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Sex ist mehr als Penetration

Klassischer Sex - PiV (verborgen) in der "üblichen" Stellung
Irgendwie hat es sich so eingebürgert in die Sprache: “Sex haben“ ist ein Synonym für „Penetration“. Schon zuvor war es der Begriff „miteinander schlafen“, der nichts anderes bedeutete, als einen Penis in die Vagina zu versenken- und offiziell nannte man es auch „Beiwohnung“.

PiV ist zwar Sex, aber Sex ist mehr als PiV

Sex als Penetration (PiV) an sich ist kaum ein sinnlicher Genuss, und wenn, dann ist es ein Kurzer. Wer ihn verlängern will, sei es Frau oder Mann, muss an einen sinnlichen Partner geraten oder sich selber sinnlich berühren, um den vollen Genuss zu erleben. Das ist eigentlich ein alter Hut. Frauen wissen mehr darüber als Männer, weil sie es leichter haben, mit vielen, aufeinanderfolgenden, lustvollen Orgasmen zu experimentieren.

Der sinnliche Genuss ist auch dann Sex, wenn die Vagina unbeteiligt bleibt

Doch was bringt eigentlich den sinnlichen Genuss? Beteiligt sind die Haut, die Nerven darunter und das Gehirn. Haut ist alles, was außen ist, gleich, ob sie als Schutzschicht außen liegt oder erst lustvoll freigelegt werden muss. Die Nerven liegen dahinter, und sie zu stimulieren, ist mal auf einfache Art möglich, und mal bedarf es einiger Anstrengungen. Wer auch nur zwei Partner(innen) in seinem Leben hatte, der wird wissen: Mancher wälzt sich in Wollust, wenn bestimmte Körperteile berührt werden, während ein anderer es ablehnt, dort jemals angefasst zu werden – verliebt oder nicht. Und bei einem dritten Teil funktioniert es gar nicht.

Was die Nerven wirklich tun - und warum das Lust auslösen kann

Wie kommt’s, dass mancher lüstet, mancher patzt?

Genau weiß es niemand, aber es liegt im Prinzip daran, dass die Nerven ja nicht einfach herumlungern, auf Berührung hoffen und dann begeistert sind, das endlich was passiert. Denn was mit den Signalen geschieht, die Nerven aussenden, entscheidet das Gehirn: Annehmen und sinnliche Gefühle erzeugen, Annehmen und als Gefahr ansehen oder erst mal gar nichts tun. Psychologen nehmen an, dass daran ein Lernprozess beteiligt ist, der allerdings im Detail nur schwer zu durchschauen ist. Klarer ist allerdings, dass unser Hirn überhaupt nur dann Aktionen plant, wenn dadurch etwas (aus der Sicht der Natur) Sinnvolles bewirkt werden kann. Hingabe, Genuss, Abwehr, Flucht oder Minderung des Schmerzes sind solche Maßnahmen.

Wenn alles „ganz normal“ abläuft, sind gewollte Berührungen durch den Partner (die Partnerin) immer willkommen. Doch was gehört dazu, was nicht?

Sinnlicher als PiV-Sex - lustvolle Berührungen
Sinnliche Berührungen können "Sex" sein

Zunächst einmal gehören zur erotischen Sinneslust alle Berührungen des Körpers. „Haut auf Haut“ ist der Standard, der bei jeder Berührung Impulse ans Hirn senden kann:

1. Berührungen mit dem ganzen Körper, ohne Penetration.
2. Küssen.
3. Reiben der Haut aneinander (Wangen)
4. Umarmungen.
5. Äußerliche Berührungen mit den Händen.
6. Gezielte Massagen.
7. Berührungen mit den Füßen.
8. Leichte Handschläge.
9. Berührung der Brüste (bei Männern).

Wenn etwas in etwas eindringt

Werden die Genitalien (auch äußerlich) berührt oder dringt ein Körperteil in den Intimbereich (auch den Mund) ein, so kann man von sinnlichen Berührungen mit sexuellen Aspekten sprechen oder auch gleich von sexuellen Kontakten.

