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Show – don’t tell nicht als ein Mythos?

Bullshit - diese Sätze wollen wir nicht lesen ...
„Erzähl mir nicht, dass der Mond scheint. Zeig mir den Glanz seines Lichts auf zerbrochenem Glas“ (Anton Tschechow,1).

Schreibschulen, die das „kreative Schreiben“ lehren, sind immer ganz versessen darauf, diese merkwürdigen Begriff zu verwenden: „Show, don’t tell“. Er darf in keinem Seminar fehlen – doch was bedeutet er eigentlich konkret?

Die Verben, die plakativ Gedanken und Gefühle bezeichnen

Da ist sehr einfach: der Satz bezeichnet eine Steigerung des anschaulichen Schreibens. Wer sich daran hält, vermeidet die üblichen Fehler. Einer der schlimmsten Anfängerfehler besteht demnach darin, Verben zu verwenden, die Gedanken bezeichnen, aber nicht beschreiben können. Dazu gehören nach Auffassung der Befürworter des „kreativen Schreibens“ vor allem die verbalisierten Begriffe von Denken, Wissen, Verstehen, Bemerken, Glauben, Wollen, Erinnern, Vorstellen oder Verlangen.

Sicher gehört dazu auch der häufige Gebrauch des „Fühlens“ – ein Kardinalfehler bei Schreibanfängern. In Erotik-Geschichten lesen wir zum Beispiel:

„Ich fühle mich seltsam glücklich und zufrieden.“
„Ich lag allein im Bett und fühlte, wie nass mein Slip war.“
„Ich fühlte, wie sein Penis in mich eindrang“.


Versuchen wir, diese verbalisierten Hohlwörter zu umgehen, dann heißt es für uns zunächst „beschreiben, nicht benennen“ und im zweiten Schritt „bildhaft beschreiben, statt rein verbal zu beschreiben“.

Aus den folgenden Sätzen habe ich einen herausgegriffen, um zu zeigen, wie es gehen könnte:

„Plötzlich spüre ich, wie ich nach ihm verlange.“
„Ich verstand ihn sehr gut.“
„Ich glaube, dass sie mehr will als sie zugibt.“
„Ich stelle mir vor, dass sie bereits nackt neben mir liegt.“
„Ich erinnerte ich daran, wie mein ‘erstes Mal’, war.“


Ich nehme nun den ersten Satz, analysiere ihn und verändere den Text, also: „Plötzlich spüre ich, wie ich nach ihm verlange.

Hier wird das Wort „Spüren“ verwendet. Es steht in diesem Zusammenhang eher für für ein „instinktives Gefühl“ als für eine „körperliche Wahrnehmung“, und also wissen wir nicht einmal, was unsere Protagonistin „spürt“, und auch ihr „Verlangen“ ist nichts als ein Wort. Die Figur „spürt ihr Verlangen“ – und das kann sehr viel oder sehr wenig bedeuten.

Beschrieben würde es so heißen:

Plötzlich beginnt mein Unterleib zu zittern, zuerst fast unmerklich, dann so, dass er nach Aufmerksamkeit schreit, nach Lust giert. Nein, nicht nach meinem Finger, sondern danach, dass mich dieser Mann endlich vögelt.


Wenn du solche Ausdrücke scheust, geht es auch so:

Plötzlich kann ich mich nicht mehr konzentrieren, auf gar nichts. Meine Gedanken sind wie weggeblasen, und langsam schleicht sich die Lust ein. Nicht eine dieser unklaren Lüste, bei denen dein Kopf zurückfällt und du die Decke anstarrst, wenn sie dich überfallen. Nein, eine sehr konkrete Lust befällt mich: Ich will einen Mann. Mein Körper verlangt danach, meine Gedanken kreisen sich um nichts anderes mehr, und meine Psyche wird zu einem offenen Kelch, der befüllt werden will.


Diese Texte lassen sich erheblich farbiger ausschmücken, und auch so, dass sie deine Leserin wesentlich geiler machen, als wir dies hier vorschlagen.

Und nun, zum Schluss, verrate ich dir, wie du das ganze Buhei auf einen einfachen Nenner bringen kannst:

Schreib nicht darüber, was es ist – schreib einfach, wie es ist.


Das bedeutet „Show don’t tell“, wenn du es stark vereinfachst. Wenn du dann noch so schreiben kannst, dass deine Worte deine Leserin in Geist,Gefühl und Körper befeuern – dann hast du gewonnen.

(1) Da ich kein Russisch spreche, habe ich den Satz nach der englischen Übersetzung wiedergegeben.

