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Die nackte Wahrheit über die sinnliche Partnersuche

Liebe - ohne Sinnlichkeit und Lust undenkbar
Bei allem, was du heute über Partnersuche oder Dating liest, wird etwas ausgeschlossen: der Trieb, der alldem zugrunde liegt. Besonders einschlägige Online-Partnervermittler versuchen, die Lust als Urtrieb der Partnersuche zu ignorieren.

Dabei verkenne ich keinesfalls, dass Partnersuche auch soziale und wirtschaftliche Aspekte hat. Es ist einfach ökonomisch sinnvoll, Paare zu bilden, und die Gemeinschaft wird durch sie deutlich stabilisiert.

Warum suchen wir Partner?

Listen wir mal auf, warum Menschen „Partner“ suchen (1):

- Lust und Sex – das ist der Urtrieb.
- Familie. Das ist eine Folge des Urtriebs.
- Sicherheit – das ist ein Grundbedürfnis.
- Versorgt sein – das ist ein sozialer Ausgleich.


Erst dann kommen all diese hübschen Sachen, die wir uns gerne ans Revers oder ins Haar stecken: unsere wundervollen Persönlichkeitsmerkmale oder die „gemeinsamen Interessen“. Die Begriffe wirken sehr gelehrt und teils auch hinreichend romantisch. Ich kann mich erinnern, dass ein Ehepaar, das sich beim Kanufahren kennengelernt hatte und nun im Greisenalter immer noch Kanu fährt, als leuchtendes Beispiel hochgehalten wurde. Das ist eine hübsche Geschichte, aber kein Beleg dafür, dass gemeinsame Hobbys eine lange, glückliche Ehe garantieren.

Luxusbedüfnisse sind keine Grundlagen für die Partnersuche

Die größten Irrtümer, wenn nicht gar Lügen, die Sie über die Partnersuche lesen können, liegen darin, die Oberschichten der Bedürfnisse höher zu bewerten als die Grundlagen. Nach der Maslowschen Theorie sind die Bedürfnisse, die ganz oben in der Bedürfnispyramide stehen, im Grunde „Luxusbedürfnisse“, die auch als unstillbare Bedürfnisse bezeichnet werden. Dazu gehören vor allem zwei Bereiche: erstens die Geltung als Person in Form von Anerkennung, Ansehen, Einfluss und Macht. Und zweitens die Entwicklung einer eigenständigen, unverwechselbaren Persönlichkeit.

Glaubt ihr wirklich, dass auf dieser Ebene Liebesbeziehungen, Affären, romantische Partnerschaften und Ehen entstehen? Ja, glaubt dies in Wahrheit irgendjemand?

Gedankenwolken aus Freud, Jung und Psycho-Fantasien statt solider Grundlagen?

Ich zweifle daran. Biologen, Gehirnforscher, Mathematiker, Logiker oder Ökonomen jedenfalls glauben es überwiegend nicht. Manche Psychologen glauben es, aber längst nicht alle. Es gibt ganze Gedankenwolken, in denen Sigmund Freud, Carl Gustav Jung und einige neuere Psychologen und Psychiater eingebunden werden – aber es gibt nicht den geringsten Beweis für die „Paarung per Persönlichkeitsmerkmalen“, also auf der höchsten Bedürfnisebene. Wir finden vielmehr heute viele Singles, die einander mit „unstillbaren Bedürfnissen“ höherer Art einzukassieren versuchen und dabei schrecklich scheitern. Und ich will in diesem Artikel nur am Rande erwähnen, dass alle „Ansprüche“ zu den „unstillbaren Bedürfnissen“ gehören.


Lasst mich einen kleinen Einschub wagen:

Kaum eine Frau hatte im 20. Jahrhundert irgendwelche Skrupel, „sozial aufzusteigen“. Dieses „sozial Aufsteigen“ führte zu sozialer Anerkennung und deckte damit elementare Bedürfnisse. Seit Frauen diesen sozialen Aufstieg aus eigener Kraft (Studium) schaffen, fürchten sie den Abstieg, wenn sie keinen Akademiker heiraten. Vorgeschoben wird aber stets, dass ein Nicht-Akademiker die unstillbaren Bedürfnisse (Gedankenaustausch) nicht bewältigen könne.

