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Die Vorgänger des Online-Datings - und was davon heute noch existiert

Zeitungsanzeige um die 1900ter Jahrhundertwende
Es gab viele Vorgänger des Online-Datings. Die ersten waren „Ehesuche per Korrespondenz“, bei denen zunächst Briefbekanntschaften vermittelt wurden, die sich dann zu Beziehungen entwickeln sollten. Diese Methode entwickelte sich noch zu den Zeiten, als die Sterblichkeit am Kindbettfieber hoch war – also in der Zeit zwischen 1823 und 1848. Damals standen sehr viele Männer anschließend plötzlich mit Kindern, aber ohne Frauen da, und in der damaligen Zeit galt dies als unerträglich. Aus einer anderen Sichtweise hatten die „bürgerlichen Stände“ ihre liebe Not, die weniger schönen Töchter an Männer „loszuwerden“. Auch sie griffen dann oft zu dem „heute nicht mehr ungewöhnlichen Mittel der Ehesuche per Korrespondenz“ oder per „Annonce“.

Ehesuche per Korrespondenz und per Zeitungsanzeige

Neben der „Ehesuche per Korrespondenz“ gab es die Ehemakler und die einst verfemten, später durchaus beliebten Zeitungsannoncen, deren Blütezeit im 20. Jahrhundert begann – und sie hielt bis Ende der 1990er Jahre an und ist immer noch nicht ganz vorbei. Nun muss man wissen, dass diese Zeitungsanzeigen hakelig waren, weil sie nahezu immer unter „Chiffre“ veröffentlicht wurde und man nicht erkennen konnte, ob die Personen real waren. (Dies ist im Übrigen bis heute so).

Der Rechenknecht als Kuppler - Partnersuche digital

Doch im Herbst 1965 kamen dann zwei amerikanische Studenten, Jeffrey C. Tarr und Vaughan Morrill III die Idee, das bisherige umständliche und wenig erfolgreiche „mixing“ (1) durch ein Dating-System zu ersetzen: Operation Match. Zu diesem Zeitpunkt wurden Jeffrey C. Tarr, David L. Crump and Vaughan Morrill als Gründer genannt.

Viele Fragen zu Vorlieben - mit Computern ausgewertet

Es bestand aus 75 Fragen, die partnersuchende Studenten über sich selbst beantworten mussten, und 75 Fragen zu den Wunschpartnern. Das ausgefüllte Papier musste sodann auf Lochkarten übertragen werden – anschließend wurde es mit einer IBM 1401 (1959 vorgestellt, 2) ausgewertet. Nach etwa drei Wochen – so wird berichtet - konnten die Teilnehmer dann die sechs „passendsten“ Matches in Empfang nehmen – auf Papier ausgedruckt mit Namen und Kontaktdaten.

Die Fragen waren – und das lässt aufhorchen – keinesfalls wissenschaftlich sondern rangierten von grundlegend bis leicht anrüchig, so, wie sich die Initiatoren selbst sich ihre Vorlieben beim anderen Geschlecht vorstellten. Die Sache war ausgesprochen erfolgreich, obgleich sie nahezu ausschließlich auf dem Campus bekannt gemacht wurde.

Der Erfolg des "digitalen Matchings" blieb aus

Ein wirklicher Erfolg wurde es dennoch nicht – denn nachdem die erste Euphorie verfolgen war, interessierte diese Art des „Matchmakings“ immer weniger Studenten und auch ihre Gründen verloren das Interesse an ihrem „Baby“. Man verkaufte es kurzerhand, wie einer der Gründer sagte, „zu einem sehr geringen Preis.“

Warum das Verfahren letztlich nicht erfolgreich wurde? Man kann darüber nur spekulieren. Einer der möglichen Gründe besteht darin, sich zu wenig Studentinnen meldeten – der Frauenanteil an vergleichbaren Aktionen in Deutschland war sehr gering. Und: Da jedem Mann und jeder Frau „sechs passende Matches“ versprochen wurden, trat mit Sicherheit der Kardinalfehler solcher Systeme zutage: Manche „Profile“ wurden inflationär ausgesandt, um auf die versprochenen sechs Matches zu kommen. Das bedeutete letztlich, dass die Frauen (und manche Männer) die diese Kontaktdaten bekamen, mit zahllosen Anrufen belästigt wurden. Datenschutz war ein völlig unbekanntes Wort.