Die Lust, einem Mann die Leviten zu lesen

Nadelstreifen schützen nicht vor Unterwürfigkeit
Ich sehe in seinen Augen, wonach er sich sehnt. Er möchte, dass ich das Fleisch seines schönen Hinterns gerbe, aber das passiert nicht einfach so. Er muss mich schon bitten, ja, er muss mich anflehen, es zu tun. Dieser Hundeblick … nur, dass mein Hund nach Leckerli bettelt, und dieser Mann bittet um Hiebe.

Schließlich sagt er einfach: „Bitte schlage mich … bitte.“ Ich lache spöttisch: „Im Anzug mit Krawatte? Kommt da nicht wenigstens die Hose runter?“ Er will sich sogleich der Nadelsteifenhose entledigen und beginnt schon, die Schuhbänder zu öffnen. So leicht will ich es ihm nicht machen.

„Stopp!“, sage ich scharf, „was trägst du darunter?“
„Einen Slip, Miss Jane, einen schwarzen Herrenslip.“
„Würdest du nicht lieber Damenwäsche tragen, so mit Nylons und Strapsen?“

Er wird sofort puterrot und schluckt. Ich weiß, dass er wortgewandt und gut erzogen ist, und warte gespannt auf die Antwort.

„Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, so etwas zu tun.“
„Noch nie …?“

Er schweigt.

„Du hast nicht nur darüber nachgedacht, nicht wahr?“

Er nickt kaum merklich.

„Sprich es aus … oder geh wieder. Du bist hier nicht im Panoptikum.“
„Ich habe schon … Wäsche getragen, aber noch nie unter dem Anzug …“
„Und du hast Spaß dabei gehabt?“
„Ja, Miss Jane, ich hatte Freude daran.“
„Erzähl mal, wo du es gemacht hast und was du getragen hast.“

Er zögert, errötet erneut – richtig niedlich.

„In meinem Schlafzimmer – ich habe mich aufs Bett gelegt, nachdem ich Halterlose und einen roten Spitzenslip angezogen habe.“
„Und – war es schön?“
„Es war … herrlich, ja.“
„Beim Masturbieren oder schon vorher?“

Er schweigt wieder, es ist ihm total peinlich.

„Da fehlt noch eine Antwort … also bitte?“
„Ich habe … noch nie so herrlich … masturbiert, Miss Jane.“

Erwischt. Mehr brauche ich nicht. Er wird sich wundern, was ich alles aus diesem Satz für ihn hervorzaubern, kann. Aber das will ich jetzt gar nicht … ich gebe die Staffel an euch weiter.

Und damit verlasse ich euch … denn ihr sollte die Geschichte weiterschreiben Und falls ihr es tut … sagt, woher ihr die Idee habt … nicht von Miss Jane, sondern von Isidora, die bei „Sinn und Sinnlichkeit“ Ideen für euch entwickelt. Lest bitte dazu noch die Bedingungen.
Für das Bild fanden wir keine Urheberbezeichnung.

Einige Sätze über die Kunst, Gefühle zu beschreiben

Verlegen sein - wie wird das enden, auf das sie sich einließ?
Den Schülern sagen wir, sie sollen Adjektive verwenden, wenn sie Gefühle beschreiben. Das funktioniert, solange wir an der Oberfläche bleiben wollen oder müssen. Dann wirkt Hanna verlegen, wenn sie mit Gerd allein ist. Und Gerd muss seine hitzigen Gefühlswallungen unter Kontrolle halten, um Hanna nicht misstrauisch werden zu lassen, denn mit jeder abrupten Näherung könnte er ihre empfindliche Psyche verletzen.

Auf diese Weise könnt ihr seitenlang schreiben, ohne etwas zu sagen. Hanna und Gerd wirken wie Püppchen, die auf einem Sofa sitzen und einander belauern.

Wie ihr vorgehen könnt, um Gefühle zu beschreiben

Erheblich besser wäre, „verlegen sein“ auszumalen. Etwa, indem du beschreibst, wie starr sie dort sitzt, wie sie ihren Körper abschottet, wie nervös sie mit den Händen am Rocksaum zupft, wie sie seinen Blick meidet und doch nicht unhöflich wirken will. Wie ein leichtes Zerren im Unterleib sie daran erinnert, was die Natur von ihr erwartet, und wie das kleine Mäuschen im Ohr sie daran hindert. Wie sie versucht, ihre Gefühle zu verbergen und sich doch durch sanfte Hautrötungen verrät.

Du kannst auch ihre Gedanke hinzufügen, die sie jetzt durchziehen: Will ich eigentlich jetzt hier sein? Wie reagiere ich, wenn er mich um etwas bittet? Werde ich es dann tun oder nicht?