1. Zungenküsse.
2. Intimküsse bei Frau und Mann.
3. Berührung der Brüste (Bei Frauen).
4. Intimmassagen aller Art.
5. Oralverkehr jeder Art.
6. Handverkehr (der Frau am Mann)
7. Fingern (in der Vagina)
8. Analverkehr.
9. Standard Penetration (PiV)

Solche Berührungen lösen normalerweise heftige körperlich-seelische Reaktionen aus, die sich in enormen Lustgewinn oder massiver Ablehnung dokumentieren lassen. Die Ablehnung kann auch dann erfolgen, wenn beide einander lieben und nur das Beste füreinander wollen.

Lustvolle und sinnliche Verhaltensweisen

Ob auch Präsentationen als „Sex“ bezeichnet werden können, ist umstritten. Präsentationen sind lustvolle, provokative Darstellungen des eigenen Körpers in Dessous oder aufreizenden Kleidern oder sexuelle Berührungen an sich selbst, die den Partner aufreizen sollen.

Heute verzichten wir darauf, SM-Aktvitäten, Fetische, Pornografie, Masturbation oder gewagte Rollenspiele mit einzubeziehen. Es soll ja schließlich nur um sexuelle Berührungen unter Paaren gehen.

Fazit: Sex ist lustvolle Intimität

Was ist Sex denn nun? Mit dem Partner bedeutet es vor allem, intim miteinander zu sein, gleich, welche Motive er hat oder welche du hast. Und es ist definitiv nicht nötig, immer den Penis im Kopf zu haben – und auch nicht anderwärts, wo’s intimer wird.

Bilder: Oben: Aus Kalenderblättern (?) des 18. Jahrhunderts. Mitte: Teil von "Preludes" von P. Becat.

Orgasmen sind die Sahnehäubchen auf der Lust der Frau

Verführt er - oder verführt sie? Für ihre Lust ist es unerheblich. Was aber ist wichtig?
Ein Mann, der einer Frau wirklich tolle Orgasmen schenken kann, wird nie darüber reden, sondern es einfach tun. Es wäre auch unsinnig, Ratschläge zu verallgemeinern, denn alle Frauen reagieren unterschiedlich. Es ist gut, ihnen zuzuhören, wenn sie dir sagen, was sie mögen, und wenn sie es nicht sagen, dann versuche, aus ihren Reaktionen zu lernen.

Tipps für herausragenden Sex - für Männer, die ihn Frauen schenken wollen

Wenn du nicht nur guten Sex schenken willst, sondern auch wundervollen Sex empfangen möchtest, tu dies: Sei offen und ehrlich, und versuch, nichts als DU selbst zu sein. Da geht es nicht um dein Selbst, das etwas will, sondern dien Selbst, das unabhängig, offen und frei ist. Verwechsle Selbstbewusstsein nicht mit Arroganz. Selbstbewusste Männer sind offen, lernfähig und hilfsbereit. Sie haben viele Interessen und nicht nur das eine, mit möglichst vielen Frauen zu schlafen. Du wirst sehen: Wenn du so bist, bist du auch attraktiv für Frauen.

Wie Frauen tollen Sex bekommen - für dich, wenn du Männer genussvoll verführen willst

Für Frauen gilt das fast genauso. Rede mit Männern über deine Aktivitäten, wie du dein Leben ausgestaltest. Verführ ihn ganz selbstverständlich, wenn du glaubst, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Oder gib dich in einer Weise hin, dass er glaubt, dich zu verführen. Zeige ihm aber immer, was du wirklich gerne hast – er kann es nicht wissen. Ein Mann, der dir Freude bereiten will, wirdl auch deine Muschi liebkosen. Versuch das in jedem Fall - es kann dir helfen. Und gewöhn deine Lover daran, dass sie’s tun. Und denk dran: Ein Lover ist kein Ehemann. Versuch nicht, ihn einzufangen – er beflattert sowieso andere, auch wenn du ihn heiratest.

