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Menschen mit besonderen erotischen Interessen - und Du

Wenn du „ganz normal“ bist, und fest davon überzeugt, dass deine sexuelle Tendenz, Einstellung, Ausrichtung und Praxis richtig ist, dann ist alles OK mit dir.

Es ist dann allerdings nicht OK, Menschen mit anderen Tendenzen, Einstellungen, Ausrichtungen und Praktiken anzugreifen.

Diese Menschen können dir nichts Erotisches schenken, was du gebrauchen könntest – und sie wollen keine Geschenke von dir, weil du ihnen nichts geben kannst.

Sieh mal, was nichts für dich ist, ist nun mal nichts für dich. Überlass es anderen, die Freude daran haben.

Oh – ich weiß nur zu gut, dass du nicht akzeptieren kannst, dass andere anders sind, anders lieben und andere Gefühle genießen wollen. Aber nimm bitte hin, dass andere Menschen ganz anders sind als du. Und sie sind nicht dazu da, um dich zu ergänzen oder dich zu spiegeln.

Und wirklich, du musst nicht darüber nachdenken, was du an deren Stelle tun würdest, oder wie du sie von ihrem „Makel“ befreien kannst. Sie wissen, was gut für sie ist.

Wie normal ist eigentlich normal?

Sex in der Öffentlichkeit? Mehr als die Hälfte der Frauen und zwei Drittel der Männer träumen davon ...
Wer über Themen schreibt, die andere nicht einmal in den Mund nehmen würden, wie etwa Fellatio, der wird auch gelegentlich gefragt, was denn eigentlich „noch normal“ ist.

Na schön, ich könnte nun schreiben, was sich ein Drittel der Bevölkerung vorstellen könnte, das wäre sicherlich noch „normal“. Was zwei Drittel für denkbar halten, das wäre dann erst recht „normal“.

Doch was ist eigentlich wirklich „Normal“? Eigentlich ist mal wieder alles einfach: was den „gesellschaftlichen Normen“ entspricht, das ist „normal“. Das Problem dabei: Die „gesellschaftlichen Normen“ über Sexualität sind eine Konstruktion aus Meinungen und Urteilen, die vorgetragen und teilweise dokumentiert werden. Es gibt kaum einen Bezug zu Daten und Fakten, ja nicht einmal zur Natur, die in uns allen weiterhin wohnt, auch wenn wir noch so „zivilisiert“ daherstolzieren.

Drei Normen - und keine passt so recht

Die Psychologie unterscheidet manchmal zwischen drei Normen: der statistischen, der idealen und der funktionalen Norm. Doch alle drei Variationen wollen nicht so recht zur Sichtweise der Menschen im Alltag passen, deren „Normen“ fast immer von Facetten durchsetzt sind. Nehmen wir an, die verheiratete Frau Mustermann hätte während der gesamten Ehe zwei Affären gehabt, so mag sie der statistischen Norm entsprechen, der idealen aber keinesfalls, und funktionale mag sie sehr glücklich dabei gewesen sein. Ihr könntet nun durchaus die Anzahl der Affären zwischen null und zwei Dutzend variieren, und immer wird diese Frau wenigstens einer der drei Normen entsprechen.

Sind wir selbst "normal"?

Was für uns selbst normal ist, ist eine Frage, wie wir uns selbst sehen. Wissen wir es, so unterstellen wir oftmals, es müsse bei anderen genau so sein. Sehen wir dann, dass es nicht so ist, können wir an unserer eigenen Sexualität zweifeln oder an der Sexualität anderer. Wir können uns unter gleichgesinnten zusammenrotten und die jeweils anderen bekämpfen oder sie tun lassen, was sie mögen, damit wir tun können, was wir mögen.

Die Verifizierung der Normalität ist Unsinn

Der Wunsch, die eigene Normalität festzustellen und „offiziell“ verifizieren zu lassen, ist in weiten Kreisen der Bevölkerung verbreitet. Neuerdings wird erwartet, dass wir uns als „Heterosexuell“ definieren, auch dann, wenn wir den Begriff ablehnen.

