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Wie Pegging von einer Strafe zu einer Herausforderung wurde

Zitat aus "Weiberherrschaft", Anonym, Ende 19. Jahrhundert
Selbst in den der pornografischen Literatur schwanken die Autoren (und erst recht die Autorinnen), ob eine am Mann vollzogene, instrumentelle Penetration als Strafe oder als Vergnügen zu werten ist. Der Mann auf der Straße steht dem Thema meist gleichgültig gegenüber, oder er ist voreingenommen, und möglicherweise gar empört.

Pegging - absolut inakzeptabel oder doch lustvoll?

Die Vorlauten wollen wissen, dass „so etwas“ nur schwule Männer tun, die „starken Kerle“ behaupten, es sei etwas für Schwächlinge, Weicheier oder gar „Sissys“. Und einige erröten leicht, weil sie entsprechende Erfahrungen haben. Den meisten von ihnen ist es peinlich, darüber zu reden – „passiv anal“, gleich wie die Praxis erfahren wurde, ist und bleibt ein Tabuthema.

Frauen führen "das Zepter" beim Pegging

Kaum jemand kann sich vorstellen, dass Frauen dergleichen gerne und vehement vollziehen. Doch der Mann, der Pegging erleidet oder genießt, geht selbstverständlich davon aus, dass es ihm eine Frau „besorgt“.

Doch genau so ist es – in allen Variationen der analen Stimulation und der besonderen Situation des „Pegging“, sind es Frauen, die das Zepter führen – oder besser gesagt: einen Dildo oder Vibrator, oftmals eine besondere Version, deren Spitze etwas gekrümmt ist. Je mehr Vibration zum Einsatz kommt oder je mehr der Dildo an die männliche Anatomie angepasst wurde, umsomehr dürfen wir auf „Lust“ tippen. Die monströsen, schlecht geführten oder trocken eingeführten Exemplare deuten hingegen auf Strafe, Folter oder sinnlose Herausforderungen des Körpers und der Psyche hin.

Literatur: von der Strafe zum Genuss

Dass es sich im Ursprung um eine Strafe, eine Revanche oder eine Demütigung handelte, steht außer Zweifel. Die Begriffe, die dabei verwendet werden, können wir hier großenteils nicht wiederholen, aber „Bitch“, also „Schlampe“ ist einer von den Harmlostesten für den penetrieren Mann.

Einem anonymen Autor des 19. Jahrhunderts folgend, wird die Strafe als eine Art „Revanche“ dafür angesehen, eine Dame vaginal penetriert zu haben. „Der Pfropfen schmerzte nicht gerade, aber er war fürchterlich unbequem“ heißt es – doch die Schmach, ihn überhaupt von Damen verabreicht zu bekommen, wiegt wesentlich schwerer. Vor allem wenn, wie in dem zitierten Buch, auch noch eine Zuschauerin dazu eingeladen wird. Indessen scheint sich der junge Mann später zu besinnen: Das „Röhrchen, das ihm eingeführt wurde, „brannte, aber es war nicht unangenehm.“

Wesentlich unangenehmer war da die nicht-instrumentelle Penetration einer „Lady Digwell“ in „The Petticoat Dominant“. Sie nahm einfach ihre Finger, was sie zuvor bereits als „unehrenhaft“ für den Mann angekündigt hatte, und ihr Opfer (Zitat)

Stöhnte und weinte, während sie mich gewaltsam niederdrückte und am Ende – oh Schrecken aller Schrecken – ihren Finger tief in mich hineinpresste.


Durchbruch der Lust erst im 21. Jahrhundert

Während des 20. Jahrhunderts gab es einen kurzen Boom ähnlicher Geschichten um Flagellation und anale Strafen, aber erst im 21. Jahrhundert kamen einige Dutzend E-Books sowie noch mehr Artikel auf, in denen die anale Penetration als Lust aufgewertet wurde. Und zwar sowohl bei knackigen Hetero-Kerlen wie auch bei lustvoll weiblich gestylten „Sissys“. Dabei geht es immer wieder um den Zwiespalt zwischen Erniedrigung und Lustgewinn, der auch bleibt, wenn Pegging nicht als „reine Herausforderung“ verstanden wird.

Kaum Gefühlsschilderungen, aber viele starke Gefühle

Die Wonnen der analen Penetration wurden allerdings kaum beschrieben. Und es ist wirklich eine Tatsache, dass viele Männer emotionale und physische Probleme damit haben, sich anal verwöhnen zu lassen. Wobei wir hier definitiv nur von der Penetration mit einem Gegenstand sprechen, und auch nur dann, wenn dieser von einer Frau geführt wird. Solltest du meinen, dass dies schon alles ist – nein, ist es nicht, denn es gibt da noch da noch andere Ängste, Schmerzen sowie Lüste und Wonnen, von denen wir besser nicht schreiben.