Belohn den Mann erst am Ende

Solange dein Lover dich fingert oder Cunnilingus an dir vollzieht, hast du die Chance, mehrfach zu „kommen“ – er hat allerdings kaum eine Möglichkeit dazu. Verleg dann alles auf den Zeitpunkt, wo du wirklich genug hast. Dann lass ihn tun, was er will und mach ihm, was er gerne von dir will. Wenn du ihn nicht belohnst, wird er nicht wiederkommen.

Etwas Neues gefällig?

Wenn du (Mann oder Frau) wirklich sinnlich bist und Lust auf Sex hast, probier etwas aus, was nicht alltäglich ist. Cunnilingus sollte längst alltäglich sein, wenn nicht, dann teste mal aus, ob du es magst – und ob sie es mag. Viele Frauen mögen es, gefingert zu werden, und manche warten sehnsüchtig daraus, ihren Vibrator als „Dritten im Bunde“ mit ins Bett nehmen zu dürfen. Du musst also nicht gleich mit „Sado-Maso-Spielchen anfangen, wenn du etwas Besonderes schenken oder bekommen willst.


Hinweis: Original von einem anonymen Autor. Re-Writing und Ergänzungen von Isidora. Bild: Nach einer Buchillustration (historisch)

Zwei Irrtümer über die sexuelle Sinnlichkeit

Es gibt zwei namhafte Irrtümer über die Sinnlichkeit in der Sexualität. Sie betrifft den Bereich des „Sehens“ einerseits und den Bereich des „Betastens“ anderseits.

Die Irrtümer gehen auf Zeichnung oder Schilderungen zurück, die sich so darstellen:

Sehen

Der Eindruck, Männer seien Voyeure, und ihr Penis würde durch das Betrachten von nackter Haut, Dessous oder erotischen Szenen angehoben, ist falsch. Frauen sind in gleichem (wenn nicht höherem) Maße Voyeure, und auch sie werden körperlich von erotischen Szenen angeregt. Aber bei allen – Frauen wie Männern – müssen die optischen Eindrücke erst einmal in Körperreaktionen umgesetzt werden. Und das kann nur das Gehirn, das alle Eindrücke zunächst filtert, aber auch anreichert. Ist alles in Butter, dann sendet das Gehirn Botenstoffe, die den Geschlechtsakt vorbereiten und damit erst ermöglichen.

Klartext: Sehen allein erzeugt keine Erektion.

Betasten

Der zweite Irrtum kommt zwar aus der Frauenbewegung, gilt aber analog auch für Männer: Die intensive Berührung der Klitorisspitze (oder beim Mann bestimmter Bereiche des Penis) würde automatisch zum Orgasmus führen. Das sind spontane Empfindungen, die mit der Realität nichts zu tun haben und sich auch nicht bewahrheiten lassen. Vielmehr erzeugt die Berührung im Gehirn eine Aktion, die sich nach und nach (mal schneller und mal langsamer) aufbaut und die mit der Produktion von Botenstoffen verbundene ist, die dann die begehrten Ejakulationen und/oder Orgasmen auslösen. Es gibt also keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Betasten und dem Orgasmus. Frauen und Männer, die ihre Gefühle beobachten oder niederschreiben können, wissen zumeist, dass dabei ein Feuerwerk von Gedanken und Gefühlen abgebrannt wird, das so heftig und intensiv ist, dass sie über die Inhalte normalerweise nicht reden.

Klartext: Betasten allein erzeugt keine Orgasmen.

Frauen wie dich kenne ich …

Zeigen, wer du wirklich bist ...
Hey, Miss … du meinst, wir Männer neigen dazu, euch „gar nicht richtig“ kennenzulernen? Da fass ich mir doch an die Stirn und frag mich „was denn von euch?“ Euren Geist? Eure Schnuten? Eure „Machart“?