Ich wollte euch heute wirklich nur einige kurze Sätze über Gefühle schreiben. Aber natürlich kann ich euch mehr verraten. Viel mehr.

Falls Sie über "Englische Erziehung" erotisch schreiben wollen

Sie haben die Wahl: Sie können Ihr Thema in die Jetztzeit oder in die viktorianische Epoche verlegen. Falls Sie in das Thema in die heutige Zeit verlegen wollen, haben Sie es leichter, die Umgebungsvariablen zu beherrschen: Transportmittel, Wirtschaft, Kommunikation, Erwartungen an Anstand, Sitte und Moral sowie an das „gewöhnliche“ Verhalten von Frauen und Männern.

Falls Sie hingegen in die viktorianische Epoche eintauchen wollen, sollten Sie diese Zeit sehr genau studieren und die Möglichkeiten und Grenzen der Menschen damals kennen.

Das Thema an sich ist nicht mehr sonderlich populär. „Englische Erziehung“, also erotische Rohrstockziehung und körperliche Züchtigung in scharfer Form ist in den weiten und unüberschaubaren Bereich von „BDSM“ abgewandert, und die „Petticoat Disziplin“ feiert heute höchsten in der „Erzwungenen Feminisierung“ oder bei sogenannten „Sissys“ noch Triumphe.

Unser Rat: Überlegen Sie sich genau, wen Sie mit Ihrer Story ansprechen wollen. Die Internatserziehung oder die Erziehung durch Gouvernanten, die beim Thema einstmals eine große Rolle spielten, sind den meisten Menschen heute unbekannt. Die Kombination von „Küssen und Schlägen“ oder auch „Strafen und Verheißungen“ ist hingegen weiterhin populär.

Erotisch schreiben – drei essenzielle Fähigkeiten

Was muss eine Erotik-Autorin mitbringen? Ein bisschen Basiswissen über kreatives Schreiben, Wortgewandtheit und vor allem eine gewisse Schamlosigkeit. Nicht die eigene – sondern die der Figur, die du erschaffst.

1. Befähige deine Figur, schamlos zu sein

Das Erste, was du dich fragen solltest: Wie schamlos soll die Figur sein, die du schaffen willst? Wenn du sie wie eine Marionette durch diene Story führst, dann bleibt sie stehen, wo du stehen bleibst. Wenn du sie aber in deine Gesichte hineinwirkst und sie antreibst und befeuerst, dann wird sie deine Grenzen durchrechen und ihre eigenen Grenzen suchen. Ein Zitat dazu: „Ihr Figuren müssen (… Sex …) wollen, und dies leidenschaftlich.“

2. Breite die Gefühle deiner Figur aus

Das Zweite, was du vorab überlegen solltest: Wie kommst du ran an die Gefühle deiner Figuren? Denk daran, dass sie etwas vorher fühlen, etwas währenddessen fühlen und auch hernach noch etwas fühlen. Wie kannst du also beschreiben, was deine Figuren empfinden, wenn du noch nie in ihrer Situation warst? Lass es nicht bei der Frage. Finde Antworten.

3. Zoome so nahe an deine Figur heran, wie es geht

Das Dritte besteht darin, so nahe an Geist, Psyche und Körper heranzugehen, dass deine Leserin glaubt, ihr Hirn wäre in Aktion, ihre Emotionen würden kochen und ihr Körper würde berührt. Überlege, wie du „hautnah heranzoomen“ kannst, um insbesondere die körperlichen Gefühle „hinüberzubringen“. Benutze dazu eine unverblümte, bildhafte Sprache. Überlege dir, wie du dir diese Sprache aneignen kannst.

Das Ritual der Bestrafung

Halb Strafe, halb Erotik - und ganz und gar ein Ritual
Das Ritual der Bestrafung - mal erotisch und mal ganz unerotisch - was bedeutet es? Wir versuchen, Licht in das Dunkel der sinnlichen Flagellation zu bringen und fragen uns: Ist der Wunsch nach Züchtigungen eigentlich ein Wunsch nach Ritualen?

Psychoanalyse und Wirklichkeit nebst Lust und Sühne

Folgt man Herrn Freud und dem Mainstream der Psychoanalyse, dann sind all diese Absonderlichkeiten, die Erwachsene sich als „Flagellation“ angedeihen lassen, Folgen frühkindlicher Schäden. Sie entstanden, so die Theorie, aus dem Umstand, von einer im Grunde geliebten Person gezüchtigt zu werden. Dadurch wurde sozusagen ein Lernprozess eingeleitet, der für alle Zukunft Liebe und Schläge zu einem Konvolut der Gefühle zusammenband. (1).