Was Männer über Pegging sagen und schreiben

Hübsch fanden wir die Meinung eines etwas älteren Mannes, man müsse darauf achten, dass die „Eintrittsöffnung“ nicht einfach „ein Loch“ sei, sondern dass dahinter ein menschliches Wesen voller Angst und Lust stecke. Bei der Penetration, das wissen dann eher erfahrene Männer, käme es sehr auf den Winkel an, in dem der Dildo eingeführt wird. Letzteres ist unzweifelhaft richtig, denn nur beim sinnlichen Kontakt mit der Prostata wird der volle Effekt der Lust erreicht. Schließlich steht unter den „Top Tipps“ stets noch, dass du gar nicht „zu viel“ Gleitmittel nehmen kannst.

Häufig wird gesagt, dass der Mann unbedingt entspannt sein muss – alles andere sei ein Krampf, und seltener wird darüber informiert, dass die meisten Dildos für Anfänger (natürlich auch Anfängerinnen) zu dick sind.

Zum Vergleich: Ein Damen-Zeigefinger misst ungefähr 15 mm im Durchmesser, und die kleinsten Dildos haben etwa 20 mm Durchmesser. Das reicht völlig aus, um den gewünschten Effekt der Lust zu erzielen.

Pegging - immer noch eine Herausforderung

Eine Herausforderung – das wissen wir aus glaubwürdigen Schilderungen – ist Pegging für einen „gestandenen“ Hetero-Mann immer noch. Doch die Abenteuerlust und das erstaunliche Gefühl, das sich beim Mann (und nur bei ihm) dabei einstellt, treibt eben doch viele Männer an, sich dem enormen Lustgefühl hinzugeben, das sich nur schwer beschreiben lässt.

(wird fortgesetzt, wenn ihr wollt) mehr Informationen (auf Englisch) über alle Arten von Analstimulation. Deutsch recht gut bei Netdoktor.

Hinweis: Wenn ihr über mehr Informationen aus der Literatur zwischen 1900 und 1999 verfügt, die nicht auf den Nachahmern und Plagiaten von "Gynecocracy" ("Weiberherrschaft") beruhen, dann schreibt mir bitte:

Pegging – der Begriff

Der Begriff „Peg“ hat im Englischen viele Bedeutungen. Außer der Wäscheklammer bezeichnet das Wort auch alle Arten von Pfählen, Stangen, Zapfen und Pflöcke. „Off-the-peg“ ist zum Beispiel Konfektionsware, also Kleidung von der Stange.

Pegging – ein neues Wort für eine alte Sexualpraktik

„Pegging“ folgt dem Begriff und bezeichnet zunächst ein Wort für „Pfählen“ oder „Pflocken“. Im weiteren ist es dann ein Begriff für eine bestimmte Art von instrumentellem Sexualverkehr. Er geht auf den amerikanischen Journalisten Dan Savage (2001) zurück.

Eine ungewöhnliche Methode, Männer sexuell zu reizen

Schon 1909 in Deutschland erschienen
Das Wort wurde ursprünglich dafür benutzt, um den mit einem Instrument vollzogenen Analverkehr zwischen einer aktiven Frau und einem passiven Mann zu beschreiben. Bereits der Marquis de Sade soll 1795 dergleichen beschrieben haben. Am populärsten innerhalb der erotischen Literatur dürfte hingegen die Beschreibung in der 1893 veröffentlichten Trilogie „Gynecocracy“ (Gynäkokratie) sein. Dort vollziehen unterschiedliche Frauen (teils als Mann vermummt) den instrumentellen Analverkehr mit einem jungen Mann, der seinerseits in Frauenkleider gesteckt wurde.

Als der Begriff „Pegging“ erschaffen wurde, gingen andere Begriffe für dasselbe Phänomen unter, wie beispielsweise „Strap-on-Sex“, „BoB“ (englisch) oder „Rollentausch“, „den Spieß umdrehen“ oder „Revanche“. Gelegentlich wird auch die englische Umschreibung verwendet „Was gut für die Gans ist, ist auch gut für den Ganter.“

Kaum sinnliche Beschreibungen, aber viel Pornografie

Was er für die Sexualität oder überhaupt für den Mann bedeutet, der Pegging erleidet, erduldet oder genießt, sollte getrennt behandelt werden. Allerdings scheitert dergleichen oft daran, dass Männer, die Pegging erlebt haben, ungerne darüber schreiben, gleich, ob sie die Praktik genossen oder verfluchten. Was die Frauen betrifft, die sich aktiv damit beschäftigen, so scheint es so zu sein, dass die größere Anzahl dabei wenig fühlt, und schon gar keine körperliche Erregung. In der einschlägigen Pornografie kommen gar keine Gefühlsregungen vor, dort wir nur optisch veranschaulicht, was möglich ist.

Wer etwas anderes liest, sollte die Quellen genau überprüfen, dann oftmals stehen Hersteller von „Toys“ dahinter, die angeblich sowohl den aktiven wie den passiven Teilnehmer sexuell reizen sollen.

Lest auch den Folgeartikel, in dem beschrieben wird, wie sich das "Strafpotenzial" in ein "Lustpotenzial" wandelte.