Wenn ihr wollt, dass wir euch „richtig“ kennenlernen, dann zeigt uns doch mal, was richtig und wichtig und wertvoll an euch ist.

Ich bin mir sicher, das kaufen wir, wenn es uns gefällt. Und dann treffen wir euch auch wieder … und vielleicht wird dann etwas mehr draus.

Klar sagen wir manchmal, dass ihr „attraktiv seid“ oder dass ihr „sehr schön seid“ oder „einen guten Geschmack habt“. Also hey? Wollt ihr das Gegenteil hören? Dass ihr euch nicht einmal anziehen könnt? Dass eure Bildung abgeguckt und eure Gefühlswelt aufgeschminkt ist?

Keine Lust am Streit mit einer Frau

Die meisten von uns bleiben sehr, sehr höflich, solange wir euch in die Augen sehen, und wenn ihr dann endlich fortgegangen seid, sagen wir manchmal: „Schade, vielleicht hätte ich ihr sagen sollen, dass …“. Und dann erinnern wir uns an „Frauen wie dich“, die genau in diesem Moment angefangen haben, sich herumzustreiten.

Seht ihr: Und so etwas können wir echt nicht brauchen.

Als Reaktion auf Stern-Neon.
Foto vermutlich aus einem französischen Studio des 19. Jahrhunderts

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte?

Wovon lebt eine lesbische Liebesgeschichte? Sie beginnt jedenfalls recht oft mit Furcht und Begierde in einer seltsamen Mischung. Und hier fidet ihr auch einen Dialog, der dazu passt.

Bi-Erotik zwischen süßlicher Verführung, Zögerlichkeit und Konsequenz
„Lesbisch“, dies sei vorweggenommen, ist eigentlich keine korrekte Bezeigung für die Liebe, die Lust oder die Leidenschaft, die zwei Frauen miteinander verbindet.

Zunächst einmal handelt es sich dabei um eine Beziehung, die erotische oder sexuelle Wünsche beinhaltet. Keine der beiden Partnerinnen, die in deiner Geschichte zusammenkommen, müssen „wirklich lesbisch“ sein. Die Bandbreite schwankt zwischen Neugierde, Wollust, Abenteuer, Sinnlichkeit und Verführungskunst. Meistens – auch das ist wie „im richtigen Leben“ - gibt es eine Verführerin und eine Verführte, wobei sowohl die eine wie die andere ohne Vorsatz handeln kann.

Wie so oft, müssen drei Komponenten zusammenwirken:

Die latente Lust auf „frau“.
Ein gewisses Gefälle in lesbischer Erfahrung und Leidenschaft.
Eine Situation, in der es möglich ist, eventuelle Hemmungen abzulegen.

In älteren britischen Romanen ist es das Internat, in dem allerlei seltsame Beziehungen mit erotischer Aura entstehen. Je erotischer beziehungsweise pornografischer die Werke sind, umso mehr wie „Klartext“ gesprochen. Nehmen wir das „Picknick am Valentinstag“, so umweht uns der Hauch der Erotik unter den jungen Frauen, aber auch die Zuneigung der Erzieherinnen zu ihnen. Diese angedeuteten Liebesbeziehungen oder das nicht ausgelebte Lustverlangen wird in vielen Internats-Romanen weitaus mehr strapaziert, in England typischerweise in Verbindung mit spielerischen oder realen Körperstrafen.

Das Zögern spielt im lesbischen Roman eine große Rolle

Soweit „Zärtlichkiten“ betroffen sind, spielt das Zögern eine große Rolle. Die Heldin hat durchaus männliche Verehrer, zögert aber, sich ihnen hinzugeben. Auch der Verführerin weicht sie aus, solange es ihr möglich ist. Am Ende wird die Bi-neugierige oftmals in eine Honigfalle gelockt. Dabei sind die erfahrenen Verführerinnen oftmals nicht eben zimperlich.