Spekulation und Realität - wie war es in Deutschland?

Der vorausgegangene Absatz ist insofern Spekulation, als ich die Verhältnisse auf einem Campus in den USA der 1960er Jahre nicht beurteilen kann. Ich habe ihn aus den Ereignissen der 1980er Jahre in Deutschland abgleitet, als es ebenfalls eine Agentur gab, die behauptete, über ein derartiges System zu verfügen. Die Mängel waren aber so erheblich, dass sie nach wenigen Versuchen wieder aufgab – besonders der fehlende Datenschutz und die Quasi-Veröffentlichung von Telefonnummern im großen Stil erbosten die Frauen damals ungeheuerlich.

Der Computer als zuverlässiger Partnervermittler?

Die Beteiligung eines Computers am Auswahlprozess ist im Übrigen vielfach als „Werbemittel“ benutzt worden – und das ist bis heute nicht anders, nur dass man heute von „Algorithmen“ spricht. Der Einsatz des Computers ist heute eine wirtschaftliche Notwendigkeit, und keinesfalls eine Geheimwaffe, um “bessere Matches“ zu erzeugen. Im Grunde ist die Sache ganz einfach: Man gibt vor, wissenschaftlich zu arbeiten und tut am Ende nichts anderes, als einige Kriterien zu vergleichen und ein paar Empfehlungen auszudrucken. Wie hoch die Hürden für die „Übereinstimmung“ gesetzt werden, weiß im Grunde nur der Programmierer, und ob es tatsächlich Übereinstimmungen sind, weiß niemand, den die tatsächlich verwendeten Parameter werden als „Firmengeheimnisse“ eingestuft und entziehen sich der Nachprüfung.


(1) Mixing – Bekanntschaften über die Vermittlung von DJs schließen.
(2) nach anderen Quellen auf einer IBM7090 (1962 vorgestellt)


Die meisten Fakten stammen aus dem Artikel aus "The Crimson", aber auch aus anderen Quellen, die frei zugänglich sind.
um Thema "Geschichte der Partnersuche" gibt es auch einen Artikel in der Liebe Pur von mir.

Die Grenze: Wann machst du dich zur Ware?

Das Äußere, der Charme - alles lässt sich vermarkten - aber willst du das?
Machst du dich durch Online-Dating zur Ware? Ich meine: auf keinen Fall - aber die Frauen zwischen 1918 und 1968 taten es sicherlich mehr, als sie zugaben.

Wenn ich gelegentlich vom Partnermarkt rede, dann höre ich sofort eine mächtige Gegenstimme, die mir sagen will: „Ich bin doch keine Ware!“

Das zeigt einerseits, wie wenig die angeblich so gebildeten Menschen unserer Zeit von Ökonomie verstehen – und anderseits den Widerwillen von Menschen, als „Verfügbar“ angesehen zu werden – auch, wenn sie es im Prinzip sind.

Warum der Markt unausweichlich ist

Um es kurz zu machen, alles in drei Punkten

1. Jeder Partnersuchende ist Marktteilnehmer, ob er das für sich akzeptiert oder nicht.
2. Der Markt regelt sich nach Angebot und Nachfrage.
3. Niemand ist eine Ware, nur weil er sich am Markt befindet.

Frauen leiden besonders darunter, wenn man ihnen sagt, dass sie sich „am Markt“ befänden, „sich den Marktbedingungen beugen müssen“ oder gar „ihren Marktwert einschätzen“ sollten.

Das alles ist unglaublich wichtig – aber es hat gar nichts damit zu tun, eine Ware zu sein.

