Sex

Sex (der Sex)im neuen Lexikon der Sinnlichkeit

Das Wort „Sex“ ist erst ziemlich spät in die deutsche Sprache eingedrungen. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts fehlte es in so gut wie allen Lexika, und in den 1950er Jahren wusste weder „Fischers Lexikon der Soziologie“ noch das Äquivalent für Psychologie etwas mit dem Wort anzufangen.

Alle Begriffe, die wir heute unter dem Namen Sex kennen, sind neuen Datums. Wenn die Geschlechtslust zuvor überhaupt erwähnt wurde, dann wurde sie in eine „verharmlosende“ Sprache übertragen. Der Geschlechtsverkehr selbst und alles, was damit zusammen hängt, wurde entweder mit lateinischen Begriffen belegt oder mit kuriosen Wortgebilden versehen, die in der realen Welt niemand benutzte.

Der Wandel der Sichtweise am Beispiel

Der Begriff „Geschlechtsakt“ wurde zu „Akt“ verkürzt, um das Wort „Geschlecht“ zu vermeiden. So wurde aus dem Geschlechtsverkehr verkürzt „der Verkehr“. Im Juristendeutsch sprach man von „Beischlaf“ oder „Beiwohnung“, und ein gewöhnliches, gebildetes Paar jener Zeit sagte, sie „gingen miteinander ins Bett“. Heute sagen junge Menschen nahezu ausschließlich sie hätten „Sex miteinander“.

Wie kam es zu dem Wandel beim Wort „Sex“?

Wenn wir wissen wollen, was Sex heute bedeutet, müssen wir einen Blick nach England werfen, denn von dort kommen die neuen Begriffe zum großen Teil.

Gelesen habe ich dazu „Longmans Dictionary“ (1) von 1978 (meine Ausgabe: 1995). Demnach ist Sex:

Die Aktivität, in der ein männliches und ein weibliches Wesen ihre Sexualorgane vereinigen, um Nachkommen zu erzeugen oder um Freude daran zu empfinden.

Longman Dictionary of Contemporaray English

Der nächste Eintrag im gleichen Wörterbuch beschäftigt sich bereits mit „Sex haben“:

Wenn zwei Menschen „Sex haben“, dann sind sie an einer Aktivität beteiligt, die den Kontakt zwischen ihren Genitalien beinhaltet.

Longman, ebenda

Das Wort hielt erst spät Einzug in die deutsche Umgangssprache.

Zuvor (und in anderen Lexika (2) galt „Sex“ nur oder jedenfalls hauptsächlich als Bezeichnung für das männliche oder weibliche Geschlecht.

Das Wort Sex kommt nach Deutschland

Das Wort „Sex“ kam aus englischsprachigen Quellen erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Deutschland, und zwar zunächst höchst zögerlich – in Lexika drang der Begriff erst gegen 1975 vor.

Der heutige Duden (2020) (3) stellt lapidar fest:

(Sex bedeutet) Geschlechtsverkehr, sexuelle Betätigung.

Duden, Online-Ausgabe

Die neue Offenheit – die alten Schwierigkeiten

Diese Veränderungen, gefolgt von der Offenheit, mit der heute über Sex gesprochen wird, führte zu zahllosen neuen Begriffen, die sich keinesfalls schon „überall herumgesprochen“ haben. Das liegt einerseits daran, dass sie abermals aus der englischen Sprache kommen, andererseits aber auch daran, dass sich neue Begriffe aus dem Wissenschaftsjargon etabliert haben. Zudem sorgen interessierte Gruppen immer wieder dafür, dass ungewöhnliche Begriffe in die Öffentlichkeit getragen werden.

Das führt zu einem Problem beim Lesen solcher Texte. Denn während einerseits die bisher gebräuchlichen lateinischen, französischen oder bildungssprachlichen Wörter an Bedeutung verlieren, kommen andere, ebenfalls verwirrende Wortgebilde und Jargonausdrücke hinzu. Als sicher gilt allerdings, dass die „Verschleierungen“ und Codewörter für sexuelle Wünsche nach und nach verschwinden werden.

Unsere Botschaft

Dieses Lexikon versucht, alte und neu Begriffe so darzustellen, dass ein Mensch aus dem 21. Jahrhundert die Ausdrücke des 19. Jahrhunderts verstehen kann – das mag jedem helfen, der sich mit der deutschen Literatur oder der Umgangssprache beschäftigt.

Quellen:

  • (1) Longman (2020 online etwas verändert): Sex
  • (2) Gewöhnliches Lexikon (englisch, Sex – beachte 2 b)
  • (3) Duden online, letzte Print-Ausgabe (Sex)