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Die englische Erziehung als Realität und als erotische Fantasie

Englische Erziehung? Das ist mehr als nur die Schilderung von "typischen" Körperstrafen, die von schönen, schlagkräftigen Ladys auf die Hintern englischer Gentleman angewendet wurden. Aber was war sie eigentlich, die "englische Erziehung", und was ist es heute? Wir versuchen, die Antworten zu finden.

Die englische Erziehung als erotische Fantasie

die retro-mistress - ein männertraum
Mancher Herr wünscht sich, von einer Lady, einer Gouvernante oder auch von einer Bediensteten auf einen Prügelbock geschnallt zu werden, um sich auf ebenso köstliche wie befremdliche Wiese den Allerwertesten verbläuen zu lassen. Berichte darüber trieben schon der Großmutter und dem Großvater das Blut in die Adern – mal, um sich mit geröteten Wangen zu empören und mal, um die Genitalien beim Gedanken an diese Idee anschwellen zu lassen.

Zurück in die viktorianische Epoche

Wenn wir die Sache verfolgen wollen, führt uns der Weg ins viktorianische Zeitalter, und dort in die geheimen Boudoirs und Bordelle, in denen etwas praktiziert wurde, was weitläufig als „englische Erziehung“ verstanden wird. Zwar handelt es sich eher um ein weltweites als um ein englisches Phänomen, und es hat nichts mit Erziehung im pädagogischen Sinne zu tun, aber es ist nun einmal zu einem fest gefügten Begriff der deutschen Sprache geworden.

Die schöne Lady schlägt den willigen Gentleman gegen Bares

Nicht nur in England begehrt: Schläge von der Lady
Es gibt unendlich viele Theorien darüber, was Menschen bewegen mag, Schmerz und Lust zugleich oder jedenfalls innerhalb einer „Sitzung“ zu erleben. Tatsache ist aber, dass die Erziehung der Herren nahezu immer von besonders attraktiven britischen Ladys vorgenommen wird, und dass deren Verhalten selbst bei intensivem Schmerzempfinden noch als sinnlich erlebt wird.

Was ist denn nun die „englische Erziehung“? Sie finden den Begriff auch in unserem Lexikon für Anzeigenbegriffe erklärt, aber lassen Sie mich noch ein paar Worte darüber verlieren, die auch dort nicht stehen.

Nicht nur die Schmerzlust – auch sexuelle Lüste wurden befriedigt

Es scheint sicher zu sein, dass die Bestrafungen der Gentleman der viktorianischen Zeit durchaus im Rahmen einer prickelnde erotischen Atmosphäre vorgenommen wurden. Nicht nur die Tatsache, dass es sich um exklusive Bordelle handelte, in denen die Strafen vollzogen wurden, spricht dafür. Vielmehr wissen wir aus Schilderungen der verwendete Strafböcke, dass die Herren durchaus von hinten mit der Rute schmerzhaft bedient wurden, während sie sich von vorne den Künsten einer andren Dame ausliefern konnten, die sich auf intime und durchaus liebevolle Berührungen des Penis verstand. Welche Gefühle die Herren dabei wann und wie empfanden, ist nicht überliefert, und auch nicht, in welcher Reihenfolge die Damen den Hintern bläuten oder Fellatio ausübten. Jedenfalls war beides gleichzeitig möglich, wenn man bestimmte Flagellations-Möbel verwendete, wie beispielsweise das „Berkley Horse“.

