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Bi-Sexualität – ein Thema für Sinnlich Leben?

Mancher wird sich noch erinnern: Hier wurde "The Prisoner" gedreht
Einer der Grundsätze, die wir bei „Sinnlich Leben“ sehr ernst nehmen, ist der, Menschen nicht zu etikettieren. So wie es damals in den Episoden des „Prisoners“ heiß („Nummer Sechs“):

Ich lasse mich nicht zwingen, stoßen, abstempeln, einstufen, werten, abwerten oder nummerieren.


Genau in diesem Sinne verfahren wir mit der Sexualität: Wir etikettieren nicht, wir bewerten nicht und wir werten nicht ab. Und als „bisexuell“ bezeichnet zu werden, ist ein Etikett, das mit einer Abwertung verbunden ist.

Menschen sind sexuell. Das wissen wir, und das akzeptieren wir. Wenn wir trotz alledem die begriffe „Homosexuell“, „Heterosexuell“ und gar „Lesbisch“ (lesbisch ist homosexuell) gebrauchen, dann, weil sie anderwärts Verwendung finden und wir sie notgedrungen übernehmen müssen. Also, wenn wir beispielsweise gefragt werden:

Wie schreibe ich die Geschichte einer lesbischen Verführung, wenn ich nicht lesbisch bin?


Dann können wir nicht antworten:

„Es gibt keine lesbischen Verführungen, sondern nur Verführungen.“

Klischee - spektakuläre Verführung unter Frauen
Aber wir können sagen, dass der Unterschied nicht sehr groß ist: Alle Verführer(innen) haben ein gemeinsames Schema, nach dem sie vorgehen. Es ist allgemein bekannt, wenngleich es viel Namen hat und in etlichen Variationen angeboten wird. Und um bei der Sache zu bleiben: Eine Verführung zwischen Frauen bedeutet nicht, dass die verführte Frau Heterosexuell sein muss, und auch nicht, dass die andere Bisexuell oder Lesbisch sein muss, Das sind Klischees. In Wahrheit kann jede Frau jede andere verführen – die Hürden liegen nicht sehr hoch. Nur die Energien sind nicht überall gleich verteilt.

1. Wenn du eine Frau bist, verführt deine Heldin ihre Frau so, wie du auch einen Mann verführen würdest: zärtlich, verbindlich, aber raffiniert und dabei konsequent, das heißt, ohne zu zögern.
2. Wenn du ein Mann bist, stell dir vor, dass du eine zurückhaltende, innerlich aber bereits vor Lust brennende Frau zärtlich und mit viel Einfühlungsvermögen verführst. Und genau das wird deine Heldin tun.

Tabuthema Männer: Niemand will "schwul" sein, aber alle wollen Lust

Schwieriger wird es, wenn in deinem Roman ein Mann einen anderen Mann verführen soll. Männer haben traditionell oder kulturell eine „eingebaute“ körperliche Berührungsangst vor dem eigenen Geschlecht. In der Literatur wendet man einen Trick an: Man nimmt den Männern die Angst, indem man eine Frau ins Spiel „einmischt“ oder indem man den Mann in Unsicherheit darüber hält, wer ihn befriedigt.

Ein wichtiger Unterschied: Sein oder genießen, es zu tun?

Noch zwei Nachsätze für kluge Menschen, die dies lesen:

„Homosexuell“ (auch lesbisch, bisexuell oder dergleichen) zu sein heißt, sich so zu definieren und nicht anders.
„Homosexuelle erotische Praktiken“ zu verwenden, ist Teil eines Spiels mit der Sexualität, das mit der Lust am Ungewöhnlichen chargiert.

Das war es eigentlich. Ich hoffe, ich habe den Autorinnen/Autoren unter euch geholfen.

Bild oben: © 2018 by Liebesverlag.de
Bild unten: Titel eines Heftromans unbekannter Herkunft.

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte?

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte? Sie beginnt jedenfalls recht oft mit Furcht und Begierde in einer seltsamen Mischung. Und hier findet ihr auch einen Dialog, der dazu passt.

Bi-Erotik zwischen süßlicher Verführung, Zögerlichkeit und Konsequenz
„Lesbisch“, dies sei vorweggenommen, ist eigentlich keine korrekte Bezeigung für die Liebe, die Lust oder die Leidenschaft, die zwei Frauen miteinander verbindet.