In der Literatur liest man oft, dass es eine andere Ursache geben mag. Dabei geht es nicht mehr um Strafen während der Kindheit, sondern um solche, die nach der Pubertät im jugendlichen Alter empfangen wurden. Dabei, so also die nächste Theorie, wurden geschlechtliche Triebe geweckt, zum Beispiel, weil die schlagende Person als eine attraktive Vertreterin des anderen Geschlechts angesehen wurde. Nur selten wird eine dritte Theorie genannt, nämlich die spielerische Rückkehr in eine Zeit, in der man nichts verantworten musste und eine Körperstrafe alles tilgen konnte.

Könnte es nun ganz andere Ursachen haben, dass Menschen sich der „reinigenden Wirkung der körperlichen Züchtigung“ im Rahmen eines erotischen Spiels unterziehen wollen? Dazu muss zunächst das erotische Spiel gewürdigt werden, und die Grundlagen dazu stehen beispielsweise bei Eric Berne. Demnach können Partnerbeziehungen als Spiele aufgefasst werden, in denen das Machtgefälle zwischen einem Eltern-ICH und einem KINDES-Ich lustvoll variiert wird.

Spiele und Rituale vom geißelnden Priester bis zur Dominatrix

Die Spiele führen uns zu einem anderen Gebiet der „großen Gefühle“, das nur selten erwähnt wird: die Rituale. Denn die Flagellation ist eine Erfindung religiöser Eiferer, die man die „Geißler“ nannte – und sie wurde bereits in Ritualen ausgeführt.

Demnach entblößt der Mönche, der sich schlagen lassen möchte, dem Priester, der die Geißel schwingt, in einem Ritual seinen entblößten Rücken, „sodass er die Schläge ungehindert empfangen kann“. Dann betete der Mönch drei Mal das Sündengebet, wobei er die Schläge verteilt empfängt – insgesamt waren es fünfzehn Schläge. Andere Schilderungen jener Zeit sprechen von anderen, noch komplexeren Ritualen. Man mag nun einwenden, dies alles stamme aus dem Mittelalter, doch waren alle Prozeduren körperlicher Züchtigung ähnlich strukturiert.(2)

Rituale, die immer wieder praktiziert werden

Rituale waren zum Beispiel:

- Die Anerkennung der Schuld und die Bereitschaft zur Sühne.
- Die Bitte, dafür bestraft zu werden.
- Das widerstandslose Ertragen der Schläge als Zeichen echter Reue.
- Der Dank für die Schläge.
- Das Nachdenken über die Schläge (zum Beispiel durch Eckenstehen)

Man mag an kompetenterer Stelle darüber nachdenken, ob es die Schläge selbst waren, die den Menschen aus Kindheit, Adoleszenz oder dem Erwachsensein in Erinnerung blieben. Oder ob es viel mehr die Rituale waren, die sich tief in die Erinnerung eingruben. Aber ich denke, dass „Schläge an sich“ einen weit schwächeren Eindruck hinterlassen als die als Rituale, unter denen sie vollzogen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit könnten die Damen, die von der viktorianischen Epoche bis heute heute den Beruf einer professionellen Flagellantin ausüben, darüber mehr sagen - und einige haben dies auch schon getan.

Die Reinigung der Psyche, die Demut und die Lust an der Strafe

Wenn ihr Romane über viktorianische Strafen gelesen habt, und wenn ihr euch vorstellen könnt, dass ein Teil dieser Strafen nach nahezu religiös anmutenden Ritualen vollzogen wurde. Und dann wisst ihr auch, dass zur Strafe vor allem die Demut gehört. Das gilt bis heute. Soll ein Erwachsener erotisch bestraft werden, so ist das Ritual nicht nur eine religionsähnliche Reinigung für seine gequälte Psyche, sondern zumeist auch eine Melange aus Lust und Leid, die sich in Hingabe und Demut äußert.

Die Parallelen zum Mittelalter zeigen sich schon darin, dass die Person, die es zu strafen gilt, nach einer Prozedur des geordneten Entkleidens demütig in der geforderten Nacktheit präsentiert, um die Schläge zu empfangen. Die moderne Priesterin sollte dabei im Grunde stets vollständig bekleidet sein, im Jargon auch CFNM (3) genannt. Ihre Predigt vollzieht sie mit dem Rohrstock oder einem anderen Instrument, das ähnlich wirkungsvoll ist, und weder sie noch der Sünder oder die Sünderin sprechen ein einziges überflüssiges Wort. Auf diese Weise werden Schuld und Sühne mit einer erotischen Komponente, aber dennoch innerhalb eines Rituals vollzogen. Sicher gibt es auch standardisierte und improvisierte Dialoge, die während der Schläge, am Anfang, am Ende oder zwischen den Schlägen vollzogen werden und die dazu dienen, den zu Bestrafenden nachdrücklich auf seine Lage hinzuweisen. Und sicher gibt es abweichende Rollenspiele aller Art, die deutlich mehr und wesentlich intensivere erotische Komponenten beinhalten. Das liegt daran, dass der Domina-Kunde für die Erfüllungen seiner Fantasie bezahlt und nicht für den Vollzug einer „korrekten Züchtigung“.

