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Erotik, Christentum und Hexenkult

Erotik, Christentum und Hexenkult - ein sehr kurzer Abriss über die Lust, in Geheimbünden erotische Erfüllung zu finden.
Sinnliche Hexen
Im Grunde kann man kaum von „dem“ Hexenkult sprechen. Die Ursprünge der „Hexerei“ liegen einerseits in der Heilkunst der kräuterkundigen Frauen, andererseits in Geheimzirkeln, die der sogenannten „alten“ Religion anhingen. Was sie genau ist oder war, kann heute nicht mehr ohne weiters rekonstruiert werden – jedenfalls handelte es sich nicht um die germanische Götterwelt, sondern sie hatte ihre Wurzeln in längst verschwundenen Religionen, deren Herkunft im Vorderen Orient vermutet wird. Soweit es sich um einen Kult handelt, in dem auch Rituale vollzogen werden, kann auch bei den heutigen Hexenvereinigungen noch von „religionsähnlichen“ Gemeinschaften gesprochen werden.

Freies Denken und freie Liebe

Die Erotik im Hexenkult ist eine rituelle Abwandlung des allgemeinen Wunsches nach „freier Liebe“, der im Christentum wie auch in der „alten Religion“ vorhanden war. Freilich konnte sich dieser Wunsch im Christentum niemals durchsetzen, weder vor der Reformation noch danach. Das heißt aber nun keinesfalls, dass es keine Abweichler gab, die sich unter christlichen Symbolen zusammenfanden, um die freie Liebe zu praktizieren.

Ein Beispiel wäre die Buttlarschen Rotte, gegründet von Margaretha von Buttlar, die von 1670 bis 1721 lebte. Dabei ist gleich, was die juristische Bewertung (1) des Tuns ihrer Mitglieder ergab: Sehr wahrscheinlich ist, dass diese Gruppe die christliche Gottheit nach der Genesis umwertete: Demnach schuf Gott den Menschen als Mann und Frau nach seinem Vorbild. (Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.)

Obgleich diese Auffassung absolut legal und unzweifelhaft bei Mose(2) verbürgt ist (1.Mose 1:27) wird nach wie vor als Blasphemie angesehen, diese Bibelstelle ernst zu nehmen. Der androgyne Charakter der Gottheit durfte nicht diskutiert werden, weil es ganze Dynastien infrage gestellt hätte und die damaligen, fest gefügten Geschlechterbeziehungen ad absurdum geführt hätte.

Die Querdenker wurden vermutlich zu "innerlichen" Heiden

Dies wiederum hat vermutlich gereicht, um nahezu alle erotischen Querdenker in die Arme der „alten Götter“ oder „Naturgottheiten“ zu treiben. Betrachtet man die verschiedenen Kulte alter und neuer Art, so wird deutlich, dass sie entweder einen überwiegend spirituellen, esoterischen Charakter haben oder sich in irgendeiner Form mit der lustvollen Vereinigung der Körper oder dem Genuss der Sexualität beschäftigen. Daraus wieder kann man entnehmen, dass es sich entweder um eine geistig-seelische Bereicherung oder aber um eine sinnlich-körperliche Erfüllung handeln kann, die von den Gruppen vollzogen wird. Da gilt nicht nur für moderne „Hexenkulte“, sondern auch für alle auf Esoterik oder Psychologie beruhenden Gruppen, die nach einer Erweiterung des Bewusstseins streben und dabei entweder das Psychische oder das Körperliche betonen.

Die magisch-erotischen Rituale leben in der Literatur weiter

Trotz all dieser Differenzierungen kann man feststellen, dass viele der literarischen Werke, die Erotik und Esoterik vereinigen, ausschließlich auf weiblicher Sinnlichkeit und weiblichen, religionsähnlichen Ritualen beruhen und oftmals die Gleichgeschlechtlichkeit als wesentlichen Inhalt pflegen.

(1) Lest dazu die juristische Wertung, wenn ihr interessiert seid.
(2) Bibeltext

Bild: Die Drei Hexen - Daniel Gardner (1750-1805).

Die ganz andere Welt

Dieser Artikel ist – in weiten Teilen – spekulativ. Er versucht zu erklären, wie die Mythologie „andere Welten“ entstehen ließ, und deutet an, warum sie erotisch sein könnten. Und falls Sie im Zweifel über meine Person sind: Nein, ich glaube nicht an Mythen. Für mich muss alles offenkundig, erfahrbar, messbar und möglichst logisch sein. Doch die „Anderwelt“ ist auch stets ein Mittel, um offenkundige Erotik hinter Mysterien zu verstecken.

Gibt es eine „Anderwelt“, eine Parallelwelt, ein Universum „nebenan“, eine Welt, die uns absolut nahe ist und die uns beeinflusst, ob wir wollen oder nicht?

Die Mythologien kennen eine andere Welt als die, die wir sehen

In den sogenannten Mythologien gibt es sie. Die Mythologie beschreibt alles, was die Welt unserer Vorfahren bewegte, und sie entstammt der eigenen Kultur wie auch fremden Kulturen. Dabei dürfen wir uns gerne erinnern, dass auch unsere sichtbare Kultur eine Durchmischung von germanischen, arabischen, griechischen, römischen, christlichen und jüdischen Elementen ist.