Wie Frauen früher Körper und Charme vermarkteten

Interessant wird das Thema, wenn man sich in die Ursprünge des sogenannten „Datings“ einklinkt. Dabei versuchten die jungen Frauen in der Zeit zwischen dem Ende des Ersten und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs sich möglichst appetitlich herauszuputzen, um ein Date mit einem möglichst attraktiven Mann zu bekommen. Alles lief zu Marktbedingungen ab, und dieses Verhalten hatte tatsächlich Warencharakter, weil diese Frauen untereinander konkurrierten. Und weil dies alles in den USA stattfand, musste es nicht unbedingt Entsprechungen in Deutschland geben.

Die Historikerin Beth Bailey (1) schrieb über jene Zeit:

Du hast konkurriert, um bekannt zu werden, und bekannt zu sein, erlaubte dir, weiterhin zu konkurrieren. Konkurrenz war der Schlüsselbegriff in der Formel.


Schon damals trennte man die populären „Girls“ in gute und schlechte. Die „Guten“ erreichten ihren Aufstieg durch ihr „nettes Wesen“, ihre Art, Liebe ohne nennenswert sinnliche Gunstbezeugungen zu zelebrieren oder einfach durch ihre äußerliche Schönheit. Die „Schlechten“ versuchten, einen Vorteil aus ihren Dates zu ziehen, indem sie in begrenztem Maße sexuelle Gunst gegen Einladungen und Geschenke tauschten. Kurz: Jede dieser Frauen vermarktete sich, hielt dabei aber eine gewisse Distanz zu dem Eindruck, sich jemandem „an den Hals zu werfen“. (2)

Ein ähnlicher Markt bestand in Deutschland bis in die 1960er Jahre hinein, und er beruhte auf der Idee, freitags oder samstags „tanzen zu gehen“. Das beutete kaum mehr, als sich körperlich so zu präsentieren, dass die Männer aufmerksam wurden. Es war teilweise der reine „Fleischmarkt“, weil sich die Damen stets „attraktiv“ positionieren mussten - und es erwies sich zumeist ebenfalls als ein würdeloses Konkurrieren.

Die Vermarktung von "Körper und Charme" lässt nach

Obgleich es ähnliche Tendenzen bis heute gibt, hat die Methode der „Vermarktung von Körper und Charme“ doch stark nachgelassen. Die Hauptursache dafür liegt in einer Kombination von Emanzipation und wirtschaftlichem Erfolg. Denn die US-Frau wie die deutsche Frau von damals brauchte einen Mann, um etwas zu gelten, und um eine gesicherte soziale und finanzielle Zukunft zu haben.

Das alles ist Schnee von gestern. Und weil das so ist, muss niemand mehr befürchten, als Ware auf den Partnermarkt zu gehen, sondern sie oder er benötigt nur noch Einsicht in die eigenen Möglichkeiten und Grenzen. Wer sie hat, kann sich frei und selbstsicher im Partnermarkt bewegen wie der Fisch im Wasser.

(1) Baltimore, 1988, zitiert nach Hanne Blank in "Straight"
(2) Die Entwicklung konnte erst nach dem Ersten Weltkrieg einsetzen. Dazu schreibe ich noch einen weiteren Artikel für euch mit aktuellen Zeitbezügen.

Null Risiko bei der Partnersuche?

So groß ist das Risiko nun wieder nicht ...
Zuerst einmal hätte ich da ein Zitat, das ich all dem hier vorausschicken will:

Online wie offline ist Partnersuche nicht nur eine Hoffnung, sondern immer auch ein Risiko, dass man enttäuscht, verlassen, oder nicht fündig wird. Dieses Risiko kann das Online-Dating nicht senken.


Ich mag euch, die ihr dies lest, noch sagen: Partnersuche ist gar keine Hoffnung, sondern ein Prozess, und sie ist zwar ein Risiko, aber deshalb noch keine Gefahr. Risiken beinhalten immer die Möglichkeit des Scheiterns wie des Gewinns. Und insofern ist die Partnersuche ganz selbstverständlich ein Risiko – was sonst?

Menschen bezahlen sehr, sehr hohe Preise dafür, möglichst risikolos an den Partnermarkt zu gehen. Partnervermittler konventioneller Art wollen ein paar Tausend Euro, Online-Vermittler kratzen (2018) bereits an der 1.000-Euro-Grenze.

