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Männer und Frauen als dauerhafte Jungfrauen

"Männer und Frauen als dauerhafte Jungfrauen" ist der vierte Teil unserer Serie über Jungfrauen.

Wenn ihr nicht selber eine Person in der Familie habt, die sich als „Jungfrau“ bezeichnet und darunter leidet, dann habt ihr das Thema wahrscheinlich aus der Presse. Dort wird es allerdings um der Sensation willen veröffentlicht, und nicht, weil ein allgemeines Informationsbedürfnis besteht.

Die künstliche Mauer zwischen Jungfrauen und Nicht-Jungfrauen

Im Grunde bauen wir als Gesellschaft eine künstliche Mauer zwischen „Jungfrauen“ und „Nicht-mehr-Jungfrauen“ auf. Diese Mauer bemerken vor allem die „Ungeküssten“, also die Menschen, die von sich behaupten, noch nie einen (wie auch immer gearteten) Geschlechtsverkehr genossen zu haben. Sie fühlen sich spätestens mit jedem Tag, der auf ihren 18. Geburtstag folgt, benachteiligt. Und welche psychologischen Begründungen auch dafür herhalten mögen – es ist sehr unwahrscheinlich, dass eine Frau oder ein Mann niemals in eine Situation kam, in der Sex zum Greifen nahe war.

"Keusch" zu bleiben ist eher unwahrscheinlich

Das erste Mal - nicht zufrieden?
Das Gelübde der Keuschheit oder die unfreiwillige Keuschheit waren in alten Zeiten immer Themen – zumeist, weil die Frau nicht seriös „an den Mann“ gebracht werden konnte oder weil der Mann so mittellos war, dass er keine Frau heiraten konnte. Doch damals – bis vor etwa 50Jahren, war „Sexualität erleben“ noch in erheblichem Maße mit einem Eheversprechen verbunden, sodass ledige Menschen oft „in die Röhre“ gucken mussten. Heute wird Sex zwischen den Alleinstehenden ausgehandelt – mal seriös, vor und in festen Beziehungen, mal leichten Herzens, wie in ONS und Affären. Niemals „Sex gehabt“ zu haben wird damit eher unwahrscheinlich.

Der "ungeküsste" Mann - männliche Jungfrauen

Und doch gibt es sie, die „Ungeküssten“, und sie fühlen sich von der Gesellschaft abgehängt. Gegenwärtig sind die einschlägigen Gazetten ausgesprochen neugierig auf die Männer, die mit 22, 30 oder gar 40 „noch Jungfrauen“ sind. Man weiß nicht viel über sie, aber so viel scheint sie zu einen: Sex mit einer Frau muss genau nach ihren Wunschvorstellungen stattfinden, sonst geraten sie aus der Fassung. Wann immer ich die Seiten lesen, auf denen Argumente über männliche „Jungfrauen“ ausgetauscht werden, stelle ich fest: Schuld an allem sind immer die bösen Umstände, und wenn es nicht die bösen Umstände sind, sind es die bösen Frauen. Und damit nicht genug: Schon sind männliche Goldgräber unterwegs, zumeist die alten PUAs in neuer Verkleidung, die versuchen, Geld aus dem Dilemma zu machen, in dem „männliche Jungfrauen“ angeblich stecken.

Wie männliche Jungfrauen denken

Die typische Idee eines „Ungeküssten“ sei hier einmal kurz aufgezeichnet (die Quelle wird nicht genannt):

Eine männliche Jungfrau bleibt Jungfrau, auch wenn sie masturbiert, und weil der sexuelle Kontakt mit einer Hure immer mit Kondom erfolgt, bleibt der Mann danach auch noch Jungfrau. Überhaupt ist jeder Kontakt mit Kondom kein echter Kontakt, selbst wenn der Mann einen Orgasmus hat und die Frau keine Hure ist. Denn das ist ja nur einen Orgasmus mit anschließender Ejakulation. Und wenn du ein Kondom überziehen musst, ist es eben kein echter Geschlechtsverkehr.

Warum einfache Ratschläge keinen Sinn haben

Die „Ungeküssten“, vor allem die „männlichen Jungfrauen“ werden in der Presse gerne hervorgehoben, weil sie für gute Auflagen sorgen. Tatsächlich ist es aber sinnlos, solche Gruppen zu sehr an die Öffentlichkeit zu zerren, weil ihr Problemlage zumeist gemischt ist. Das heißt, die unfreiwillige Abstinenz ist nicht ihr einziges Problem, und sie müssten vor Ort das Gespräch mit einem psychologischen Berater suchen, um herauszufinden, wie Lösungsansätze aussehen könnten. Am häufigsten findet man ja die Aussage: „Wenn es nicht ganz genau so ist, wie ich es mir erträume, dann ist es besser, dass gar nichts passiert.“ Das klingt recht ähnlich wie das Argument all der anderen, die niemals aus ihren Problemen herauskommen, nämlich:

Meine Situation ist zwar erbärmlich, aber ich kenne sie. Eine Änderung mag ja besser sein, aber dann gerate ich in eine unbekannte Situation, die mir Angst bereitet.


In solchen Fällen rät man allgemeinen dazu, fachliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Damit beenden wir unseren Vierteiler über die Jungfrauen. Ob männlich oder weiblich, ob „Totaljungfrauen“ oder „Teiljungfrauen“. Man mag allen wünschen, dass sie irgendwann, irgendwie und irgendwo ein gemeinsames Glück finden und sich besser fühlen, als dies heute der Fall ist.

Die drei anderen Teile:

1. Start - Einführung in den Begriff Jungfräulichkeit.
2. Keine Jungfrau mehr? Wie viele Penisse sind zu viele?
3. Welche Art Jungfrau bist du?