Und dennoch – sowohl in der Literatur wie auch in der Realität sind Rollenspiele beliebt, in denen Rituale dominieren, und in denen die Erotik eher durch die Ritzen schaut.

Bild: nach einer historischen Quelle (Anonym)
(1) Angeblich kamen nach einer Umfrage 1995 noch 55 Prozent der Befragten zu der Meinung, die Liebe zu Schlägen sei während der Kindheit entstanden, doch bereits 38 Prozent sagten, diese Lust sie erst während der Adoleszenz entstanden.
(2) Einige Informationen wurden dem Buch "Lob der Peitsche" entnommen (München 2001)
(3) Bekleidete Frau - nackter Mann.

Lustfetzen weden "sinnliche Schnipsel"

Um den erotisch schreibenden Autorinnen (und Autoren) weiterhin Anregungen für ihre eigene Arbeit zu geben, werden wir auch hier die Kategorie "Lustfetzen" wieder einführen - als "sinnliche Schnipsel"

„Lustsfetzen“ war eine Kategorie von „sinnlich schreiben“. Es handelt sich dabei um „Textschnipsel“, aber keine vollständigen Texte, die Autorinnen dabei anregen sollen, sich die dazugehörigen Geschichten weiter auszuspinnen. Sie haben alle eine „mittlere“ Textqualität, um sie an nahezu jeden beliebigen Schreibstil anzupassen. Um die Texte ethisch vertretbar zu halten, wurde auf eine betont erotisierende oder gar pornografische Sprache verzichtet. Wir bitten um euer Verständnis.


Das herrlich schöne Pfui-Teufel-Gefühl

Die Vorstellung, an etwas zu lutschen ...
Möchte ich sein Hündchen sein? Und würde ich dann Hundefutter zu mir nehmen? Und wenn ich seine Sklavin wäre, würde ich dann darum betteln, dass er mich heftig peitschen würde?

Autorinnen haben – wie Autoren auch – immer diese herrlich schönen Pfui-Teufel-Situationen vor Augen. Du erinnerst dich vielleicht noch (doch, bestimmt, tust du das) an den Peitschenhieb in den Schritt, den Miss Anastasia Steele ebenso unvermittelt wie unglaubwürdig bekommt. Ich bin ganz sicher, dass viele der Autorinnen, deren Lippen des Mundes (Labium Oris) niemals einen Penis umfassten, ihre Heldinnen lutschen ließen, was das Zeug hält. Die Huren sagen dazu „Französisch komplett mit Aufnahme“ – pfui Teufel, wie das schmecken muss! Doch auch wenn’s die Autorin nicht schluckt – ihre Figur tut es mit Inbrunst, und die Leserin gerät mal in Verzückung, und mal kriecht der Ekel ihre Kehle hoch. Und das Interessante daran: Sie liest weiter, weil sie mit der Romanfigur lüstet und leidet.

Eine bekannte Bloggerin schrieb gerade:

Je weiter das was ich gerade lerne, von meinem eigenen Erlebnishorizont entfernt ist, umso spannender finde ich es, den Enthusiasmus des anderen nachvollziehen zu wollen.


Der eigene Erlebnishorizont ist – wenn man sich nicht gerade selbst zum Versuchskaninchen der sinnlichen Verheißungen gemacht hat – immer begrenzt, nicht wahr? Und diese zwiespältigen Gefühle gegenüber dem Exotischen lassen nie nach … was geht also vor in einem Mann oder einer Frau, die sich dem Ekel oder Schmerz hingibt, statt ihn zu verweigern?

Das Exotische, das Bittere, das, was Überwindung kostet … es gehört zu den herrlichen Situationen, in denen du über deinen eigenen Schatten springst. Du erlaubst dir plötzlich, das Unerhörte zu denken, und deine Figur wird es ausführen. Und vielleicht wird sie dir schildern, wie es sich für sie anfühlte … wer weiß.