Was ist nun der Unterschied zwischen der sichtbaren oder messbaren Welt zu der „anderen Welt“?

Nun, die andere Welt ist vielfältiger: Als Parallelwelt kann sie Götter und Halbgötter, Untote, Dämonen, Fabelwesen und Monster, auch Kobolde, Erdgeister, Feen enthalten. Es gibt mehrere Theorien, wie sie entstand: Die schlüssigste der Theorien (wenn man dabei überhaupt von „schlüssig“ sprechen kann, ist die folgende:

Die ursprüngliche Schöpfung musste wegen der Fehler, die sich eingeschlichen hatten, zerstört und neu aufgebaut werden. Dabei gab es aber einige Existenzen, die sich der Zerstörung widersetzten und ein Eigenleben führten.


Die andere Theorie wäre, dass es Kämpfe innerhalb der Götter darum gab, welchen Weg die Menschheit gehen sollte – oder dass die „alten Götter“ und die „neuen Götter“ unterschiedliche Richtungen vorgaben. Diejenigen, die bei diesen Kämpfen verloren, hinterließen aber Spuren, die immer wieder hervortraten.

Die Überbleibsel zerstörter oder untergegangener Kulturen

Wie dem auch sei: Die Wesen, die die „andere Welt“ bevölkern, können als Überbleibsel untergegangener Kulturen bezeichnet werden. Sie zeigen sich nicht in der Realität, weil sie dort nicht „hingehören“. Sie sind aber, wenn man den Esoterikern glauben will, durchaus vorhanden ... in Parallelwelten.

Die andere Welt lockt ...

Nun funktioniert das Ganze nicht, solange es nicht „Mittlerer“ gibt, also Propheten und „Wegebereiter“, die behaupten, einen Zugang zu diesen Welten zu haben. Gelegentlich senden die Wesen der Anderwelten auch Botschaften an die reale Welt: Sie ziehen dann Menschen in ihren Bann und gelegentlich auch ins Verderben. Typisch dafür ist die (uns relativ nahe) Vorstellung der Kelten, bei denen die „Anderwelt“ tatsächlich auf unseren Planeten existiert, und zwar im Inneren der Erde oder am Grunde des Meers. Besonders beliebt ist nach wie vor das Thema, sie in Erdhöhlen zu vermuten, die wir besuchen können, falls sie uns dies gestatten oder wir bestimmte Merkmale haben, die uns dafür empfehlen.

Verführerinnen und Verführer aus der "Anderwelt"

Lilith als Schönheit mit Schlange
Wie ist es nun mit der Erotik der „Anderwelt“? Sie ist ohne jeden Zweifel äußert verlockend. Am Meeresgrund finden wie die Sirenen oder Meerjungfrauen, die Seeleute in ihr Reich locken. Odysseus musste sich nicht nur gegen sie, sondern auch noch noch gegen den lustvollen Zauber der Circe wählen, die auf einer fernen Insel lebte. In der Anderwelt der Christen wohnen alle Arten von Engeln und Teufeln, wobei die Teufel die erotischen Fantasien von Generationen beflügelt haben, teils als unermüdliche Beschäler beim Hexentanz, teils als Buhlteufel, die sich unter Männer oder über Frauen legten, um „Unzucht“ mit ihnen zu betreiben. Die Erotik der „Untoten“ kennen wir aus Dracula-Filmen. Die Figur der verführerischen und äußerst gefährlichen Dämonin ist weniger bekannt, weil sie eher im Hintergrund wirkt. Lilith gilt als Überbleibsel der Schöpfung, als Verstoßene, über die der Christengott keine Macht hat. Sie gilt auch als die „Dämonenkönigin“, die das geheime Weltreich der Frauen beherrscht, die sich mit Heilkunst, Magie oder Schadzauber beschäftigen.

Die Trennung des männlichen und weiblichen Prinzips

Wenn wir dies weiterspinnen würden, kämen wir zu einem weiteren Teil der Mythologie: die Trennung in ein übergeordnetes Reich der Frauen und eines der Männer, das ebenfalls in vielen Köpfen haust. Entstand sie durch das Spalten von Bäumen, durch den Sündenfall oder aus der Asche eines Vogels, der im Universum verbrannte? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Moderne Ideen zur Parallelwelt

Ich hätte beinahe vergessen – es gibt sehr moderne literarische Konzepte, die auf der Quantentheorie basieren (Robert Allan Wilson) oder auf der Computertechnologie, die angeblich in der Lage ist, künstliche Wesen, ja ganze künstliche Welten zu erschaffen, indem man sie nur programmiert. Und es gibt Dr. Who, der die Grenzen zwischen den Welten aller Zeiten überwinden kann. Und in allen könnte es erotische Begegnungen geben, die desaströs enden, weil sich die Welten nicht verbinden lassen und teils versöhnlich, weil sich am Ende doch noch ein Ausweg ergibt.

Bild: Lilith Von John Collier