Ein Plot und der entscheidende Dialog dazu

Die Szenerie könnte so sein: Ihre Figur nächtigt mehrere Male bei ihrer guten Freundin, und tatsächlich kommt es zum Austausch sanfter Zärtlichkeiten. Die Leidenschaft wird aber überdeckt von der Furcht, die Freundin hernach zu verlieren. Ein Versuch, darüber zu sprechen, scheitert ebenfalls aus Scham, aber auch aus Furcht davor, das Tor zur lesbischen Liebe auszustoßen.

Einige Tage später sitzt sie mit einer anderen Frau zusammen – sehr gesellschaftskonform. Doch die andere ist faszinierend, selbstbewusst und eine erfahrene Verführerin. Man trinkt, die Bedenken gegen die Person der anderen werden fortgespült, bis dieser Dialog beginnt (1):


„Magst du eigentlich Frauen?“
„Wie meinst du das?“
„Du weißt, wie ich es meine.“
„Ich bin nicht bi oder so – auf keinen Fall.“
„Das heißt, ich gefalle dir nicht?“
„Doch, doch, aber ich will nicht …“
„Nicht zwischen meine Schenkel - meinst du das?“
„Ich habe nie daran gedacht, so etwas …“
„Du lügst schlecht, Schätzchen.“
„Nein ich … ich will es einfach nicht.“
„.. wahrhaben …“
„Was meinst du damit?“
„Du willst nicht wahrhaben, dass du nach Lust riechst und deine Augen begierig über meinen Körper wandern, nicht wahr?“


Verlassen wir nun diese heftige Szene. Dort, wo wir sie gelesen haben, ist sie noch viel heftiger, absolut schamlos und mit intimen Schilderungen des Körpers der Verführerin wie auch der Verführten gespickt.

Die meisten Bi-Geschichten leben von unendlichem, aber unterdrücktem Verlangen und der Furcht, es auch tatsächlich an den Tag zu legen. Insofern kann die Heldin durchaus mehrere Stufen durchlaufen, von zärtlichen Näherungen, zufälligen Berührungen und zögerlichem Verhalten bis hin zur leidenschaftlichen Hingabe, in der nur noch die Sinneslust zählt.

In wessen Armen die Heldin am Ende landen wird – das legst nur du fest, die Autorin. Meist ist es nicht die Verführerin, sondern eine andere Frau – und dann und wann sicher auch - ein Mann.

(1) Der Dialog wurde von Isidora nach einem Beispiel der Literatur "verflacht". Der Original-Artikel erschien in "Sinnlich Schreiben vom Mai 2018, kurz bevor das Blog aufgegebnn wurde.

Erotische Dialoge schreiben - mit einfachen psychologischen Grundlagen

Erotische Dialoge schreiben - mit einfachen psychologischen Grundlagen


Willst du mit mir ... die Möglichkeiten der Dialoge im erotischen Roman


In diesem Artikel präsentiere ich Ihnen aus einem sehr großen Wissensgebiet einen recht kleinen Ausschnitt, und auch daraus nur einen winzigen Teil. Er ist alltagstauglich und Sie können ihn sich auf einfache Art merken. Das System dahinter nennt sich P-A-CH und der wissenschaftliche Name ist „Transaktionsanalyse“. Sie ist eine psychologische Richtung, die ihre Schlüsse aus den erkennbaren Transaktionen (Wechselbeziehungen) zwischen Menschen zieht. Nicht alles davon, gleichwohl aber ein großer Teil, findet innerhalb von Dialogen statt.

Bevor wir über die Dialoge in erotischen Kurzgeschichten, Novellen oder Romanen reden, müssen wir eines wissen: Wenn wir uns einem Menschen in amouröser Absicht nähern, wechseln wir die Sprachebene. Man kann dazu sagen: Wir beginnen, ein Spiel mit dem anderen zu spielen. Dieses Spiel nennt man im Deutschen Tändelei, vulgär „Anmache“ und mit einem neuen Wort auch „Flirt“.