Und ... nein, ich bin nicht die Dame auf dem Foto ... und ich habe keine Ahnung, wer es einmal war. Muss aus den 30er oder 40er Jahren stammen.

Sag uns, was du schreibst …

Jeder will wissen, was danach passiert ... schreibst du darüber?
Sag es uns. Zeig es uns. Lass uns lesen, was du schreibst. Egal, ob du über die Liebe schreibst, über die Lust oder über die Sünde. Natürlich kannst du uns auch Kurzgeschichten schicken.

Du suchst erst noch nach einem Thema?

Dann lies bei uns, welche Themen besonders gefragt sind. Lass dir von uns Vorschläge für den Handlungsablauf (Plot) machen, wenn du nicht weißt, wie du anfangen oder weitermachen sollst.

Nehmen wir mal an, du hast schon ein wenig geschrieben

Dann sende uns ein paar Seiten – wir sagen dir, wie wir deinen Text beurteilen und was sich noch verändern ließe. Es ist kostenlos. Verbindlich kostenlos.

Falls dein Buch schon als E-Buch vorliegt

Wir haben Freude daran, es zu lesen – mach es für uns zugänglich. Wir veröffentlichen eine Rezension, falls es uns gefällt, und falls nicht, sagen wir dir, was uns nicht gefallen hat.

Falls dein Buch schon "auf Papier" verlegt wurde

Oh, wir lieben Bücher, die noch auf Papier verfügbar sind. Und wir lesen sie wirklich. Schicke uns bitte ein Rezensionsexemplar oder lass es uns schicken. Wie schon beim E-Book beschrieben, veröffentlichen wir eine Rezension, falls es uns gefällt, und falls nicht, sagen wir dir, was uns nicht gefallen hat.

Falls ihr Verleger seid

Eigentlich komisch, dass in unserer Redaktion so wenige Rezensionsexemplare landen. Denn wir lieben gut geschiebene, sinnliche Bücher über die Lust, die Liebe und die Sünde.

Was wir sonst tun

Wir saugen Worte auf, wechseln Worte, schreiben etwas um, wenn du magst – und wir sind auch sonst unheimlich nett zu Verleger(innen), Autorinnen und Autoren.

Versuchst du es?

Versuch es mal mit unserem sinnlichen Sachverstand. Du kannst dabei nichts falsch machen, sondern nur gewinnen. Und wenn du wirklich noch einmal fragst, warum wir das tun – wir lieben Worte so sehr, dass sie uns am Herzen liegen.

Euer Kontakt:

Ohne Schlampenverdacht erotisch schreiben?

Wenn Frau über Sex schreibt … ist sie eine Schlampe. Warum eigentlich? Und was ist ein Mann, der über Sex schreibt?

Erotik schreiben ...
Die Zeiten, in denen viele attraktive, geistig gesunde und überaus kluge Frauen über Sex schreiben, sollten eigentlichen gerade erst angebrochen sein. Denn sie (und nur sie) bilden ein Gegengewicht gegen die Bevormundung der Wissenschaftler einerseits und der Verblödung durch Frauenzeitschriften anderseits.

Viele „offizielle“ Frauen verachten und bewundern die Autorinnen, die sich nicht scheuen, das Blatt vom Mund zu nehmen und von Masturbation, Penissen und anderen Ereignissen zu schreiben, die ihr Leben kreuzen.

Die Wahrheit muss verachtet werden – oder?

Aber offiziell – muss man sie als Frau offenbar verachten. „Das tut man nicht, und wenn man es tut, dann redet man nicht darüber.“ Als ich vor einiger Zeit mal eine junge Frau fragte, ob sie bereit sei, für mein damalige Magazin „LiebePur“ zu schreiben, war sie zunächst ganz angetan. Doch als sie hörte, dass ich dort recht freizügig mit dem Thema Sex umging (damals noch etwas mehr als heute), zog sie ihr Angebot sofort zurück.

Neue Verblödungen und Fakes durch Alternativmagazine

Und ich merke hier mal an: Das ist erst der Anfang. Wer „über die Lust“ schreibt, schriebt noch lange nicht „von seiner eigenen Lust“. Genau das wollen aber all diese neuen Alternativmagazine. Sehr schnell kommt ihren Redakteurinnen das Unwort „authentisch“ über die Lippen. Das heißt letztlich: Frau soll über jede Masturbation, jeden aufgenommenen Penis und noch viel mehr schreiben, und zwar „auf Positiv“. Eigentlich müssten die Herausgeberinnen wissen, dass sie damit Fakes und krankhafte psychische Exhibitionisten anziehen – und vielleicht sogar eine Kombination von beiden.