Fantasie und Realität

Der betuchte englische Gentleman konnte sich nahezu jede Fantasie erdenken, und die meisten konnten auch erfüllt werden. Relativ gut verbürgt ist dieses Zitat:

Realität: Alles war möglich – gegen Geld

Schon im Anfange des 19. Jahrhunderts gab es in London luxuriös ausgestattete Etablissements, die vorzugsweise der Flagellation dienten und in denen geschickte, berufsmäßig ausgebildete Hände über den danach lüsternen Männern die Rute schwangen. Die "Königin" dieses Gewerbezweiges scheint aber nach allgemeinem sachkennerischen Urteil die unsterbliche Erfinderin des "Berkley Horse" zu sein ... die Maschine ... ließ sich in jedem beliebigen Winkel verstellen, um den Körper in jede speziell wünschenswerte Position zu bringen zu können. Auf einem zeitgenössischen Kupferstiche erblickt man einen auf dem "Pferde" befindlichen nackten Mann, dem Mr. Berkley eigenhändig die Posteriota mit Ruten peitscht, während ein in einem Stuhl darunter sitzendes Frauenzimmer als "frictrix" an seinem "embolon" arbeitend dargestellt ist.


Nach: Albert Eulenburg: Aktive und passive Flagellation (1902 - 1911) "Die englische Erziehung als Realität und als erotische Fantasie " vollständig lesen

Das Ritual der Bestrafung

Halb Strafe, halb Erotik - und ganz und gar ein Ritual
Das Ritual der Bestrafung - mal erotisch und mal ganz unerotisch - was bedeutet es? Wir versuchen, Licht in das Dunkel der sinnlichen Flagellation zu bringen und fragen uns: Ist der Wunsch nach Züchtigungen eigentlich ein Wunsch nach Ritualen?

Psychoanalyse und Wirklichkeit nebst Lust und Sühne

Folgt man Herrn Freud und dem Mainstream der Psychoanalyse, dann sind all diese Absonderlichkeiten, die Erwachsene sich als „Flagellation“ angedeihen lassen, Folgen frühkindlicher Schäden. Sie entstanden, so die Theorie, aus dem Umstand, von einer im Grunde geliebten Person gezüchtigt zu werden. Dadurch wurde sozusagen ein Lernprozess eingeleitet, der für alle Zukunft Liebe und Schläge zu einem Konvolut der Gefühle zusammenband. (1).

In der Literatur liest man oft, dass es eine andere Ursache geben mag. Dabei geht es nicht mehr um Strafen während der Kindheit, sondern um solche, die nach der Pubertät im jugendlichen Alter empfangen wurden. Dabei, so also die nächste Theorie, wurden geschlechtliche Triebe geweckt, zum Beispiel, weil die schlagende Person als eine attraktive Vertreterin des anderen Geschlechts angesehen wurde. Nur selten wird eine dritte Theorie genannt, nämlich die spielerische Rückkehr in eine Zeit, in der man nichts verantworten musste und eine Körperstrafe alles tilgen konnte.

Könnte es nun ganz andere Ursachen haben, dass Menschen sich der „reinigenden Wirkung der körperlichen Züchtigung“ im Rahmen eines erotischen Spiels unterziehen wollen? Dazu muss zunächst das erotische Spiel gewürdigt werden, und die Grundlagen dazu stehen beispielsweise bei Eric Berne. Demnach können Partnerbeziehungen als Spiele aufgefasst werden, in denen das Machtgefälle zwischen einem Eltern-ICH und einem KINDES-Ich lustvoll variiert wird.

Spiele und Rituale vom geißelnden Priester bis zur Dominatrix

Die Spiele führen uns zu einem anderen Gebiet der „großen Gefühle“, das nur selten erwähnt wird: die Rituale. Denn die Flagellation ist eine Erfindung religiöser Eiferer, die man die „Geißler“ nannte – und sie wurde bereits in Ritualen ausgeführt.