Dazu gibt es viele Theorien, und ich konzentriere mich hier auf eine einzige, die Sie leicht in Erzählungen verarbeiten können.

Grundformen der möglichen psychologischen Interaktionen

Als Idealform des Dialogs gilt das Gespräch „auf Augenhöhe“, laut Eric Berne das Gespräch „unter Erwachsenen“. Es ist sachdienlich und informativ und bestärkt beide Partner darin, wertvolle Erwachsene zu sein.

Schwierig und unfruchtbar sind Gespräche zwischen „Dominanten und Dominanten“, laut Berne zwischen „Eltern und Eltern“. Da jeder gewinnen will, gewinnt am Ende niemand.

Wer kaum etwas beabsichtigt, sondern sich ohne besondere Verantwortung einem Spiel hingibt, und dazu einen ebensolchen Partner findet, führt einen Dialog via „Kindheits-Ich“.

Wahrscheinlich sind Sie längst dahintergekommen: Diese Dialoge funktionieren auch diagonal und gekreuzt.

Versuchen wir einmal, anhand von Beispielen und unter Verwendung des Modells einen Dialog der Lüste auf verschiedenen Ebenen in Gang zu bringen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich die Dialoge kurz und einseitige halten musste, sodass sie etwas hölzern wirken.

Einfache Beispiele erotischer Dialoge auf einer Ebene

Zwei Erwachsenen ICHs: (erw.)

Er: Ich würde gerne mit dir schlafen.
Sie: Ich bin nicht bereit dazu.

Zwei Eltern-ICHs (el)

Er: Es wird Zeit, dass du mit mir schläfst.
Sie: Was bildest du dir eigentlich ein, bin ich deine Hure?

Zwei Es-ICHs (es)

Er: Manchmal habe ich wahnsinnige Lust, mit dir zu schlafen.
Sie: Der Frühling verlockt schon dazu, nicht wahr?

Sie werden leicht erkennen, wie wenig lupenreine „Erwachsenengespräche“ dazu geeignet sind, erotisch zu motivieren. Allerdings entsehen viele sinnliche Gespräche aus solchen pseudo-sachlichen Dialogen, wie ich Ihnen später noch zeigen werde. Das Gespräch Nummer zwei hat Konfliktstoff, der nach Wandlung verlangt und das Gespräch Nummer drei ist eine heftige Tändelei.

Mit diagonalen Transaktionen spannende Sinnlichkeit erzeugen

Mit diesen Methoden lässt sich aber noch vielmehr erreichen, wenn wir uns diagonale Transaktionen ansehen:

(Bitte Hinweis (1) beachten)

Beispiel vier: Erwachsenen-ICH wird diagonal angesprochen.

Er: Ich würde gerne mit dir schlafen.
Sie (es): Endlich fragst du mich, du Schuft!
Sie (el): So fragt man vielleicht eine Hure, aber nicht mich!

Beispiel fünf: Eltern-Ich wird diagonal angesprochen

Er: Es wird Zeit, dass du mit mir schläfst.
Sie (es): Du sagst immer so blöde Sachen, wenn es richtig schön ist.
Sie (erw.): Heute habe ich meine Regel, da geht es gar nicht.

Beispiel sechs: Es-ICH wird diagonal angesprochen

Er: Manchmal habe ich wahnsinnige Lust, mit dir zu schlafen.
Sie (Erw.): Trifft sich gut – ich habe längst Lust dazu.
Sie (El): Ich glaube nicht, dass dies die richtige Art ist, mich zu fragen.

Was passiert in den erotischen Dialogen?

Ich habe Ihnen in den sechs Beispielen nur die einfachsten Formen vorgestellt. Eric Berne schildert noch gekreuzte Dialoge, die ungleich komplizierter sind.

Wie sie vermutlich erkannt haben, ist das schriftstellerische Interesse am „Umspielen“ im Dialog zunächst am größten, wie im Beispiel drei geschildert.