Aus der Sicht des Konsumenten (des Partnersuchenden) scheint in den Versprechen all dieser Unternehmen der Faktor „Sicherheit“ eine große Rolle zu spielen. Mancher sagt sich gar: „Tausche zwei 500-Euro-Scheine gegen die absolute Sicherheit.“

Womit ich beim Thema wäre: Die zwei (manchmal reicht auch einer) „Lila Scheine“ haben mit Sicherheit gar nichts mit "Sicherheit" zu tun, denn die Suche nach einem Fremden als dauerhaftem Partner (männlich wie weiblich) ist aus vielen Gründen niemals „absolut sicher“. Weder in der Durchführung noch im Ergebnis.

Warum du Risiken eingehen musst

Das liegt nicht an den Unternehmerinnen und Unternehmern. Es liegt allein (und ausschließlich) an der oder dem Suchenden.
Seht mal: Mit Geld könnt ihr keine Sicherheit kaufen, sondern bestenfalls die Illusion, euer Risiko zu mindern. Und da wäre ich schon beim Punkt:

Je höher das Risiko, desto höher die Chancen auf einen großen Gewinn. In gleichem Maße wächst die Gefahr – aber die kann man abfedern.

Je geringer das Risiko, umso schwächer sind die Chancen auf einen erheblichen Gewinn – und auch die Verluste sind nicht mehr so tragisch.

Bei einem Nullrisiko sind die Chancen auf einen Gewinn gleich null oder ausschließlich zufällig.

Bei einem Negativrisiko (übergroße Vorsicht) steigt die Gefahr, betrogen zu werden – Gewinne sind gar nicht zu erwarten.


Und nun kommt der ultimative Satz: Du kannst dir keine Risikofreiheit kaufen, denn das Risiko bestimmst du selbst. Nur du. Und ich rate dir: Lies die letzten vier markierten Sätze noch einmal. Sie eignen sich für alle Lebenslagen, in denen du etwas erreichen möchtest.

Zitat aus: Südkurier (2017)
Bild extrahiert aus einem Pulp-Cover von 1952

Schockierende Wahrheiten über Sugar Babys

Süss sein - die Süße spielen - was bedeutet dies wirklich?
Ein „Sugar Baby“ ist nichts mehr als eine jugendliche Geliebte, die finanziell ausgehalten wird. Eine Geliebte zu werden, ist eine Entscheidung, die jede Frau für sich selbst fällen muss, und dafür eine finanzielle Entschädigung auszuhandeln, ist eine Frage der ethischen Grundeinstellung.

Wer hat nun aber ein Interesse daran, das „Sugar Baby“ schön zu reden? Die jungen Frauen, die sich als jugendliche Geliebte verdingen, wohl kaum. Sie verfolgen ihre Ziele beharrlich unter dem Deckmantel eines Doppellebens, das sie schützt. Anders die Dating-Agenturen, die im Internet Kontaktzonen für „Sugar Babys“ und „Sugar Daddys“ zur Verfügung stellen.

Sugar Baby - ein Dasein ohne Sorgen?

Glaubt man ihnen, so ist das Sugar-Baby-Dasein ein Leben ohne Sorgen, denn der „Sugar Daddy“ sorgt für Studiengebühren und Lebensunterhalt, und etwas Luxus fällt dann auch noch ab – meist durch Einladungen und teure Geschenke. Man spricht vornehm von einer „Allowance“, also einer „Apanage“ oder frei verfügbaren Summe, die monatlich sicher und zuverlässig aufs Konto fließt, um die Lebenshaltungskosten zu sichern und vom „Sponsoring“ der jungen Frauen.

Also: Sorgenfrei studieren, dazu einen verlässlichen älteren Freund und Lover haben, der für alles aufkommt und zudem noch verständnisvoller Förderer und erfahrener Lover ist?