Das Beispiel mag nicht ganz korrekt sein – es zeigt aber, dass wir uns darüber täuschen können, auf welcher Bedürfnisebene wir uns „verpaaren“.


An der Wurzel blüht die Lust, dann kommt die Liebe

Gut – gehen wir die Sache also von der Wurzel an. Sieht man die Bedürfnishierarchie als Stufenmodell, so verlieben wir uns auf der dritten Stufe, auf der wir unsere sozialen Bedürfnisse und deren Befriedigung in den Griff bekommen. Ohne Begierde geht es nicht – und die finden wir schon auf der ersten Stufe, in der wir unsere körperlichen Bedürfnisse klären. Das heißt: Alles, was nach der Klärung der sozialen und ökonomischen Bedürfnisse noch folgt, ist mehr oder weniger Luxus.

Und nun nochmals die Frage:

Glaubt wirklich jemand, die Lust, die Liebe, die Leidenschaft, die romantische Partnerschaft oder die Ehe würde aufgrund irgendwelcher „Persönlichkeitsmerkmale“ entstehen?


Ich sage dazu: Auf keinen Fall stehen die Persönlichkeitsmerkmale im Vordergrund. Ihre angebliche Bedeutung resultiert aus einer „Überpsychologisierung“ der Welt, die elementare Wahrheiten ignoriert.

(1) Ich verkenne nicht, dass Glück eine Triebfeder ist. Aber "Glück" ist so abstrakt, dass ich es nicht in die Liste aufnehmen wollte.

Ziemlich revolutionär: Sexualität und Erotik im 21. Jahrhundert

Sex gibt es immer - aber die Bedingungen ändern sich
Unser Team hat eine neue Idee für Autorinnen und Autoren: die sinnlichen, erotischen und sexuellen Themen des 21. Jahrhunderts.

Nun könntet ihr fragen: „Ja, gibt es denn etwas Neues in der Liebe?“ Oder ihr könntet vielleicht behaupten „Sex ist doch immer dasselbe“, oder vielleicht auch; „Erotik ist doch so etwas von ausgelutscht“.

Das mag alles stimmen – aber die Gesellschaft hat sich entwickelt. Frauen treten wesentlich offensiver auf, während Männer mehr und mehr nachdenklich werden, was mit ihnen und ihrer Rolle geschehen könnte.

Sexuelle Experimentierlust, neue Phänomene und ratlose Psychologen

Parallel dazu wird die Lust am sexuellen Experimentieren immer größer. Das Manifest der Heterosexualität wackelt sein Langem, aber auch die „Konkurrenz“, die LGBT-Kreise, können sich nicht mehr sicher sein, dass sie die „Allein selig Machende“ Idee für alle sexuellen Identitäten haben. Es gibt immer mehr Menschen, namentlich intellektuelle Frauen, die sich zur fließenden Sexualität bekennen. Zudem ist bemerkenswert, dass die Psychologie, die sonst immer gleich den Arm hebt, wenn es um die Erläuterung des menschlichen Verhaltens geht, dazu schweigt. Nach deren Auffassung hat der Mensch ja ein ICH, aber niemals ein „ANDERE“, obgleich das „Alter Ego“ schon die Griechen kannten. Darüber wäre noch zu sprechen, denn kein Kybernetiker würde unterschreiben, dass die körpereigene CPU nur eine Persönlichkeit managen kann. Das Thema kann hier nicht erschöpfend behandelt werden - lasst mich dies an anderem Orte tun.

Auch das Kommunikationszeitalter ist noch längst nicht in der Literatur angekommen. Sich digital zu verlieben oder Illusionen über eine Liebe im Internet zu machen, sind Fakten – in der Literatur finden wir sie kaum.

Ja – und was machen wir daraus? Wir nennen Themen, mit denen sich die Literatur endlich auseinandersetzen sollte – die sinnliche Literatur, die erotische Literatur und die Literatur schlechthin. Der erste Teil beschäftigt sich mit Lust und Digitalisierung in der erotischen Literatur.

Ich bin gespannt auf die Reaktionen, wie immer sie ausfallen mögen.