Wenn eine erotische Geschichte aber mehr sein soll als eine kontinuierlich geschilderte Romanze, dann müssen wir sie mit „diagonalen“ Transaktionen befeuern. Man kann dann sagen, dass wir „Spiele der Erwachsenen“ inszenieren, so, wie Eric Berne es auch in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Ich werde Ihnen auch noch mehr über die Spiele schreiben, die deshalb kompliziert sind, weil die Spielhandlungen oft nicht den emotionalen oder erotischen Bedürfnissen entsprechen.

Gemischte Gefühle im Dialog mit Glückswandel

Versuchen wir einmal, einen sehr kurzen Dialog zusammenzustellen:

Sie: „Bring mich nach Hause.“
Er: „Das willst du nicht wirklich.“
Sie: „Woher willst du das wissen?“
Er: „Weil du etwas anderes willst.“
Sie: „Und das wäre?“
Er: Vögeln. Du bist ja schon feucht.“
Sie: „Das wüsste ich ja wohl besser.“
Er: „Es reicht, wenn ich es weiß. Es stimmt, nicht wahr?“
Sie: „Könnte sein, das heißt aber nicht, dass ich vögeln will.“
Er: „Was heißt es dann?“
Sie: „Küss mich endlich, du Hund!“


Im Beispiel haben wir versucht, ein Streitgespräch in einen spielerischen Dialog zu wandeln, wobei gegen Ende überwiegend „diagonale“ Transaktionen verwendet werden. Natürlich reichen solche Dialoge nicht aus, um Ihre Geschichte aufzubauen, den es fehlen die Gedanken der Beteiligten.

Hier noch einmal ein Beispiel, das beweist, wie aus einem angeblichen „Sachgespräch“ der Wechsel ins persönliche generiert werden kann. Auch dieser Dialog sollte nicht für sich stehen, sondern mit den Gedanken der Protagonistin ausgefüllt werden.

Er: „Hast du es schon einmal getan?“
Sie: „Was getan?“
Er: „Einem Mann einen geblasen.“
Sie: „Nein.“
Er: „Was hat dich gehindert?“
Sie: „Ich ekele mich davor.“
Er: „Du würdest mir aber eine Freude machen, wenn du es tätest.“
Sie: „Hast du die ganze Zeit daran gedacht?“
Er: „Ich denke seit Wochen daran.“
Sie: „Und du meinst, ich würde es für dich tun?“
Er: „Du würdest mir ein Geschenk damit machen.“
Sie: „Und du wäscht dich vorher gründlich?“


Was können Sie nun für Ihre Arbeit mitnehmen?

Die beiden Dialoge, die hier aufgebaut wurden, kommen in der Literatur in ähnlicher Weise wirklich vor. In ihnen werden Strukturen verwendet, die Sie immer und überall variieren können – und nicht nur in der erotischen Literatur. Eine Weile laufen die Dialoge auf einer Ebene, die Sie aber nicht fortentwicklen können. Erst, wenn sie die Ebenen variieren, erreichen Sie den Wandel, der zu erotischen Handlungen führt.

Sollten Sie über SM-Aktivitäten (wie etwa in den „Shades of Grey“) schreiben wollen, bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als nach dem geschilderten Verfahren vorzugehen.

Hinweis (1): Die Abkürzungen bedeuten:
(es) - Kindes-ICH.
(el) - Eltern-ICH.
(erw) - Erwachsenen-ICH.

Dieser Artikel erschien erstmalig im November 2014 auf "Sinnlich Schreiben", einem Blog, der demnächst aufgelöst wird. Alle rel3vanten Beiträge dieser Art werden unter "Januar 2018" erneut veröffentlicht.
Dialoge: © 2014 by Ubomi Ulobi nach literarischen Vorlagen.
Grundlagen-Zusammenstellung der Theorie: Gebhard Roese,
Literatur (unter anderem): Birkenbihl, Vera F. „Kommunikationstraining“. Berne, Eric, „Die Spiele der Erwachsenen.“