Zunächst einmal handelt es sich dabei um eine Beziehung, die erotische oder sexuelle Wünsche beinhaltet. Keine der beiden Partnerinnen, die in deiner Geschichte zusammenkommen, müssen „wirklich lesbisch“ sein. Die Bandbreite schwankt zwischen Neugierde, Wollust, Abenteuer, Sinnlichkeit und Verführungskunst. Meistens – auch das ist wie „im richtigen Leben“ - gibt es eine Verführerin und eine Verführte, wobei sowohl die eine wie die andere ohne Vorsatz handeln kann.

Wie so oft, müssen drei Komponenten zusammenwirken:

Die latente Lust auf „frau“.
Ein gewisses Gefälle in lesbischer Erfahrung und Leidenschaft.
Eine Situation, in der es möglich ist, eventuelle Hemmungen abzulegen.

In älteren britischen Romanen ist es das Internat, in dem allerlei seltsame Beziehungen mit erotischer Aura entstehen. Je erotischer beziehungsweise pornografischer die Werke sind, umso mehr wie „Klartext“ gesprochen. Nehmen wir das „Picknick am Valentinstag“, so umweht uns der Hauch der Erotik unter den jungen Frauen, aber auch die Zuneigung der Erzieherinnen zu ihnen. Diese angedeuteten Liebesbeziehungen oder das nicht ausgelebte Lustverlangen wird in vielen Internats-Romanen weitaus mehr strapaziert, in England typischerweise in Verbindung mit spielerischen oder realen Körperstrafen.

Das Zögern spielt im lesbischen Roman eine große Rolle

Soweit „Zärtlichkiten“ betroffen sind, spielt das Zögern eine große Rolle. Die Heldin hat durchaus männliche Verehrer, zögert aber, sich ihnen hinzugeben. Auch der Verführerin weicht sie aus, solange es ihr möglich ist. Am Ende wird die Bi-neugierige oftmals in eine Honigfalle gelockt. Dabei sind die erfahrenen Verführerinnen oftmals nicht eben zimperlich.

Ein Plot und der entscheidende Dialog dazu

Die Szenerie könnte so sein: Ihre Figur nächtigt mehrere Male bei ihrer guten Freundin, und tatsächlich kommt es zum Austausch sanfter Zärtlichkeiten. Die Leidenschaft wird aber überdeckt von der Furcht, die Freundin hernach zu verlieren. Ein Versuch, darüber zu sprechen, scheitert ebenfalls aus Scham, aber auch aus Furcht davor, das Tor zur lesbischen Liebe auszustoßen.

Einige Tage später sitzt sie mit einer anderen Frau zusammen – sehr gesellschaftskonform. Doch die andere ist faszinierend, selbstbewusst und eine erfahrene Verführerin. Man trinkt, die Bedenken gegen die Person der anderen werden fortgespült, bis dieser Dialog beginnt (1):


„Magst du eigentlich Frauen?“
„Wie meinst du das?“
„Du weißt, wie ich es meine.“
„Ich bin nicht bi oder so – auf keinen Fall.“
„Das heißt, ich gefalle dir nicht?“
„Doch, doch, aber ich will nicht …“
„Nicht zwischen meine Schenkel - meinst du das?“
„Ich habe nie daran gedacht, so etwas …“
„Du lügst schlecht, Schätzchen.“
„Nein ich … ich will es einfach nicht.“
„.. wahrhaben …“
„Was meinst du damit?“
„Du willst nicht wahrhaben, dass du nach Lust riechst und deine Augen begierig über meinen Körper wandern, nicht wahr?“


Verlassen wir nun diese heftige Szene. Dort, wo wir sie gelesen haben, ist sie noch viel heftiger, absolut schamlos und mit intimen Schilderungen des Körpers der Verführerin wie auch der Verführten gespickt.

Die meisten Bi-Geschichten leben von unendlichem, aber unterdrücktem Verlangen und der Furcht, es auch tatsächlich an den Tag zu legen. Insofern kann die Heldin durchaus mehrere Stufen durchlaufen, von zärtlichen Näherungen, zufälligen Berührungen und zögerlichem Verhalten bis hin zur leidenschaftlichen Hingabe, in der nur noch die Sinneslust zählt.

In wessen Armen die Heldin am Ende landen wird – das legst nur du fest, die Autorin. Meist ist es nicht die Verführerin, sondern eine andere Frau – und dann und wann sicher auch - ein Mann.

(1) Der Dialog wurde von Isidora nach einem Beispiel der Literatur "verflacht". Der Original-Artikel erschien in "Sinnlich Schreiben vom Mai 2018, kurz bevor das Blog aufgegebnn wurde.