Von der Schwierigkeit, allzeit authentisch zu sein

Gerade dies macht es ehrlichen Menschen (nicht ausschließlich Frauen) noch schwerer, den feuchten Wahrheiten die Ehre zu geben. Denn „echt authentisch“, also aus dem eigenen Erleben zu schreiben, ist unglaublich schwierig. Es kostet Selbstüberwindung, erfordert sprachliche Verrenkungen und – nun ja, was schreibt eigentlich jemand über „seinen“ Sex, wenn wirklich gerade Flaute herrscht?

Wie auch immer - ob frau unter dem eigenen Namen schreibt oder unter einem Pseudonym, ob sie etwas dazudichtet oder nicht, ob sie zu viel Zuckerguss dazu tut oder eine übergroße Menge Spermaflüssigkeit – sie wird immer beargwöhnt werden. Von Frauen sowieso und von Männern auch, wenngleich in anderer Weise.

Sind Autorinnen Schlampen, weil sie über Sex schreiben?

Dazu darf ich mal eine Dame zitieren, die – wie ich glaube – authentisch schreibt, und dazu in einer namhaften Wochenzeitung.

Ich wundere mich trotzdem. …Darüber, dass mich die einen als verabscheuungswürdig und die anderen als sexuell verfügbar betrachten. Für beide Seiten bin ich eine Schlampe – nur mit unterschiedlicher Konnotation.

Frauen sind Schlampen, Männer Pornografen

So, und nun frage ich mich: Was sagen „die Leute“ eigentlich über Männer, die über Erotik schreiben, teils anband von Fakten, teils anhand pointierter Meinungen?

Sie sagen dasselbe. Nur, dass diese Männer nicht als „Schlampen“, sondern schlicht und einfach als Pornografen gelten. Übrigens auch dann, wenn sie nur darüber schreiben, was (fast) jede(r) tut. Und ganz schlimm werden sie beäugt, wenn sie dazu Tacheles reden – nicht nur über Frauen, sondern auch über sich selbst.

Männer riskieren, ihre Reputation zu verlieren

Na schön, manche Männer machen sich nichts draus, aber andere werden eben verunglimpft. Das ist nicht schön, und es ist ähnlich wie bei Frauen: Man hat beste Chancen, sein Renommee als Schriftsteller oder Fachautor zu verlieren. Man fasst einfach keine Themen an, bei denen man etwas anfasst, was so pfuiteuflisch ist wie ein Penis.

Hinweis: Dieser Artikel ist eine Übernahme des Magazins "mehrhaut.de", das mit seinen neuen Beiträgen aus 2018 hierher umzieht.

Schreibst du selbst? Dann sollten wir einander kennenlernen. Wir könnten etwas von dir veröffentlichen, oder etwas über dich, deine Blogs, deine Kurzgeschichten und E-Bücher schreiben.

Alle erotischen Lüste beschreiben, ohne sie erlebt zu haben?

Die Frage, was du wirklich selbst erlebt haben musst, um erotisch schreiben zu können, wird oft gestellt. Ein Teil deiner Leserinnen und Leser wird einfach annehmen, du wärest fantasiebegabt. Ein anderer Teil (dazu muss deine Leserschaft etwas kritischer sein) wird die Versatzstücke erkennen, aus denen du deine erotische Geschichte zusammengepuzzelt hast. Und schließlich werden einige denken: „Hey, wenn die so schreibt, dann muss sie es doch wenigstens erlebt haben!“

Warum du nicht alles erlebt haben musst, über das du schreibst

Knochenhart und einfach gesagt: Nein, wir Autorinnen und Autoren haben es nicht „wirklich“ erlebt. Wir haben uns aus einem Bild ein Bild herausgelöst, und das zeigen wir nun unserer Leserinnen und Lesern. Wir haben gelernt, aus eigenen Gefühlen fremde Gefühle abzuleiten oder fremde Gefühle so aufzunehmen, als seien es die eigenen. Wer es nicht kann, sollte lieber niemals versuchen, Schriftsteller(in) zu werden.

Gefühle können echt sein, auch wenn die Handlung unecht ist

Ich zitiere dir heute einmal etwas, das ich selbst erst kürzlich gehört und sofort notiert habe:


Beim Schreiben ist es oftmals so: Ich habe etwas Schönes erlebt, etwas Trauriges, ich nehme dieses Gefühl und schreibe dann eine Szene, in der etwas ganz anderes passiert. Das heißt: Schwarz auf weiß, auf dem Papier, ist mir das nie passiert, aber das Gefühl hinter der Szene, das ist echt.