Wenn wir Lust- oder Liebesbeziehungen suchen, bleibt uns kaum etwas anderes übrig, als uns zu öffnen. Der sogenannte „Hetero“ sucht eine heterosexuelle Beziehung, der/die Homosexuelle eine homosexuelle Beziehung und der/die „Andere“ vielleicht eine ganz andere Beziehung. Die Liste könnte erweitert werden: Der männliche sexuelle Masochist wünscht sich eine Beziehung zur sadistisch handelnden Frau, der Körperfetischist eine Frau, deren Körperteile er liebkosen darf. Und damit es nicht beim Mann als Begierdenträger bleibt, könnte ich hier Frauen erwähnen, die sich wünschen, in wundersamen Situationen zu versinken.

Wissenschaftler wissen nicht, was "normal" ist

Falls ihr wirklich die Wissenschaft fragen solltet, was „normal“ ist – die Wissenschaft ist ein schlechter Ratgeber. Sie hat kaum Kriterien und nutzt deshalb zahllose Mutmaßungen – beginnend bei dem forensischen Psychiater Richard Freiherr Krafft von Festenberg auf Frohnberg, der sich Krafft-Ebing (1) nannte. Er wollte erkannt haben, dass „gesund, wohlerzogene Weiber“ bestenfalls ein schwaches sexuelles Begehren hatten, woraus er den Schluss zog, dass betont sinnliche Frauen „unnormal“ seien.

Statistischen und andere Normen folgen?

Der Liebhaber der Statistik wird auch die dunkelsten Lüste noch im unteren Drittel der erotischen Träume finden, und er wird zufrieden sein, sich wenigstens dort wiederzufinden. Oder er wird feststellen, den zwei Dritteln der Menschen anzugehören, die zwar „unerhörte Lüste“ haben, die aber dennoch zum „Mainstream“ gehören.

Wer der idealen Norm folgt, hat die schlechtesten Karten: Er wird dauernd mit seinem Gewissen hadern, weil er eben nicht „ist, wie Jesus Christ, wie’s allgemein noch üblich ist“ (2). Menschen, die diesem Ideal folgen, scheitern oftmals oder sie verbergen sich hinter einem Doppelleben.

Und wer der funktionalen Norm folgt? Er kann glücklich werden, solange es „dem bösen Nachbarn“ nicht missfällt, muss aber damit rechnen, mit dieser Auffassung isoliert zu werden. Entsprechende Aussagen aus dem Berufsleben wären: „Ich arbeite am liebsten nachts“ oder „Sonntags zu arbeiten, macht mich Freude.“ Und im Bereich des sexuellen sind es all die Menschen, die sich sagen, dass sie tun und unterlassen können, was sie wollen, solange es niemandem schadet.

Was ist nun die Norm? Was die Normalität?

Blaise Pascal, der berühmte Physiker des 17. Jahrhunderts, soll einmal gesagt haben:

Die Menschen sind so notwendig verrückt, dass Nicht-Verrückt-Sein nur hieße, verrückt sein nach einer andern Art von Verrücktheit.

Hüten wir uns also vor jenen, die „Normalität“ predigen. Es könnte sein, dass sie einer besonderen Art von Irrsinn verfallen sind.


(1) In "Psychopathia Sexualis"
(2) Meiner Meinung nach Zitat von Hans-Dieter-Hüsch

Warum wir von „normalem“ Sex reden müssen

Was ist für dich normal?
Vielleicht gestattet ihr mir einen Satz vorab: So etwas wie „normal“ existiert bei Menschen nicht, und schon gar nicht in der Gefühlswelt, die sie beim Sex erleben.

Erinnern wir uns bitte daran, was Richard von Weizsäcker einmal sagte:

Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein.


Nachdem dies gesagt ist, müssen wir uns vermutlich eingestehen, dass wir trotzdem gerne wissen möchten, was „normal“ ist. Und weil das offenbar der Fall ist, steht eine ganze Armada von Erklärbärinnen und Erklärbären bereit, es uns zu sagen: Autoren, Soziologen, Psychologen, Sexologen, Gender-Foscher, „Volkes Stimme“, Priester und Rechtskonservative (um nur einige zu nennen).

Das "Normale" aus rechtskonservativer udn klerikaler Sicht

Für die Konservativen ist klar: Sex dient der Fortpflanzung, und deswegen ist Sex immer „normal“ wenn die Aktion der beteiligten dazu führen könnte. Die Ultrakonservativen und Sektierer legen noch eine Schippe nach: „und wenn dies innerhalb einer Ehe geschieht.“ Kurz und gut: PiV in der Ehe zum Zweck der Fortpflanzung ist OK, Sex aus Vergnügen möglicherweise auch, solange er in der Ehe vollzogen wird.

