines anderen abbaut.
2. Verführt werden heißt, bestimmte Hürden nicht aktiv oder geplant zu überwinden, sondern einem anderen die Verantwortung dafür zu überlassen.
3. Die Verführung wird begünstigt, wenn eine erotische Grundsituation oder Umgebung stimulierend wirkt.
4. Werden mit der Verführung seitens der/des Verführten erotische Träume erfüllt, so kann dies zu einer Lebensbereicherung führen.
5. Nach der Verführung lohnt es sich zumeist, über das Erlebte nachzudenken, aber nicht, es zu verdammen.



Anderer Meinung? Selbst mal verführt worden? Und ist es ein Vorteil oder ein Nachteil gewesen? Sag uns, was DU denkst. Oder lies nach bei lilli.

Bild: Buch-llustration, 1895