Die Versprechungen sind enorm. Man hört von „Allowances“ von bis zu 3000 EUR, GBP oder USD. Doch dabei vergessen viele, dass sich nur wenige Männer leisten können, solche Summen regelmäßig auszuzahlen. Und falls der Sugar Daddy wirklich sehr hohe Summen spendiert, erwartet er allzeit die spontane Bereitschaft, dass sein „Sugar Baby“ ihm lustvoll und barrierefrei Premium-Sex schenkt.

Versprechungen und Realitäten

Ob diese Beträge tatsächlich so hoch ausfallen? Beobachter der Szene sind skeptisch. Wer 50.000 Euro im Jahr netto verdient, wird seinem Sugar Baby maximal 500 Euro pro Monat anbieten können. Das sind immerhin schon 12 Prozent seines Nettoeinkommens. Es gibt geringere und höhere Zuwendungen, aber das Maximum liegt nach glaubwürdigen Berichten bei etwa 2000 EUR, GBP oder USD. Und weil der „Sugar Daddy“, der so viel Geld einsetzen möchte, die freie Wahl unter den Frauen hat, die sich als „Sugar Baby“ anbieten, kann er auch die Geliebte wechseln, wenn er nicht zufrieden mit ihrer „Begleitung“ ist.

Offenbar ist die Bereitschaft zu festen monatlichen Netto-Zuschüssen (Allowances) ohnehin nicht sonderlich ausgeprägt. Wir lasen, dass die „Zahlungsmoral“ der Sugar Daddys offenbar nachgelassen hat:

Die meisten Sugar-Baby-Beziehungen werden entweder über wöchentliche Zahlungen in bar abgewickelt oder auf der Basis „Er zahlt, wenn er dich braucht“.


Eine Geliebte, die Emotionen für eine Flatrate anbietet?

Ist dies bei Beziehungen mit einem festen Beitrag zum Unterhalt besser? Oft hört man: „Eine Sugar-Daddy-Beziehung verläuft wie jede andere Beziehung auch.“ Eine sehr zweifelhafte Behauptung. Schon die Beziehung zu einer unbezahlten, romantischen Geliebten verläuft in der Regel nicht „wie jede andere Beziehung auch“ und eine Beziehung gegen Geldzahlungen ist eine wirtschaftliche Übereinkunft, bei der Emotionen gegen Geld getauscht werden und keine Beziehung aus Leidenschaft. Dies wird auch deutlich, wenn man genau liest, was die Autorinnen und Autoren schreiben:

Außer beim ersten Date wird der Sugar Daddy bei jedem Date Sex erwarten.


Was im Grunde und recht schnörkellos bedeutet, durch die monatliche „Allowance“ eine „Flatrate“ auf Sex erworben zu haben – jedenfalls aus der Sicht des Sugar Daddys.

Das Fatale: Trotz der vielen Unwägbarkeiten gibt es ein Überangebot an Sugar Babys. Aus wirtschaftlicher Sicht könnte man sagen: Ein Überangebot verschärft den Wettbewerb, drückt die Preise und führt zu einem Verfall der „üblichen“ Usancen und Vereinbarungen.

Warum wir unsere Betrachtungsweise zum Thema verändern

Was heißt dies für die Liebeszeitung und unser Magazin „Sinnlich Leben“? Knallhart: Wir müssen das Thema der „Sugar Babys“ und des „Sugar Datings“ in Zukunft noch kritischer behandeln, als wir es ohnehin schon taten.

Anderer Meinung? Dann heraus damit! Wir hoffen auf sinnvolle Kommentare.

Dieser Artikel erschien zuerst in der "Liebeszeitung".- das Datum wurde beibehalten.
Hinweis zu den Quellen: In nahezu jedem Artikel, der in Zeitungen, Zeitschriften, Foren oder Blogs zum Thema erscheint, wird mehr oder weniger unverblümt für einschlägige Dating-Agenturen geworben. Dies gilt auch für eher kritische Berichte.Aus diesem Grund veröffentlichen wir unsere Quellen nur selten.

Was treibt Frauen dazu, nur Lust und Wonne anzustreben?

Gibt es Frauen, die nur nach sexueller Erfüllung streben, wenn sie Männer treffen? Und was treibt Frauen dazu, nur Lust und Wonne im Kopf zu haben, wenn sie Dates eingehen?