Demnach entblößt der Mönche, der sich schlagen lassen möchte, dem Priester, der die Geißel schwingt, in einem Ritual seinen entblößten Rücken, „sodass er die Schläge ungehindert empfangen kann“. Dann betete der Mönch drei Mal das Sündengebet, wobei er die Schläge verteilt empfängt – insgesamt waren es fünfzehn Schläge. Andere Schilderungen jener Zeit sprechen von anderen, noch komplexeren Ritualen. Man mag nun einwenden, dies alles stamme aus dem Mittelalter, doch waren alle Prozeduren körperlicher Züchtigung ähnlich strukturiert.(2)

Rituale, die immer wieder praktiziert werden

Rituale waren zum Beispiel:

- Die Anerkennung der Schuld und die Bereitschaft zur Sühne.
- Die Bitte, dafür bestraft zu werden.
- Das widerstandslose Ertragen der Schläge als Zeichen echter Reue.
- Der Dank für die Schläge.
- Das Nachdenken über die Schläge (zum Beispiel durch Eckenstehen)

Man mag an kompetenterer Stelle darüber nachdenken, ob es die Schläge selbst waren, die den Menschen aus Kindheit, Adoleszenz oder dem Erwachsensein in Erinnerung blieben. Oder ob es viel mehr die Rituale waren, die sich tief in die Erinnerung eingruben. Aber ich denke, dass „Schläge an sich“ einen weit schwächeren Eindruck hinterlassen als die als Rituale, unter denen sie vollzogen werden. Mit großer Wahrscheinlichkeit könnten die Damen, die von der viktorianischen Epoche bis heute heute den Beruf einer professionellen Flagellantin ausüben, darüber mehr sagen - und einige haben dies auch schon getan.

Die Reinigung der Psyche, die Demut und die Lust an der Strafe

Wenn ihr Romane über viktorianische Strafen gelesen habt, und wenn ihr euch vorstellen könnt, dass ein Teil dieser Strafen nach nahezu religiös anmutenden Ritualen vollzogen wurde. Und dann wisst ihr auch, dass zur Strafe vor allem die Demut gehört. Das gilt bis heute. Soll ein Erwachsener erotisch bestraft werden, so ist das Ritual nicht nur eine religionsähnliche Reinigung für seine gequälte Psyche, sondern zumeist auch eine Melange aus Lust und Leid, die sich in Hingabe und Demut äußert.

Die Parallelen zum Mittelalter zeigen sich schon darin, dass die Person, die es zu strafen gilt, nach einer Prozedur des geordneten Entkleidens demütig in der geforderten Nacktheit präsentiert, um die Schläge zu empfangen. Die moderne Priesterin sollte dabei im Grunde stets vollständig bekleidet sein, im Jargon auch CFNM (3) genannt. Ihre Predigt vollzieht sie mit dem Rohrstock oder einem anderen Instrument, das ähnlich wirkungsvoll ist, und weder sie noch der Sünder oder die Sünderin sprechen ein einziges überflüssiges Wort. Auf diese Weise werden Schuld und Sühne mit einer erotischen Komponente, aber dennoch innerhalb eines Rituals vollzogen. Sicher gibt es auch standardisierte und improvisierte Dialoge, die während der Schläge, am Anfang, am Ende oder zwischen den Schlägen vollzogen werden und die dazu dienen, den zu Bestrafenden nachdrücklich auf seine Lage hinzuweisen. Und sicher gibt es abweichende Rollenspiele aller Art, die deutlich mehr und wesentlich intensivere erotische Komponenten beinhalten. Das liegt daran, dass der Domina-Kunde für die Erfüllungen seiner Fantasie bezahlt und nicht für den Vollzug einer „korrekten Züchtigung“.

Und dennoch – sowohl in der Literatur wie auch in der Realität sind Rollenspiele beliebt, in denen Rituale dominieren, und in denen die Erotik eher durch die Ritzen schaut.

Bild: nach einer historischen Quelle (Anonym)
(1) Angeblich kamen nach einer Umfrage 1995 noch 55 Prozent der Befragten zu der Meinung, die Liebe zu Schlägen sei während der Kindheit entstanden, doch bereits 38 Prozent sagten, diese Lust sie erst während der Adoleszenz entstanden.
(2) Einige Informationen wurden dem Buch "Lob der Peitsche" entnommen (München 2001)
(3) Bekleidete Frau - nackter Mann.