Benedict Wells, Bestseller-Autor, gegenüber dem ZDF, 28.02.2016


Wie kann ein Gefühl „echt“ sein, das niemals in dieser Weise in unserem Körper existiert hat? Indem wir ein Gefühl vom anderen ableiten. Dazu gehören auch erotische Erfahrungen, die wir selbst niemals so erlebt haben.

Beispiele: Lutschen und Anallüste

Du hast schon einmal an etwas gelutscht und dabei „am Lutschen“ Vergnügen gehabt? Was es ein Lolli, eine Zuckerstange oder ein Eis am Stil? Nimm dieses Bild, und du wirst „Freude am Lutschen“ und „Penis“ in Einklang bringen können. Wenn du an einen Penis in einer vielleicht nicht ganz sauberen Feinripp-Unterhose denkst, kannst du dieses Gefühl nicht hervorrufen.

Was eine „anale Penetration“ ausmacht, musst du nicht unbedingt „am eigenen Leib mit einem Mann“ erprobt haben. Ein Zäpfchen, ein altertümliches Fieberthermometer, Einlauf, ein Finger, ein Dildo … all diese Instrumente rufen zunächst ähnliche Gefühle hervor. Sollte dich jemals ein Arzt anal untersucht haben, verwende die Stellung, in der du untersucht wurdest.

Und der Schmerz?

Als ausgesprochen schwierig erweist sich die Unkenntnis über den Schmerz: Ein weihnachtliches Spiel mit Wachskerzen reicht völlig aus, um zu beschreiben, wie heißes Wachs auf die nackte Haut tropft, und du kannst dir ausmalen, wie es dann auf Geschlechtsteilen wirkt. Die Autorin der „Shades of Grey“ wurde vor allem kritisiert, weil sie keine Ahnung hatte, wie intensiv ein Schlag auf die unbekleidete und haarlose Vulva wirkt. Es hätte dabei völlig gereicht, wenn sie ihre intensivsten Erfahrungen mit Schlägen oder Verletzungen verwendet hätte, um sich ein Bild der Schmerzen zu entwerfen. Es wäre mit Sicherheit anders ausgefallen als die triviale Schilderung im Roman. Und dann und wann darf jede Autorin getrost zum Selbstversuch greifen, der oftmals Erhellendes zutage fördert.

Das Ungewöhnliche – erinnern an das Gewöhnliche

Es gibt andere Empfindungen, die nicht ohne Weiteres abgeleitet werden können, zum Beispiel schwere erotische Qualen, die vor allem deshalb ausgehalten werden, um dem Partner die absolute und unverbrüchliche Liebe zu beweisen. Wer einmal aus medizinischen Gründen Messungen an der Leitfähigkeit der Nerven ertragen hat, wird danach wahrscheinlich eine Szene beschreiben können, in der eine erotische Elektrofolter (Reizstrom) zur Anwendung kommt.

Leichtsinn, Zuneigung und „Lust Pur“

Es müssen nicht gleich solche „perversen“ Szenen sein: Wer sich einmal ein wenig leichtsinnig (vielleicht beschwipst) in einen intensiven Flirt verstrickt hat, wird diese Szene auch auf zahllose Verführungen, ONS und ähnliche Situationen anwenden können. Das Gefühl, einen Menschen des gleichen Geschlechts in irgendeiner Weise attraktiv zu finden, kann bereits der Grundstein dafür sein, eine bisexuelle Verführung zu beschreiben. Eine Autorin, die den Cunnilingus selbst als angenehm empfindet, wird ohne Weiteres beschreiben können, wie ihn eine Frau an einer Frau vornimmt.

Und die Extreme?

Eine andere Frage, die eng damit in Zusammenhang steht: Kann ein Mann beschreiben, wie eine Frau sexuell reagiert? Oder kann eine Frau sich in den Körper eines Mannes hineinversetzen? Oder: Können Heteros „schwule“ Literatur schreiben, eventuell sogar noch vom anderen Geschlecht?

Natürlich geht das: Zungenkuss ist Zungenkuss, Fellatio bleibt Fellatio, und Cunnilingus bleibt Cunnilingus. Anal (passiv) ist leicht nachvollziehbar, und im SM-Bereich geht sowieso nahezu alles, was sich mit dem entsprechenden Repertoire an vergleichbaren Schmerzen und Erniedrigungen Gefühlen nachvollziehen lässt.

Ich denke, ich habe eure Fragen beantwortet. Wenn nicht: Fragt einfach nach.

Erstveröffentlichung: Dritter März 2016 in "Sinnlichschreiben" - unter dem Titel "Sanft oder hart: Du fühlst etwas, also schreib es - aber anders" mit geringfügigen Änderungen.