Männer, die das sogenannte Online-Dating betreiben, können ein Lied davon singen: Immer mehr Frauen streben ausschließlich nach Sex oder nach sehr kurzen, hochemotionalen Affären. Diese Tatsache wird öffentlich erfolgreich verschleiert: Nach den Gesetzen gewisser psychologischer Flachhirne wollen Männer meist schnell und bedingungslos Sex, während Frauen sich mindestens zuvor verlieben wollen.

Nach den Motiven zu fragen, ist zwar für die meisten Männer müßig, aber angesichts der gängigen Vorurteile und Tabus für Journalisten sogar außerordentlich mutig. Der folgende Artikel fasst einige der Verhaltensweisen zusammen und versucht wenigstens zu erklären, warum viele Frauen keine Beziehungen eingehen wollen.


Lust ist ein Gefühl für sich - es hat nichts mit Liebe zu tun

Dating-Ziel der Frau: Lust und Wonne?

Das Ziel, beim Date (Online-Date oder Gelegenheits-Date) nichts als Lust und Wonne erreichen zu wollen, steht Frauen nicht auf der Stirn geschrieben. Der Grund dafür ist bekannt: Sie wollen unter gar keinen Umständen unter „Schlampenverdacht“ geraten. Und weil dies nun mal so ist, annoncieren sie mehrheitlich nicht in einschlägigen Anzeigenblättern oder bei Sex-Dating-Unternehmern, sondern erstellen Profile, wo andere es auch tun: bei ganz normalen Singlebörsen. Im Grunde genommen kann der Mann heute kaum noch unterscheiden, ob die suchenden Frauen eine lebenslange Beziehung oder eher eine hübsche Affäre wünschen. Sie selbst wissen es allerdings genau: Je seriöser die Anzeige oder das Profil und je verdeckter die eingestreuten Hinweise auf Lüste sind, umso eher findet sich ein „gewöhnlicher“ Mann. Einer, der verführbar, lustvoll, liebevoll und am Ende tolerant genug ist, die Wünsche der Frau zu akzeptieren und seine eigenen zurückzustellen.

Das Thema „exklusive Lust“ ist nicht ganz neu für Frauen

Übrigens ist das alles nicht so neu, wie es zu sein scheint. In den Jahren zwischen 1970 und 1990 annoncierten zahlreiche Frauen, namentlich Akademikerinnen, entweder unter „Heiraten“ oder in den deutschlandweit seriösesten Bekanntschafts-Rubriken, wenn sie einen Lover suchten. In den etwas luftigeren Anzeigenspalten, etwa in den Wochenzeitschriften, wurde man deutlich: dort heiß es „für alles Schöne“ oder „für alles, was zu zweit mehr Freude bereitet“. Gemeint war mit beidem „für Erlebnisse in Lust und Wonne“.

Einer der Gründe war, vorerst keine feste Beziehung zu wollen, aber mit einer Affäre auf keinem Fall vor Ort „erwischt“ zu werden. Dies war typisch für ledige Akademikerinnen und örtliche Respektspersonen in Kleinstädten. Das ist bis heute so. Ein anderer Grund, nicht „erwischt“ werden zu wollen, ist sicherlich, dass man bereits in einer festen Beziehung lebt und lediglich Lust auf einen Seitensprung“ hat. Nachdem diese beiden Gründe genannt wurden, müssen einige andere auf den Tisch, über die sehr selten gesprochen wird.