Die Übrigen sehen das ein wenig anders. Für sie ist Sex eine Art lustvolles Bindemittel für feste Paare und ein frivoles Vergnügen für Gelegenheitspaare.

Ist Sex als Belohnung wirklich ungewöhnlich?

Kritisch wird es, wenn wir von Sex als „Belohnung“ oder „Gunst“ sprechen, obgleich diese Variante seit Jahrhunderten auf jeder beliebigen sozialen Ebene vorkommt. Die meisten selbst deklarierten „Normalen“ sind auf höchste ethische Grundsätze erpicht, und da passt die Belohnung mit Sex nicht so recht hinein.

Ist normaler Sex wirklich "normal"?

Ob PiV wirklich „normal“ ist? Es ist wahrscheinlich die erste Art von Sex, die wir kennenlernen. Der junge Mann sucht verzweifelt nach einer „warmen Höhle für seinen Penis“, die junge Frau drängt es, sich „ganz als Frau“ zu bestätigen. Beide folgen Mutter Natur – wem sonst?

Ist es normal, Mutter Natur zu folgen? Zumeist schon. Nur die Menschen und bestimmte Menschenaffen haben dabei die allzeit verfügbare Lust zum Selbst-und Sozialzweck gemacht. Das war – insgesamt gesehen – eine kluge Entscheidung. Denn weil die Lust allzeit verfügbar ist und ihr Gebrauch niemandem schadet (jedenfalls beim Safe Sex und Übereinstimmung) ist sie zu einer lustvollen, begehrten Gabe geworden.

Nun sollten wir von PiV reden – Sex wie Eva und Adam

Übersicht erotische Frauenfantasien (Details später)
Die erste Erfahrung mag „Penis in Vagina“ aus Lust oder Neugierde sein. Und klar ist das verwirrend und erregend, wenn’s das erste Mal passiert. Oder das zwei dutzendste Mal. Aber es ist nicht die vollständige Erfüllung und auch nicht die raffinierteste Lust, die wir schenken oder empfangen können. Männer streben danach, die Lust zu intensivieren oder zu verlängern. Frauen wollen echte und lustvolle, ekstatische Orgasmen erleben. Inzwischen wissen wir von Frauen: Um einen wirklich schönen, lang anhaltenden oder mehrfachen Orgasmus zu releben, muss die Klitoris über lange Zeit intensiv gereizt werden. Die Theorie dazu ist zwar noch etwas anders – aber die direkte Klitorisreizung begünstigt ohne Zweifel die intensivsten Orgasmen. Und Männer? Auch bei ihnen besteht kein Zweifel, dass sie die intensivsten Ejakulationen und Orgasmen bekommen, wenn ihr Penis sensibel gereizt wird. Beim PiV ist dies in der Regel nicht der Fall.

Soweit das „ganz Normale“ bei „ganz Normalen“ Frauen und Männern. Die meisten wünschen sich „ganz normale, romantische Lüste“ mit „ganz normalem Oral- oder Handverkehr“ als Sahnehäubchen.

Forschung bestätigt: Auch oral ist absolut normal - zumindest als Wunsch

Übrigens stammen die zuletzt genannte Erkenntnisse aus Forschungsergebnissen. Demnach erträumen sich mehr als drei Viertel aller Frauen und Männer zusätzlichen Oralverkehr, gemischt aktiv und passiv – und bei Frauen gehört der Wunsch nach aktiver wie auch passiver Masturbation mit dem Partner zu den häufigsten erotischen Fantasien.

Und soviel sollte auch klar sein: Beim Thema „Normaler Sex“ haben wir gerade nur mal die Spitze des Eisbergs gezeigt.

(P.i.V) = Penis in Vagina.

Wollt ihr wissen, warum es so schwer ist, über "normalen Sex" in Romanen zu schreiben? Oder habt ihr etwas dazu zu sagen? Dann Schreibt uns oder kommentiert hier.
Bild oben: Historisches Foto, nachkoloriert.
Bild unten: Grafik erstellt von Liebesverlag.de