Ein bunter Strauß von Gründen für Nur-Sex-Beziehungen

Manche der Frauen, die kurzzeitige Beziehungen ohne jede Verbindlichkeit wollen, leiden psychisch oder emotional, und teils sind sie von Süchten betroffen. Sie wissen, dass sie sich selbst (und dem Mann) keine Beziehung zumuten können, wollen aber auf die Lust nicht verzichten. Neben diesen Erkrankungen, die medizinische Namen führen, sind es Persönlichkeitseigenschaften ohne Namen, die eine Beziehung erschweren. „Sex ja – Beziehungen“ nein ist dann die Lösung, die Distanz schafft. Körperliche Leiden, namentlich unheilbare, sind gelegentlich der Grund, wenigstens die Wonnen der Lust noch einmal ausführlich zu genießen. Manche Frau schwankt – nicht nur in jungen Jahren – zwischen Frauen und Männern und manche andere zwischen „seriösen“ Sex-Beziehungen dun farbenfrohen Abweichungen von der „Normalität“. Auch soziale und sogar religiöse Gründe können eine Rolle spielen: Die Mutter will ihrer Tochter nicht zumuten, dass ein neuer Mann in ihr Leben tritt, aber auf Lüste nicht verzichten. Die frisch geschiedene Katholikin kann sich in ihrer Umgebung nicht mit einem Atheisten sehen lassen, aber sie kann durchaus einige lustvolle Nächte an einem fernen Urlaubsort verbringen.

Keine Zeit für Beziehungen – für Sex schon

Die neuste Variante ist die, „keine Zeit für Beziehungen“ zu haben, was eigentlich bedeutet: „Beziehungen sind mir viel zu anstrengend“. Wenn „sie“ weiß, dass sie nur am Donnerstag ab und an einmal den Abend frei hat, dann kann sie entweder einen Escort-Mann anheuern oder sich einen Mann aus dem Internet suchen, dem sie irgendein Märchen erzählt, warum ihr leider keine Beziehung möglich ist. Auf diese Weise werden auch zahlreiche Wochenenden in Lust und Wonne verplant.

Lust ist Lust ... und alterslos ...
Das Alter spielt merkwürdigerweise kaum eine Rolle. Es gibt Frauen jeden Alters, die aus einem der genannten (und manchen anderen) Gründen „a la carte“ leben und jeweils den Mann genießen, der ihnen als nächster über den Weg läuft.

Die Wissenschaft ist blind für das Thema „Frau und Lust“

Wissenschaftlich ist dies Phänomen kaum erforscht – es scheitert an dem Dogma, dass Frauen keinen Sex ohne Liebe erfahren können und wollen. Es gibt kaum einen größeren Unsinn als diese Aussage. Denn das Erlebnis sexueller Lust ist eine ganz gewöhnliche Empfindung, die rein gedanklich, optisch oder taktil beginnen kann und die dann vom Gehirn ausgehend in körperliche Wonnen übergeleitet und schließlich von Orgasmen belohnt wird.

Frauen wie dich kenne ich …

Zeigen, wer du wirklich bist ...
Hey, Miss … du meinst, wir Männer neigen dazu, euch „gar nicht richtig“ kennenzulernen? Da fass ich mir doch an die Stirn und frag mich „was denn von euch?“ Euren Geist? Eure Schnuten? Eure „Machart“?

Wenn ihr wollt, dass wir euch „richtig“ kennenlernen, dann zeigt uns doch mal, was richtig und wichtig und wertvoll an euch ist.

Ich bin mir sicher, das kaufen wir, wenn es uns gefällt. Und dann treffen wir euch auch wieder … und vielleicht wird dann etwas mehr draus.

Klar sagen wir manchmal, dass ihr „attraktiv seid“ oder dass ihr „sehr schön seid“ oder „einen guten Geschmack habt“. Also hey? Wollt ihr das Gegenteil hören? Dass ihr euch nicht einmal anziehen könnt? Dass eure Bildung abgeguckt und eure Gefühlswelt aufgeschminkt ist?

Keine Lust am Streit mit einer Frau

Die meisten von uns bleiben sehr, sehr höflich, solange wir euch in die Augen sehen, und wenn ihr dann endlich fortgegangen seid, sagen wir manchmal: „Schade, vielleicht hätte ich ihr sagen sollen, dass …“. Und dann erinnern wir uns an „Frauen wie dich“, die genau in diesem Moment angefangen haben, sich herumzustreiten.

Seht ihr: Und so etwas können wir echt nicht brauchen.

Als Reaktion auf Stern-Neon.
Foto vermutlich aus einem französischen Studio des 19. Jahrhunderts